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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg (348 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 16:20 Uhr (Zitieren)
Cicero, De officiis II 89:
ex quo genere comparationis illud est Catonis senis; a quo cum quaereretur, quid maxime in re familiari expediret, respondit: „bene pascere”; quid secundum: „satis bene pascere”; quid tertium: „male pascere”; quid quartum: „arare”. Et cum ille, qui quaesierat, dixisset, quid faenerari, tum Cato „quid hominem,” inquit, „occidere?”

Zu dieser Art eines Vergleichs gehört der Ausspruch des alten Cato: Als man ihn fragte, was sich wirtschaftlich am vorteilhaftesten auswirke, gab er zur Antwort: „Gute Viehzucht.“ Was als zweites? – „Recht gute Viehzucht.“ Was als drittes? – „Schlechte Viehzucht.“ Was als viertes? – „Ackerbau.“ Und als der Fragesteller sich erkundigte, wie es da mit dem Fordern von Wucherzinsen stehe, gab Cato zurück: „Wie steht es da mit der Ermordung eines Menschen?“

(Cicero: Von den Pflichten/De officiis. Hrsg. v. Harald Merklin. Frankfurt am Main/Leipzig 1991, S. 240 f.)
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Persephone schrieb am 02.02.2026 um 17:07 Uhr (Zitieren)
Ist die Übersetzung Wucherzinsen verlangen für faenerari gerechtfertigt? Heute würde man ja zumindest zw. fairem Marktzins und Wucher bei Krediten unterscheiden. Das Wörterbuch schafft keine Klarheit, weil das Verb auch einfach gegen Zinsen verleihen bedeuten kann ohne negative Konnotation. War der strenge Cato also nur gg. Wucher oder jede Art Zinsen?
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 17:20 Uhr (Zitieren)
In der Tat übersetzt eine andere Ausgabe, die von Karl Büchner (Zürich 1953): "Wie steht es denn mit Geld verleihen?"

Allerdings tendiert der Georges bei "feneratio" und "feneror" doch deutlich zum Wucher. Etwa "feneratio: Ausleihen gegen (hohe) Zinsen, der Wucher."
D.h. die Übersetzung ist nicht zwingend, aber naheliegend.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 17:22 Uhr (Zitieren)
5 % Zinsen p.a. assoziiere ich auch nicht mit Mord.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Info schrieb am 02.02.2026 um 17:26 Uhr (Zitieren)
Es müssen nicht unbedingt Wucherzinsen sein
fēneror (faeneror), ātus sum, ārī (fenus), I) ausleihen gegen Zinsen,
auf Wucher anlegen od. leihen
Wucherzinsen liegen bei Privatkundenkrediten vor, wenn ein Zinssatz relativ um 100 Prozent oder absolut um 12 Prozentpunkte über dem marktüblichen Zins liegt.

https://www.verivox.de/kredit/themen/wucherzinsen/
Auch bei normalen Zinsen kann der Zinseszinseffekt langfristig
fatal sein und Schuldknechtschaft oder gar in den Suizid treiben.
https://de.wikipedia.org/wiki/Zinswucher

Beim Börsencrash 1929 nahmen sie viele das Leben, weil sie Aktien auf Kredit gekauft hatten.
https://www.zdf.de/dokus/1929--der-grosse-boersencrash-100

Ich erinnere mich an diesen Thread:
https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=10717
Der Durchmesser des Weltalls müsste korrigiert werden auf 93 Mrd. Lichtjahre.
Der Zinssatz steigt dadurch nur minimal aus 11,02%
(Gemini)
vgl:
https://de.wikipedia.org/wiki/Josephspfennig

Faustformel:
Bei 3% kontinuierlicher Inflation verdoppeln sich Preise ca. alle 23 Jahre,
bei 6% sind ca. 12 Jahre,
Bei 8% sind es genau 9 Jahre.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Persephone schrieb am 02.02.2026 um 17:32 Uhr (Zitieren)
5 % Zinsen p.a. assoziiere ich auch nicht mit Mord.


Du nicht, ich nicht, aber ein Hardliner, der Zinsen zu nehmen und vor allem die Menschen, die das tun, zutiefst verachtet, weil sie neben ehrbaren Bauern und Viehzüchtern ihm als ehrloser Abschaum gelten, könnte so sprechen. Damit muss nicht gemeint sein, dass der Zins so hoch ist, dass er tödliche Konsequenzen hat.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Info schrieb am 02.02.2026 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Heute kann man auf die Zinsentwicklung spekulieren per Option
und damit mehr Geld verdienen als mit dem Basiswert, wenn man richtig liegt.
Wer dann liefern muss, kann hohe Gewinne oder Verluste machen.
Basiswerte sind festverzinsliche Anleihen mit längeren Laufzeiten.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Patroklos schrieb am 02.02.2026 um 17:53 Uhr (Zitieren)
Bedeutet „ faenerari“ ursprünglich lediglich Normale Zinsen? Im Englischen ist „usury“ zunächst der Marktzins, erst später „exorbitant interest“. Wurzel: usuria bzw usura.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Info schrieb am 02.02.2026 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Etymologie von „faenerari“ und „faenus“

Wortstamm: faenerari (Zinsen treiben) leitet sich von faenus (Zins, Ertrag) ab. Die ältere Schreibweise ist fēnus.

