Γραικύλος schrieb am 27.04.2025 um 00:00 Uhr (Zitieren)
[Palladas; Anthologia Graeca X 96]
Re: Rätsel der Tyche
filix schrieb am 27.04.2025 um 11:11 Uhr (Zitieren)
Wodurch handelt sich das Gassenweib, d.h. die im Unterschied zur Hetäre sozial wenig anerkannte gemeine Hure, diesen hier auf Tyche übertragenen Ruf äußerster Unbeständigkeit und Willkürlichkeit eigentlich ein? Man würde ja zunächst vermuten, dass jemand, den man für sexuelle Dienste kaufen, der es sich mit seinen Kunden nicht beliebig verscherzen kann, dessen Entscheidungsfreiheit durch Zuhälter und Bordellwirte (gewaltsam) eingeschränkt wird usw., nicht gerade den Inbegriff des Unberechenbaren verkörpert. Haben wir es mit der Übertragung der Bezeichnung, die sich von dieser Lebenswirklichkeit löst, auf die promiskuitive Frau zu tun, deren verhältnismäßig freie Wahl sie unverfügbar erscheinen lässt, diskreditieren soll?
Re: Rätsel der Tyche
filix schrieb am 27.04.2025 um 11:12 Uhr (Zitieren)
* Haben wir es mit der Übertragung der Bezeichnung, die sich von dieser Lebenswirklichkeit löst, auf die promiskuitive Frau zu tun, deren verhältnismäßig freie Wahl sie unverfügbar erscheinen lässt, und die sie diskreditieren soll?
Re: Rätsel der Tyche
βροχή schrieb am 27.04.2025 um 12:50 Uhr (Zitieren)
Die Unbeständigkeit der Gassenhure: sie entzieht sich dem Besitzanspruch des Mannes. Er bezahlt sie, im Gegenzug muss er ertragen, dass andere Männer an seinem Honigtopf patizipieren.
Re: Rätsel der Tyche
Γραικύλος schrieb am 27.04.2025 um 16:00 Uhr (Zitieren)
Der Aspekt der Käuflichkeit kann es nicht sein, was die Tyche mit einer Hure verbindet. Ich vermute, daß es sich um die Unterschiedslosigkeit jenseits von moralischem Verdienst und Charakter handelt, mit der sie den Menschen begegnet. Sie gibt sich jedem hin, aber niemandem zuverlässig. Sie liebt nicht.
Re: Rätsel der Tyche
filix schrieb am 27.04.2025 um 23:32 Uhr (Zitieren)
Es ist nicht nur die Käuflichkeit ein Problem für den Vergleich, sondern auch, dass sie keine vergleichbare Macht über das Schicksal ihrer Kunden hat. Andererseits hängt die Unterschiedslosigkeit an der Käuflichkeit, sie akzeptiert (zumindest der Vorstellung nach) jeden unabhängig von Verdienst, Charakter oder Aussehen, sofern er bezahlt. All die Probleme verschwinden in der diskreditierenden Übertragung auf die promiskuitive Frau, die kein Geld nimmt, sich jedoch für ihre freie Wahl der Partner, deren sich keiner ihrer sicher sein kann, anhören muss, sie sei eine Hure, oder besser vielleicht Schlampe.
Re: Rätsel der Tyche
Γραικύλος schrieb am 27.04.2025 um 23:54 Uhr (Zitieren)
Wenn der Begriff der πόρνη das in einem polemischen Sinne hergibt, wird das wohl die beste Deutung/Übersetzung sein.