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Das Ba in der ägyptischen Anthropologie (126 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.01.2026 um 14:49 Uhr (
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Ba
Nach Auffassung der Ägypter setzte sich jedes Individuum aus fünf Bestandteilen zusammen: Körper, Ba, KA, NAMEN und SCHATTEN. Der Ba ähnelt unserer Vorstellung von „Persönlichkeit“, denn er umfaßt ebenfalls all jene nichtkörperlichen Eigenschaften, die einen Menschen einzigartig machen. Der Begriff Ba bezog sich jedoch auch auf Macht und konnte auf Götter und unbelebte Gegenstände ausgeweitet werden. Ba war somit auch ein Begriff, mit dem man die physische Manifestation bestimmter Götter benennen konnte. So waren der memphitische APIS-Stier der Ba des PTAH, die vier HORUSSÖHNE der Ba des Horus.
Um ein ACH, eine verklärte Seele, werden zu können, mußte der Verstorbene aus dem Grab herauskommen, um sich wieder mit seinem Ka (1) zu vereinigen, und da dies dem Körper unmöglich war, war es die Aufgabe des Ba. Die äg. Bezeichnungen für den Jabiru-Storch und den Widder hatten beide denselben Lautwert Ba, weshalb die Hieroglyphenzeichen für diese Geschöpfe zur Schreibung des Seelenanteils Ba verwendet wurden. Möglicherweise hat diese zufällige Assoziation mit dem Storch zur Darstellung des Ba als Vogel mit Menschenkopf und oft auch mit menschlichen Armen geführt. Die Ägypter betrachteten Zugvögel als Verkörperungen des Ba, der ungehin-dert zwischen Grab und Unterwelt hin und her flog. Man glaubte aber auch, daß der Ba jede Gestalt annehmen konnte, die er wollte, und es existieren zahlreiche Sprüche in der TOTENLITERATUR, die diesen Verwandlungsprozeß magisch unterstützen sollten.
Damit die Körper der Verstorbenen im Jenseits überleben konnten, mußten sie allnächtlich mit dem Ba wiedervereinigt werden; Kap. 89 des TOTENBUCHES empfahl, einen goldenen Ba-Vogel auf die Brust der Mumie zu legen, um diese Vereinigung zu erleichtern. Ab der 21. Dynastie gehörte der Ba-Vogel auch zur Dekoration von Privatsärgen. Weit entfernt von der westl. Vorstellung von einem „Geist“ (wie Ba zuweilen übersetzt wird), war der Ba eng an den Körper gebunden, und zwar so eng, daß man meinte, auch er habe das physische Bedürfnis nach sinnlichen Genüssen wie Essen, Trinken und sexueller Aktivität.
(Reclams Lexikon des alten Ägypten. Hrsg. v. Ian Shaw und Paul Nicholson. Stuttgart 1998, S. 45)
(1) Lebenskraft
Das hier einst vorgestellte "Gespräch eines Mannes mit seinem Ba" ist ein frühes Stück Weltliteratur.
Re: Das Ba in der ägyptischen Anthropologie
Γραικύλος schrieb am 14.01.2026 um 14:52 Uhr (
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Re: Das Ba in der ägyptischen Anthropologie
Info schrieb am 15.01.2026 um 13:45 Uhr (
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Re: Das Ba in der ägyptischen Anthropologie
Andreas schrieb am 15.01.2026 um 14:18 Uhr (
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Ich war in den 80ern in einer Vorlesung zur Religion der Ägypter beim
Ex-Fundamentaltheologen und laiisierten kath. Priester Norbert Schiffers (1927 - 20213),
wegen dem man diesen Lehrstuhl nach seiner Heirat schuf.
Dieses KA stand dabei im Mittelpunkt.
Er hinterließ ein bedeutendes Erbe als Brückenbauer zwischen der klassischen Theologie und der modernen Religionswissenschaft.
Ein paar Jahre später wurde der Neutestamentler und kath. Priester
ebenfalls wegen Eheschließung ein weiterer Lehrstuhlinhaber in dieser Fakultät.
Es ist schon seltsam, wie Lehrstühle entstehen können, weil man Professoren nicht so ohne Weiteres entlassen kann.
Dass an derselben Uni 2 "abgefallene" Priester
so weiterversorgt wurden, ist schon sehr ungewöhnlich.
Weiterbeschäftigung durch Fachwechsel
Hier liegt der interessante Punkt im Fall von Norbert Schiffers: Wenn ein Professor die Lehrerlaubnis für Theologie verliert, bedeutet das nicht zwingend eine Kündigung durch die staatliche Universität (da Professoren oft Beamte auf Lebenszeit sind).
Religionswissenschaft statt Theologie: Um den Professor weiterzubeschäftigen, wird oft eine Lösung innerhalb der Universität gesucht. Schiffers wechselte 1976 auf einen Lehrstuhl für Religionswissenschaft. Dieser Fachbereich ist nicht an das Nihil obstat der Kirche gebunden.
Andere betroffene Professoren wechselten in der Vergangenheit oft in die Philosophie, Pädagogik oder Soziologie. Re: Das Ba in der ägyptischen Anthropologie
Andreas schrieb am 15.01.2026 um 14:24 Uhr (
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*Ein paar Jahre später wurde der Neutestamentler und kath. Priester Franz Schnider