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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Tod des Romulus #2 (164 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.05.2025 um 22:21 Uhr (Zitieren)
(Fortsetzung von https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=8950)

3. Titus Livius: Römische Geschich

Als er [sc. Romulus] nach diesen unsterblichen Taten zur Musterung des Heeres auf dem Marsfeld beim Ziegensumpf eine Heeresversammlung durchführte, brach plötzlich mit lautem Tosen und Donnern ein Unwetter los und hüllte den König in einen so dichten Sturzregen, daß die Versammelten ihn nicht mehr sehen konnten; und danach war Romulus nicht mehr auf Erden.

Der Schrecken legte sich schließlich, als nach diesem Gewittersturm das Tageslicht heiter und ruhig zurückkehrte. Da sahen die Männer von Rom den Platz des Königs leer; sie glaubten zwar den Senatoren, die direkt dabeigestanden hatten, voll und ganz, daß der Sturm ihn emporgerissen habe, waren aber doch eine Zeitlang sprachlos vor Kummer, als hätte die Angst, nunmehr verwaist zu sein, sie gelähmt.

Als dann einige wenige den Anfang machten, grüßten sie alle Romulus als Gott, von einem Gott gezeugt, als König und Vater der Stadt Rom; und sie flehten um seinen Beistand, daß er huldvoll und gnädig sein Volk immer behüten möge.

Es gab aber, glaube ich, auch damals schon einige, die im stillen die Senatoren beschuldigten, den König eigenhändig in Stücke gerissen zu haben [Fuisse credo tum quoque aliquos, qui discerptum regem patrum manibus taciti arguerent]. Denn auch diese Version breitete sich aus, wenn auch nur in ganz dunklen Andeutungen. Jene andere dagegen setzte sich infolge der Bewunderung, die der Mann genoß, und infolge des Schreckens, der die Menschen befallen hatte, allgemein durch.

[I 16]

Re: Der Tod des Romulus #2
Γραικύλος schrieb am 20.05.2025 um 22:22 Uhr (Zitieren)
Geschich -- Geschichte
Re: Der Tod des Romulus #2
Udo schrieb am 21.05.2025 um 10:28 Uhr (Zitieren)
Zur Historizität von Romulus:

Die Frage nach der Historizität des Romulus ist komplex:
Historischer Kern vs. Legende:

Romulus als konkrete historische Person im traditionellen Sinne wird von modernen Historikern überwiegend abgelehnt.
Die traditionelle Datierung seiner Herrschaft (753-716 v. Chr.) basiert auf späteren Berechnungen römischer Gelehrter.
Archäologische Funde bestätigen zwar Siedlungen auf dem Palatin aus dem 8. Jahrhundert v. Chr., nicht aber die Details der Romulus-Legende.

Ursprung der Sage:

Indigene Elemente: Die Sage enthält wahrscheinlich uralte italische Elemente und Erinnerungen an frühe Siedlungsprozesse.
Griechische Einflüsse: Ab dem 4./3. Jahrhundert v. Chr. wurde die Romulus-Sage stark von griechischen Mythen beeinflusst und erhielt ihre klassische Form.
Literarische Überlieferung: Erste schriftliche Fixierungen erfolgten durch frühe römische Historiker wie Fabius Pictor (3. Jh. v. Chr.), von denen nur Fragmente erhalten sind.
Etymologische Komponente: Der Name "Romulus" ist wahrscheinlich eine nachträgliche Konstruktion, abgeleitet vom Stadtnamen "Roma".
Politische Instrumentalisierung: Die Sage wurde besonders in der späten Republik und frühen Kaiserzeit politisch genutzt (z.B. durch Caesars Betonung seiner Abstammung von Aeneas).

Mögliche historische Grundlagen:

Die Sage könnte Erinnerungen an einen frühen Anführer oder einen Gründungsprozess bewahren.
Die "Entrückung" könnte auf einen Übergang zu abstrakteren Herrschaftsformen anspielen.
Elemente wie die Zwillingsgeburt und Wolfssäugung sind typische mythische Motive, die in vielen Kulturkreisen vorkommen.

Zusammenfassend ist Romulus als mythische Figur zu betrachten, die möglicherweise eine verdichtete Erinnerung an frühe Siedlungs- und Staatsgründungsprozesse darstellt, aber nicht als historische Person im modernen Sinne nachweisbar ist.

Gibt es weitere Erkenntnisse, die hier nicht erfasst wurden?
Re: Der Tod des Romulus #2
Γραικύλος schrieb am 21.05.2025 um 10:44 Uhr (Zitieren)
Mir geht es speziell um die Überlieferung, er sei von den Senatoren ermordet und die Leiche beseitigt worden - wofür die "Entrückung" dann ein Deckmantel sein könnte.
Historisch oder nicht, das ist ein interessanter Aspekt des Mythos.
Re: Der Tod des Romulus #2
βροχή schrieb am 21.05.2025 um 10:45 Uhr (Zitieren)
mysteriöses Verschwinden während eine Menge Leute anwesend sind.
Das scheint ein antiker Trope zu sein.
Re: Der Tod des Romulus #2
Udo schrieb am 21.05.2025 um 10:57 Uhr (Zitieren)
zum Motiv:
https://de.wikipedia.org/wiki/Entr%C3%BCckung
Ich musste an die Himmelfahrt Jesu denken.
Auch sie scheint nicht "vom Himmel gefallen zu sein".

Bedeutende Entrückungserzählungen der Antike
Griechische Mythologie

Ganymed: Von Zeus in Adlergestalt zum Olymp entführt
Herakles: Durch Selbstverbrennung auf dem Berg Oeta entrückt
Kleitos: Von Eos/Aurora entrückt wegen seiner Schönheit
Iphigenie: Von Artemis nach Tauris entrückt
Empedokles: Soll in den Ätna gesprungen sein, ohne Leichnam gefunden zu werden

Römische Tradition

Romulus: Während eines Unwetters verschwunden und als Gott Quirinus verehrt
Aeneas: Nach der Schlacht am Numicius verschwunden und vergöttlicht

Nahöstliche und jüdische Tradition

Utnapischtim (Gilgamesch-Epos): Entrückt an die "Mündung der Ströme"
Enoch: "Wandelte mit Gott; dann war er nicht mehr da, denn Gott nahm ihn hinweg" (Genesis)
Elija: Im feurigen Wagen zum Himmel entrückt (2. Könige)
 
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