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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Humor im alten Ägypten (169 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.02.2026 um 01:05 Uhr (Zitieren)
Humor
Da H. und Satire mit Zersetzung und Untergrabung des üblichen gesellschaftlichen Dekorums zu tun haben, sind sie schon in der Gegenwart äußerst schwer zu analysieren oder zu zergliedern; noch weit mehr gilt dies für eine alte Kultur wie das pharaonische Ägypten, von der wir noch nicht einmal die elementaren Strukturen des Sittenkodex richtig verstehen. Trotz dieses grundlegenden Problems gibt es einige re-lativ eindeutige Beispiele für humoristische Darstellungen wie etwa die Reliefszene im Tempel der HATSCHEPSUT (1473-1458 v. Chr.) in DEIR EL-BAHRI, auf der die übergewichtige Gestalt der Königin von PUNT zu sehen ist, gefolgt von einem kleinen Esel; der dazugehörige Text erläutert: „Der Esel, der die Königin tragen mußte“. Daß diese Szene im alten Ägypten als komisch empfunden wurde, läßt sich vielleicht daran erkennen, daß ein OSTRAKON mit einer groben Skizze der Königin erhalten ist, die eindeutig vom Original kopiert wurde.

Titel wie Die Satire auf die Berufe (Die Lehre des Cheti) bzw. Werde Schreiber werden von Ägyptologen als Beispiele für Texte aus dem MR und NR angeführt, die alle Handwerke und Berufe außer dem des SCHREIBERS verächtlich machen. Obwohl das Überlegenheitsgefühl des äg. Schreibers derart ausgeprägt war, daß Teile von diesen „Satiren“ wohl eher ernst als ironisch gemeint sein dürften, findet sich in den Beschreibungen der Berufe fraglos ein beträchtliches Maß an komischer Übertreibung und Karikatur, das sie zu literarischen Pendants des sanften Spottes macht, mit dem manch einfacher Arbeiter in privaten Grabmalereien bedacht wird.

Insgesamt scheint es aber in den Grenzen offizieller Grab- und religiöser Kunst und Literatur relativ wenig Ventile für H. gegeben zu haben; die heiteren Aspekte äg. Kultur beschränken sich deshalb in ihrer Mehrheit auf flüchtige Skizzen und Ostraka, die TABU-Themen zeigen wie einen Pharao mit unziemlichen Bartstoppeln am Kinn. Eine große Zahl derartiger Skizzen fallen unter die Kategorie „Tierfabeln“, in denen Tiere – v. a. Katzen und Mäuse – bei typisch menschlichen Aktivitäten gezeigt werden, etwa beim Schlagen von Gefangenen, beim Streitwagenfahren oder beim Verbeugen vor einem Herrscher. In einigen Fällen wurden diese Szenen auf Papyrus festgehalten, wie im Fall des sog. Satirischen Papyrus (heute im Britischen Museum), der aus dem NR stammt und u. a. eine Katze beim Gänsehüten sowie einen Löwen und eine Gazelle beim Brettspiel zeigt.

Man vermutete, diese Tierbilder seien das einzige, was von den einstigen „Tierfabeln“ erhalten ist, doch sind keine entsprechenden literarischen Texte belegt, und gegenwärtig läßt sich nicht mit Sicherheit sagen, ob diese Bilder komisch gemeint waren oder in irgendeinem Zusammenhang mit didaktischen Schriften wie der Prophezeiung des Neferti standen, in denen der Zerfall der Gesellschaft als vorsätzliche Verkehrung der natürlichen Welt geschildert wird.

(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 124)
Re: Humor im alten Ägypten
Persephone schrieb am 08.02.2026 um 02:13 Uhr (Zitieren)
Ein bisschen reproduziert der Eintrag das Überlegenheitsgefühl der schreibenden Zunft, als wäre flüchtige, skizzenhafte, bloß visuelle Satire unterlegen, besäße nicht die wahre 'politische' Schärfe des Textes. Das war 1998, wie denkt die Ägyptologie des Memezeitalters darüber?
Re: Humor im alten Ägypten
Γραικύλος schrieb am 08.02.2026 um 03:27 Uhr (Zitieren)
Mich hat beeindruckt, wie schwer es ist festzustellen, ob etwas, das wir als komisch empfinden, z.B. Löwe und Gazelle beim Brettspiel, damals auch komisch gemeint war.

Auf dem neuesten Stand der Ägyptologie bin ich nicht - ich lebe noch in der Welt von Büchern.
Re: Humor im alten Ägypten
info schrieb am 08.02.2026 um 13:01 Uhr (Zitieren)
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 13:40 Uhr (Zitieren)
Re: Humor im alten Ägypten
βροχή schrieb am 08.02.2026 um 13:50 Uhr (Zitieren)
... oh, welch wunderbare Teppichkunst, bin begeistert

wie sich der Flame von 15hdt eppes den Urwald vorstellte...
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 14:45 Uhr (Zitieren)
Sonntägliche Abschweifung:
Im Arnstädter Schlossmuseum befindet sich zudem die entzückende Puppenstadt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mon_plaisir_(Puppenstadt)?wprov=sfti1#
Re: Humor im alten Ägypten
βροχή schrieb am 08.02.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
... warst du dort?
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 16:08 Uhr (Zitieren)
Ja, schon zweimal. Arnstadt liegt etwa 20 km südlich von Erfurt. Ein Kulturausflug auf engerem Raum: Erfurt, Weimar, Gotha, Arnstadt. Schmerzlich: Buchenwald.
Re: Humor im alten Ägypten
βροχή schrieb am 08.02.2026 um 16:16 Uhr (Zitieren)
... toll, guter tipp! Die Gegend kenne ich, jenes Museum nicht :)
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 17:15 Uhr (Zitieren)



Zur Vorliebe von Miniaturen sei noch auf sehr frühe ägyptische Formen hingewiesen, meist Grabbeigaben, um 2000.
Im eindrucksvollen Römer- und Pelizaeus-Museum finden sich schöne Exponate.

https://de.wikipedia.org/wiki/Holzmodelle_aus_dem_Mittleren_Reich_im_Roemer-_und_Pelizaeus-Museum_Hildesheim?wprov=sfti1#
Re: Humor im alten Ägypten
βροχή schrieb am 08.02.2026 um 17:27 Uhr (Zitieren)
... sehr schön
antikes table top
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 17:48 Uhr (Zitieren)
Neben diesem Museum ist Hildesheim unbedingt einen Besuch wert. Im Dom steht die Christussäule (1020) nach dem Vorbild der Trajanssäule, in der Michaeliskirche (1033) dürfen sich Katholiken wie Protestanten heimisch fühlen; es ist eine Simultankirche. Befahrer der A7 sollten bitte hier einen Stop einlegen.
Re: Humor im alten Ägypten
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 08.02.2026 um 18:41 Uhr (Zitieren)
... und den tausendjährigen Rosenstock außen an der Domapsis nicht auslassen!
Re: Humor im alten Ägypten
Patroklos schrieb am 08.02.2026 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Völlig richtig. Die wunderschöne Bilderdecke in der Michaeliskirche (1300 ist auch für Menschen mit Nackenproblemen schmerzfrei zu betrachten. Ein Spiegelwagen im Mittelgang erlaubt eine nahezu religiöse Erbauung: nach unten schauen, nach oben betrachten.
 
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