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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Bettdecke gefällig? (364 Aufrufe)
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 13:02 Uhr (Zitieren)
Blanket kommt von blanc, und als Blankett ist es eine (weiße) Leerstelle in einem Formular. In gewissen römischen Rechtsprozessen wurden Stellvertreternamen (Platzhalter/nomen nominandum) verwendet.
Ich sehe:
AULUS AGERIUS (A. A.) – Blankett für den Namen des Klägers
NUMERIUS NEGIDIUS (N. N.) – Blankett für den Namen des Beklagten
REM – Blankett für die konkrete Bezeichnung der Sache
LUCIUS – Beispiel für den Namen des Richters
… falls jemand einen anderen Decknamen sucht…
Re: Eine Bettdecke gefällig?
βροχή schrieb am 09.07.2025 um 13:36 Uhr (Zitieren)

Bankett der Randstreifen an der Straße auf dem Bankette stattfinden.


(Doppelabschweifung um nur 1 Buchstaben)
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Bukolos schrieb am 09.07.2025 um 15:16 Uhr (Zitieren)
Ist ein Blankett nicht eher das (unterschriebene) Dokument selbst, die carte blanche?
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 15:37 Uhr (Zitieren)
Hm,hm.
Blankett ist quasi eine „uneigentliche“ Leerstelle. Womöglich fanden sich die Klarnamen andernorts. Wir kennen das aus Plädoyers etc. „Der Kläger machte geltend.“ und nicht „Herr Bukolos machte geltend.“
Ob Persönlichkeitsrechte eine Rolle spielten?
„Formularprozess“ ist das WIKI-Lemma.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 17:20 Uhr (Zitieren)
Ich habe nochmals nachgedacht: warum sollte auf einem Blankoformular als Unterschrift bereits Lucius stehen?
Geht es um „Bitte entsprechenden Namen einsetzen“ (anstelle von Lucius)?
Ich vermute: Platzhalter.
(Entfernte Funktion von „lorem ipsum“;;)
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Udo schrieb am 09.07.2025 um 17:31 Uhr (Zitieren)
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Γραικύλος schrieb am 09.07.2025 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Blankett lt. Fremdwörterduden:
"[französierende Bildung zu dt. blank] Wertpapiervordruck, zu dessen Rechtsgültigkeit noch wichtige Eintragungen fehlen (Wirtsch.)."

Demnach bezieht sich das Wort auf das gesamte Formular.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
βροχή schrieb am 09.07.2025 um 17:46 Uhr (Zitieren)
Ich vermute: Platzhalter.


Ein besonders abschreckender Platzhalter ist da plaziert, wo man auf dem Zeugnis unterschreiben soll:
Elternteil

Re: Eine Bettdecke gefällig?
βροχή schrieb am 09.07.2025 um 17:52 Uhr (Zitieren)
“Blankett” leitet sich von dem französischen Wort “blanc” ab und steht sowohl für das helle Fleisch als auch die weiße Sauce des Gerichts.

Häufig wird für Blankett das Fleisch zuerst blanchiert, dann warm und nochmals kalt abgespült, in Fond aufgekocht, abgeschäumt und fertig gekocht.


Bon appetit :)


Re: Eine Bettdecke gefällig?
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 18:06 Uhr (Zitieren)
Herr Ober, ich nehme den Lucius, bitte!
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Bukolos schrieb am 09.07.2025 um 18:26 Uhr (Zitieren)
Zitat von Patroklos am 9.7.25, 15:37„Formularprozess“ ist das WIKI-Lemma.

Schwer zu sagen, ob der Wikipediaartikel einen Bedeutungswandel in der Fachterminologie der Rechtshistoriker abbildet oder ob es ein Fehlgriff des Autors ist. Bei Kaser/Knüttel/Lohse werden die Klagformeln, die im Edikt angeschlagen wurden, als Blankett bezeichnet. Der Platzhaltername innerhalb des Blanketts heißt hier Blankettname:

Der Aufbau der Klagformeln folgt bestimmten, in der Praxis entwickelten Regeln, indem gewisse Bestandteile (Klauseln) in den Formeln wiederkehren, ohne doch ein völlig geschlossenes Schema zu bilden. Diese Bestandteile bespricht Gaius (4, 39ff.). Seine Darstellung illustriert er mit Beispielen, wie sie als Blankette auch im Edikt gestanden haben. In ihnen dient als Blankettname für den Kläger Aulus Agerius (von agere, klagen), abgekürzt As. As. (oder Aus. Aus.) und dekliniert im jeweiligen Kasus, und für den Beklagten Numerius Negidius (von numerare, zahlen, und negare, leugnen, verweigern, bestreiten, also derjenige, der sich weigert zu zahlen), abgek. Ns. Ns. (Nus. Nus.). Doch sind auch andere Blankettnamen überliefert (Publius Maevius als Kläger in G. 4, 86; ille in der lex rivi Hib., Rz 59.20).


Kaser/Knüttel/Lohse, Römisches Privatrecht, Ein Studienbuch, 22. Aufl., München 2021.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
filix schrieb am 09.07.2025 um 18:43 Uhr (Zitieren)
Im Englischen ist der blanket name vor allem eine Sammelbezeichnung für Personen oder Dinge, und stellt nicht auf die Weiße (des leeren Formulars) ab, sondern m.E. die Funktion der begrifflichen Abdeckung, blanket bezeichnet ja eine Decke oder Hülle beliebiger Farbe jenseits der Etymologie.

