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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Neros Nussbaum (383 Aufrufe)
filix schrieb am 20.07.2025 um 19:33 Uhr (Zitieren)
In ecclesia sancte Marie de populo sunt omni die Il milia octingenti IIIl annorum, et Il milia CCCCXII quadragene quas confirmabat papa Pascasius primus papa Bonifacius VIllus, Gregorius nonus. Et dicitur sancta Maria de populo, quia a Romano populo edificata est. Tempore Pascalis pape erat quedam arbor nucis aliis arboribus in altitudine precellentis ante portam Flaminicam, ubi est nunc altare maius, in qua arbore demones corpus Neronis custodientes latitabant, quia omnes transeuntes per istam portam Flaminicam trucidabant penitus et suffricabant. Audiens hoc sanctissimus papa pater Pascalis omni populo Romano indicit ieiunium et ipse omni clero in oratione persistente devote supplicando ut deus et beata virgo dignarentur Romanum populum a tam immanissima et terribile peste liberare, cui tertia nocte apparuit virgo Maria dicens: Pascale, egredere ad locum istum, qui porta Flaminia vocatur, iuxta quam reperies nucis arborem allis arboribus precellentibus, quam precidere facias et eradicare et eodem loco ecclesiam meo nomine facias fabricare. Qui cum demandavit, ad locum istum accessit congregato multitudini et cleri et prelatorum et processionaliter et dictam arborem scidi precepit. Mox ut eradicata fuerit, omnes spurcitias demonum fugiebant, ubi ipse propriis manibus altare fundebat et cum predictis reliquiis resignavit et indulgentia suprascripta privilegiavit: parte de umbelico domini et lacte et vestimento beate Marie virginis, et de velo capitis eius, et de ligno sancte crucis, in illo altare in capsula eburnea reclusit. Item de ossibus sancti Petri et Pauli et de pulvere ossium sancti lohannis Baptiste, de ossibus sancti Andree, de ossibus sancte Marie Magdalene et Sixti et sancti Laurentii. Item papa Gregorius nonus propter hoc miraculum et ob reverentiam beate omni populo romano impensum accessit cum magna solempnitate et clero ad predictum locum et ymaginem beate virginis Marie manibus beatum Luca in tabula depicta ibidem portavit et ibi honorifice collocavit.


In der Kirche Santa Maria del Popolo erhält man täglich 2800 Vier-Jahres-Ablässe und 2412 Vierzig-Tage-Ablässe, die von Papst Paschalis, Papst Bonifatius VIII. und Gregor IX. bestätigt wurden. Die Kirche wird „Santa Maria des Volkes“ genannt, weil sie vom römischen Volk errichtet wurde. Zur Zeit von Papst Paschalis stand vor der Porta Flaminia ein Nussbaum, der alle anderen Bäume an Höhe überragte. In diesem Baum verbargen sich Dämonen, die den Leichnam Neros bewachten, und alle, die durch dieses Tor kamen, wurden von ihnen vollständig ermordet und erwürgt.

Als Papst Paschalis davon hörte, rief er das gesamte römische Volk zum Fasten auf und verharrte mit dem gesamten Klerus in Gebet und flehentlicher Bitte, dass Gott und die selige Jungfrau das römische Volk von dieser gewaltigen und furchtbaren Plage befreien mögen. In der dritten Nacht erschien ihm im Traum die Jungfrau Maria und sagte, er solle hinausgehen zu dem Ort, der Porta Flaminia genannt werde. Dort werde er einen Nussbaum finden, der alle anderen Bäume überrage, den er fällen und samt Wurzel entfernen lassen solle. An dieser Stelle solle er eine Kirche zu Ehren der Jungfrau errichten.

Nachdem er diesen Auftrag empfangen hatte, ging er mit einer großen Menschenmenge, mit Klerikern und Prälaten in feierlicher Prozession zu diesem Ort und ließ den Baum fällen. Sobald er ausgerissen war, flohen alle unreinen Geister. An derselben Stelle legte der Papst eigenhändig das Fundament des Altars und setzte die zuvor genannten Reliquien ein. Auch gewährte er die erwähnten Ablässe.

In den Altar schloss er in einer Elfenbeinkapsel Reliquien ein: ein Stück vom Nabel des Herrn, etwas von der Milch und vom Gewand der seligen Jungfrau Maria, ihren Kopfschleier sowie ein Stück vom Holz des heiligen Kreuzes. Außerdem wurden Gebeine der Apostel Petrus und Paulus, Staub von den Gebeinen Johannes des Täufers, Gebeine des Andreas, der heiligen Maria Magdalena, des Sixtus und des Laurentius beigelegt.

Aufgrund dieses Wunders und aus Ehrfurcht vor der seligen Jungfrau kam Papst Gregor IX. mit großer Feierlichkeit und unter Begleitung des Klerus an diesen Ort. Er brachte das Bild der seligen Jungfrau Maria mit sich, das vom seligen Evangelisten Lukas eigenhändig auf eine Holztafel gemalt worden war, und ließ es dort ehrenvoll aufstellen.







