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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Menschenrechte und Menschenwürde (195 Aufrufe)
Andreas schrieb am 31.12.2025 um 15:15 Uhr (Zitieren)
„Die Menschenrechte und der deutsche Grundgesetz sind
aus dieser Entwicklung (imago Dei) hervorgegangen,
die Idee der Menschenrechte und der Menschenwürde hat sich
aus der Überzeugung eines Schöpfergottes entwickelt.“
(in memoriam Joseph Ratzinger, + 31.12.2022)

Was ist zu dieser Behauptung eines Christen zu sagen?
Ist sie historisch korrekt?

Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 31.12.2025 um 16:05 Uhr (Zitieren)
Der Begriff "Würde" im Art. 1 des GG ist nichts Numinoses, sondern besagt, daß jeder Mensch das Subjekt von Rechten ist, nicht bloß Rechtsobjekt.

Sofern das aus der Genesis-Stelle (die übrigens als vollständiger Satz zitiert gehört!) hervorgehen sollte, wäre es wundersam, daß er sich sowohl in jüdischer als auch in christlicher Tradition recht gut mit der Existenz von Sklaverei, d.h. Menschen als Eigentum --> Objekt eines anderen vertragen hat.
Aus diversen Gleichnissen Jesu geht hervor, daß er unser Verhältnis zu Gott analog zu dem von Sklaven gegenüber ihrem Herrn verstanden hat. Wer in einem solchen Bild spricht, kann die Sklaverei nicht für verwerflich halten.

Daß der Dekalog nicht als Katalog von Menschenrechten gelesen werden kann, zeigt m.E. gut Heinz-Werner Kubitza: Der Jesuswahn. Marburg 2011, S. 333-339.
Uneingeschränkt als Menschenrecht kann man lediglich das 7. Gebot interpretieren: "Du sollst nicht stehlen." (--> Recht auf Eigentum)

Beachtenswert ist die Stellung der Frau, die im 10. Gebot umstandslos zwischen Haus, Sklave und Rind als Eigentum des Nächsten firmiert.

Da wir in einer Gesellschaft verschiedener Religionen und sogar Ungläubiger leben, wäre eine religiöse Herleitung der Menschenrechte fatal, denn sie wäre für Anders- und Ungläubige nicht plausibel.

Da lobe ich mir die vernünftige Herleitung gemäß Rousseaus 'allgemeinem Willen' - in der Annahme, daß Vernunft eher alllgemein-menschlich ist als diese spezifische Religion oder Religion überhaupt.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Andreas schrieb am 01.01.2026 um 13:52 Uhr (Zitieren)
Danke.
Nachfrage:
Was sind die Kriterien vernünftigen Handelns?
Die goldene Regel?
Oder gibt es da noch mehr zu beachten?

'allgemeinem Willen' -

Wie ist er definiert? Kriterien?
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 01.01.2026 um 15:53 Uhr (Zitieren)
Das klassische Kriterium für Vernünftigkeit ist die Widerspruchsfreiheit.

Kant zeigt, daß jemand, der einer Handlungsmaxime folgt, welche er nicht als Gesetz für alle wollen kann, sich selbst widerspricht.
Man sagt schlechthin, es ist nothwendig, dem triangel 3 Winkel beyzulegen. Eben so: es ist nothwendig, ein Versprechen zu halten.[/i]
Es ist eine logische Forderung der Vernunft.

Wer mit Bezug auf sich selbst das Recht auf Lüge vertritt, mit Bezug auf andere aber das Verbot der Lüge, der widerspricht sich selbst.

Zu Rousseaus Konzept des allgemeinen Willens bitte ich, seinen "Gesellschaftsvertrag" zu lesen. Die Formel, die dort zu finden ist, lautet:
[quote]Oft ist ein großer Unterschied zwischen dem Willen aller und dem allgemeinen Willen; letzterer geht nur auf das allgemeine Beste aus, ersterer auf das Privatinteresse und ist nur eine Summe einzelner Willensmeinungen. Zieht man nun von diesen Willensmeinungen das Mehr und Minder, das sich gegenseitig aufhebt, ab, so bleibt als Differenzsumme der allgemeine Wille übrig.

Um zum allgemeinen Willen zu gelangen, muß man dasjenige an dem eigenen Partikularwillen subtrahieren, das durch ein Mehr- oder Weniger-Wollen einen Konflikt mit dem Willen anderer erzeugt.
Kant hat daraus seinen kategorischen Imperativ entwickelt.

Aus dem, was jeder Mensch vernünftigerweise wollen darf, weil er es auch jedem anderen Menschen zugestehen kann, läßt sich der Katalog der Menschenrechte ableiten.
Bsp.:
- Ich will leben und kann dies auch jedem anderen zugestehen --> Recht auf Leben
- Ich will leben und will, daß du tot bist: "will, daß du tot bist" erzeugt durch Mehrwollen einen Konflikt mit anderen und muß daher subtrahiert werden --> Es gibt kein Recht auf den Tod eines anderen.

