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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ (190 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 00:03 Uhr (Zitieren)
Frühestes Holzwerkzeug
430.000 Jahre alte Geräte in Griechenland entdeckt

FRANKFURT. Wer Steine zurechtklopfen kann, sollte auch in der Lage sein, Holz in gewünschte Formen zu bringen. Allerdings überdauern hölzerne Artefakte die Jahrtausende meist nur schlecht, weswegen sich unser Wissen über die Anfänge menschlicher Technologie vor allem an Steinernem festmacht.

Nun berichtet ein Team um Katerina Harvati von der Universität Tübingen und Annemieke Milks von der University of Reading in England in der Fachzeitschrift PNAS vom Fund der frühesten bisher entdeckten Holzwerkzeuge überhaupt. Sie sind 430.000 Jahre alt und damit 130.000 Jahre älter als die bisher frühesten, die erst im vergangenen Jahr in China gefunden worden waren. Nur zwei behauene Holzbalken aus Sambia sind mit 476.000 Jahren noch älter, allerdings handelt es sich bei ihnen nicht um Werkzeuge. Gleiches gilt für eine 400.000 Jahre alte Speerspitze aus England.

Die aktuelle Entdeckung gehört zu 144 Holzstücken, die im Herzen des Peloponnes zutage kamen, unweit des Ortes Megalopoli, der trotz seines Namens nur eine Kleinstadt ist. Bei der Fundstelle „Marathousa 1“ handelt es sich um einen Ort, an dem Frühmenschen während der Elster-Kaltzeit ein Refugium fanden. Neben dem Holz kamen dort auch Steinwerkzeuge sowie Skelettreste eines europäischen Waldelefanten zum Vorschein, der dort offenbar von Frühmenschen zwecks Verzehrs zerlegt worden war.

Eine detaillierte Untersuchung der 144 Holzobjekte fand bei zweien klare Spuren einer bewussten Verarbeitung – Kerben auf einem dritten stellten sich als Hinterlassenschaften von Krallen eines Raubtieres heraus. Möglicherweise, so die Forscher, konkurrierte es mit den Steinzeitmenschen um den Elefantenkadaver. Eines der beiden zurechtgeschnitzten Holzgeräte besteht aus Erlenholz, diente vielleicht als Grabstock und ähnelte damit funktional den chinesischen Funden. Der Zweck des zweiten Holzobjekts ist indessen rätselhaft, es könnte aber bei der Fertigung von Steinwerkzeugen Anwendung gefunden haben. Milks, Harvati und ihre Mitautoren stellen keine Vermutungen darüber an, zu welcher Frühmenschenart die Urheber der beiden Holzartefakte gehört haben könnten. Aus Griechenland gibt es aus dieser Zeit noch keine menschlichen Skelettreste. Weil Homo sapiens erst vor 350.000 Jahren in Afrika belegt ist und daher kein wahrscheinlicher Kandidat ist, könnte es sich um frühe Neandertaler gehandelt haben.

(FAZ vom 28. Januar 2026)
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
βροχή schrieb am 02.02.2026 um 07:57 Uhr (Zitieren)
besteht aus Erlenholz, diente vielleicht als Grabstock


Erlenholz ist als Weichholz für diesen Zweck wenig geeignet.
Haben es experimentelle Archäologen schon ausprobiert?


Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
Patroklos schrieb am 02.02.2026 um 09:35 Uhr (Zitieren)
In unseren Gefilden fanden sich hölzerne Wurfspeere, in Schöningen, südwestlich von Helmstedt. Datierungen schwanken zwischen gut 300 und 200 Tausend. Schönes Museum. Hier der Wiki-Artikel.
https://de.wikipedia.org/wiki/Sch%C3%B6ninger_Speere?wprov=sfti1#
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 02.02.2026 um 10:14 Uhr (Zitieren)
Ob das relativ weiche Holz der Erle für die Bearbeitung mit archaischen Werkzeugen nicht gerade dieser Eigenschaft wegen gern verwendet wurde? Bis der Grabstock unbrauchbar geworden war, hatte der Werkzeugmacher schon einen neuen hergestellt.
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
Persephone schrieb am 02.02.2026 um 12:07 Uhr (Zitieren)
Wer ist dieses metonymische Griechenland, das schon verirrte Neandertaler innovativ macht?
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
Persephone schrieb am 02.02.2026 um 12:08 Uhr (Zitieren)
Oder was, je nachdem.
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
info schrieb am 02.02.2026 um 12:18 Uhr (Zitieren)
PS:
So kommt man auf das Alter.
Die Radiocarbon-Methode reicht hier nicht aus.
Sie ist nur bis etwa 50.000 Jahre zuverlässig.

