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Die Ermordung Caesars #3 (179 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 23.05.2025 um 22:39 Uhr (
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III. DER BERICHT DES VELLEIUS PATERCULUS (ca. 30 v.u.Z. – 40 u.Z.)
57. Wie die Erfahrung lehrte, war der Rat des Pansa und Hirtius (1) durchaus lobenswert gewesen. Sie hatten Caesar nämlich stets darauf hingewiesen, daß er seine mit Waffengewalt gewonnene Vormachtstellung auch mit Waffengewalt behaupten müsse. Doch Caesar pflegte zu sagen, er wolle lieber sterben als gefürchtet werden. So erwartete er von anderen die gleiche großmütige Milde, die er selbst immer geübt hatte, und wurde aus Unvorsichtigkeit ein Opfer der Undankbarkeit.
Dabei hatten ihm die unsterblichen Götter genügend Vorzeichen und Hinweise auf eine drohende Gefahr gesandt. So hatten ihn die Opferschauer gewarnt, er solle sich vor den Iden des März sorgfältig in acht nehmen, und seine Gattin Calpurnia bat ihn, voll Schrecken über eine nächtliche Traumerscheinung, an diesem Tag zu Hause zu bleiben. Auch übergab man ihm Schriftstücke, in denen die Verschwörung angekündigt wurde, aber er las sie nicht sogleich. Das Walten des Schicksals ist wahrhaftig unabwendbar; es verwirrt den Sinn dessen, den es zu stürzen gedenkt.
58. In dem Jahr, in dem sie die Schandtat ausführten, waren Brutus und Cassius Prätoren, Decimus Brutus war designierter Konsul. Sie besetzten nun mit der Menge der übrigen Verschwörer das Kapitol, wobei sie sich zu ihrem Schutz mit der Gladiatorentruppe des Decimus Brutus umgaben. Den Konsul Antonius hatte Cassius ebenfalls ermorden lassen wollen, und das Testament Caesars wollte er für ungültig erklären. Brutus war aber dagegen gewesen, indem er sagte, die Bürger dürften nur das Blut des Tyrannen vergießen – Caesar so zu nennen, stellte seine Tat in ein besseres Licht. [...]
[Velleius Paterculus: Historia Romana II 57 f.]
(1) Offiziere Caesars
Re: Die Ermordung Caesars #3
Udo schrieb am 24.05.2025 um 12:19 Uhr (
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Velleius Paterculus (* um 20/19 v. Chr.; † nach 30 n. Chr.) war ein römischer Historiker. Obwohl sein Vorname von Priscian mit Marcus angegeben wird, identifizieren ihn manche Forscher mit Gaius Velleius Paterculus, dessen Name in einer Inschrift auf einem nordafrikanischen Meilenstein erscheint.
Für Caesars Ermordung (44 v. Chr.) konnte Velleius Paterculus nicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen, da er um 19 v. Chr. geboren wurde - also etwa 25 Jahre nach dem Ereignis.
Seine wahrscheinlichen Quellen für Caesars Tod:
Literarische Quellen:
Livius (dessen Werk über diese Zeit verloren ist)
Sallust (teilweise)
Frühere Geschichtswerke über die späte Republik
Memoiren und Autobiographien:
Augustus' eigene Schriften (res gestae)
Memoiren von Caesars Zeitgenossen oder deren Nachkommen
Familienaufzeichnungen der beteiligten Senatoren
Mündliche Überlieferung:
Berichte von Zeitzeugen, die noch lebten
Familientraditionen der römischen Elite
Erzählungen am kaiserlichen Hof
Offizielle Dokumente:
Senatsakten der Zeit
Zeitgenössische Aufzeichnungen
Problem: Velleius' Darstellung ist sehr knapp und pro-augusteisch gefärbt. Er behandelt Caesars Ermordung nicht ausführlich, da sein Werk generell komprimiert ist und er die nachfolgende Triumviratszeit schnell zu Augustus überleiten will.
Seine Schilderung der Ereignisse um 44 v. Chr. ist daher weniger detailliert als die von Plutarch oder Sueton. Re: Die Ermordung Caesars #3
Γραικύλος schrieb am 24.05.2025 um 14:36 Uhr (
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Wichtig ist Velleius Paterculus wohl nur in der einen Hinsicht, daß er der einzige antike Historiker ist, der den Kaiser Tiberius positiv darstellt und zugleich der einzige, der ihn persönlich gekannt hat.
Was Caesars Ermordung betrifft, so wird er noch Zeitzeugen gekannt haben.
Re: Die Ermordung Caesars #3
Werner schrieb am 24.05.2025 um 16:11 Uhr (
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daß er der einzige antike Historiker ist, der den Kaiser Tiberius positiv darstellt
Das "sine ira et studio" kam später mit Tacitus.
Re: Die Ermordung Caesars #3
Γραικύλος schrieb am 24.05.2025 um 17:07 Uhr (
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Das klang schön, war jedoch nicht sein Ernst.