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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Juden und der Heilige Krieg #1 (87 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.12.2025 um 16:01 Uhr (Zitieren)
1. Numeri 31, 1-20

Der Herr sprach zu Moses:
„Nimm Rache für die Israeliten an den Midianitern; dann sollst du zu deinen Volksgenossen versammelt werden!“
Moses sprach darauf zum Volke also: „Rüstet euch Männer aus eurer Mitte zum Kriegszug aus; sie sollen gegen die Midianiter ziehen, um des Herren Rache an Midian zu vollstrecken!
Je tausend Mann von allen Stämmen Israels sollt ihr zu dem Kriegszug entsenden!“
Es wurden aus Israels Tausendschaften je tausend von jedem Stamme ausgehoben, also 12000 Kampfgerüstete.
Moses schickte sie, je tausend von jedem Stamm, zum Kriegszug aus, mit ihnen Pinchas, den Sohn des Priesters Eleasar; der führte die heiligen Geräte und die Lärmtrompeten mit sich.
Da zogen sie gegen Midian zu Felde, wie der Herr dem Moses befohlen hatte, und töteten alles, was männlich war.
Auch die Könige der Midianiter hieben sie nieder, außer denen, die sie sonst erschlagen hatten, nämlich Ewi, Rekem, Zur, Chur und Reba, fünf Könige Midians; auch Bileam, den Sohn des Beor, hieben sie mit dem Schwerte nieder.
Sodann führten die Israeliten die Weiber Midians und ihre Kinder in die Gefangenschaft; all ihr Vieh und all ihre Herden und ihr gesamtes Hab und Gut erbeuteten sie.
All ihre Städte an ihren Wohnsitzen und all ihre Zeltlager steckten sie in Brand.
Dann nahmen sie die Gesamtbeute und alles, was sie an Mensch und Vieh an sich genommen hatten,
und brachten die Gefangenen, die Beute und den Raub zu Moses, zum Priester Eleasar und zur ganzen Gemeinde der Israeliten ins Lager, in die Steppen Moabs, die am Jordan gegenüber Jericho lagen.
Es gingen Moses und der Priester Eleasar und sämtliche Gemeindefürsten ihnen vor das Lager hinaus entgegen.
Moses aber war zornig über die Heerführer, die Führer der Tausendschaften und die Hauptleute der Hundertschaften, die vom Kriegszug heimkehrten.
Er sprach zu ihnen: „Wie? Ihr habt alle Weiber am Leben gelassen?
Gerade sie sind es ja, die die Israeliten auf Bileams Rat zum Abfall vom Herrn um Peors willen verführt haben, so daß die Heimsuchung über die Gemeinde des Herrn kam.
So tötet nun von den Kindern alle Knaben und von den Frauen jene, die schon mit einem Manne verkehrt haben!
Aber alle Mädchen, die noch mit keinem Manne verkehrt haben, lasset für euch am Leben!
Ihr aber bleibet sieben Tage lang außerhalb des Lagers! Ihr alle, die ihr jemand getötet oder einen Erschlagenen berührt habt, müßt euch am dritten und am siebten Tage mit euren Gefangenen entsündigen.
Auch alle Kleidungsstücke, alles Ledergerät und was aus Ziegenhaar hergestellt ist und alle Holzgeräte müßt ihr gleichfalls entsündigen.“

Re: Juden und der Heilige Krieg #1
Patroklos schrieb am 20.12.2025 um 17:10 Uhr (Zitieren)
Bileams Eselin kann sprechen, wie im Märchen:
Was habe ich dir getan, dass du mich jetzt schon zum dritten Mal schlägst?
Re: Juden und der Heilige Krieg #1
Info schrieb am 20.12.2025 um 17:29 Uhr (Zitieren)
Historisch-kritische Einordnung
Die meisten Exegeten zählen dieses Kapitel zur Priesterschrift (P) oder deren späteren Ergänzungen.

