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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Komposita mit Tieren (402 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.07.2025 um 22:01 Uhr (Zitieren)
Ein Freund arbeitet an einem Projekt (Sammlung, Erläuterung) zu adjektivischen Komposita mit Tieren, die auf Menschen bezogen werden. Also: vogelfrei, vogelwild, bärenstark, pudelnaß, pudelwohl usw.

Was uns angeht: Das Lateinische ist ja nicht so begeistert von Komposita, aber im Griechischen müßte es da doch etwas geben, oder?

Bei dieser Gelegenheit: Warum heißt es eigentlich pudelnaß und pudelwohl, nicht dackel- oder hundenaß/wohl? Warum gerade ein Pudel?
Re: Komposita mit Tieren
Patroklos schrieb am 06.07.2025 um 22:39 Uhr (Zitieren)
Ursprünglich waren Pudel apportierende Jagdhunde, spezialisiert auf die Wasserjagd. Der Name kommt vom altdeutschen puddeln und bedeutet im Wasser planschen.
Re: Komposita mit Tieren
Patroklos schrieb am 06.07.2025 um 22:43 Uhr (Zitieren)
Poodle
dog breed, 1808, from German Pudel, shortened form of Pudelhund "water dog," from Low German Pudel "puddle" (compare pudeln "to splash;" see puddle (n.)) + German Hund "hound" (see hound (n.)). Probably so called because the dog originally was used to hunt water fowl
Re: Komposita mit Tieren
filix schrieb am 06.07.2025 um 23:39 Uhr (Zitieren)
Lässt sich bei pudelnass noch eine Beziehung zur Hunderasse herstellen, die für die Wasserjagd eingesetzt wurde, ist das beim lexikalisierten pudelwohl und noch deutlicher bei vereinzelten Bildungen wie pudeldumm, pudelnärrisch oder pudelkomisch seit dem 19. Jahrhundert nicht mehr so einfach möglich. Der Zusammenhang mit dem Tier zu Recht oder Unrecht zugeschriebenen Eigenschaften wirkt mehr oder minder konstruiert.

Das weist m.E. auf einen Übergang von einem echten Determinativkompositum mit Vergleichsrelation (nass wie ein Pudel bei der Jagd im Wasser) zu einer Präfixoidbildung hin, in der sich pudel- vom semantischen Bezug zum Tier löst und nur noch als (expressiver) Intensivierer fungiert. Das Wort transportiert dabei meist eine stark emotional geprägte Wertung oder Reaktion (Empörung, Überraschung, Begeisterung u. a.), die über eine bloße Beschreibung gradueller Steigerung hinausgeht ("Das war echt eine pudeldumme Idee!«).

Das vertrauteste Beispiel der deutschen Sprache für diesen Wandel eines Tiernamens zum Präfixoid vergleichbarer Funktion ist sau- (vgl. sauwichtig, sauschwierig, sauschwül & c.) Dessen Produktivität hat pudel- allerdings nie erreicht.
Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 07.07.2025 um 00:42 Uhr (Zitieren)
Dieser Beitrag ist saugut. Ich danke!
Re: Komposita mit Tieren
filix schrieb am 07.07.2025 um 19:37 Uhr (Zitieren)
Wie und wo sucht dein Freund denn? Stellt man sich die Frage, wo man all die zwar nach Regeln gebildeten, aber spontaner Eingebung entsprungenen Schönheiten des Mensch-Tier-Vergleichs, die es in kein Wörterbuch geschafft haben, auflesen könnte, kommen u.a. Korpora in Betracht. Über COSMAS II - das „Corpus Search, Management and Analysis System“ des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim - finde ich aalgewandt, bisonschlau, dachsfrech, entengemütlich, fledermausscheu, giraffenhalsstarrig … und ähnliche Pretiosen.

Den Vogel schießt bei dieser Stichprobe Die Presse ab, wo es meiner Ansicht nach semantisch chamäleonesk heißt: »Uns Listenschreibern ist Kant ein absolutes Vorbild, an welches in puncto Listenschreibergenialität sogar der pudelneurotische Menschenfeind Schopenhauer nicht heranreicht.«

Pudelneurotisch kann hier mit einigem Recht als doppeltes Kompositum gelten, das einerseits auf den Vergleich mit der Hunderasse und deren angebliche Anfälligkeit für ängstlich-neurotisches Verhalten zielt, andererseits diese als Objekt der Wahl benennt, darin sich die Neurose des Philosophen ausdrückt, die im Sinne der analysierten Präfixoidbildung auch noch einen erheblichen Schweregrad aufweist.
Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 07.07.2025 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Es steht so, daß seine verstorbene Mutter solche Wörter gesammelt hat, aus Spaß an der Sache. Wir haben nun darüber gesprochen, daß man, Aussagen über Herkunft und Bedeutung hinzufügend, daraus ein Buch machen könnte. Er schriebe es im Gedenken an seine Mutter.
Von der Ausbildung her ist er Germanist.

