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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Kaisers Julian #1 (153 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 13:47 Uhr (Zitieren)
Ammianus Marcellinus, Römische Geschichte XXV 3:
Als wir von dort abgerückt waren, vermieden die Perser offene Feldschlachten mit Fußtruppen, da sie in ihnen oft Verluste erlitten hatten, legten uns vielmehr Hinterhalte und zogen unauffällig neben uns her. Auf beiden Flanken beobachteten sie von der Höhe der Berge die auf dem Marsch befindlichen Abteilungen, so daß die Soldaten, die dies vermuteten, den ganzen Tag über keinen Wall errichten oder sich durch Palisaden schützen konnten.

So wurden die Flanken sicher gedeckt, und das Heer zog entsprechend dem Gelände in geschlossener, allerdings etwas gelockerter Formation dahin. Da erhielt der Kaiser die Mel-dung, die Nachhut sei plötzlich im Rücken angefallen worden, während er selbst unbewaffnet vorgeritten war, um eine Vorauserkundung vorzunehmen.

In seiner Aufregung über diesen Zwischenfall vergaß er seinen Panzer und riß in der Eile nur den Schild an sich, um schleunigst dem Nachtrab Verstärkung zuzuführen. Währenddessen rief ihn eine andere Schreckensbotschaft zurück: Danach befand sich die Spitze, von der er sich gerade entfernt hatte, in der gleichen Lage.

Ohne Rücksicht auf sein eigenes Leben bemühte er sich darum, Ordnung zu schaffen, da unternahm zur gleichen Zeit von anderer Seite her eine persische Panzerreiterabteilung einen Angriff auf unser Zentrum, stürzte sich mit Macht auf den ins Wanken geratenen linken Flügel und drängte mit Lan-zen und verstärktem Einsatz von Wurfgeschossen auf eine Entscheidung, während die Unsrigen den Gestank und das Brüllen der Elefanten kaum ertragen konnten.

Während der Kaiser zwischen den Brennpunkten der Schlacht hin- und herflog, stürmte unsere Streitmacht besser gerüstet vor und hieb auf Schenkel und Rücken der Perser und der Untiere ein, die sich zur Flucht gewandt hatten.

Ohne an die eigene Sicherheit zu denken, zeigte Julian mit weit ausgebreiteten Armen und durch Zurufe deutlich an, daß die Gegner voller Furcht auseinandergestoben waren, und wollte so den Kampfeseifer der Verfolger entfachen. Als er sich dabei waghalsig dem Kampfgetümmel aussetzte, riefen ihm die Leibwächter, die der Schrecken auseinandergesprengt hatte, von allen Seiten zu, er solle sich vor der Masse der Fliehenden in acht nehmen wie vor dem Einsturz eines schlechten Giebels, da streifte – man weiß nicht, aus welcher Richtung – plötzlich ein Reiterspeer die Haut seines Arms, durchstieß die Rippen und blieb im untersten Lappen der Leber hängen.

Ammianus Marcellinus: Römische Geschichte. Herausgegeben von Wolfgang Seyfarth. 4 Teile, Darmstadt 1970; Teil 3, S. 161-167]

Das Ereignis hat am 26. Juni 363 u.Z. stattgefunden.
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Quoth schrieb am 24.01.2026 um 16:52 Uhr (Zitieren)
Hätte er nicht vergessen, den Panzer, seine Rüstung, anzulegen, die Geschichte wäre vielleicht völlig anders verlaufen und das Christentum hätte in Europa nicht für die nächsten anderthalb Jahrtausende die Vorherrschaft erlangt ...
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Ich glaube eher, daß diese Chance nicht mehr bestand. Weder von den historischen Gegebenheiten noch von der komplizierten, nicht sehr gewinnenden Persönlichkeit Julians her war das Heidentum noch zu retten.

Die Chance, sofern es sie gab, lag früher, vor Konstantin - als es nämlich noch einen ernstzunehmenden und populären Rivalen für das Christentum gab: den Mithras- oder Sol-Invictus-Kult.
Wie sehr das Christentum ihn als Hauptgegner gesehen hat, erkennt man daran, daß das Weihnachtsfest genau auf den Tag des Hochfestes dieses Sonnengottes gelegt worden ist.
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Anselm schrieb am 24.01.2026 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Die religionssoziologische Forschung hat sich seit Ernest Renan, von dem Behauptung ja stammt, si le christianisme eût été arrêté dans sa croissance par quelque maladie mortelle, le monde eût été mithriaiste, doch ein wenig weiterentwickelt.

Der Mithraskult war im Wesentlichen ein deutlich elitärer männerbündischer Nischenkult für das Rückgrat des Staates (Soldaten, Staatsdiener, Händler, Freigelassene) ohne missionarische Ambition und alle Schichten erfassender Ausbreitungsstrategie. Seine geheime Lehre ohne soziales Engagement blieb im Dunkel der Höhlen, das Christentum ging in den Oikos.

Warum sollte er also irgendeine ernstzunehmende Chance besessen haben, eine zunehmend inklusive, anfänglich unter hoher Frauenbeteiligung als Multiplikatorinnen sich in familiären Netzwerken ausbreitende Religion mit nachvollziehbarer Glaubenslehre und umfassender Regelung der ganzen Lebensordnung, die noch dazu soziales Engagement zeigte, auszustechen?
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 21:32 Uhr (Zitieren)
Er war populär, hatte allerdings in der Tat die Schwäche, sich allein auf Männer zu beschränken.

Das Geheimbündische kann auch attraktiv wirken.

Die Frage ist bzw. war, ob das Elitäre oder das die große Zahl Ansprechende erfolgreicher sein würde.

Nun, das Ergebnis kennen wir.

Falls Du recht hast, war die Frage sogar schon vor dem 3. Jhdt. entschieden.
Jedenfalls nicht erst seit Julian dem Apostaten.
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Quoth schrieb am 25.01.2026 um 21:23 Uhr (Zitieren)
Dies war also Deiner Meinung nach kein Wendepunkt der Geschichte, sondern "der Zug war abgefahren" - der Triumph des Christentums war schon nicht mehr aufzuhalten. Dann ist es auf jeden Fall eine sehr drastisch geschilderte Kriegsszene ... Vom "Gestank und Brüllen der Elefanten" habe ich noch nie gelesen ...
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 21:53 Uhr (Zitieren)
Genau, das nehme ich stark an: 363 "war der Zug abgefahren".
Falls Anselm recht hat - und er hat ja gute Argumente -, dann war die zunehmende Popularität des Christentums bereits im 3. Jhdt. nicht mehr aufzuhalten.

Ammianus Marcellinus konnte gut schreiben.
 
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