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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Ermordung Caesars #5 (175 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 25.05.2025 um 23:32 Uhr (Zitieren)
(Fortsetzung Plutarch)
66. Doch mochte hier der Zufall die Hand im Spiel haben. Daß aber eine göttliche Macht Caesar führte und an die Stelle rief, wo die Tat geschehen sollte, daran vermag kein Zweifler zu rütteln: Der Senat war nämlich in einem jener Prachtgebäude versammelt, welche Pompejus (5) neben seinem Theater errichtet hatte, und ein Pompejusstandbild erhob sich an der Stätte, wo das blutige Schauspiel vor sich ging. Auch soll Cassius, ehe er den Streich führte, mit einem Blick auf die Statue im stillen den Pompejus um Beistand angerufen haben, obwohl er sonst der Lehre Epikurs (6) anhing. Aber im Augenblick, da die Schreckenstat vollbracht werden sollte, ergriff ihn eine begeisterte Erregung und ließ ihn seine früheren Grundsätze vergessen. Vor dem Sitzungsraum verwickelte Brutus Albinus den Antonius absichtlich in ein langes Gespräch, um ihn festzuhalten; denn Antonius stand treu zu Caesar und war ein ungewöhnlich kräftiger Mann. Als Caesar den Saal betrat, erhoben sich die Senatoren ehrerbietig von ihren Sitzen. Einige von Brutus’ Freunden stellten sich hinter Caesars Stuhl, die andern gingen ihm entgegen, als wollten sie das Gesuch des Tullius Cimber unterstützen, welcher für seinen verbannten Bruder um Gnade bat, und immerfort mit Bitten ihn bestürmend folgten sie ihm bis zu seinem Sessel. Caesar nahm Platz, dann schlug er das Gesuch rundweg ab, und als sie heftiger in ihn drangen, wies er jeden, der das Wort an ihn richtete, barsch zurück. Da faßte Tullius mit beiden Händen seine Toga und riß sie ihn vom Hals herunter. Dies war das verabredete Zeichen zum Angriff. Zuerst traf ihn Casca (7) mit dem Dolch in den Nacken, doch ging der Stich nicht tief und war nicht tödlich, da Casca – man begreift es wohl – im ersten Augenblick der kühnen Tat vor Aufregung zitterte. Caesar vermochte sich umzudrehen, den Dolch zu packen und festzuhalten. Und miteinander riefen beide, der Verwundete auf lateinisch: „Verruchter Casca, was tust du?“, Casca auf griechisch, zu seinem Bruder gewendet: „Bruder, hilf!“ Schauderndes Entsetzen faßte die Nichteingeweihten bei diesem ersten Stoß, sie wagten nicht zu fliehen noch Caesar beizuspringen, kein Laut kam über ihre Lippen. Die Verschworenen aber entblößten alle die Schwerter und umringten den Überfallenen. Wohin sich Caesar wendete, überall zuckten Hiebe, fuhren ihm Klingen vor Gesicht und Augen hin und her, er wurde durchbohrt wie ein wildes Tier, sich windend unter den Händen seiner Mörder. Denn es war ausgemacht, daß jeder das Opfer treffen und von seinem Blute kosten müsse. So führte auch Brutus einen Streich und verwundete ihn am Unterleib. Einige Berichte fügen bei, Caesar habe sich eine Zeitlang gegen die Angreifer gewehrt und sich schreiend hin- und hergeworfen, um den Stößen zu entgehen. Aber als er Brutus mit gezogenem Schwert unter den Gegnern erblickte, zog er die Toga übers Haupt und leistete keinen Widerstand mehr. Er brach am Sockel, auf welchem die Pompejusstatue stand, zusammen – aus Zufall oder weil die Mörder ihn dorthin gedrängt hatten. Sein Blut spritzte über das Standbild, es sah aus, als leite Pompejus selber die Rache an seinem Feinde, welcher, zu seinen Füßen hingesunken, aus vielen Wunden blutend, mit dem Tode rang. Dreiundzwanzigmal soll er getroffen worden sein. Auch die Mörder hatten sich gegenseitig verwundet, da so viele Schwerter nach dem einen Körper zielten.

67. Als Caesar tot war, trat Brutus vor die Senatoren, um über die Tat zu sprechen. Aber keiner war imstande, ihn anzuhören, alle stürzten hinaus ins Freie. Ihre Flucht verbreitete ratlose Verwirrung und blinde Angst unter dem Volk. [...]

(Plutarch: Parallelbiographien: Alexandros und Caesar)

(5) Gnaeus Pompejus Magnus (106-48), ein früherer Rivale Caesars, ermordet nach einer militärische Niederlage auf der Flucht vor Caesar
(6) Die Anhänger dieses griechischen Philosophen glaubten nicht an ein Leben nach dem Tod. Die Anspielung kann sich auch darauf beziehen, daß Epikur die Enthaltung von der Politik empfahl.
(7) Publius Servilius Casca
Re: Die Ermordung Caesars #5
βροχή schrieb am 26.05.2025 um 08:26 Uhr (Zitieren)
(zu 6)

das bezieht sich wohl auf die Politik. Ob es ein Leben nach dem Tod gibt, ist für die Tat nicht relevant, diese spielt sich so oder so im diesseits ab.

Re: Die Ermordung Caesars #5
Werner schrieb am 26.05.2025 um 12:48 Uhr (Zitieren)
Ob es ein Leben nach dem Tod gibt,

Das gibt es in Form von "Sic itur ad astra."

Wir alle landen einst in der zum Weißen Zwerg gewordenen Sonne.

Die Sonne wird voraussichtlich in etwa 5 Milliarden Jahren zu einem Weißen Zwerg werden.

Dieser Prozess wird nicht plötzlich geschehen, sondern in mehreren Phasen ablaufen:

Roter Riese (ca. 5 Milliarden Jahre in der Zukunft): Zuerst wird der Wasserstoffvorrat im Kern der Sonne zur Neige gehen. Dadurch wird sie sich stark ausdehnen und zu einem Roten Riesen anschwellen. Dabei wird sie die inneren Planeten Merkur und Venus verschlucken, und es ist sehr wahrscheinlich, dass auch die Erde von der expandierenden Sonne verschlungen und verbrannt wird.

Abstoßung der äußeren Schichten: Nach der Phase des Roten Riesen wird die Sonne ihre äußeren Gasschichten abstoßen. Diese bilden dann einen sogenannten planetarischen Nebel – eine wunderschöne, leuchtende Gashülle, die sich um den Kern ausbreitet.

Weißer Zwerg: Was übrig bleibt, ist der extrem dichte, heiße und ausgebrannte Kern des Sterns. Dies ist der Weiße Zwerg. Er hat dann etwa die Größe der Erde, enthält aber noch einen Großteil der ursprünglichen Sonnenmasse. In einem Weißen Zwerg finden keine Kernfusionen mehr statt; er strahlt nur noch die gespeicherte Restwärme ab.
Re: Die Ermordung Caesars #5
Γραικύλος schrieb am 26.05.2025 um 18:38 Uhr (Zitieren)
An βροχή:

Ich verstehe es so: Er ruft den Pompeius an, obgleich der ja schon tot ist und daher im Sinne Epikurs gar nicht mehr existiert. Die Anrufung eines Verstorbenen ist für einen Epikureer eigentlich sinnlos.
 
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