Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 00:01 Uhr (Zitieren)
(Stephen Fry: Mythos. Was uns die Götter heute sagen. Berlin 72025, S. 264 f.)
(1) Diese Version entstammt den „Dionysiaka“ des Nonnos.
(2) Hera hatte Zeus sein Verhältnis zu Selene, dem Dionysos entsprossen war, sehr übel genommen.
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 00:26 Uhr (Zitieren)
(Solch ein Stechinsekt hat Hera häufiger eingesetzt; von ihr hat ihre Intimfeindin Selene das dann wohl übernommen.)
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 00:54 Uhr (Zitieren)
Fry schreibt übrigens, daß keine Göttin dermaßen hartnäckig hassen konnte wie Hera.
Speziell Selene und deren Sohn Dionysos waren ihr ein beständiger Stachel im Fleisch.
Nur mit Herakles hat sie sich letztlich ausgesöhnt, weil dieser den Olympiern bei der Gigantomachie entscheidend geholfen hat.
Aber mit Dionysos hätte sich Hera auch aussöhnen sollen; denn wie hätten sich die olympischen Herrschaften ohne ihn mal die Kante geben können?! Oder lebten die in echt nur von Nektar und Ambrosia?
Re: Dionysos und der Wein
Bukolos schrieb am 16.02.2026 um 11:42 Uhr (Zitieren)
Wenn wir Homer trauen dürfen, nein. (Ganymed wurde geraubt, um zu οἰνοχοεύειν).
Nebenbei: Selene und Semele - für deutsche Ohren und Augen deutlich leichter zu verwechseln als für griechische.
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 11:52 Uhr (Zitieren)
Natürlich, Semele!
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 12:01 Uhr (Zitieren)
Dadurch, daß Selene und Dionysos beide in diesem Text vorkommen, hatte ich eine Fehlschaltung.
Semele, die Mutter des Dionysos, spielt hier keine Rolle.
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 12:03 Uhr (Zitieren)
Fry zufolge ist Dionysos sogar unter die zwölf olympischen Götter aufgenommen worden, weil Hestia zu seinen Gunsten verzichtet hat.
Das gebe ich wieder, ohne es überprüft zu haben; und an Heras Feindschaft hat es nichts geändert.
Re: Dionysos und der Wein
Bukolos schrieb am 16.02.2026 um 12:15 Uhr (Zitieren)
Aristoteles meint allerdings, man dürfe an der Stelle keinen Literalsinn ansetzen:
Τὰ δὲ κατὰ τὸ ἔθος τῆς λέξεως. [...] ὅθεν εἴρηται ὁ Γανυμήδης Διὶ οἰνοχοεύειν, οὐ πινόντων οἶνον. Εἴη δ᾽ ἂν τοῦτό γε ‹καὶ› κατὰ μεταφοράν.
Manches (lässt sich lösen durch) Mehrdeutigkeit. [...] Nach diesem Prinzip heißt es auch, dass Ganymed dem Zeus Wein einschenkt, während (die Götter) doch gar keinen Wein trinken. Man könnte dies freilich auch mit (dem Instrument der) Metapher (auflösen).
[Poetik 1460a 30, Übers. Martin Hose]
Re: Dionysos und der Wein
Patroklos schrieb am 16.02.2026 um 12:32 Uhr (Zitieren)
Vom Wein kurz zur Transsubstantiation, Brot und Wein zu Leib und Blut. Weiß jemand, was danach passiert? Verwandeln sich die „heiligen Speisen“ bzw die Substanzen zurück? Quasi eine Rekonsekration?
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 14:58 Uhr (Zitieren)
Du meinst: im Verdauungsvorgang? Irgendwo in Höhe Magen-Darm geht die Göttlichkeit verloren.
Das ist ein Aspekt dieses kuriosen Dogmas, den ich mir noch nicht bewußt gemacht hatte.
Re: Dionysos und der Wein
info schrieb am 16.02.2026 um 15:17 Uhr (Zitieren)
Das sagt die moderne Psychoanalyse dazu:
Re: Dionysos und der Wein
Patroklos schrieb am 16.02.2026 um 15:24 Uhr (Zitieren)
Die Auflösung der Akzidentien mag zwischen os und anus geschehen.
Der Verbleib der Substanzen gibt mir zu denken. Da sie nicht sinnlich wahrnehmbar sind, aber an die Akzidentien gebunden sind, steigert sich die Problematik.
Womöglich führt uns „grin without a cat“ von Lewis Carroll weiter.
