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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Buch Henoch #1 (196 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 26.07.2025 um 23:02 Uhr (Zitieren)
Henoch ist einer der biblischen Urväter und gilt als Enkel Adams (1 Mos 4, 17). Unter seinem Namen ist der älteste apokalyptische Text überliefert, der als apokryph gilt und in einer äthiopischen Version erhalten ist. Daneben existieren eine slawische Version (2 Henoch) sowie eine hebräische (3 Henoch). 1 Henoch ist auf die Zeit zwischen 130 v.u.Z. und 68 u.Z. zu datieren. Es findet sich dort auch die älteste Schilderung der Hölle.
Die Segensworte Henochs, womit er segnete die Auserwählten und die Gerechten, welche leben werden in der Zeit der Trübsal, wo verworfen werden alle Bösen und Gottlosen. Henoch, ein gerechter Mann, welcher mit Gott war, redete und sprach, als seine Augen geöffnet worden und er gesehen ein heiliges Gesicht in den Himmeln: Dies zeigten mir die Engel.
Von ihnen hörte ich alle Dinge und verstand, was ich sah; das, was geschehen wird nicht in diesem Geschlecht, sondern in einem Geschlecht, welches kommen wird in ferner Zeit, um der Auserwählten willen.
Um ihretwillen sprach und redete ich mit ihm, der da hervorgehen wird aus seiner Wohnung, dem Heiligen und Mächtigen, dem Gott der Welt,
welcher dann treten wird auf den Berg Sinai, erscheinen mit seinem Heer und sich offenbaren mit der Stärke seiner Macht vom Himmel.
Alles wird erschrecken und die Wächter sind bestürzt.
Große Furcht und Zittern ergreift sie bis zu den Enden der Erde. Die erhabenen Berge erbeben und die hohen Hügel werden erniedrigt und schmelzen wie Honigseim in dem Feuer. Die Erde wird überflutet werden und alles, was auf derselben ist, umkommen, wenn das Gericht kommt über alle, auch die Gerechten.
Aber ihnen wird er Friede geben; er wird erhalten die Auserwählten und gegen sie gnädig sein.
So werden denn alle Gottes sein, glücklich und gesegnet und der Glanz Gottes wird sie erleuchten.

[1 Henoch 1, 1-8]
Re: Das Buch Henoch #1
νυξ schrieb am 27.07.2025 um 03:55 Uhr (Zitieren)
Die Quellen der Höllenvisionen im Henochbuch

Die Höllenvisionen im Henochbuch stammen nicht aus einer einzigen Quelle, sondern sind das Ergebnis einer Entwicklung von Vorstellungen über das Jenseits, die sich aus verschiedenen Traditionen speisen. Es handelt sich um ein komplexes Bild, das die apokalyptischen Ideen des Judentums in der hellenistisch-römischen Zeit widerspiegelt.

1. Die Wächter-Tradition (1 Henoch 1–36)

Der älteste Teil des Henochbuches, das "Buch der Wächter", ist die primäre Quelle für die Höllenvisionen. Hier werden Henoch auf seinen Himmelsreisen "schreckliche Plätze" gezeigt. Diese Orte der Strafe waren ursprünglich für die gefallenen Engel, die Wächter, bestimmt, die verbotenes Wissen an die Menschen weitergaben.
Gehenna: Die Vorstellung von einem Ort der ewigen Bestrafung wird mit dem Tal des Sohnes Hinnom (Gehinnom) bei Jerusalem in Verbindung gebracht. Dieses Tal diente in alttestamentlicher Zeit als Müllhalde und Ort von Kinderopfern, was es zum idealen Symbol für die ewige Verdammnis machte.

Extreme Qualen: Die Visionen beschreiben einen Ort, an dem die Verurteilten sowohl von loderndem Feuer als auch von extremer Kälte (Frost, Eis) gequält werden. Diese dualistische Vorstellung von Bestrafung war bahnbrechend und fand später Eingang in andere jüdische und christliche Schriften.

2. Griechische und Persische Einflüsse
Die jüdische Apokalyptik, zu der das Henochbuch gehört, stand im Austausch mit den Kulturen der Zeit.

Griechische Mythen: Das Konzept einer Unterwelt (Hades oder Tartarus), die als Ort der Bestrafung dient, war in der hellenistischen Welt weit verbreitet. Die Bestrafung der gefallenen Engel im Henochbuch weist Parallelen zur Bestrafung der Titanen in der griechischen Mythologie auf.