(München, Bayerische Staatsbibliothek, Clm 14630: Indulgentiae-Handschrift, Regensburg, Benediktinerkloster St. Emmeram, 14. Jh., fol. 11)
Re: Neros Nussbaum
Γραικύλος schrieb am 20.07.2025 um 23:08 Uhr (Zitieren)
Eine schöne Quelle. Dämonen, die den Leichnam Neros bewachen ...
Alle, die das Tor durchquerten, wurden von ihnen "vollständig ermordet und erwürgt"! Eine kuriose Vorstellung.
Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 20.07.2025 um 23:21 Uhr (Zitieren)
Das gehört wohl in die mittelalterlichen Vorstellungen von Nero als dem inkarnierten Anti-Christen schlechthin, nach historischen Quellen landete Neros Asche aber wahrscheinlich oben auf dem Monte Pincio, an dessen Fuß die Kirche und die Piazza del Popolo heute liegen.
Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 20.07.2025 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Gibt es irgendeine mehr oder minder krumme Verbindung zwischen Nero und Nussbaum? Oder hat das eher etwas mit Dämonologie zu tun?
Re: Neros Nussbaum
βροχή schrieb am 21.07.2025 um 07:28 Uhr (Zitieren)
Re: Neros Nussbaum
Aurora schrieb am 21.07.2025 um 09:04 Uhr (Zitieren)
In der Kirche Santa Maria del Popolo erhält man täglich 2800 Vier-Jahres-Ablässe und 2412 Vierzig-Tage-Ablässe, die von Papst Paschalis, Papst Bonifatius VIII. und Gregor IX. bestätigt wurden

Das sagt der konservative Dogmatiker
und Bioethiker Prof. Ralf Weimann zum Thema ABLASS heute:

https://www.youtube.com/watch?v=U-yBAZvUVag

https://de.wikipedia.org/wiki/Ralph_Weimann

Und ich dachte, das Thema habe sich erledigt.
Das Geschäftsmodell muss immer noch lukrativ sein.

Re: Neros Nussbaum
βροχή schrieb am 21.07.2025 um 09:34 Uhr (Zitieren)

Und ich dachte, das Thema habe sich erledigt.
Das Geschäftsmodell muss immer noch lukrativ sein.


Das gilt für ganz viele Geschäftsmodelle, vom Horoskop über linksdrehenden Yogurt bis zu e-Auto.

Es gibt immer welche, die es abkaufen.

Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 21.07.2025 um 12:51 Uhr (Zitieren)
Gibt es irgendeine mehr oder minder krumme Verbindung zwischen Nero und Nussbaum? Oder hat das eher etwas mit Dämonologie zu tun?


Es besteht möglicherweise ein Zusammenhang mit Il Noce di Benevento:

Die Legende um den Nussbaum von Benevent reicht bis ins 7. Jahrhundert in üblicher Vermischung historischer Fakten und mythischem Volksglauben. Der Walnussbaum (im italienischen schlicht il noce , auch manche Wiedergaben der Nerolegende identifzieren den Baum als solchen) war angeblich der Versammlungsort von Dämonen bzw. Hexen, die dort ihre nächtlichen Rituale abhielten. Diese Vorstellungen basierten auf vorchristlichen Bräuchen, die sich mit mythologischen Elementen antiker Verehrung von Isis usf. verbanden:

"Benevent war damals die Hauptstadt eines langobardischen Herzogtums, und die germanischen Invasoren waren zwar formell zum Christentum (sowohl zum arianischen als auch zum katholischen) übergetreten, hatten aber ihrer traditionellen heidnischen Religion nicht ganz abgeschworen. Unter Herzog Romuald verehrten sie eine goldene Viper (vielleicht geflügelt oder mit zwei Köpfen), die wahrscheinlich mit dem oben erwähnten Isis-Kult in Verbindung stand, da die Göttin in der Lage war, Schlangen zu beherrschen."

Im Zuge der Christianisierung der Region kommt es zu einer vergleichbaren symbolischen Fällung des Baumes durch den Bischof Barbatus von Benevent. Kann also sein, dass diese Erzählung im Mittelalter auf den Baum über Neros Grab übertragen wurde.
Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 21.07.2025 um 12:51 Uhr (Zitieren)
Re: Neros Nussbaum
Patroklos schrieb am 21.07.2025 um 13:58 Uhr (Zitieren)
Ein neronischer Bezug findet sich möglicherweise hier, Juglans.
The most commonly cultivated walnut species is Juglans regia, also known as the Persian or English walnut. This species originated in the regions of Persia, present-day Iran, and Central Asia. The name “Juglans” is derived from the Latin words “jovis” meaning “Jupiter” and “glans” meaning “acorn” or “nut”. This name alludes to the ancient belief in the walnut’s association with Jupiter, the king of the gods, as a symbol of wisdom and divine sustenance.
Re: Neros Nussbaum
Patroklos schrieb am 21.07.2025 um 15:19 Uhr (Zitieren)
Als Abschweifung noch dies:
Die Walnuss ist die welsche, fremde, südländische Nuss. Wlochy ist das polnische Wort für Italien. Der Wortkern findet sich auch in „Bloch“.
Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 21.07.2025 um 15:56 Uhr (Zitieren)
Aber worin bestünde die Beziehung zwischen Nero und Jupiters Eichel genau?

In Jacobo de Albericis Historiarum sanctissimae et gloriosissimae Virginis Deiparae de populo Almae Urbis Compendium (Rom 1599) wurde die Gründungslegende auch illustriert:

https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/22/Alberici_popolo.jpg
Re: Neros Nussbaum
Patroklos schrieb am 21.07.2025 um 16:09 Uhr (Zitieren)
Sind sie nicht zwei Seiten einer Münze? Und Juglans regia wäre der Neronussbaum.
Re: Neros Nussbaum
filix schrieb am 21.07.2025 um 16:26 Uhr (Zitieren)
Ich würde sagen, das regia in der taxonomischen Bezeichnung (die wohl auf Linné zurückgeht) drückt nur die herausragende Stellung, die Besonderheit aus ohne historischen Bezug. Wie in Python regius.
Re: Neros Nussbaum
Patroklos schrieb am 21.07.2025 um 16:44 Uhr (Zitieren)
Python regius hieß schon immer Monty Python, bitte!
 
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