Γραικύλος schrieb am 04.07.2025 um 23:29 Uhr (Zitieren)
[Lukillios; Anthologia Graeca XI 176]
Re: Der Meisterdieb
Bukolos schrieb am 05.07.2025 um 10:28 Uhr (Zitieren)
Und wird so (ebenso wie durch das jambische Versmaß) zum Komödiencharakter: Der Vers erscheint bereits in den sog. Monosticha Menandri (651 Jäkel), und konnte damit, auch wenn die Monosticha wohl überwiegend nicht aus Menanderkomödien stammen, mindestens seit Kursieren der Sammlung im Komödienzusammenhang wahrgenommen werden.*
* Nauck hatte den Vers, den auch ein mit reichem Zitatenwissen prunkender Cicero in einem Brief an Varro zitiert (fam. 9, 7) in seine Fragmenta Tragicorum Graecorum (adesp. fr. 107) aufgenommen, Kannicht/Snell haben ihn aber mit Verweis auf Jäkels Monosticha-Edition aus ihrer Ausgabe entfernt.
Re: Der Meisterdieb
Patroklos schrieb am 05.07.2025 um 11:16 Uhr (Zitieren)
Zu Snell (und zum Wochenende) sei an Snells hübschen Text „Das I-ah des Goldenen Esels“ erinnert. Er endet:
„Es stellt sich also heraus, daß das einzige wirkliche Wort, das ein griechischer Esel sprechen konnte, das Wort für ‚nein‘ war, während kurioserweise die deutschen Esel gerade umgekehrt immer nur ‚ja‘ sagen.“
Das war, Hermes, 70. Band 1935, wohl nicht ungefährlich. Ob Snell sich damit Ärger eingehandelt hat, weiß ich nicht.
Re: Der Meisterdieb
Bukolos schrieb am 05.07.2025 um 12:30 Uhr (Zitieren)
Das zeigt gewisse Parallelen zu dem antiken Scherz, der persische Großkönig sei nur aufgrund des Vokalismus des Persischen, das angeblich keinen u-Laut besaß, zu seiner unumschränkten Macht gelangt:
Re: Der Meisterdieb
βροχή schrieb am 05.07.2025 um 14:17 Uhr (Zitieren)
Wie heißt jenes nein mit u?
Gab es bei denen überhaupt keinen u-Laut? Auch keinen u-ähnlichen?
Hängt das damit zusammen, dass Ostasiaten nur ein flaches offenes u kennen, keine komplettes rundes u (akustisch, nicht schriftlich)?
Re: Der Meisterdieb
Bukolos schrieb am 05.07.2025 um 17:55 Uhr (Zitieren)
Gemeint ist die Negationspartikel οὐ.
Sowohl im Alt- als auch im Mittelpersischen existiert ein Phonem /ū/ ja offenbar (deshalb schrieb ich "angeblich"). Ob dessen Realisation von dem des griechischen <ου> so stark abwich, dass der Witz möglich wurde, oder ob dieser einfach etwas Nichtzutreffendes behauptet, weiß ich nicht.
Re: Der Meisterdieb
Patroklos schrieb am 05.07.2025 um 17:58 Uhr (Zitieren)
Zum „u“ empfehle ich
Ernst Jünger,
Lob der Vokale,
In:
Blätter und Steine.
Hier ein Pröbchen:
„Unter allen Vokalen fällt dem U die mächtigste Strahlkraft zu.“
Re: Der Meisterdieb
βροχή schrieb am 05.07.2025 um 21:45 Uhr (Zitieren)
Buko u Patro
DANKE für euere Erklärungen :)
... zum u in Bezug auf Asien hatte ich es mir so vorgestellt, je weiter im osten, je offener wird es gesprochen.
... dem u verwandt ist bekanntlich das ü.
die isländer und die türken lieben es über die maßen.
Und das, obwohl ihre Sprachen überhaupt gar nicht so eng verwandt sind. Was führte dazu?