Re: Dionysos und der Wein
meine Meinung schrieb am 16.02.2026 um 16:16 Uhr (Zitieren)
Mir hat sich der Sinn dieses seltsamen menschl.
Gedankenkonstruktes nie erschlossen.
Was bringt die Hostie in mir, wenn ich sich in meinem
Bewusstsein nichts ändert in Richtung
eines "Ein-möglichst-liebevoller-Mensch-sein-wollen", was
wohl Paulus meint, wenn er sagt:
"Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt
in mir." (Gal, 2,20)
Nur so geschieht "Transsubstantiation" auf der Ebene der Psyche.
Wenn dort nichts passiert, ist alles für die Katz.
Hier müsste m.E. der Hebel angesetzt werden um zu retten,
was sonst eine pathetische Leerformel bleibt.
PS:
Dieser naive und gequälte Erklärung spricht für sich
und bedarf keiner weiterer Worte.
Credo, quia absurdum.
Re: Dionysos und der Wein
Γραικύλος schrieb am 16.02.2026 um 16:28 Uhr (Zitieren)
An Patroklos:
Substanzen, die irgendwoher kommen, mögen auch irgendwohin verschwinden. Logisch ist das ja sowieso alles nicht.
Ich staune, wie man Menschen, vernunftbegabte Wesen, dazu dressieren kann, vor diesem Hokuspokus niederzuknien! Denn das haben wir ja noch getan.
Re: Dionysos und der Wein
Patroklos schrieb am 16.02.2026 um 16:59 Uhr (Zitieren)
Der Transsubstantiation unter Beibehaltung der Akzidentien entspricht igW das „Gesetz über die Selbstbestimmung in Bezug auf den Geschlechtseintrag“. (Die priesterliche Wandlung „geschieht“ durch den Standesbeamten). Diese Praxis hätte Luther nicht akzeptiert. ((Die Realpräsenz Christi mag nicht jeden überzeugen.))
Re: Dionysos und der Wein
meine Meinung schrieb am 16.02.2026 um 17:41 Uhr (Zitieren)
Wozu soll sie gut sein?
Für mich dient sie nur der Selbstinzenierung der
Priester um nicht Wichtigtuerei vieler neurotischer
Muttersöhnchenn zu sagen.
Was für eine Show um nichts!
Re: Dionysos und der Wein
Patroklos schrieb am 16.02.2026 um 17:53 Uhr (Zitieren)
Das ist aber wenig generös gegenüber den Lutheranern.
Um zum Thema zurückzukommen:
Sagen wir über Dionysos: Wozu soll er gut sein?
Re: Dionysos und der Wein
meine Meinung schrieb am 16.02.2026 um 17:54 Uhr (Zitieren)
PS:
vgl.:
Eugen Drewermann, Kleriker, Psychogramm eines
Ideals, Freiburg 1989
"Dieses tut zu meinem Gedächtnis." Wenn wir uns als Familie treffen, gedenken wir meiner verstorbenen Tochter durch ein Gedächtnisessen, bei dem wir eine ihrer Lieblingsmahlzeiten gemeinsam verzehren. Die Gemeinsamkeit ist wichtig. Die sog. "Transsubstantiation" ist für mich ein heidnisches, unchristliches Element, mit dem ich absolut nichts anfangen kann. Habe wohl zu lange in der Schweiz gelebt ...
Re: Dionysos und der Wein
meine Meinung schrieb am 16.02.2026 um 18:11 Uhr (Zitieren)
"
a) Stammt das vom historischen Jesus?
Es ist unter Historikern und Exegeten sehr umstritten.
b) Hat das die Kirche jemals richtig verstanden?
Re: Dionysos und der Wein
Patroklos schrieb am 16.02.2026 um 18:18 Uhr (Zitieren)
τοῦτο ποιεῖτε εἰς τὴν ἐμὴν ἀνάμνησιν.
Klingt ein wenig hochtrabend. Christus ist sehr überzeugt von sich. Naja, Sohn Gottes.
Re: Dionysos und der Wein
meine Meinung schrieb am 16.02.2026 um 18:30 Uhr (Zitieren)
Eher Produktt der nachösterlichen,
interessengeleiteten Gemeinde.
Re: Dionysos und der Wein
βροχή schrieb am 17.02.2026 um 01:39 Uhr (Zitieren)
Als ich das gestern morgen las, dachte ich so für mich 'wie beim Abendmahl' weiter 'das erwähne ich besser nicht, sonst hacken die wieder auf den Christen rum.'