α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Mithridatisation (1318 Aufrufe)
Ὑληβάτης schrieb am 09.11.2010 um 18:05 Uhr (Zitieren)
Wikipedia:
Mithridatisation ist das Praktizieren des Selbstschutzes vor Vergiftung per Immunisierung durch allmählich zunehmende Gaben von Giften einer nicht tödlichen Menge.

Die Mithridatisation wurde früher von den Arsenikessern praktiziert, die nach einiger Zeit das Mehrfache der üblichen tödlichen Dosis ohne größere Vergiftungserscheinungen vertrugen. Der Mechanismus der Mithridatisation bei den Arsenikessern beruhte darauf, dass der giftige Stoff nach fortschreitender Gewöhnung immer schlechter resorbiert wird.

Der Begriff geht zurück auf Mithridates VI. dem König von Pontus, der so sehr befürchtete, vergiftet zu werden, dass er regelmäßig kleinere Dosen von Gift einnahm, um eine Immunität zu erreichen. Von Gnaeus Pompeius Magnus in einer Entscheidungsschlacht geschlagen, sollte Mithridates einer Legende zufolge Suizid mit einer tödlichen Dosis Gift begehen wollen. Aber er scheiterte, weil er immun war selbst gegen das tödlichste Gift seiner Zeit. Aus diesem Grund musste ein Soldat ihm mit einem Schwert beim Suizid helfen.
Re: Mithridatisation
Γραικίσκος schrieb am 09.11.2010 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Eine tolle Geschichte! Wo ist denn das überliefert? Bei Plutarch?
Re: Mithridatisation
Ὑληβάτης schrieb am 09.11.2010 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Ich glaube, Sallust hat was darüber. Hab's zufällig gesehen und gedacht: Toll, wieder ein antiker Name für ein Prinzip/"Komplex"/Phänomen/...!
Re: Mithridatisation
Γραικίσκος schrieb am 09.11.2010 um 18:34 Uhr (Zitieren)
Ich probier's mal aus. Ist ja praktisch, wenn man mal vergiftet werden soll. Aber wo bekommt man die Materialien dazu her?
Re: Mithridatisation
Ὑληβάτης schrieb am 09.11.2010 um 18:45 Uhr (Zitieren)
Ähm, ... Was?
Re: Mithridatisation
ανδρέας schrieb am 09.11.2010 um 19:18 Uhr (Zitieren)
Hier ein wenig mehr zu dem Thema:

http://www.welt.de/print-welt/article702627/Tea_for_Two_ein_bisschen_Gift_dazu.html

Arsen wird hier auch als "Erbschaftspulver" bezeichnet. Da sollte man darauf achten, lebendig wertvoller zu sein, als tot. Wohl bekomm`s ... "Schatz".
Re: Mithridatisation
Γραικίσκος schrieb am 09.11.2010 um 19:23 Uhr (Zitieren)
"Erbschaftspulver", das ist spaßig. Dabei kann man es heute ja gut nachweisen.
Allerdings dürfte eine erhebliche Zahl von Morden unentdeckt bleiben, weil der Totenschein zu leichtfertig ausgestellt und keine Obduktion angeordnet wird.
Wegen seiner langsamen Wirkung unterläuft das Arsen ja auch die alte Institution des Vorkosters.
Re: Mithridatisation
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 09.11.2010 um 19:27 Uhr (Zitieren)
Die Methode gibt es heute noch in einer "Light-Version":
Hyposensibilisierung bei Allergien...
;-))
Re: Mithridatisation
ανδρέας schrieb am 09.11.2010 um 19:42 Uhr (Zitieren)
Heute ist der Gattenmord durch Gift ja nicht nur wegen des damit verbundenen Risikos außer Mode gekommen, sondern auch aus Mangel an Notwendigkeit. Gerade in den USA lassen sich Frauen von ihren superreichen Ehemännern wegen „unüberbrückbarer Differenzen“ scheiden und bessern ihre Abfindung dann auch noch auf, indem sie den unmoralischen Lebenswandel ihres Ex-Gatten in einem Buch rücksichtslos publizieren. Der lebt dann zwar noch, aber öffentlich wird er ganz legal entsorgt.

Die Feder ist mächtiger als das Gift …

Re: Mithridatisation
Ὑληβάτης schrieb am 09.11.2010 um 19:42 Uhr (Zitieren)
Aber wer wird versuchen, seinen Erbonkel durch eine Allergie zu töten? Der Vorteil wäre natürlich, dass es wohl sehr schwierig sein wird, eine Straftat nachzuweisen.
Re: Mithridatisation
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 09.11.2010 um 19:47 Uhr (Zitieren)
Die Hypersensibilisierung bei Allergien ist doch auch die Gewöhnung an an äußeres, vor den Patienten unangenehmes, Allergen...;-)
Re: Mithridatisation
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 09.11.2010 um 19:48 Uhr (Zitieren)
Oh Tippfehler...
an ein aüßeres, für den Patienten unagenehmes Allergen
Re: Mithridatisation
Βοηθὸς Ἑλληνικός schrieb am 09.11.2010 um 19:51 Uhr (Zitieren)
das gibt´s doch nicht: ich glaube ich bin heute von der Arbeit übermüdet:
an ein äußeres, für den Patienten unangenehmes Allergen....
....
Re: Mithridatisation
ανδρέας schrieb am 09.11.2010 um 19:59 Uhr (Zitieren)
Die Methode muss ja auf das Opfer abgestimmt werden. Möglicherweise wird die Polizei auch stutzig, wenn jemand im Dezember seiner Birkenpollenallergie erliegt …. Und die genaue Kenntnis der Krankheit lässt ja auch Rückschlüsse auf die verdächtige Umgebung zu (Motiv und Möglichkeit). Insulin soll recht wirksam und nicht nachweisbar sein und bei einem Herzkranken kann die rassige Gattin ihm sicher einige Anstrengungen abverlangen, die bei verspäteter Benachrichtigung des Arztes erbschaftsfördernd wirkt.