Dieser allgemeine Wille ist der Souverän (die oberste Entscheidungsinstanz) im Staat, kein Individuum und auch nicht der Wille der Mehrheit.
Daraus ergibt sich, daß die Menschenrechte über dem Mehrheitswillen stehen und so auch Minderheitenrechte geschützt sind, denn auch Minderheiten sind Menschen.

Hierin unterscheidet sich Rousseaus Konzept der Republik (Herrschaft des Gesetzes) von dem der Demokratie (Herrschaft der Mehrheit).
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 01.01.2026 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Kant zeigt, daß jemand, der einer Handlungsmaxime folgt, welche er nicht als Gesetz für alle wollen kann, sich selbst widerspricht.
Man sagt schlechthin, es ist nothwendig, dem triangel 3 Winkel beyzulegen. Eben so: es ist nothwendig, ein Versprechen zu halten.

Es ist eine logische Forderung der Vernunft.

Wer mit Bezug auf sich selbst das Recht auf Lüge vertritt, mit Bezug auf andere aber das Verbot der Lüge, der widerspricht sich selbst.

Zu Rousseaus Konzept des allgemeinen Willens bitte ich, seinen "Gesellschaftsvertrag" zu lesen. Die Formel, die dort zu finden ist, lautet:
Oft ist ein großer Unterschied zwischen dem Willen aller und dem allgemeinen Willen; letzterer geht nur auf das allgemeine Beste aus, ersterer auf das Privatinteresse und ist nur eine Summe einzelner Willensmeinungen. Zieht man nun von diesen Willensmeinungen das Mehr und Minder, das sich gegenseitig aufhebt, ab, so bleibt als Differenzsumme der allgemeine Wille übrig.

Um zum allgemeinen Willen zu gelangen, muß man dasjenige an dem eigenen Partikularwillen subtrahieren, das durch ein Mehr- oder Weniger-Wollen einen Konflikt mit dem Willen anderer erzeugt.
Kant hat daraus seinen kategorischen Imperativ entwickelt.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 01.01.2026 um 16:15 Uhr (Zitieren)
Ich hoffe, ich habe mich trotz der Layout-Fehler verständlich machen können.

Von irgendwelchen religiösen Annahmen ist in diesem Konzept der Menschenrechte nirgends die Rede. So ist es in die französische Erklärung der Menschenrecht eingegangen.

Anders steht es in dieser Hinsicht mit der Unabhängigkeitserklärung der USA:
Wir halten diese Wahrheiten für in sich einleuchtend: daß alle Menschen gleich geschaffen sind; daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen (angeborenen und) unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter Leben, Freiheit und Streben nach Glück; [...]

Daß daraus ein Problem für Ungläubige erwächst und zudem diese Erklärung die Gleichheit der Menschen mit der Existenz von Sklaverei vereinbar gehalten hat, habe ich bereits erwähnt.

Der entscheidende Satz in der Genesis lautet übrigens:
Gott schuf den Menschen in seinem Bilde,
im Bilde Gottes schuf er ihn,
männlich, weiblich schuf er sie.

Spontan möchte ich, wenn ich das lese, annehmen, daß wir in der Zweigeschlechtlichkeit Gottes Abbild sind, in nichts sonst. (Juden haben sich Gott männlich und weiblich vorgestellt.)
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 01.01.2026 um 16:29 Uhr (Zitieren)
Man kann Rousseaus Konzept auf die knappe Formel bringen, daß die Freiheit (nur) eingeschränkt wird durch die Gleichheit.

Beide Ansätze, der französische und der US-amerikanische, haben die heute nur noch schwer nachvollziehbare Eigentümlichkeit, daß die Gleichheit der Rechte stillschweigend nicht auch auf Frauen bezogen wird - auch wenn Olympe de Gouges diese Konsequenz sofort gefordert hat.

Ich vermute, daß das in den Köpfen der Theoretiker ähnlich automatisch-reflexhaft funktioniert hat, wie wir heute - ohne nachzudenken - bei der Gleichheit der Rechte die Kinder subtrahieren.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Aurora schrieb am 02.01.2026 um 06:15 Uhr (Zitieren)
Interessantes zur Herkunft der biblischen
Gottesebenbildichkeit des Menschen u.a.:

Hier sind die wichtigsten Punkte zur Entstehung des Konzepts IMAGO DEI außerhalb der Bibel:

1. Die Altorientalische Königsideologie (Ägypten & Mesopotamien)

König als Abbild: Der Pharao (Ägypten) oder König (Mesopotamien) galt als das lebendige Bild Gottes auf Erden.

Repräsentationsfunktion: Der Herrscher war die sichtbare Statue der Gottheit, die deren Macht und Ordnung in der Welt vertrat.