Indogermanische Wurzel: *dhē(i)- mit der Bedeutung „saugen“ oder „säugen“.

Wortfamilie: Diese Wurzel findet sich auch in fēmina (die Säugende/Frau), fēlung (Säugling), fētus (Brut/Nachkomme) und fēcundus (fruchtbar).

Ursprüngliche Vorstellung: In der antiken Agrargesellschaft wurden Zinsen als „Nachkommen“ oder „Geburten“ des Kapitals betrachtet. Geld wurde metaphorisch wie Vieh behandelt, das „Junge“ (Erträge) hervorbringt.

Griechische Parallele: Das griechische Wort für Zins, tókos (τoˊκoς), bedeutet gleichermaßen „Geburt“ und „Zins“.

Bedeutungswandel: Während faenus in den frühen römischen Gesetzen (z. B. Zwölftafelgesetz) noch den legalen Marktzins bezeichnete, nahm das Verb faenerari durch die ausbeuterische Praxis der Geldleiher früh eine negative Nuance an und wurde zum Synonym für „Wucher treiben“.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 18:32 Uhr (Zitieren)
An Persephone:

Ich sage nicht, daß man das so (als Wucher) verstehen muß, doch erscheint es mir wahrscheinlicher: 1. weil der Georges diese Wortbedeutung deutlich hervorhebt, 2. weil Menschen, wenn sie andere herabsetzen wollen, gewöhnlich die sprachlich schärfere Wortwahl bzw. Bedeutung bevorzugen.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 18:38 Uhr (Zitieren)
So gesehen, ist es nicht unmöglich, daß hier etwas als Wucher verurteilt wird, was wir als normale Zinsnahme ansähen.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Info schrieb am 02.02.2026 um 18:43 Uhr (Zitieren)
Was sagte Bert Brecht über die Gründung einer Bank?

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Bukolos schrieb am 02.02.2026 um 23:26 Uhr (Zitieren)
Angesichts der dreifachen Abstufung, die für das pascere aufgemacht wird, sollten wir auch eine differenzierte Bewertung des fenerari erwarten dürfen, wenn es für den Cato des Apophthegmas eine ethisch vertretbare Form des Erzielens von fenus gegeben hätte.

Auch in De agri cultura (praef. 1) erwägt Cato neben der Landwirtschaft nur zwei Möglichkeiten des Kapitalerwerbs: Handel (zu gefährlich) und fenerari (unehrenhaft).* Eine ehrenhafte Form des Geldverleihs gegen Zinsen wird nicht in Betracht gezogen. Da in der frühen Republik wohl ein allgemeines Zinsverbot galt (Liv. 6, 35, 4; 7, 42, 1; Tac. ann. 6, 16), konnte sich ein Cato Censorius vermutlich gar nicht anders positionieren.

Plutarch (Cato mai. 26) liefert freilich ein Korrektiv zu Catos Self-fashioning als bonus agricola:
Als er sich ernstlicher auf den Gelderwerb zu legen begann, fand er, daß der Landbau mehr ein Zeitvertreib als eine ergiebige Geldquelle sei. Er legte darum seine Kapitalien in sicheren, risikofreien Objekten an, kaufte Teiche, warme Quellen, freie Plätze für Walker, Pecherzeugungsanlagen, natürliche Weiden und Hutungen, woraus ihm reicher Gewinn zufloß und denen, wie er selbst sagte, sogar Iuppiter nichts anhaben konnte. Auch die anrüchigste Form des Geldverleihens, die gegen Seezins, verschmähte er nicht und verfuhr dabei folgendermaßen. Er veranlaßte die Geldbedürftigen, eine Gesellschaft von Geldgebern ins Leben zu rufen. Waren deren fünfzig und ebensoviele Schiffe zusammen, so nahm er selbst einen Anteil durch seinen Freigelassenen Quintio, der dann die Geschäftsführung der Schuldner beaufsichtigte und mitreiste. So erstreckte sich sein Risiko nicht auf das Ganze, sondern nur auf einen kleinen Teil bei großem Zinsgewinn. Auch seinen Sklaven, die das wollten, lieh er Geld. Sie kauften dann junge Sklaven, bildeten sie auf Catos Kosten aus und verkauften sie nach einem Jahre wieder. Viele behielt Cato auch unter Anrechnung des Preises, den der Meistbietende zu geben bereit war. Zu solchem Verfahren hielt er auch seinen Sohn an und sagte ihm, sein Vermögen abnehmen zu lassen sei nicht Sache eines Mannes, sondern einer Witwe. Ein noch stärkeres Stück Catos aber ist es, wenn er sich zu sagen unterfing, der müsse als ein bewundernswerter und göttlicher Mann gelten, aus dessen Büchern es sich erweise, daß er mehr Hinzuerworbenes als Ererbtes hinterlasse.


