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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Auf großem Fuße gelebt (335 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 21.07.2025 um 22:54 Uhr (Zitieren)
Re: Auf großem Fuße gelebt
filix schrieb am 22.07.2025 um 00:18 Uhr (Zitieren)
„… Hünen waren das aber nicht unbedingt.“ Mitteleuropäer wurden früher nach Schätzungen im Schnitt etwa 1,65 Meter groß, Frauen erreichten Größen von etwa 1,53 Metern.


Das unterschätzt m.E. ein wenig, dass das römische Militär selbst als selektive Instanz fungierte, die bei der Rekrutierung nach verschiedenen Kriterien auswählte. Zunächst, was die Größe angeht:


„Based on instructions of recruiting commissions, modern scholars argue that the minimum height for recruits was 165 cm while the average height of soldiers of that time was about 170 cm. However, archeologists found skeletons of Roman soldiers who were 174.5 cm and even 190 cm in height. Antique authors, such as Lucius Apuleius and Publius Cornelius Tacitus, reported that soldiers looked higher than civilians.“
https://www.researchgate.net/publication/236946902_The_Roman_army_and_social_mobility_in_the_Pincipate


Dabei bleibt der Zusammenhang zwischen Fuß- und Körpergröße allerdings undifferenziert. Der Artikel legt nahe, dass große Schuhe auf große Menschen schließen lassen, die Beziehung ist aber keineswegs so eindeutig. Fußgröße korreliert zwar mit der Körpergröße, aber nur mäßig. Nicht wenige Menschen haben überproportional große Füße im Verhältnis zur Körpergröße, und umgekehrt. Anders gesagt: Moderne Schuhgröße 47 bei 1,82 cm Körpergröße oder dgl. ist im Bereich des Möglichn, ist im Pool, aus dem eine Armee rekrutiert.
Es braucht also nicht zwingend die sprichwörtlichen Hünen.

Diese Überlegung führt zurück zur militärischen Selektion. Möglicherweise wurden nicht nur große Männer, sondern körperlich robuste Typen bevorzugt, solche, die einen entsprechend überlegenen Gesamteindruck machten. Dazu könnten auch besonders große oder kräftige Füße beigetragen haben, möglicherweise auch vermittelt durch das buchstäblich andere Auftreten. Vgl. das m.E. auf diese Gesamtwirkung zurückzuführende Zitat oben: … looked higher than civilians.

Zuletzt erkennt der (paradoxe) Barfußschuhträger beim Blick auf den abgebildeten Fund sofort eine vertraute Silhouette. Der römische Schuh wirkt wie ein Vorläufer moderner Minimalschuhe – flach, breite Zehenbox, flexibel – und erinnert daran, dass moderne Schuhe oft einfach zu klein und zu schmal gebaut sind, starr bleiben. In einem die funktionale Anatomie des Fußes besser berücksichtigenden Modell entfaltet sich ein menschlicher Fuß ganz anders, insbesondere wenn im militärischen Kontext die Fußmuskulatur entsprechend trainiert wird, mehr als bei zivilen Trägern vergleichbaren Schuhwerks.
Re: Auf großem Fuße gelebt
filix schrieb am 22.07.2025 um 00:25 Uhr (Zitieren)
Ragt die zweite Zitatbox nur bei mir aus dem Layout oder ist das ein generelles Formatierungsproblem bei überlangen Links?
Re: Auf großem Fuße gelebt
Γραικύλος schrieb am 22.07.2025 um 00:53 Uhr (Zitieren)
Diese Erklärung müßte dann aber doch auf alle Soldaten zutreffen; nun heißt es aber in dem Artikel:
Doch Schuhe der Größe 50 bei 1,65 Metern Körpergröße wären außergewöhnlich. Wie sehr, zeigt der Vergleich mit Vindolanda: Dort wurden Tausende römische Lederschuhe ausgegraben, mit Durchschnittslängen zwischen 24 und 26 Zentimetern. Nur 0,4 Prozent dieser Schuhe erreichen die 30-Zentimeter-Marke. In Magna dagegen ist es fast ein Viertel der entdeckten Schuhe.
Re: Auf großem Fuße gelebt
Γραικύλος schrieb am 22.07.2025 um 00:53 Uhr (Zitieren)
P.S.: Bei mir ragt nichts aus dem Layout heraus.
Re: Auf großem Fuße gelebt
filix schrieb am 22.07.2025 um 01:04 Uhr (Zitieren)
Nur unter der Voraussetzung, dass die Selektionskriterien einheitlich waren, es keine für Sonder- und Eliteeinheiten gab oder für bestimmte Verwendungszwecke. Die Behauptung des ersten Satzes setzt außerdem die aus genannten Gründen fragwürdige Durchschnittsgröße als Referenzgröße an, dem ersten englischen Zitat oben kann man aber entnehme, dass 1,65 das Minimum darstellte. Da erscheint Schuhgröße 50 natürlich abnorm.
Re: Auf großem Fuße gelebt
Γραικύλος schrieb am 22.07.2025 um 08:41 Uhr (Zitieren)
Du denkst an eine Spezialtruppe wie die "langen Kerls" Friedrich Wilhelms I.? Welchen Sinn hätte die dort haben sollen?
Re: Auf großem Fuße gelebt
Patroklos schrieb am 22.07.2025 um 10:27 Uhr (Zitieren)
Was aber ist der Fuß als solcher?
Der Fuß ist der unterste Abschnitt des Beins der Landwirbeltiere.
Re: Auf großem Fuße gelebt
filix schrieb am 22.07.2025 um 11:28 Uhr (Zitieren)
Der Hadrianswall war immerhin ein komplexes Verteidigungssystem aus Überwachung, Grenzsicherung und Reaktion auf Überfälle mit unterschiedlichen Truppen, nicht einfach eine Mauer mit Wachtürmen. Es kommen also Eingreiftruppen für Unruhen, Angriffe oder dgl. in Betracht, man sollte auch nicht auf die ethnisch vorselektierten Einheiten vergessen (Cohors I Aelia Dacorum beispielsweise) mit entsprechenden körperlichen Merkmalen.

Die Zahlenspielerei des Artikels hat aber zunächst ein grundsätzliches Problem: Der umstandslose Vergleich der Schuhfunde in Magna (34 Exemplare, davon 25 % über 30 cm) mit den tausenden aus Vindolanda (nur 0,4 % so groß) scheint fragwürdig. Eine so kleine Stichprobe ist stark anfällig für Zufallseffekte. Zudem fehlt die Kontextangleichung: Zeitraum, Truppenzusammensetzung und Entsorgungsverhalten … Möglicherweise hat die Forschung diese Aspekte bedacht, mit zusätzlichen Argumenten adressiert, im Artikel sind sie jedenfalls für mich nicht erkennbar.

Die Verknüpfung der Extrema mit der Durchschnittsgröße von 1,65, die andere als das Minimum bei der Rekrutierung ansehen, dient m.E. ausschließlich dazu, die Größen besonders spektakulär wirken zu lassen. Das Fazit, in diesem Lager hätten einfach erstaunlich viele Menschen erstaunlich große Füße, erscheint unter diesen Aspekten insgesamt wenig befriedigend.

 
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