Machtinstrument: Ursprünglich war die Ebenbildlichkeit ein Privileg der Herrscher zur Legitimation ihrer Macht, nicht ein Merkmal aller Menschen.

2. Die Griechische Philosophie (Platonismus & Stoa)

Der göttliche Logos: Philosophen wie Platon lehrten, dass die menschliche Vernunft Teil der göttlichen Weltvernunft ist.

Der göttliche Funke: Die Stoiker sahen im Menschen ein „Pneuma“ (göttlicher Hauch), das ihn mit dem Kosmos verbindet.

Homoiosis theo: Das Ziel war die „Verähnlichung mit Gott“ durch geistige Erkenntnis und Tugend.

3. Die Hermetik (Spätantike)

Der Urmensch: Die Lehre des Hermes Trismegistos beschrieb den Menschen als ein Wesen, das dem göttlichen Schöpfergeist unmittelbar verwandt ist.

Der Mensch als kleiner Gott: Der Mensch wurde als „zweiter Gott“ betrachtet, der die schöpferische Kraft besitzt, die Welt zu gestalten.

4. Anthropologische Wurzeln

Selbstreflexion: Das Konzept entstand aus dem Bedürfnis, die Sonderstellung des Menschen (Geist, Sprache, Werkzeuggebrauch) gegenüber dem Tierreich zu erklären.

Projektion: Der Mensch projizierte seine höchsten Fähigkeiten auf eine göttliche Ebene und definierte sich selbst als deren Spiegelbild.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Γραικύλος schrieb am 02.01.2026 um 13:08 Uhr (Zitieren)
Ich argumentiere mir zu Andreas' Frage einen Wolf, und es antwortet eine KI. D.h. auf die Frage oder meine These geht sie nichtmal ein.
Das macht keinen Spaß.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Claudia schrieb am 02.01.2026 um 14:33 Uhr (Zitieren)
die Idee der Menschenrechte und der Menschenwürde hat sich
aus der Überzeugung eines Schöpfergottes entwickelt.“

Bartolome de las Casas verwendete als erster den Begriff Menschenrechte. Welche Kultur hat ein Dokument wie die Bulle "sublimis deus" hervorgebracht.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Andreas schrieb am 03.01.2026 um 16:53 Uhr (Zitieren)
Am Anfang stand bei ihm wohl das Mitleid.

Bartolomé de las Casas: Die Dreifaltigkeit seiner Motivation

Das Wirken von Bartolomé de las Casas als früher Anwalt der Menschenrechte basierte nicht auf einer einzigen Ursache, sondern auf dem Zusammenspiel dreier Ebenen:

1. Das emotionale Mitleid (Die Erfahrung)

Der Auslöser: Las Casas erlebte die Grausamkeiten der Konquista (Massaker, Folter, Zwangsarbeit) unmittelbar mit.

Die Wirkung: Sein Mitleid war keine passive Rührung, sondern eine existenzielle Erschütterung. Dieser Schock führte zu seiner radikalen Bekehrung und dem Verzicht auf sein eigenes Privileg als Profiteur des Kolonialsystems.

2. Das christliche Motiv (Die Identifikation)

Die theologische Sicht: Für Las Casas war der leidende Indigene das Ebenbild des leidenden Christus.

Die biblische Basis: Er berief sich auf Matthäus 25,40: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.“ * Die Konsequenz: Wer die Indigenen quält, begeht ein Sakrileg und gefährdet sein eigenes Seelenheil. Mitleid wurde hier zur religiösen Pflicht.

3. Die rechtliche Vernunft (Das Werkzeug)

Strukturelle Änderung: Las Casas erkannte, dass Gefühl allein keine politische Veränderung bewirkt. Er übersetzte sein Mitleid in eine präzise juristische Sprache.

Vom Opfer zum Rechtssubjekt: Er argumentierte, dass die Indigenen als vernunftbegabte Wesen natürliche Rechte besitzen (Eigentum, Freiheit, Selbstbestimmung), die selbst der spanische König respektieren muss.

Fazit: Mitleid war bei Las Casas der Funke, der Glaube das Fundament und die juristische Vernunft das Werkzeug, mit dem er das moderne Konzept universaler Menschenrechte vorbereitete.


Für mich ist das schlüssig.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Moderator schrieb am 04.01.2026 um 15:42 Uhr (Zitieren)
@Andreas:
Bitte die formalen Kriterien an einen KI-Beitrag erfüllen:
Angabe des verwendeten KI-Modell und
Wortlaut der gestellten Frage(n).

Sonst wird der Beitrag gelöscht.
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Moderator schrieb am 05.01.2026 um 09:19 Uhr (Zitieren)
@Andreas:

Deadline ist heute 18 Uhr
Re: Menschenrechte und Menschenwürde
Andreas schrieb am 05.01.2026 um 09:20 Uhr (Zitieren)
Die Anfrage bei GEMINI war:
War Mitleid das Motiv von Las Casas?ὧ
 
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