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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Wer hat eigentlich Goliath getötet? (198 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 29.05.2025 um 12:12 Uhr (Zitieren)
Das weiß ja nun jedes Kind. Und es steht 1 Samuel 17 ff.

Da überrascht es, in 2 Samuel 21, 19 zu lesen:
Noch einmal kam es bei Gob zu einem Kampf mit den Philistern. Da schlug Elchanan, der Sohn Jafrs aus Bethlehem, den Goliath aus Gat, dessen Lanzenschaft wie ein Weberbaum war.
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Patroklos schrieb am 29.05.2025 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Wer mehr über diesen tapferen Mann erfahren mag, schlage ihm das „c“ weg.
https://de.wikipedia.org/wiki/Elhanan_(Bibel)?wprov=sfti1#
(Mit „c“ ist eine Variante)
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Udo schrieb am 29.05.2025 um 13:01 Uhr (Zitieren)
Wie dieser scheinbare Widerspruch erklärt wird

Es gibt mehrere gängige Erklärungsansätze und historische Perspektiven dazu:

Textkritische Erklärung: Schreibfehler oder redaktionelle Änderung
Dies ist die am weitesten verbreitete und von der Forschung bevorzugte Erklärung. Es wird angenommen, dass es sich um einen Kopierfehler (einen Schreibfehler) in der Überlieferung des Textes handelt.
In der parallelen Stelle in 1. Chronik 20,5 steht: "Und es kam wieder zum Kampf mit den Philistern; da erschlug Elchanan, der Sohn Jaïrs, den Lahmi, den Bruder Goliaths von Gat, dessen Lanzenschaft wie ein Weberbaum war."
Es wird vermutet, dass im Text von 2. Samuel 21,19 ursprünglich ebenfalls "Lahmi, den Bruder Goliaths" stand, und dass im Laufe der Jahrhunderte beim Abschreiben der hebräischen Texte der Name "Lahmi" (לַחְמִי) weggelassen oder zu "Goliath" (גָּלְיָת) verlesen wurde und "Bruder" (אֲחִי) verloren ging. Der hebräische Ausdruck für "Bruder Goliaths" kann leicht mit "Goliath von Gat" verwechselt werden, wenn Vokalzeichen fehlen oder Buchstaben ähnlich sind.
Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass der Chronist (der Autor des Buches der Chronik, der oft ältere Quellen wie die Samuelbücher verarbeitete) offenbar Zugang zu einer Textversion hatte, die den "Bruder Goliaths" nannte.

Zwei Goliaths:
Eine weniger verbreitete Erklärung ist die Annahme, dass es tatsächlich zwei verschiedene Goliaths gab. Einer, der von David getötet wurde, und ein anderer, der später von Elchanan erschlagen wurde. Allerdings wird dies durch den Zusatz "dessen Lanzenschaft wie ein Weberbaum war" bei Elchanans Gegner geschwächt, da dies eine sehr spezifische und beeindruckende Beschreibung ist, die in beiden Texten fast identisch für Goliaths Waffe verwendet wird.

Elchanan ist ein anderer Name für David:
Eine weitere, aber ebenfalls weniger favorisierte Hypothese besagt, dass "Elchanan" ein weiterer Name für David selbst sein könnte oder dass es sich um eine frühere Tradition handelt, die David zugeschrieben wurde, bevor die bekanntere Geschichte der Goliath-Tötung durch David populär wurde.

Fazit

Die textkritische Erklärung ist die am meisten akzeptierte. Sie geht davon aus, dass der Chronist (im Buch 1. Chronik) die ältere oder korrektere Überlieferung bewahrt hat, während der Text in 2. Samuel 21,19 einen redaktionellen Fehler enthält. Die biblische Forschung betrachtet dies nicht als einen Widerspruch im Sinne einer Falschinformation, sondern als eine Abweichung, die durch die komplexe Überlieferungsgeschichte der alten Texte erklärt werden kann.


Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Γραικύλος schrieb am 29.05.2025 um 15:33 Uhr (Zitieren)
Die Annahme des Kopierfehlers in 2 Sam und der korrekten Version in 1 Chron fände ich noch plausibler, wenn auch die eigentliche David-Goliath-Geschichte in 1 Chron stünde; das tut sie jedoch nicht.
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Γραικύλος schrieb am 29.05.2025 um 15:35 Uhr (Zitieren)
Wohlgemerkt, da wird allerlei über David berichtet, aber nicht sein Kampf mit Goliath.
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Andreas schrieb am 29.05.2025 um 16:02 Uhr (Zitieren)
Hier sind einige Schlüsselaspekte, was die Religionspsychologie dazu sagt:

Symbol des "Underdogs" und des Überwindens von Angstriesen:
Die Geschichte ist ein Paradebeispiel für den Triumph des Schwachen über den Starken, des Kleinen über den Großen. Psychologisch gesehen resonieren die meisten Menschen mit Davids Situation: Wir alle stehen im Leben vor "Goliaths" – scheinbar übermächtigen Problemen, Ängsten, Herausforderungen oder Systemen, die uns einschüchtern.
Goliath symbolisiert die Angstriesen, die uns lähmen können: Existenzängste, Krankheit, soziale Ängste, scheinbar unüberwindbare Aufgaben, aber auch innere Dämonen oder Traumata. David steht für die innere Stärke, den Mut und das Vertrauen, diese Ängste und Herausforderungen anzugehen.

