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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Stufen des Glücks (195 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.06.2025 um 14:19 Uhr (Zitieren)
Automedon (um die Zeitenwende):
Εὐδαίμων πρῶτον μὲν ὁ μηδενὶ ὀφείλων,
εἶτα δ‘ ὁ μὴ γήμας, τὸ τρίτον ὅστις ἄπαις.
ἢν δὲ μανεὶς γήμῃ τις, ἔχει χάριν, ἢν κατορύξῃ
εὐθὺς τὴν γαμετὴν προῖκα λαβὼν μεγάλην.
ταῦτ‘ εἰδὼς σοφὸς ἴσθι. μάτην δ‘ Ἐπίκουρον ἔασον
ποῦ τὸ κενὸν ζητεῖν καί τίνες αἱ μονάδες.

Glücklich zum ersten ist der, der keinem Menschen was schuldet,
zweitens, wer niemals gefreit, drittens, wer kinderlos ist.
Freit einer töricht, dann tröstet’s, das Weib wieder rasch zu begraben
und ihr reichliches Gut selbst zu verbrauchen für sich.
Das überleg dir, sei klug! Wo der leere Raum ist und wie es
um die Monaden wohl steht, laß diesen Kram Epikur!

[Anthologia Graeca XI 50]
Re: Stufen des Glücks
Udo schrieb am 12.06.2025 um 14:40 Uhr (Zitieren)
Stimmt Folgendes:
μονάδες (monades) bei Epikur bezeichnet nicht die Atome selbst.
μονάς/μονάδες stammt aus der pythagoreischen Tradition und bezeichnet die Einheit als mathematisch-philosophischen Grundbegriff - "den Grund-Zahlbegriff, aus dem alle anderen Zahlen entstehen".
Im Epigramm-Kontext:
Der Dichter macht sich lustig über zwei verschiedene philosophische Abstraktionen Epikurs:
τὸ κενόν = das Leere/Vakuum (aus der Atomlehre)
αἱ μονάδες = die Einheiten (aus der mathematisch-philosophischen Tradition)
Es sind also zwei getrennte Bereiche epikureischer Spekulation, nicht synonyme Begriffe für Atome.

PS:
Entwicklung des Monade-Begriffs:
Pythagoreer (6./5. Jh. v.Chr.)
Die Monas als metaphysischer Ursprung aller Zahlen und der Einheit
Antike griechische Mathematik
Euklids Definition: eine Zahl ist "eine aus Monaden zusammengesetzte Mannigfaltigkeit"
Neuplatonismus (3.-6. Jh. n.Chr.)
Entfaltung des Begriffs im Neuplatonismus, besonders bei Plotin und seinen Nachfolgern
Mittelalter
Weiterentwicklung in der christlichen Mystik, jüdischen Kabbala und hermetischen Tradition
Leibniz (1646-1716)
Die berühmte "Monadologie" von 1714 - seine systematische Monadenlehre in 90 Paragraphen
Nach Leibniz
Im 19. Jahrhundert fallen die Bedeutungen "in Spezialbedeutungen auseinander"
Bei Leibniz "bündeln sich dann fast alle" vorherigen Traditionen - er schafft die systematischste und einflussreichste Monadenlehre, die den Begriff bis heute prägt.
Der Begriff war also keineswegs Leibniz' Erfindung, sondern er führte eine über 2000 Jahre alte philosophische Tradition zu ihrem Höhepunkt!
Re: Stufen des Glücks
Udo schrieb am 12.06.2025 um 14:41 Uhr (Zitieren)
PS:
Automedon (um die Zeitenwende):
Griechischer Epigrammatiker der augusteischen Zeit (ca. 1. Jahrhundert v./n. Chr.)
Charakteristika:

Verfasser satirischer Epigramme
Spottete über "schlechte Gastmahlssitten"
Überliefert in der Griechischen Anthologie
Zeitgenosse von Antipatros und Philippos von Thessalonike
Vorbild für spätere Spottdichter wie Lukillios

Stil:
Zynisch-satirische Epigramme mit gesellschaftskritischem Inhalt
Gehört zur Blütezeit des hellenistischen Epigramms in der frühen Kaiserzeit.
Re: Stufen des Glücks
βροχή schrieb am 12.06.2025 um 15:09 Uhr (Zitieren)
Ein Frauenhasserepigramm.
Da hilft nur eins, den Spiess umzudrehen in Richtung Epigrammator
Freit eine töricht, dann tröstet’s, jenen Mann wieder rasch zu begraben
und sein reichliches Gut selbst zu verbrauchen für sich.

Re: Stufen des Glücks
Γραικύλος schrieb am 12.06.2025 um 15:32 Uhr (Zitieren)
Auch mir erscheint dieses Gedicht zynisch. Nicht nur weit von Epikurs Atomen entfernt, sondern ebenso von seiner Ethik.
Re: Stufen des Glücks
Werner schrieb am 12.06.2025 um 15:37 Uhr (Zitieren)
und sein reichliches Gut selbst zu verbrauchen für sich.

mit einem Latin Lover !
 
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