Lumineszenz-Datierung (OSL): Bestimmt, wann die das Holz
umschließenden Sedimentschichten zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.

Biostratigraphie: Abgleich mit fossilen Überresten (z. B. Pollen oder Kleinsäugern),
die typisch für die spezifische Warmzeit vor ca. 430.000 Jahren sind.

Stratigraphie: Analyse der geologischen Schichtfolge;
die Funde liegen unter den Ablagerungen der späteren Saale-Eiszeit.

Uran-Thorium-Datierung: Chemische Altersbestimmung von Begleitfunden
(wie Knochen oder Kalk), die bis zu 500.000 Jahre zurückreicht.
(GEMINI)


Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
βροχή schrieb am 02.02.2026 um 12:45 Uhr (Zitieren)
@στρουθίον οἰκιακόν

Erlenholz laesst sich sehr gut verarbeiten, ich schnitzte selber, die haben es wahrscheinlich auch verwendet. Aber Grabstock, eher nicht. Grabstöcke waren aus anderem Holz und wurden zusätzlich gehaertet.

Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
Γραικύλος schrieb am 02.02.2026 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Grabstöcke waren aus anderem Holz und wurden zusätzlich gehaertet.

Das schreibst Du auf der Grundlage jahrtausendelanger Erfahrung. Was aber stand am Anfang dieser Erfahrung, vor 430.000 Jahren? Die werden doch mit etwas experimentiert haben, oder? Da möchte ich so schnell nichts ausschließen.
Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
βροχή schrieb am 02.02.2026 um 13:27 Uhr (Zitieren)
Ausgeschlossen habe ich es doch gar nicht, nur angezweifelt. Es scheint mir wenig plausibel.

Die Archäologen sind sich selber nicht sicher, sie vermuten nur.


Re: Griechenland auch in der Holzverarbeitung innovativ
info schrieb am 02.02.2026 um 14:04 Uhr (Zitieren)
Das schreibst Du auf der Grundlage jahrtausendelanger Erfahrung. Was aber stand am Anfang dieser Erfahrung, vor 430.000 Jahren?

Das menschliche Gehirn vor 430.000 Jahren:

Zu dieser Zeit (Mittelpleistozän) war der Homo heidelbergensis die vorherrschende Spezies – der gemeinsame Vorfahre von uns (Homo sapiens) und dem Neandertaler.
Gehirnvolumen: Es betrug ca. 1.100 bis 1.300 cm3. Damit erreichte es bereits etwa 90 % der Größe des modernen Menschen, war aber anders geformt (flacher und länglicher).
Struktur: Die Stirn war flach, was auf einen noch weniger ausgeprägten präfrontalen Kortex hindeutet. Dennoch war die Gehirnleistung für komplexe Aufgaben bereits weit entwickelt.
Kognitive Fähigkeiten:

Werkzeuge: Herstellung symmetrischer Faustkeile (Acheuléen-Kultur), was abstraktes Vorstellungsvermögen erforderte.
Sozialverhalten: Kooperative Jagd auf Großwild und Leben in festen sozialen Gruppen.

Kommunikation: Anatomische Hinweise deuten auf eine fortgeschrittene Lautsprache (Proto-Sprache) hin.
Schlüsselstelle: Funde wie in der Sima de los Huesos (Spanien) belegen, dass das Gehirn zu dieser Zeit bereits die Schwelle zur modernen Komplexität überschritten hatte.
 
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