α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Magie im alten Ägypten (124 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.02.2026 um 23:00 Uhr (Zitieren)
Magie
Die Ägypter benutzten den Begriff heka für „Zauberkraft“ im Sinne einer göttlichen Kraft (zuweilen als der Gott Heka personifiziert), die von Gottheiten und Menschen gleichermaßen angerufen werden konnte, um Probleme oder Krisen zu meistern. Heute wird meist ein deutlicher Unterschied gemacht zwischen Gebeten, MEDIZIN und „M.“; im alten Ägypten (wie in vielen anderen Kulturen) aber betrachtete man diese drei Kategorien als etwas, das sich teilweise überschnitt und ergänzte. So konnte zur Lösung eines einzigen Problems, sei es Krankheit oder ein verhaßter Rivale, eine Kombination von magischen Ritualen oder Behandlungsmethoden (schesau), Arzneien (pecheret) und religiösen Texten (r³w) eingesetzt werden.

Eine etwas willkürliche Unterscheidung wird heute gewöhnlich getroffen zwischen den religiösen Texten in Gräbern und Tempeln und den „magischen Texten“ oder „Beschwörungen“, mit deren Hilfe die Alltagsprobleme von Menschen gelöst werden sollten. Diese Texte sind breit gefächert: Sie reichen vom Pfortenbuch in Königsgräbern des NR bis zu Flüchen auf OSTRAKA oder Beschwörungen zur Heilung von Schnupfen, doch in den Augen der Ägypter waren dies alles in etwa vergleichbare Methoden, göttlichen Beistand zu erwirken. Sie arbeiteten alle mit heka, der uranfänglichen Schöpferkraft des Schöpfergottes am Beginn der Zeit. Während M. im heutigen Sinne des Wortes in den Weltreligionen kaum mehr eine Rolle spielt, gehörte sie im alten Ägypten zum Kern von religiösem Ritual und Liturgie. M. war das Mittel zur Wiederherstellung von Ordnung und Harmonie schlechthin. Der kgl. Uräus (s. KOBRA; WADJIT), vielleicht das markanteste Machtsymbol des Pharaos, wurde gelegentlich als weret hekau bezeichnet: „die Große an Magie“.

Die wahrscheinlich bekannteste literarische Schilderung von M. in Ägypten ist eine Erzählung aus dem MR (2055-1650 v. Chr.), die der Papyrus Westcar aus der 18. Dyn. überliefert. Dieser Text beschreibt die verschiedenen Wunder, die die beiden „Magier“ Djadjaemanch und Djedi am Hof der Könige SNOFRU und CHEOPS in der 4. Dyn. (2613-2494 v. Chr.) vollbrachten.

Wie in vielen anderen Kulturen, basierten auch die von äg. Magiern eingesetzten Praktiken zu einem großen Teil auf der Nachahmung – auf dem Glauben, daß die Wiederholung eines Namens, Bildes oder mythischen Ereignisses in der realen Welt etwas bewirken könne. Dies bedeutete u.a., daß verbale Finessen wie Wortspiele, Metaphern und Akrosticha als machtgeladene magische Techniken galten und nicht einfach als literarische Mittel. Im Falle der ÄCHTUNGSTEXTE sah man im Zerschlagen von Ostraka oder Figuren mit den Namen von Feinden einen wirksamen Weg, diese unschädlich zu machen. In ähnlicher Weise galt die Herstellung von Statuetten oder von Figuren von Gottheiten oder Feinden, die dann besänftigt oder verstümmelt werden konnten, als wirksame Möglichkeit, die Kontrolle über böse Kräfte zu gewinnen. Eine ausgeklügelte Mischung von Text, bildlicher Darstellung und ritueller Handlung war mit den sog. HORUS-Stelen (cippi) verbunden: Engbeschriebene Stelen mit Abbildungen von Horus als Kind, das Schlangen, Skorpione und andere Gefahren meistert, wurden mit Wasser übergossen, das die Zauberkraft der Texte und Bilder in sich aufnehmen sollte, um denen, die es tranken, Heilung zu bringen.

Das Schachtgrab eines Priesters aus dem späten MR (um 1700 v. Chr.), das unter dem RAMESSEUM in Theben-W freigelegt wurde, enthielt eine Mischung aus „religiösen“ und „magischen“ Artefakten, darunter die Statuette einer Frau mit einer Löwenmaske und zwei Schlangen-Stäben, eine Elfenbeinklapper, ein Stück von einem Zauberstab, eine weibliche Fruchtbarkeitsfigur, ein bronzener Kobra-Stab und ein Kasten mit Papyri, die mit vielfältigen religiösen, literarischen und magischen Texten beschrieben waren (s. BIBLIOTHEKEN). Allein diese eine Sammlung von Gegenständen verweist auf die große Bandbreite von Strategien, die in der äg. M. eine Rolle spielten und einen einzelnen Priester in die Lage versetzten, die Macht der Götter auf vielerlei Art und für unterschiedliche Ziele für sich zu nutzen.

(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 170)
Re: Magie im alten Ägypten
Aurora schrieb am 23.02.2026 um 08:00 Uhr (Zitieren)
Einen Überblick zum Thema findet man hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Magie#Geschichte_der_Magie
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.