It is, I realize, convenient to have a blanket name for insurgents, and
'Zealots' seems like a good one, since the ideal of zeal for the law was well established. Nevertheless, it would be better if we did not use a single name, and especially if we did not call all insurgents 'Zealots'. That name refers to a specific group at a specific period.


Da man das Phänomen des Platzhalternamens ähnlich beschreiben kann, weil er ja alle potentiellen Namen abdeckt, scheint es zu begrifflichen Unschärfen im 19. Jahrhundert gekommen zu sein.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Bukolos schrieb am 09.07.2025 um 20:29 Uhr (Zitieren)
Was sich noch zu dem eingangs zitierten Abschnitt des Wikipedia-Artikels* sagen lässt: Das Kapitel wurde von einem anonymen Nutzer (keinem registrierten Wikipedianer) verfasst, nicht mit Quellenbelegen versehen, dafür mit drei Abbildungen, bei denen man sich fragt, wozu sie in dem Zusammenhang dienen sollen. Kurz: Darauf, dass der Beiträger den Begriff Blankett richtig verwendet hat, würde ich nicht meine Bettdecke verwetten.

* https://de.wikipedia.org/wiki/Formularprozess#Blankette_im_Formularprozess
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 20:57 Uhr (Zitieren)
…würde ich nicht… verwetten
also nicht einsetzen. Freilich könnte man auch gewinnen.
(Verwetten iSv „verlieren“ erschließt sich mir nicht in der Negation.) oder doch?
Wie ist denn Deine Wette ausgegangen?
Nicht schlecht. Ich habe meine Bettdecke immerhin nicht verwettet.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Patroklos schrieb am 09.07.2025 um 21:15 Uhr (Zitieren)
Wir hatten ja kürzlich Januswörter, Kontronyme.
Ist „verwetten“ ein solches? Oder müsste die gegenteilige Bedeutung dann „in einer Wette gewinnen“ sein. Es ist aber „gewinnen oder verlieren“, also Einsatz.
Ich empfehle den Neologismus „Halbjanuswort“, Semikontronym.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
filix schrieb am 09.07.2025 um 21:28 Uhr (Zitieren)
Die Wette lässt sich vielleicht gewinnen, wenn man noch ein paar seriositätssteigernde Abschreibzyklen zuwartet, 2012 wurde der Eintrag in der WP erstellt, wenn ich nicht irre, 2019 verwendet den Begriff Blankett wie dort i.S.v. Stellervertretername Sibylle Hofer in Leitfaden der Rechtsgeschichte: Quellen und Grundzüge der Rechtsordnung (UTB) S.42 Honsell und Fargnoli gebrauchen ihn 2021 S. 257 in Römisches Recht (Stämpfli), beide beziehen sich auf Aulus Agerius und Numerius Negidius.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
filix schrieb am 09.07.2025 um 21:40 Uhr (Zitieren)
Das Verb verwetten tritt mit der Bedeutung einen Einsatz in einer Wette wagen fast (?) ausschließlich in negierten Sätzen als Ausdruck eines hohen Wettrisikos, das man lieber nicht eingehen will, auf. Sonst bezeichnet es den eingetretenen Verlust bei einer Wette, wozu das Antonym gleicher Basis erwetten lautet, das die Grimms natürlich verzeichnen, aber kaum einer nutzt.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
filix schrieb am 09.07.2025 um 21:59 Uhr (Zitieren)
Ich möchte X nicht darauf verwetten, dass Y … ist also gleichbedeutend mit Ich möchte bei einer Wette darauf, dass Y …, X nicht verlieren.
Den Einsatz verwettet zu haben, drückt umgekehrt nicht nur den Verlust aus, sondern auch, dass sich der Wettende bei der Risikoabschätzung vertan hat. Man könnte von einer Überlagerung der Fehler- bzw. Verlustsemantik des Präfixes (vgl. verrechnen, verlieren) sprechen.
Re: Eine Bettdecke gefällig?
Bukolos schrieb am 09.07.2025 um 22:04 Uhr (Zitieren)
Zitat von filix am 9.7.25, 21:28Die Wette lässt sich vielleicht gewinnen, wenn man noch ein paar seriositätssteigernde Abschreibzyklen zuwartet, ...

Das heißt, es ist nicht unwahrscheinlich, dass ein Korrekturersuchen wikipediaintern abgewiesen würde, weil inzwischen auf Druckwerke verwiesen werden kann, die die Sache (mglw.) aus dem Wikipedia-Artikel übernommen haben. Da kann man dem Bedeutungswandel einmal in statu nascendi zuschauen ...
Re: Eine Bettdecke gefällig?
βροχή schrieb am 09.07.2025 um 22:37 Uhr (Zitieren)

…würde ich nicht… verwetten
also nicht einsetzen.


nicht per Wette verlieren, indem man vor dem Einsatz zurückschreckt. Eine Situatio, in der man vermutet Einsatz = Verlust, also ziemlich aussichtslos
Re: Eine Bettdecke gefällig?
βροχή schrieb am 09.07.2025 um 22:52 Uhr (Zitieren)
[quote]
… verwetten

verwetten bedeutet mind. aufs Spiel setzen, evtl. verlieren.

Was man in einer Wette gewinnen kann oder gewinnt, verwettet ein anderer.

 
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