Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten) (283 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.02.2026 um 22:42 Uhr (Zitieren)
(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 180)
Gut. Aber Gerste für einen Jungen, Emmer für ein Mädchen - das ja wohl nicht.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
βροχή schrieb am 24.02.2026 um 02:32 Uhr (Zitieren)
Mich erstaunt, dass eine zarte Pflanze überhaupt die tgl. Verabreichung einer chemisch so aggressiven Substanz wie Urin überlebt.
Das überleben nicht mal Strassenbäume. https://umwelt-fragen.de/baumschaeden-durch-hundeurin-in-grossstaedten/
(die dort vorgeschlahene Gegenmassnahme, mehr Gruenflaechen zu schaffen, ist der reinste Hohn, wg. Wohnraummangel, dh. wg. rasant steigender Bevoelkerung, werden gerade letzte Gruenflaechen, sogar Parks bebaut)
Menschl. Exkremente sind besonders aggressiv. In China werden die seit altersher mit Wasser verduennt, bevor sie als Duenger auf die Felder gebracht werden.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Und doch ist Harnstoff (Urea) in fast allen Salben zur Hautpflege enthalten.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
βροχή schrieb am 24.02.2026 um 09:54 Uhr (Zitieren)
Stimmt. Für Pflanzen ist es auch nützlich, in sehr geringer Konzentration halt. Nur Brennesseln lieben es unverdünnt. Wo viele Brennnesseln stehen, ist meist ein wilder Pinkelplatz.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 24.02.2026 um 12:17 Uhr (Zitieren)
Das ist doch ganz in Eurem Sinne: Urin verhindert Wachstum.
Was ich erstaunlich finde, ist der Umstand, daß das für den Urin einer Schwangeren nicht gilt.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Patroklos schrieb am 24.02.2026 um 12:32 Uhr (Zitieren)
Emmer von αμυλον, ungemahlen. Merkwürdig.
Bei der Gerste ist κριΘή wohl sprachverwandt.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
βροχή schrieb am 24.02.2026 um 16:14 Uhr (Zitieren)
Es wird nicht gesagt, dass dieser Teil des narrativs bestätigt wurde.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 24.02.2026 um 16:59 Uhr (Zitieren)
Doch!
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 24.02.2026 um 17:10 Uhr (Zitieren)
Dieser Zusatz wäre sinnlos, wenn jeder Urin es täte.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 24.02.2026 um 23:45 Uhr (Zitieren)
Den medizinischen Aspekt, was sich am Urin einer Schwangeren verändert, bekommen wir hier wohl nicht geklärt.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
βροχή schrieb am 25.02.2026 um 06:32 Uhr (Zitieren)
... der urin enthaelt Hormone, diese werden für heutige Schwangerschaftstests aus der Apotheke
genutzt.
Wobei natürlich der Gang zur Gynaekologin mit Ultraschalltest zuverlaessiger und einfacher ist, als das Gebastel mit den Apothekenprodukten.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Persephone schrieb am 26.02.2026 um 15:05 Uhr (Zitieren)
Es ist vor allem ein Peptidhormon (hCG), das heute durch Schwangerschaftstests nachgewiesen wird, die biochemische Früherkennung ist unter zeitlichem Gesichtspunkt der sonographisch-morphologischen durchaus überlegen.
Der Bluttest (Serum-hCG) ist biochemisch das frühestmögliche Verfahren, um eine Schwangerschaft nachzuweisen. Die eigentliche Schwäche solcher Tests ist nicht ihre Zuverlässigkeit des hormonellen Nachweises, sondern dass sie nichts über die Fortbestandswahrscheinlichkeit aussagen. Das heißt, der Test ist zwar zuverlässig im Nachweis des Hormons, aber er hat keine prognostische Kraft für den weiteren Verlauf. Die Rate an biochemischen Schwangerschaften, die vor der klinischen Erkennbarkeit enden, ist hoch.
Nach der wissenschaftlichen Forschung steckt hinter dem ägyptischen Test allerdings ein anderes Hormon.
Die keimhemmende Wirkung hängt nach der Vermutung von der Konzentration des Östrogens ab, die erst nach der Einnistung der Eizelle ansteigt. Der altägyptische Test war also kein Früherkennungstest im modernen Sinne, weil er erst ab dem Zeitpunkt der Befruchtung + Dauer der Einnistung + Erreichen einer signifikanten Hormonkonzentration sinnvoll ist und selbst nicht nur ein paar Minuten in Anspruch nimmt, sondern einige Tage für die Keimung oder ihr Ausbleiben hinzugerechnet werden müssen.
Da können vom Ausbleiben der Menstruation abgesehen andere für eine Schwangerschaft typische Symptome (Spannungsgefühl in den Brüsten, ziehende Schmerzen im Unterleib, Nidationsblutung, Pollakisurie …) bereits auftreten. Trotzdem erstaunlich und wohl vor auch für andere erkennbaren Anzeichen.
Das führt zur Frage der sozialen Einbettung dieses Verfahrens: Wer führte den Test wo durch und wie wirkte sich das Ergebnis auf den sozialen Status der Frau aus? Ich nehme nicht an, dass, obwohl die Zutaten leicht verfügbar waren, der Test so privat war wie heute der aus der Apotheke oder dem Drogeriemarkt, also ein zunächst nur der Betroffenen zugängliches Wissen ermöglichte mit Folgen für ihre weiteren Entscheidungen. Wie wurden Fehler gedeutet? Welches Motiv steht z.B. hinter der Geschlechterbestimmung?
Versuche, deren Zuverlässigkeit nachzuweisen, scheint widersprüchliche Ergebnisse hervorgebracht zu haben, die Zuordnung könnte bloß auf einer religösen Symbolik der Getreidesorten beruhen:
(Marshall, A.: Motherhood and Early Childhood in Ancient Egypt: Culture, Religion, and Medicine. Ägypten: American University in Cairo Press)
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 26.02.2026 um 15:23 Uhr (Zitieren)
Danke für diese Information!
Wer diese Tests warum durchgeführt hat, bleibt wohl im Dunkeln. Daß sie einer selbstbestimmten Entscheidung der Frau über eine Abtreibung dienten, darf man bezweifeln.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Persephone schrieb am 26.02.2026 um 16:46 Uhr (Zitieren)
Abtreibung war allerdings nicht verpönt und es sind auch Rezepte dafür auf medizinischen Papyri (z.B. Ebers) überliefert, das Wissen scheint also existiert zu haben.
Re: Der älteste Schwangerschaftstest (aus Ägypten)
Γραικύλος schrieb am 26.02.2026 um 22:34 Uhr (Zitieren)
Das Wissen gab es - andernfalls hätte der hippokratische Eid dem Arzt diese Praxis nicht zu verbieten brauchen.