Die Jahreszeit scheint mich auf üble Gedanken zu bringen …
Re: Mithridatisation
Ὑληβάτης schrieb am 09.11.2010 um 20:03 Uhr (Zitieren)
Und pikante Gedanken!
Re: Mithridatisation
Πέγασος schrieb am 09.11.2010 um 20:05 Uhr (Zitieren)
Mit dem Ausprobieren von Mithridatisation wäre ich eher vorsichtig, da es auch Gifte gibt, bei denen das nicht funktionieren dürfte; ich denke da an den Fingerhut...

Aber erlitten die Arsenikesser - obwohl sie vor einer akuten Arsenvergiftung offenbar geschützt waren - nicht eine chronische Arsenvergiftung?
Re: Mithridatisation
filix schrieb am 18.02.2025 um 15:59 Uhr (Zitieren)
There was a king reigned in the East:
There, when kings will sit to feast,
They get their fill before they think
With poisoned meat and poisoned drink.
He gathered all that sprang to birth
From the many-venomed earth;
First a little, thence to more,
He sampled all her killing store;
And easy, smiling, seasoned sound,
Sate the king when healths went round.
They put arsenic in his meat
And stared aghast to watch him eat;
They poured strychnine in his cup
And shook to see him drink it up:
They shook, they stared as white's their shirt:
Them it was their poison hurt.
—I tell the tale that I heard told.
Mithridates, he died old.

A.E. Housman


Zu den zeitgenössischen Anwendern der Methode zählt Tim Friede:

https://www.youtube.com/watch?v=4FwPncfEDr4
https://www.youtube.com/watch?v=KnhOsZA3Ix0
https://www.centivax.com/tim
Re: Mithridatisation
Γραικύλος schrieb am 18.02.2025 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Re: Mithridatisation
βροχή schrieb am 18.02.2025 um 17:46 Uhr (Zitieren)
... gesund war das wohl kaum.
Der Alki steht mit 4%o auch noch auf den Füssen, ein gesunder überlebte es nicht.

Wahrscheinlich ist so ein Training nicht bei allen Giften mgl.
Umweltgifte zb. werden im Körper schleichend gespeichert, bis das Mass voll ist.
Re: Mithridatisation
Γραικύλος schrieb am 18.02.2025 um 18:07 Uhr (Zitieren)
Πέγασος schrieb am 09.11.2010 um 20:05 Uhr (Zitieren)
Mit dem Ausprobieren von Mithridatisation wäre ich eher vorsichtig, da es auch Gifte gibt, bei denen das nicht funktionieren dürfte; ich denke da an den Fingerhut...

Aber erlitten die Arsenikesser - obwohl sie vor einer akuten Arsenvergiftung offenbar geschützt waren - nicht eine chronische Arsenvergiftung?
Re: Mithridatisation
βροχή schrieb am 18.02.2025 um 19:30 Uhr (Zitieren)
viell. waren die Mithridatistoren die Urväter der Homöopathen?
Re: Mithridatisation
Γραικύλος schrieb am 19.02.2025 um 15:32 Uhr (Zitieren)
Wenn ich es recht verstanden habe, steigern die Mithridatisatoren die Dosis ja allmählich, während das Prinzip der Homöopathie umgekehrt lautet: Je größer die Verdünnung, desto stärker die Wirkung; am besten: ein Molekül pro Bodensee.
Re: Mithridatisation
βροχή schrieb am 19.02.2025 um 17:33 Uhr (Zitieren)
Wie sie sich unterscheiden ist schon klar. Ich weiss jetzt auch adhoc nicht, welcher Zweig älter ist. Ich meine, die Homöopathie hat den gleichen Grundgedanken: etwas den Körper schwächendes mit dem gleichen zu bekämpfen und nicht mit einem Gegenmittel.


Re: Mithridatisation
Γραικύλος schrieb am 19.02.2025 um 17:48 Uhr (Zitieren)
Während die Immunisierung durch Gewöhnung ja ein nachvollziehbarer Gedanke ist, weiß bei der Homöopathie wohl kein Mensch, wie sie funktionieren soll. Die Idee, Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen, tritt dem gegenüber für mich etwas in den Hintergrund.

Die Homöopathie ist m.W. nicht älter als Samuel Hahnemann (1755-1843).
Re: Mithridatisation
βροχή schrieb am 19.02.2025 um 19:57 Uhr (Zitieren)
Die Wirksamkeit ist nicht nachgewiesen, wahrscheinlich wirkt sie nicht.
Der Grundgedanke ist dann doch interessanter, weil - der hält sich hartneckig. Wo hat er seinen Ursprung?
Viell. bei den Mithridatisten..
Re: Mithridatisation
βροχή schrieb am 19.02.2025 um 20:11 Uhr (Zitieren)
... habe es jetzt nachgelesen, Hahnemann erfand die Homöopathie 1796. Er wollte mit weniger Nebenwirkungen als damals üblich behandeln. Das ist bis heute der Vorteil seiner Mothode.
Wodurch wurde er inspiriert? Ich fürchte man weiss es nicht. Ob er die Mithridatisation kannte?

 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Regenbogen

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.