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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Kaisers Julian #3 (110 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.01.2026 um 00:14 Uhr (Zitieren)
Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte XXV 3:
Der Zusammenprall der Soldaten, das Stöhnen der Fallenden, das Schnauben der Pferde und das Klirren des Eisens waren noch in der Ferne zu hören, bis beide Seiten zur Genüge Wunden davongetragen hatten und ermattet waren und das Dunkel der Nacht dem Kampf ein Ende machte.

Neben einer Menge einfachen Kriegsvolkes fielen auf persischer Seite damals fünfzig Adlige und Satrapen. Im Kampfgetümmel kamen auch der Merena und Nohodares um, zwei der angesehensten Heerführer. Mag die Großsprecherei der Alten die zwanzig an verschiedenen Orten geschlagenen Schlachten eines Marcellus (3) bestaunen, mag sie den Sicinius Dentatus (4) dazunehmen, der mit vielen militärischen Kränzen ausgezeichnet wurde, und mag sie über diese hinaus einen Sergius (5) bewundern, der in verschiedenen Schlachten, wie berichtet wird, dreiundzwanzigmal verwundet wurde und dessen letzter Nachfahre Catilina (6) den hellen Glanz seines Ruhms mit ewiger Schande verdunkelte.

Doch trübte Trauer unsere schönen Erfolge. Nachdem man den Feldherrn fortgeschafft hatte, wurden überall solche Taten vollbracht, aber schon zeigte der rechte Flügel des Heers Ermüdungserscheinungen. Anatolius, der damals Oberhofmeister war, fiel, und der Präfekt Salutius geriet in äußerste Gefahr, konnte ihr aber durch die Bemühungen seines Gehilfen entrissen werden. Doch fand sein Rat Phosphorius den Tod, als er ihm gerade Beistand leistete. ... (7) Einige Soldaten entkamen unter vielen Gefahren und besetzten in der Nähe ein Kastell. Erst nach drei Tagen konnten sie sich wieder mit dem Heer vereinigen.

Während dieser Ereignisse lag Julian in seinem Zelt und redete die niedergeschlagen und traurig um ihn Stehenden an: „Kameraden, äußerst früh ist jetzt die Zeit gekommen, aus dem Leben zu scheiden. Wie ein Schuldner guten Glaubens werde ich es der Natur auf ihr Verlangen hin zurückgeben und bin froh darüber, nicht betrübt und traurig, wie manche meinen, denn ich bin von der allgemeinen Ansicht der Philosophen überzeugt, daß die Seele um vieles herrlicher ist als der Körper, und bedenke, daß man sich eher freuen als Trauer empfinden muß, sooft eine bessere Lage einer schlechteren folgt. Außerdem bin ich dessen gewiß, daß die himmlischen Götter besonders frommen Menschen den Tod wie eine hohe Belohnung verliehen haben. Als Aufgabe war mir übertragen - das weiß ich sehr wohl -, harten Schwierigkeiten nicht zu unterliegen, mich nicht zu erniedrigen oder wegzuwerfen, und ich habe erfahren, daß alle Schmerzen zwar die Feigen anfallen, vor den Ausharrenden aber zurückweichen. Meine Taten gereuen mich nicht, und keine Erinnerung an eine schwere Schandtat bedrückt mich. Als ich in Dunkelheit und enge Verhältnisse verwiesen wurde oder nachdem ich die Kaiserwürde übernommen hatte, habe ich meine Seele, die gleichsam aus der Verwandtschaft mit den Himmlischen herabglitt, wie ich glaube, unbefleckt bewahrt. Die bürgerlichen Angelegenheiten regelte ich mit Mäßigung, und Kriege habe ich nach Abwägen aller Umstände begonnen und abgewehrt, obwohl glückliches Gelingen und Nutzen von Entschlüssen nicht überall zusammentreffen, da sich ja die überirdischen Gewalten den Ausgang alles Beginnens vorbehalten. In der Überzeugung, daß das Ziel einer gerechten Herrschaft das Glück und Heil der Untertanen ist, war ich stets zu geduldigen Maßnahmen geneigt und habe aus allen meinen Handlungen die Willkür verbannt, die die Verhältnisse und Charaktere verdirbt. Freudig gehe ich dahin, im Bewußtsein, überall fest gestanden zu haben, wo mich der Staat wie ein herrischer Vater mit Überlegung Gefahren entgegengeworfen hat, und ich war gewohnt, die Wirren zufälliger Entwicklungen niederzutreten. Ich schäme mich nicht zu bekennen: Schon längst habe ich durch einen Spruch des Schicksals erfahren, daß ich durch das Schwert umkommen werde. Aus dem Grunde verehre ich die ewige Gottheit, weil ich nicht durch einen heimlichen Anschlag und durch keine lange und heftige Krankheit oder wie ein Verurteilter abtre-te, sondern mitten im glänzenden Ruhmeslauf diesen strahlenden Fortgang aus der Welt verdient habe. In gleicher Weise ist nämlich der als furchtsam und feige anzusehen, der den Tod herbeisehnt, ohne daß eine Notwendigkeit vorliegt, wie der, der ihn flieht, wenn es an der Zeit ist zu sterben. Diese Worte mögen genügen, da mich die Kräfte verlassen. Über die Wahl eines neuen Kaisers sage ich vorsichtigerweise nichts. Denn ich möchte nicht aus Unkenntnis einen Würdigen übergehen oder einen, den ich für geeignet halte, benennen und dadurch in die äußerste Gefahr stoßen, daß ihm ein anderer vielleicht vorgezogen wird. Als besonnener Zögling des Staats wünsche ich aber, daß ein tüchtiger Herrscher nach mir gefunden wird

(Ammianus Marcellinus: Römische Geschichte. Herausgegeben von Wolfgang Seyfarth. 4 Teile, Darmstadt 1970; Teil 3, S. 161-167)

(3) M. Claudius Marcellus, Feldherr im Krieg gegen Hannibal, Eroberer von Sy-rakus (211 v.u.Z.)
(4) L. Sicinius Dentatus wurde als römischer Achill bezeichnet; er hat möglicherweise um die Mitte des 5. Jhdts. v.u.Z. gelebt.
(5) wahrscheinlich einer der Gesandten, die Scipio 202 v.u.Z. nach Karthago schickte
(6) L. Sergius Catilina, Mittelpunkt einer Verschwörung im Jahre 63 v.u.Z.
(7) Lücke im Text

 
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