Bedeutung von Glaube und Vertrauen (Selbstwirksamkeit):
David vertraut nicht auf konventionelle Waffen oder seine eigene physische Stärke, sondern auf Gott und seine eigenen Fähigkeiten (die Schleudertechnik, die er als Hirte gelernt hat). Religionspsychologisch kann dies als tiefe Form der Selbstwirksamkeit interpretiert werden, die durch den Glauben genährt wird. Es ist die Überzeugung, dass man – auch mit begrenzten Mitteln – eine Situation meistern kann, wenn man auf eine höhere Macht vertraut (im religiösen Kontext Gott) oder auf seine eigenen, vielleicht unkonventionellen Stärken.
Es geht um die Kraft des Glaubens: Die psychologische Wirkung eines unerschütterlichen Vertrauens in die eigene Sache oder in eine transzendente Kraft kann Furcht überwinden und Handlungen ermöglichen, die rational unmöglich erscheinen.

Die Rolle der unkonventionellen Strategie ("Köpfchen gegen Muskeln"):
David lehnt Sauls Rüstung ab und wählt eine asymmetrische Kriegsführung. Dies kann psychologisch als die Fähigkeit gedeutet werden, Probleme kreativ und außerhalb etablierter Denkmuster anzugehen. Goliath ist auf den Nahkampf mit schwerer Rüstung optimiert; Davids Schleuder neutralisiert diese Vorteile und nutzt Goliaths Schwachstelle (die Stirn) und seine eigene Beweglichkeit aus.
Für die Psychologie ist dies ein Lehrstück darüber, dass die scheinbaren Schwächen eines "Underdogs" oft seine größten Stärken sein können (z.B. Agilität, unkonventionelles Denken), während die Stärken des "Riesen" (Größe, schwere Rüstung) ihn langsam und verwundbar machen können.

Transformation und Individuation (nach Jungianischer Psychologie):
In einer tiefenpsychologischen Lesart (z.B. nach C.G. Jung oder Eugen Drewermann) kann die Geschichte als ein Archetyp der Individuation verstanden werden. Der Kampf zwischen David und Goliath spiegelt einen inneren Konflikt wider: den Kampf des Ichs mit einem übermächtigen Schattenanteil oder einem inneren Komplex.
David, der junge Hirte, der zum König wird, repräsentiert das Potenzial zur Entwicklung und Reifung des Individuums. Goliath könnte ein Symbol für das sein, was im Individuum überwunden werden muss, um Ganzheit zu erreichen – sei es eine psychische Blockade, eine verdrängte Aggression oder ein übermächtiges elterliches Bild.
Der Sieg Davids wäre dann die Integration oder Überwindung dieser inneren Hürde, die zur psychischen Reifung führt.

Religiöse Erzählung als Ressource für Resilienz:
Die Geschichte von David und Goliath dient vielen Menschen als spirituelle Ressource zur Stärkung ihrer Resilienz. Sie bietet ein Narrativ, das Mut macht, wenn man sich klein und ohnmächtig fühlt.
Die Identifikation mit David gibt Hoffnung, dass auch in aussichtslosen Situationen ein Ausweg gefunden werden kann, und ermutigt dazu, sich Herausforderungen zu stellen, anstatt vor ihnen zu fliehen.

Zusammenfassend sagt die Religionspsychologie, dass die Erzählung von David und Goliath weit über ihren historischen oder theologischen Gehalt hinausgeht. Sie ist eine kraftvolle psychologische Metapher für den menschlichen Kampf gegen überwältigende Widrigkeiten, die Bedeutung von Glaube und Selbstvertrauen, die Wirksamkeit kreativer Problemlösung und den Prozess der inneren Reifung. Sie spricht universelle menschliche Erfahrungen an und bietet ein Modell für den Umgang mit scheinbar unüberwindbaren Herausforderungen.
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Γραικύλος schrieb am 29.05.2025 um 16:36 Uhr (Zitieren)
Nicht dies ist allerdings mein Problem, sondern daß wir es hier mit drei Textstellen des Tanach zu tun haben, die nicht miteinander kompatibel sind.
Re: Wer hat eigentlich Goliath getötet?
Andreas schrieb am 29.05.2025 um 16:56 Uhr (Zitieren)
Ich weiß und wollte nur Zusatzinfos liefern, weil ich die Religionspsychologie für sehr wichtig halte
für die moderne Exegese, ja unabdingbar, weil es
um zeitlose Grunderfahrungen und Grundkonstanten in der Anthropogenese geht.
Mit moderner Psychologie lässt sich heute auflösen und erklären, was früher zu großen logischen Problemen und Widersprüchen führte.

Nicht zuletzt geht es um die Rettung des Humanum, das völker-und religionsübergreifend herauszuarbeiten ist auch im Blick auf eine universale Anthropologie mit Grundwerten für
eine humane Gesellschaft der Zukunft , vernunftbasiert und gewaltfrei bei Problemlösungen.
vgl:
Hans Küng, Weltethos
https://de.wikipedia.org/wiki/Weltethos
 
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