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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Jesus eines Antisemiten (130 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 16:55 Uhr (Zitieren)
[...] Wer die Behauptung aufstellt, Christus sei ein Jude gewesen, ist entweder unwissend oder unwahr: unwissend, wenn er Religion und Rasse durcheinanderwirft, unwahr, wenn er die Geschichte Galiläas kennt und den höchst verwickelten Tatbestand zu Gunsten seiner religiösen Vorurteile oder gar, um sich dem mächtigen Judentum gefällig zu erzeigen, halb verschweigt, halb entstellt (1).

Die Wahrscheinlichkeit, dass Christus kein Jude war, dass er keinen Tropfen echt jüdischen Blutes in den Adern hatte, ist so gross, dass sie einer Gewissheit fast gleichkommt. Welcher Rasse gehörte er an? Darauf lässt sich gar keine Antwort geben. Da das Land zwischen Phönizien und dem in seinem südwestlichen Teile mit semitischem Blute durchtränkten Syrien lag, dazu vielleicht von seiner früheren gemischt-israelitischen (doch zu keiner Zeit jüdischen) Bevölkerung nicht ganz gesäubert war, ist die Wahrscheinlichkeit eines vorwiegend semitischen Stammbaumes gross.

Wer aber nur den geringsten Einblick in das Rassenbabel des assyrischen Reiches getan hat, und wer dann erfährt, dass aus den verschiedensten Teilen dieses Reiches Kolonisten in jene frühe Heimstatt Israels übersiedelten, wird nicht schnell bei der Hand mit einer Antwort sein. Es ist ja möglich, dass es in einigen dieser Kolonistengruppen üblich war, untereinander zu heiraten, wodurch dann ein Stamm sich rein erhalten hätte; dass aber das über ein halbes Jahrtausend durchgeführt worden sei, ist fast undenkbar; gerade durch den Übertritt zum jüdischen Kultus verwischten sich nach und nach die Stammesunterschiede, die zuerst (II Könige XVII, 29) durch heimatliche Religionsgebräuche aufrecht erhalten worden waren. In späteren Zeiten wanderten nun ausserdem, wie wir hören, Griechen ein; jedenfalls gehörten sie zu den ärmsten Klassen, und nahmen natürlich sofort den „Landesgott“ an! –

Nur eine Behauptung können wir also auf gesunder historischer Grundlage aufstellen: in jenem ganzen Weltteile gab es eine einzige reine Rasse, eine Rasse, die durch peinliche Vorschriften sich vor jeder Vermengung mit anderen Völker-schaften schützte – die jüdische; dass Jesus Christus ihr nicht angehörte, kann als sicher betrachtet werden. Jede weitere Behauptung bedeutet eine willkürliche Annahme.
[...]

i]([Houston Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. 2 Bde. München 141922; Bd. 1, S. 237 f.)[/i]

(1) Eine Anmerkung H. St. Chamberlains an dieser Stelle macht deutlich, daß er dies auf Ernest Renans „Vie de Jésus“ (1863) bezieht.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 16:56 Uhr (Zitieren)
(Houston Stewart Chamberlain: Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts. 2 Bde. München 141922; Bd. 1, S. 237 f.)
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 17:06 Uhr (Zitieren)
Houston Stewart Chamberlain dürfte bekannt sein (bzw. berüchtigt).
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Andreas schrieb am 26.12.2025 um 17:08 Uhr (Zitieren)
Houston Stewart Chamberlain

Dieser Name und der von Graf Gobineau
fielen in meinem Geschichtsunterricht in der
9.Klasse vor vielen, vielen Jahren.
Wenn einer von beiden fällt, denke ich automatisch an den anderen.
https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_de_Gobineau#Das_Denken_Gobineaus

Du kennst ihn sicher auch, oder?
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 17:24 Uhr (Zitieren)
Gobineau steht bei mir im Regal direkt daneben. Ich müßte nachschauen, ob auch er sich zu Jesus geäußert hat.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Info schrieb am 26.12.2025 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Zentrale Textstellen bei Gobineau:

Zur Natur der christlichen Botschaft: Gobineau schreibt sinngemäß, dass die christliche Religion „den Menschen im Staate lässt, wie sie ihn vorgefunden hat“. Er betont, dass Jesus keine soziale oder rassische Umgestaltung plante, sondern eine rein innerliche Erlösung.

