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Der Philosoph und die Seele (166 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 08.08.2025 um 14:35 Uhr (
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Den aristotelesgleichen Nikostratos, Platon den zweiten [ἰσοπλάτωνα],
der in der Philosophie Haare zu spalten vermag,
fragte man über die Seele: „Hör, sagt man wohl besser, die Seele
sei von unsterblicher Art oder ein sterblich Geschöpf?
Nennt man sie unleibhaft oder leibhaft? Und zählt sie als Geist nur
oder als greifbares Ding oder als beides zugleich?“
Dieser studierte alsbald die Bücher von Himmelsgebilden,
las Aristoteles‘ Werk über die Seele sich durch
und vergewisserte sich der Erkenntnis des Platon im „Phaidon“,
dann aber fühlte er sich völlig und überall firm.
Würdevoll schlug er darauf den Mantel in Falten, er strich sich
über das Kinn und bracht folgende Deutung zutag:
„Falls eine Seele besteht – dessen bin ich nicht sicher -, so ist sie
zweifellos sterblicher Art, falls sie unsterblich nicht ist,
entweder Stoff oder Geist. Sobald du zum Hades gekommen,
wird so gewiß es dir kund, wie es schon Platon gewußt.
Wenn es dich aber gelüstet, dann mach es dem ambrakiotschen
jungen Kleombrotos nach: stürz dich vom Dache herab.
Dann, Freund, scheidest du dich sofort vom Körper, es bleibt nur
das, was du suchst, und dann – siehst du dein eigenes Ich.“
[Agathias Scholastikos; Anthologia Graeca XI 354]
Re: Der Philosoph und die Seele
Udo schrieb am 08.08.2025 um 15:14 Uhr (
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Zur Person, die wohl nicht viele kennen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Agathias
Dichtungen
Agathias, der offenbar Christ war, ist als Autor eines Daphniaka betitelten Werks bekannt, das in Hexametern verfasste, kurze erotische Mythen enthielt. Es war in neun Bücher eingeteilt und wurde noch zu Lebzeiten des Kaisers Justinian (527 bis 565) publiziert, ist aber bis auf wenige Verse verloren gegangen. Als weiteres dichterisches Werk veröffentlichte Agathias um 567 den sieben Bücher umfassenden sogenannten Kyklos der neuen Epigramme, der eine Reihe eigener Epigramme sowie solche von mehreren seiner Freunde enthielt. Durch die spätere Aufnahme in die Anthologia Graeca sind hiervon über 100 Epigramme des Agathias erhalten geblieben. Diese werden gemeinhin zu den besten Werken der spätantiken Lyrik gezählt.
Originaltexte sind im Netz verfügbar:
https://de.wikisource.org/wiki/Agathias#Textausgaben Re: Der Philosoph und die Seele
Patroklos schrieb am 08.08.2025 um 15:30 Uhr (
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Das engl. Wikipedia gibt ua diese Information:
Agathias recorded the earliest description of the rules of backgammon, which he calls τάβλη (tabula) as it is still called in Greece, in a story relating an unlucky game played by the emperor Zeno.