Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 11:17 Uhr (Zitieren)
Was anscheinend der KI nicht, wohl aber mir auffällt: 1. wie unbarmherzig Gott gegenüber Unbarmherzigen ist (ewige Strafe für zeitliche Sünden), 2. daß Gott nur die Kategorien Schwarz und Weiß kennt, während doch die Menschen in Abstufungen grau gefärbt sind.
Daß der historische Jesus, soweit aus den Evangelien rekonstruierbar, tief in der jüdischen Tradition stand (und innerhalb derer das nahe bevorstehende Reich Gottes verkündete), dem stimme ich zu. Nichts hätte ihm ferner gelegen, als eine neue, nichtjüdische Religion zu gründen.
Allerdings ist dann etwas passiert: Er ist hingerichtet worden, und das Reich Gottes ist nicht gekommen.
Damit war sein Anliegen erledigt; doch nun setzt die Kreativität seiner Anhänger ein und "aus dem Verkünder wird der Verkündigte" (Bultmann).
Re: Das Weltgericht
Patroklos schrieb am 19.12.2025 um 11:29 Uhr (Zitieren)
Die überzeugende Interpretation der „biblischen“ Berichte bzw Verkündigungen lautet:
Warum und zu welchem Zweck verfassten die Autoren diese Texte?
Wie kamen sie etwa auf die Idee, Gott habe seine anfängliche Schöpfung bereut?
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 14:24 Uhr (Zitieren)
Im Falle Jesu ist das ziemlich klar: Der Meister war gescheitert, und seine Anhänger standen vor der Wahl, sich seinen und ihren Irrtum einzugestehen oder die ursprüngliche Botschaft umzudeuten. Am Beginn dieses Projektes stand die Erfindung der Auferstehung, des angeblichen Sieges über den Tod.
Re: Das Weltgericht
Andreas schrieb am 19.12.2025 um 16:08 Uhr (Zitieren)
Dazu meine Anmerkung zur präsentischen Parousie:
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 16:19 Uhr (Zitieren)
Nun ist das natürlich alles eine nachträgliche Neuinterpretation, von welcher Jesus nichts ahnte. Der hat das sicher traditionell-jüdisch verstanden ... und damit ist er gescheitert, wie so mancher andere Weltuntergangsprophet.
Speziell das Johannes-Evangelium hat mit dem historischen Jesus fast nichts mehr zu tun.
Schon der Apostel Paulus, dieser Erzvater aller Umdichter, nimmt auf die historische Person keinen Bezug mehr.
Die Anhänger Jesu konnten sein Scheitern nicht akzeptieren.
Hier haben wir in den Evangelien noch Spuren dessen, was Jesus erwartete:
Re: Das Weltgericht
Andreas schrieb am 19.12.2025 um 16:30 Uhr (Zitieren)
Solange nicht klar definiert ist, was Reich Gottes meint, ist jede Diskussion schwierig und fruchtlos.
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 16:43 Uhr (Zitieren)
Ich halte diesen Satz: "Es sind einige unter denen, die hier stehen, die den Tod nicht kosten, bis sie das Reich Gottes schauen werden", für sehr klar, wenn man ihn aus der Perspektive dessen liest, was Jesus war: ein Jude. Diese Erwartung ist ja Teil der jüdischen Traditon - nur daß Jesus sie für bald bevorstehend erklärt.
Zur Liebe Gottes und ihrer Vereinbarkeit mit ewiger Verdammnis steht ja schon im Eingangszitat etwas. Auch dies in jüdischer Tradition.
Jesus, der Sohn eines Zimmermannes, war eines ganz gewiß nicht: ein Theologe. Und selbstverständlich war er kein Christ. Die ganze christliche Dogmatik, die sich um ihn rankt, wäre ihm ein Buch mit sieben Siegeln gewesen.
Selbst sein Gebet, das "Vaterunser", ist völlig frei davon, ist ganz und gar jüdisch und könnte von jedem Juden mitgebetet werden.
Re: Das Weltgericht
Andreas schrieb am 19.12.2025 um 16:50 Uhr (Zitieren)
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 16:52 Uhr (Zitieren)
P.S.: Die von Jesus verkündete Feindesliebe ist nicht unjüdisch, bezieht sich jedoch - und so auch bei Jesus - nicht auf Nichtjuden.
Nichtjuden hat er überhaupt nicht im Blick.
Das "und lehret alle Völker" ist eine nachträgliche Erfindung von Heidenchristen (um ihre Position zu legitimieren) und widerspricht anderen überlieferten Aussagen Jesu, in denen er seinen Jüngern verbietet, zu Nichtjuden zu gehen.
(Die Stellen kann ich bei Bedarf angeben, muß aber jetzt fort.)
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 16:57 Uhr (Zitieren)
Andreas, Du kannst noch so viel Theologie zitieren - das wird nichts, wenn Du nicht auf das Entscheidende eingehst: Jesus war Jude und dachte als Jude. Und insofern gilt die "Irrtumshypothese" mitsamt "Parusieverzögerung".
Selbst die Berichte der Evangelien, in denen ja schon die paulinische Umdeutung enthalten ist, sind immer sehr kritisch darauf hin zu lesen: Konnte Jesus als Jude und Zimmermannssohn überhaupt so etwas denken bzw. sagen?
Und Paulus war Jesus nie begegnet!
Re: Das Weltgericht
Andreas schrieb am 19.12.2025 um 16:59 Uhr (Zitieren)
Exegetische Bedeutung von en dynámei (in Kraft)
Re: Das Weltgericht
Γραικύλος schrieb am 19.12.2025 um 17:02 Uhr (Zitieren)
Ostern, die Auferstehung, ist natürlich eine Fälschung!
Man vergleiche dazu die verschiedenen Berichte in den Evangelien und der Apostelgeschichte. Da paßt ja nichts zusammen!
Auf der Basis dieser Erfindung konnte man dann weiter fabulieren.
Re: Das Weltgericht
meine Meinung schrieb am 19.12.2025 um 17:06 Uhr (Zitieren)
Aber Christen, die ihn sehr beeindruckt haben müssen.
Vlt. bekam er Schuldgefühle, weil er sie zu Unrecht verfolgt hatte
und von ihrer Lebenweise fasziniert war.