α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Ein Gemälde des Zeuxis #2 (109 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.12.2025 um 14:59 Uhr (Zitieren)
Lukian, Zeuxis oder Antiochos 3-8:
Ich bin zu wenig Kenner, um von denjenigen Vollkommenheiten dieses Gemäldes sprechen zu können, die nicht einem jeden so unmittelbar in die Augen fallen, wiewohl sie alles, was die Malerkunst vermag, in sich begreifen, und ich muß es also den Jüngeren der Kunst, deren Sache es ist, sich auf solche Dinge zu verstehen, überlassen, die Schönheiten dieser Art, die in diesem Meisterwerke vereinigt sind, wie die ungemeine Richtigkeit der Umrisse, die meisterliche Mischung und verständige Wahl der Farben, die geschickte Schattierung, die schönen Verhältnisse aller Teile gegeneinander und die daraus entstehende Harmonie des Ganzen nach Würden zu preisen.

Was ich, meinesteils, an Zeuxis vorzüglich bewundere, ist, daß er in einem und demselben Vorwurf die höchste Vollkommenheit der Kunst auf eine mannigfaltige und so angenehm kontrastierende Art darzustellen gewußt hat. So ist, zum Beispiel, an dem männlichen Kentaur alles furchtbar und wild: sein struppiges mähnenähnliches Haar, sein überall zottiger Leib; seine breiten und fleischigen Schultern, das Rohe und Tierartige in seinem wiewohl lachenden Blicke, kurz alles trägt den Charakter dieser wunderbaren Pferdmenschen. Die Kentaurin hingegen gleicht, sowie sie Pferd ist, der schönsten Stute von jenen thessalischen, die noch ungebändigt sind und keine Reiter getragen haben; in der oberen Hälfte ist sie ein Weib von untadeliger Schönheit, die Ohren ganz allein ausgenommen, die etwas Satyrmäßiges haben: die Verbindung aber des menschlichen und der tierischen Teiles ist so kunstvoll, und der Übergang von einem zum anderen so unmerklich, oder vielmehr sie verlieren sich so sanft ineinander, daß man unmöglich sehen kann, wo der eine aufhört und der andere anfängt.

Auch ist meines Erachtens nicht weniger bewunderungswürdig, daß die neugeborenen Jungen bei aller Zartheit ihres Alters schon etwas Wildes und Furchtbares haben, und das Gemisch von kindischer Furcht und Neugier, womit sie nach dem jungen Welfen hinaufschauen, indem sie zugleich gierig fortsaugen und sich so fest sie können an die Mutter anschmiegen.

(Lukian: Sämtliche Werke. 5 Bde. Nach der Übersetzung von Chr. M. Wieland. Hrsg. von Hanns Floerke. Berlin 1922; Bd. 3, S. 193-195)
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Reiterstatue

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.