Gegen die Gleichheit: Er stellt klar, dass der Satz „Alle Menschen sind Brüder“ nur in einem rein geistigen Sinne vor Gott gelte. Wer daraus eine biologische oder politische Gleichheit ableite, begehe laut Gobineau einen intellektuellen Fehler.

Die „Unfähigkeit“ der Religion: Eine seiner provokantesten Thesen an dieser Stelle ist, dass das Christentum selbst keine Zivilisation erschaffen kann. Er führt an, dass viele Völker (z. B. im Nahen Osten oder in Äthiopien) Christen blieben, aber dennoch zivilisatorisch „verfielen“, weil ihre „Rasse“ degenerierte.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 17:45 Uhr (Zitieren)
Sein bekanntestes Werk ist Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts (1899), das zu einem Standardwerk des rassistischen und ideologischen Antisemitismus in Deutschland avancierte.
Quelle: wikipedia


@Graeculus

Warum bringst du rassistisch antisemitisches?

Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Diese Deutung gehört zur Geschichte des Jesus-Bildes hinzu. Das blende ich nicht aus.

In letzter Zeit habe ich einige Bücher über Jesus gelesen und verstehe den Mann jetzt besser.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 18:01 Uhr (Zitieren)
Siehst Du, info, das hätte ich gerne am Text selbst geprüft, statt mich auf KI-Informationen zu verlassen.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
meine Meinung schrieb am 26.12.2025 um 18:13 Uhr (Zitieren)
statt mich auf KI-Informationen zu verlassen.

Was gibt es dieses Mal an KI auszusetzen?
Re: Der Jesus eines Antisemiten
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 18:28 Uhr (Zitieren)
Welchen Mann verstehst du besser, Jesus oder Chamberlain?

Glaubst du Jesus und seine Zeitgenossen waren von Chamberlains Rassenidee begeistert? Ist es nicht eher so, dass Chamberlain denen etwas nachträglich überstülpt? Die können sich nicht wehren.

Etwas auszublenden, was sich als verhängnisvoll erwiesen hat, ist vernünftiger, als es unreflektiert zu perpetuieren.





Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Du hast es nicht überprüft. Du übernimmst es einfach, wohl wissend, daß ... das ist ja inzwischen häufig genug gesagt worden.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 18:33 Uhr (Zitieren)
Welchen Mann verstehst du besser, Jesus oder Chamberlain?

Jesus.
Gewiß übernehme ich weder Jesus noch Chamberlain unreflektiert. Vor allem Letzteres traue ich auch hier niemandem zu.
Doch man sollte wissen, daß es dieses Jesus-Bild gegeben hat.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 18:59 Uhr (Zitieren)
Gewiß übernehme ich weder Jesus noch Chamberlain unreflektiert. Vor allem Letzteres traue ich auch hier niemandem zu.


Ich sehe hier nichts als den Chamberlain pur. Wo ist die Reflexion?

Re: Der Jesus eines Antisemiten
Γραικύλος schrieb am 26.12.2025 um 19:43 Uhr (Zitieren)
Wo ist die Reflexion?

In meinem Kopf.
Und ich bin sicher, daß auch im Kopf der hiesigen Leser, die ja keine Kinder sind, Reflexion entsteht.
Re: Der Jesus eines Antisemiten
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 19:55 Uhr (Zitieren)
... fragt sich dann welche.

Wir befinden uns ja in einer Zeit des neu angefachten ungehemmten Antisemitismus. Bes. akademische und künstlerische Milieus sind darauf eingeschwenkt, mit moralischem Impetus, wie immer.


Re: Der Jesus eines Antisemiten
βροχή schrieb am 26.12.2025 um 21:42 Uhr (Zitieren)


So wie der Chamberlainsche rassistische Antisemitismus hier dargeboten wird,
ist er unreflektiert.





 
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