Γραικύλος schrieb am 13.05.2025 um 00:09 Uhr (Zitieren)
[anonym; Anthologia Graeca X 118]
Re: Von Nichts zu Nichts
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 13.05.2025 um 00:41 Uhr (Zitieren)
Selbst wenn man all die Beschwerlichkeiten, Unwägbarkeiten, Gefährdungen und Einschränkungen antiken Lebens in Anschlag bringt: ist dieses Dasein wirklich nur im Suff zu ertragen? Gibt es wirklich nichts anderes, das als Gegenmittel für die Übel dieser Welt in Frage käme?
Bei solchen Texten beschleicht mich zuweilen der Gedanke, es sei dies ein Topos, ein - in diesem Falle (grandios!) mit den Grundfragen der menschlichen Existenz gespickter - Vorwand, eine Sinnsuche gar nicht erst zu unternehmen.
(Sein Gegenbild: der Ehrgeiz, sich im Laufe des begrenzten Erdenlebens einen unsterblichen Namen zu machen, führt m. E. zu ebensolchen verabsolutierten Auswüchsen.)
Re: Von Nichts zu Nichts
Frank E. schrieb am 13.05.2025 um 02:59 Uhr (Zitieren)
Carpe diem quam minimum credula postero!
Re: Von Nichts zu Nichts
Γραικύλος schrieb am 13.05.2025 um 15:02 Uhr (Zitieren)
Kann es sein, daß in dem Gedicht der Wein mit dem Gott Dionysos/Bakchos verbunden wird, dem Erlösergott der Antike?
Die Sehnsucht nach Erlösung tritt, soweit ich sehe, seit dem 1. Jahrtausend v.u.Z. auf: in Europa und in Indien. D.h. seitdem ist sie literarisch bezeugt.
Oder man nimmt die Drogen, die es ja schon weit länger und wohl in allen menschlichen Kulturen gibt, in diesen Komplex mit auf.
Re: Von Nichts zu Nichts
Andreas schrieb am 13.05.2025 um 15:12 Uhr (Zitieren)
Wieder stellt sich die Frage:
Was genau meint Erlösung?
- im weltlichen Sinn
- im religiösen Sinn
- im modernen theologischen Sinn (Soteriologie)
Vlt. sollte man beim neuen Papst anfragen,
wie ein Christ das heute zu sehen habe.
Gibt es dazu ein Dogma oder ex-cathedra-Entscheidung mit Unfehlbarkeitanspruch?
Γραικύλος schrieb am 13.05.2025 um 18:10 Uhr (Zitieren)
Leben ist mit Leiden verbunden - von der Geburt über Einsamkeit und Krieg bis hin zu Alter, Krankheit und Tod.
Menschen streben danach, von dieser leidvollen Existenz erlöst zu werden: innerweltlich auf Zeit, u.a. durch den Rausch (Religion des Dionysos), oder durch die Perspektive auf ein anderes, besseres Leben im Jenseits (Religion des Jesus).
Respektloserweise hat Karl Marx die Religion insgesamt als Rausch, nämlich als "das Opium der Volkes" bezeichnet.
Re: Von Nichts zu Nichts
Andreas schrieb am 14.05.2025 um 16:22 Uhr (Zitieren)
Erlösung ist mehr. Es geht um die Sinnfrage.
Was gibt meinem Leben einen Sinn?
Ulrich Hommes: Das Gefühl zu haben, es ist gut dazusein.
Sein ist besser als Nichtsein.
Entsprechende Erfahrungen sind aufzusuchen
(Schönheit, gelingende Beziehungen, Freude am Dasein - trotz allem)
Es liegt an uns. Gespräche auf der Suche nach Sinn von Ulrich (Hg.) Hommes (Autor), 1980
βροχή schrieb am 14.05.2025 um 17:07 Uhr (Zitieren)
Eine kleine Respektlosigkeit, mit der hin und wieder gerne kokketiert wird, gerade so als hätten seine Appologeten nicht die Respektlosigkeit begangen, vielen Völkern die Religion des Marxismus, welche das Patadies auf Erden verspricht, unter dem label "wissenschaftliche Weltanschauung" gewaltsam aufzuzwingen.