Hätte er nicht vergessen, den Panzer, seine Rüstung, anzulegen, die Geschichte wäre vielleicht völlig anders verlaufen und das Christentum hätte in Europa nicht für die nächsten anderthalb Jahrtausende die Vorherrschaft erlangt ...
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Ich glaube eher, daß diese Chance nicht mehr bestand. Weder von den historischen Gegebenheiten noch von der komplizierten, nicht sehr gewinnenden Persönlichkeit Julians her war das Heidentum noch zu retten.
Die Chance, sofern es sie gab, lag früher, vor Konstantin - als es nämlich noch einen ernstzunehmenden und populären Rivalen für das Christentum gab: den Mithras- oder Sol-Invictus-Kult.
Wie sehr das Christentum ihn als Hauptgegner gesehen hat, erkennt man daran, daß das Weihnachtsfest genau auf den Tag des Hochfestes dieses Sonnengottes gelegt worden ist.
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Anselm schrieb am 24.01.2026 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Die religionssoziologische Forschung hat sich seit Ernest Renan, von dem Behauptung ja stammt, si le christianisme eût été arrêté dans sa croissance par quelque maladie mortelle, le monde eût été mithriaiste, doch ein wenig weiterentwickelt.
Der Mithraskult war im Wesentlichen ein deutlich elitärer männerbündischer Nischenkult für das Rückgrat des Staates (Soldaten, Staatsdiener, Händler, Freigelassene) ohne missionarische Ambition und alle Schichten erfassender Ausbreitungsstrategie. Seine geheime Lehre ohne soziales Engagement blieb im Dunkel der Höhlen, das Christentum ging in den Oikos.
Warum sollte er also irgendeine ernstzunehmende Chance besessen haben, eine zunehmend inklusive, anfänglich unter hoher Frauenbeteiligung als Multiplikatorinnen sich in familiären Netzwerken ausbreitende Religion mit nachvollziehbarer Glaubenslehre und umfassender Regelung der ganzen Lebensordnung, die noch dazu soziales Engagement zeigte, auszustechen?
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 24.01.2026 um 21:32 Uhr (Zitieren)
Er war populär, hatte allerdings in der Tat die Schwäche, sich allein auf Männer zu beschränken.
Das Geheimbündische kann auch attraktiv wirken.
Die Frage ist bzw. war, ob das Elitäre oder das die große Zahl Ansprechende erfolgreicher sein würde.
Nun, das Ergebnis kennen wir.
Falls Du recht hast, war die Frage sogar schon vor dem 3. Jhdt. entschieden.
Jedenfalls nicht erst seit Julian dem Apostaten.
Dies war also Deiner Meinung nach kein Wendepunkt der Geschichte, sondern "der Zug war abgefahren" - der Triumph des Christentums war schon nicht mehr aufzuhalten. Dann ist es auf jeden Fall eine sehr drastisch geschilderte Kriegsszene ... Vom "Gestank und Brüllen der Elefanten" habe ich noch nie gelesen ...
Re: Der Tod des Kaisers Julian #1
Γραικύλος schrieb am 25.01.2026 um 21:53 Uhr (Zitieren)
Genau, das nehme ich stark an: 363 "war der Zug abgefahren".
Falls Anselm recht hat - und er hat ja gute Argumente -, dann war die zunehmende Popularität des Christentums bereits im 3. Jhdt. nicht mehr aufzuhalten.