* Est interdum praestare mercaturis rem quaerere, nisi tam periculosum sit, et item fenerari, si tam honestum sit. Maiores nostri sic habuerunt et ita in legibus posiverunt: furem dupli condemnari, feneratorem quadrupli. Quanto peiorem civem existimarint feneratorem quam furem, hinc licet existimare.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Bukolos schrieb am 02.02.2026 um 23:29 Uhr (Zitieren)
[Übersetzung Plutarch-Zitat von Konrat Ziegler]
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
info schrieb am 03.02.2026 um 09:39 Uhr (Zitieren)
Da in der frühen Republik wohl ein allgemeines Zinsverbot galt


Gemini:
Das Zinsverbot in der frühen Römischen Republik

Zentrales Gesetz: Lex Genucia (342 v. Chr.).

Inhalt: Ein vom Volkstribun Lucius Genucius eingebrachtes Gesetz, das das Verleihen von Geld gegen Zinsen (fenerari) komplett untersagte.

Historischer Kontext: Teil der Standeskämpfe zwischen Patriziern und Plebejern; Ziel war die Bekämpfung der Massenverschuldung und der Schuldknechtschaft (nexum).

Historische Skepsis: Moderne Forscher bezweifeln die dauerhafte Umsetzung. Wahrscheinlich wurde das Verbot durch Geschäfte mit Nicht-Römern umgangen oder schnell durch Zinsobergrenzen ersetzt.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
βροχή schrieb am 03.02.2026 um 14:39 Uhr (Zitieren)
Wenn man ein Zinsverbot hat, welche Motivation gäbe es, an fremde Personen Geld auszuleihen?
Der es verleiht, geht ein Risiko ein, es nicht zurück zu bekommen. Warum sollte er das tun, wenn er nichts dafür bekommt? Hatten die Römer auch schon Bearbeitungsgebühren?
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 03.02.2026 um 17:42 Uhr (Zitieren)
Plutarch (Cato mai. 26)

Es handelt sich um Kap. 21.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Γραικύλος schrieb am 03.02.2026 um 17:50 Uhr (Zitieren)
Schulden nicht zurückzuzahlen, führte zur Schuldknechtschaft, einer Variante der Sklaverei.
Der Schuldner konnte dafür auch seine Kinder einsetzen, kraft patria potestas.

Ob sich daraus ein ökonomischer Anreiz ergab, Geld zu verleihen, weiß ich nicht. Jedenfalls war das Risiko, das verliehene Kapital zu verlieren, dadurch gemindert.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
Aurora schrieb am 04.02.2026 um 06:37 Uhr (Zitieren)
Wenn man ein Zinsverbot hat, welche Motivation gäbe es, an fremde Personen Geld auszuleihen?


https://de.wikipedia.org/wiki/Opportunit%C3%A4tskosten

Und wie willst du der Inflation beikommen?
Diese kann man mit einer geeigneten Zinspolitik
steuern, wie die jüngste Vergangenheit zeigt.

vgl:
https://de.wikipedia.org/wiki/Silvio_Gesell
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
βροχή schrieb am 04.02.2026 um 07:15 Uhr (Zitieren)
@Graeculus

Das funktioniert dann auch ohne Zinsen, die Überschuldung. Die Tilgungsraten zb. für ein Haus wurden so angesetzt, dass es ein Arbeiter knapp nicht vollständig bezahlen konnte. Er verlor dann das Haus sowie alles was er schon abgezahlt hatte.
Bsp. "der dschungel (Sinclair)".
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
meine Meinung schrieb am 04.02.2026 um 13:57 Uhr (Zitieren)
Die Tilgungsraten zb. für ein Haus wurden so angesetzt, dass es ein Arbeiter knapp nicht vollständig bezahlen konnte. Er verlor dann das Haus sowie alles was er schon abgezahlt hatte.

Das ist in mehrfacher Hinsicht sachlich falscb und
ökonomischer UnsinnI
So kann man Volkswirtschaften ruiniert.
Bleib bei den Leisten, von denen du etwas verstehst!
Zudem schuldest du ein konkretes Beispiel bzw.
einen realen Fall.
Re: M. Cato über wirtschaftlichen Erfolg
meine Meinung schrieb am 04.02.2026 um 13:57 Uhr (Zitieren)
*ruinieren
 
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