Deine Anregungen leite ich gerne an ihn weiter. Mir hat die Idee gefallen.
Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 07.07.2025 um 19:52 Uhr (Zitieren)
Grundlage soll also die Sammlung der Mutter sein, an die der Freund sich erinnert. Die muß er aber nun erstmal im Nachlaß seiner Mutter finden, der sich in der Obhut seiner Schwester befindet.
Das ist die aktuelle Lage.
Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 07.07.2025 um 19:55 Uhr (Zitieren)
"Pudelnaß" war in unserem Gespräch das erste uns einfallende Beispiel, das einer Erklärung bedarf, "vogelfrei" das zweite.
Re: Komposita mit Tieren
Patroklos schrieb am 07.07.2025 um 20:12 Uhr (Zitieren)
Es hat wahrlich keine Beziehung zum präfilixschen Thema, wenn ich, zur Abkühlung, Wikipedia zitiere. Nichts Pudeliges, nur ein kleiner, kalter Hund:
Die Schokoladenmasse ähnelt der des Eiskonfektes und nutzt wie dieses den kühlenden Effekt des Kokosfettes beim Schmelzen auf der Zunge, wodurch sich das Attribut „kalt“ in den diversen Bezeichnungen erklärt. Der Name Kalter Hund leitet sich einerseits von den Grubenhunten im Bergbau ab, deren Kastenform an eine Backform erinnert, und andererseits von dem Abkühlen, heute meist im Kühlschrank; die Variante Kalte Schnauze verweist darauf, dass die Oberfläche an die feuchte Schnauze eines Hundes erinnert.
Re: Komposita mit Tieren
filix schrieb am 07.07.2025 um 21:25 Uhr (Zitieren)
Das klingt nach einem interessanten Vorhaben, das reizvolle Abschweifungen erlauben dürfte, hier noch, falls nicht bekannt, der Link zu COSMAS II – passenderweise mit Maulwurf als Maskottchen: https://www2.ids-mannheim.de/cosmas2/

Zwei Hypothesen, die sich mir bei der Recherche aufgedrängt haben und die man in dem Zusammenhang bei Gelegenheit näher prüfen könnte, so in der Fachliteratur noch nicht geschehen:

a) Das Gros der in Mensch-Tier-Vergleichen genutzten Adjektive sind Ableitungen mit Suffixen wie -haft, -artig, -gleich (gelegentlich auch -isch), die eine semantische Öffnung erlauben – es bleibt dem jeweiligen Kontext überlassen, welche Eigenschaft genau angesprochen wird.

Während -haft oder -artig zunächst eher neutral vergleichend auftreten, wirkt -isch in der Tendenz typisierender und oft auch wertend (oder stilistisch markiert) – Beispiele wie äffisch oder hündisch deuten auf stereotype Zuschreibungen hin, nicht selten mit ironischem oder emotional aufgeladenem Unterton. Dennoch bleibt auch hier die konkrete Bedeutung vom jeweiligen Gebrauchskontext abhängig.


b) Die Präfixoidbildung ist linguistisch gesehen sekundär: Am Anfang steht stets ein konkreter Vergleich mit der jeweiligen Tierart – ob gerechtfertigt oder nicht. Erst in der Folge entwickelt sich durch häufige Verwendung, Intensität bzw. Breite der Assoziationen eine semantische Ablösung. Diese erlaubt dem Tiernamen, als expressiver Intensivierer zu fungieren.

Es ließe sich daher vermuten: Je prominenter und semantisch aufgeladen eine Tierart innerhalb solcher Bildungen vorkommt, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass sie zur produktiven Quelle solcher Präfixoide wird. Dabei ist allerdings auch zu berücksichtigen, dass die jeweilige Tierart eine gewisse Offenheit für Pejoration mitbringen muss. Das expressive Potenzial liegt gerade in der Abwertung, der Übertreibung oder dem Lächerlichen. Tierbezeichnungen mit durchweg positiver Konnotation (Bär, Löwe, Adler) eignen sich dafür kaum – ein bärendumm wirkt unplausibel, weil die mitgedachte Eigenschaft schlicht nicht zum Tierbild passt.

Dass Sau und bedingt Pudel (auch nur ein elender Hund letztlich) es schaffen, die Könige und Prinzen des Tierreichs hingegen kaum, wäre demnach keine bloße Laune, sondern sozusagen semantisch motiviertes Selektionsverhalten.
Re: Komposita mit Tieren
Patroklos schrieb am 07.07.2025 um 21:32 Uhr (Zitieren)
Löwenbräu!
Re: Komposita mit Tieren
filix schrieb am 07.07.2025 um 21:43 Uhr (Zitieren)
Der Industriebierleu brüllt wofür oder wogegen?
Re: Komposita mit Tieren
Patroklos schrieb am 07.07.2025 um 22:12 Uhr (Zitieren)
Eigentlich ein filix-Fund:
Der Löwe im Namen stammt von einem Fresko „Daniel in der Löwengrube“ im genannten Brauhaus aus dem 17. Jahrhundert.
(Ich soll jetzt „Löwe“ anklicken. Witzig!)
Re: Komposita mit Tieren
βροχή schrieb am 08.07.2025 um 07:25 Uhr (Zitieren)
vogelwild ist nicht direkt auf Menschen dh. auf Personen bezogen. Das ist die Eigenschaft einer Aktion, eines Ereignsses, eines Produkts welches durch eine Aktion entstand.

Adjektive mit Tieren gibt es einige, meist ein bisschen lustige, ob es genügend sind, um ein ganzes Buch zu füllen?

Re: Komposita mit Tieren
βροχή schrieb am 08.07.2025 um 07:40 Uhr (Zitieren)
Im wiki gibt es eine (unvollständige) Liste

https://de.wiktionary.org/wiki/Verzeichnis:Deutsch/Tiermetaphern

Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 08.07.2025 um 11:08 Uhr (Zitieren)
Nun muß er erstmal die Sammlung seine Mutter finden; diese soll ja die Grundlage bilden.
Re: Komposita mit Tieren
βροχή schrieb am 08.07.2025 um 11:55 Uhr (Zitieren)


... hoffentlich ist die noch findbar, wäre schade wenn sie mit der Mutter verschwand

Re: Komposita mit Tieren
Γραικύλος schrieb am 08.07.2025 um 17:23 Uhr (Zitieren)
Er hat seine Schwester, bei welcher sich der Nachlaß der Mutter befindet, angeschrieben ... und hält mich auf dem Laufenden.
 
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