Zarathustrischer Glaube: Die Lehre des persischen Propheten Zarathustra, die den Kampf zwischen Gut und Böse und ein endgültiges Gericht betont, könnte die klare Trennung von Himmel und Hölle im Henochbuch beeinflusst haben.

3. Das literarische Motiv der "Himmelsreise"

Henochs Reisen dienen nicht nur der Beschreibung der Hölle, sondern vor allem der moralischen Warnung. Als Schreiber der Gerechtigkeit empfängt er diese Visionen, um die Menschen vor den Konsequenzen ihrer Sünden zu warnen. Die Höllenvisionen sind somit eine Form der göttlichen Offenbarung, die den Menschen rettendes Wissen vermitteln soll.

Die Höllenvisionen im Henochbuch ersetzten die bis dahin vagen Vorstellungen des Scheols (ein schattenhaftes Totenreich) durch detaillierte Beschreibungen von Straforten. Sie hatten einen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung der jüdischen und christlichen Eschatologie und prägten die Vorstellung von der Hölle nachhaltig.
(Gemini)
Re: Das Buch Henoch #1
Γραικύλος schrieb am 27.07.2025 um 14:09 Uhr (Zitieren)
Das Kapitel über die Hölle soll noch folgen.
Re: Das Buch Henoch #1
Udo schrieb am 27.07.2025 um 14:34 Uhr (Zitieren)
Zur Nicht-Kanonizität u.a. Info:

Das Buch Henoch wurde aus verschiedenen historischen und theologischen Gründen nicht in den biblischen Kanon aufgenommen:
1. Späte Entstehung und unsichere Autorschaft

Entstanden zwischen 3. Jh. v.Chr. und 1. Jh. n.Chr. - deutlich nach der "Prophetenzeit"
Pseudepigraph - fälschlich dem vorsintflutlichen Henoch zugeschrieben
Mangelnde apostolische Autorität für christliche Gemeinden

2. Theologische Bedenken

Übermäßige Engelslehre - detaillierte Spekulationen über Engelshierarchien und gefallene Engel
Apokalyptische Übertreibungen - zu konkrete Endzeit-Schilderungen
Widersprüche zu etablierten biblischen Lehren

3. Kanonbildungsprozess

Jüdischer Kanon (um 100 n.Chr.): Konzentration auf Tora, Propheten, Schriften
Christlicher Kanon (2.-4. Jh.): Fokus auf apostolische Schriften und etablierte Tradition
Kritische Prüfung durch Kirchenväter (Hieronymus u.a.)

4. Praktische Gründe

Überlieferungsprobleme - nur fragmentarisch in ursprünglichen Sprachen erhalten
Umfang - sehr lange, komplexe Schrift
Begrenzte Verbreitung in frühen Gemeinden

Ausnahme: Die äthiopische Kirche erkannte es als kanonisch an, da es dort früher und vollständiger überliefert war.
Einfluss trotzdem groß: Viele neutestamentliche Konzepte (Menschensohn, Engelslehre) zeigen Henoch-Einflüsse.



Eine sehr wichtige Frage - wer entschied konkret über den Kanon und wann?
Das Problem: Es gab keinen einheitlichen Entscheidungsprozess, sondern verschiedene Personen und Gremien zu verschiedenen Zeiten:
Jüdischer Kanon:

Synode von Jamnia (ca. 90-100 n.Chr.) - aber historisch umstritten, ob es überhaupt eine formelle "Synode" gab
Eher: Rabbinische Gelehrte wie Rabbi Akiba schufen allmählich Konsens

Christlicher Kanon - Schlüsselfiguren:

Marcion (ca. 140) - sein häretischer Kanon provozierte Gegenreaktionen
Irenäus (ca. 180) - argumentierte für Vierevangelium
Origenes (ca. 250) - unterschied zwischen anerkannten und zweifelhaften Büchern
Eusebius (ca. 325) - kategorisierte Schriften systematisch
Athanasius (367) - erster vollständiger NT-Kanon in seinem Osterbrief
Hieronymus (ca. 400) - Vulgate-Übersetzer, kritische Bewertungen

Synoden:

Synode von Rom (382) unter Papst Damasus
Synoden von Hippo (393) und Karthago (397/419)

Problem: Viele Namen, Daten und Entscheidungen sind retrospektiv konstruiert. Der Prozess war gradueller Konsens, nicht formelle Beschlüsse.
Ehrlich: Die genauen "Entscheider" sind oft historisch unklar.
 
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