Historizität: Es gibt kaum außerbiblische Belege für einen Vernichtungskrieg dieses Ausmaßes gegen Midian in dieser Zeit. Viele Forscher sehen darin eine literarische Konstruktion, die das Ideal der „völligen Absonderung von fremden Einflüssen“ (besonders nach dem babylonischen Exil) schärfen sollte.

Funktion: Der Text dient als juristische Vorlage für die Verteilung von Kriegsbeute und die rituellen Reinheitsgesetze.

Für den modernen Leser ist der Text aufgrund der Gewalt gegen Frauen und Kinder (V. 17) höchst anstößig. In der Wirkungsgeschichte wurde der Text oft allegorisch gedeutet:

Die Kirchenväter sahen in den Midianitern oft die „Laster“, die man radikal (bis zur Wurzel) ausrotten müsse.

Heute dient der Text oft als Mahnmal für die Gefahren religiös legitimierter Gewalt. Er zeigt die Kehrseite des Erwählungsgedankens: Die Angst vor der „Vermischung“, die in radikale Exklusion umschlägt.



Zusammenfassung: Exegese von Numeri 31, 1–20
1. Inhaltlicher Überblick

Göttlicher Auftrag: Gott befiehlt Mose, Rache an den Midianitern zu nehmen (Vergeltung für die religiöse Verführung in Num 25).

Der Feldzug: Je 1.000 Mann pro Stamm (insg. 12.000) ziehen unter Führung des Priesters Pinhas in einen „Heiligen Krieg“.

Sieg und Beute: Alle Männer und fünf Könige Midians sowie der Seher Bileam werden getötet. Frauen, Kinder und Vieh werden verschleppt.

Moses Zorn: Mose kritisiert, dass die Frauen am Leben gelassen wurden, da sie als Urheberinnen des Abfalls vom Jahwe-Glauben gelten.

Radikaler Befehl: Mose ordnet die Tötung aller Knaben und aller Frauen, die keine Jungfrauen mehr sind, an.

Rituelle Reinigung: Die Krieger müssen sich aufgrund des Kontakts mit Toten sieben Tage lang außerhalb des Lagers rituell reinigen.

2. Historischer Hintergrund & Entstehung

Datierung: Der Text wird der Priesterschrift (P) zugeordnet und entstand vermutlich in der nachexilischen Zeit (6.–5. Jh. v. Chr.).

Kontext: Die jüdische Gemeinde nach dem Babylonischen Exil kämpfte um ihre Identität. Der Text dient als drastische Mahnung zur Abgrenzung gegen fremde Kulte (Synkretismus).

Historizität: Es handelt sich eher um eine theologische Erzählung als um einen historischen Bericht. Die runden Zahlen und der Widerspruch zu späteren Texten (in denen Midian wieder als Großmacht erscheint, vgl. Richter 6) deuten auf eine literarische Konstruktion hin.

3. Zentrale Themen & Motive

Der Sakralkrieg: Der Krieg wird als Gottesdienst verstanden. Die Anwesenheit des Priesters und der heiligen Geräte unterstreicht, dass es nicht um politische Macht, sondern um religiöse Integrität geht.

Kultische Reinheit: Selbst ein gottbefohlener Krieg macht unrein. Die Trennung zwischen der Sphäre des Todes (Schlachtfeld) und der Sphäre des Lebens (Heiligtum/Lager) bleibt gewahrt.

Die Rolle der Midianiter: Sie fungieren im Text als das „Urböse“, das Israel durch sexuelle und religiöse Verführung zu Fall bringen wollte.

4. Kritische Einordnung

Ethik: Der Text gehört zu den „gewalthaltigen Texten“ des Alten Testaments. Er spiegelt die antike Logik des „Banns“ (Cherem) wider, bei dem alles, was Gott entfremdet, vernichtet werden muss.

Zweck: Neben der theologischen Abgrenzung dient das Kapitel als juristische Grundlage für die spätere Verteilung von Kriegsbeute und Abgabenregelungen für Priester und Leviten.
 
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