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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
εὐφροσύνης μὲν (286 Aufrufe)
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 09:03 Uhr (Zitieren)

εὐφροσύνης μὲν
αἴτια τοῖς ταῦτα κτησαμένοις μεγάλης,
ἀλλ᾽ ἐς ὅσον ζώουσι τὰ γὰρ κενὰ κύδεα φωτῶν
ψυχαῖς οἰχομένων οὐ μάλα συμφέρεται

ἡ δ᾽ ἀρετὴ σοφίης τε χάρις καὶ κεῖθι συνέρπει,
κἀνθάδε μιμνάζει μνῆστιν ἐφελκομένη.
οὕτως οὔτε Πλάτων βρενθύεται οὔτ᾽ [ἄρ᾽] Ὅμηρος
χρώμασιν ἢ στήλαις, ἀλλὰ μόνῃ σοφίῃ.
ὄλβιοι ὧν μνήμη πινυτῶν ἐνὶ τεύχεσι βίβλων,

ἀλλ᾽ οὐκ ἐς κενεὰς εἰκόνας ἐνδιάει.


Säulen, Bilder und beschriftete Tafeln bereiten ihren Besitzern große Freude, allerdings nur zu Lebzeiten. denn der leere Ruhm des Menschen nützt den Geistern der Toten nicht viel. Doch sowohl die Tugend als auch die Gnade der Weisheit begleiten uns dorthin und bleiben hier erhalten, indem sie die Erinnerung an uns wecken. Weder Platon noch Homer sind stolz auf Bilder oder Denkmäler, sondern allein auf ihre Weisheit. Gesegnet sind jene, deren Andenken in weisen Bänden und nicht in leeren Bildern bewahrt ist.


Epigramm 4.5
(Zufallszahl)
Re: εὐφροσύνης μὲν
Udo schrieb am 26.04.2025 um 12:27 Uhr (Zitieren)
Weder Platon noch Homer sind stolz auf Bilder oder Denkmäler,

Woher will der Autor das wissen?
Vlt. wären sie es. Wer weiß?
Bei Homer bleibt allerdings die Existenzfrage.
Wer freut sich nicht, wenn man ihm ein Denkmal setzt?
Beides schließt sich m.E. nicht aus.
Kann man bei Platon Eitelkeit völlig ausschließen?

PS:
Bilder haben zudem ihre eigene Ästhetik,
die man nicht unterschlagen sollte
und können Betrachter anregen, sich
mit den abgebildeten Personen näher zu befassen.
Re: εὐφροσύνης μὲν
filix schrieb am 26.04.2025 um 13:43 Uhr (Zitieren)
Was Platon angeht, könnte Palladas sich auf seine in der Geschichte des Denkens äußerst einflussreiche Herabsetzung der nachahmenden visuellen Künste, die wahrheitsfern es nur mit Abbildern von Abbildern zu tun habe, im zehnten Buch der Politeia berufen.

Dieß demnach ist es, worüber ich eine Verständigung erzielen wollte, als ich sagte, daß die Malerei und überhaupt die Kunst des Nachahmens weit von der Wahrheit entfernt ihr Werk vollbringt, und hinwiederum auch mit jenem in uns, was weit von der Verständigkeit entfernt ist, umgeht und mit ihm verbunden und befreundet ist zu keinem gesunden und keinem wahren Zwecke.
Re: εὐφροσύνης μὲν
Γραικύλος schrieb am 26.04.2025 um 14:47 Uhr (Zitieren)
Was ist mit der Quellenangabe? Anthologia Graeca IV 5 gibt es nicht; IV endet mit 3: Kyklos des Agathias. Und wie kommt filix auf Palladas als Autor?
Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 15:04 Uhr (Zitieren)
Sorry, 4.5 gibt es doch (Heidelberger Exemplar)

Das Epigramm ist von Agathias,
es gibt auch ein scholium


ὅτι μόνη ἀρετὴ καὶ σοφία ἐπακολουθοῦσι τοῖς ἔχουσιν αὐτ<ὰς> ἐντεῦθεν ἀποιχομένοις.


Re: εὐφροσύνης μὲν
Γραικύλος schrieb am 26.04.2025 um 17:34 Uhr (Zitieren)
Es wird dann aus dem Agathias-Zyklus am Ende von Buch IV stammen.

Jetzt frage ich mich nur noch, wie filix auf Palladas kommt. Vielleicht deshalb, weil hier in letzter Zeit häufig von dem die Rede war.
Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 17:50 Uhr (Zitieren)

... das ist gut mgl.
(filix kann auch mal was verwechseln)



Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 18:00 Uhr (Zitieren)
als ich sagte, daß die Malerei und überhaupt die Kunst des Nachahmens weit von der Wahrheit entfernt ihr Werk vollbringt

@filix

Das ist nicht nett von Platon, gelinde gesagt.
Bildende Kunst ist mehr als Nachahmung, oder.
Hat er die Musik auch so abgewatscht, viell. wg. Nachahmung der Vogelstimmen?



Re: εὐφροσύνης μὲν
Patroklos schrieb am 26.04.2025 um 18:29 Uhr (Zitieren)
Kunst bildet Abbilder von Abbildern ab,ist somit doppelt unwahr, so Platon. Eine künstlerische Abbildung der Ideen ist daher unmöglich. Schade.
Vorsicht, Platon ist ein Radikaler, ein Systemversessener. Nobody you would like to drink a coffee with.
Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 20:12 Uhr (Zitieren)
... hahaha, dem Platon ist nicht über den Weg zu trauen. Dieses schräge Höhlengleichnis, der glaubte, Leute begnügten sich mit Schattenspielen ;)
Re: εὐφροσύνης μὲν
filix schrieb am 26.04.2025 um 20:19 Uhr (Zitieren)
Da war ich wohl vom Hellenenstaub geblendet.

Die Musik verfällt bei Platon aus nachvollziehbaren Gründen nicht der Kritik an der bloßen Nachahmung (des an sich schon sekundären Abbildes), Programmmusik und Klangmalerei waren keine maßgeblichen musikästhetischen Konzepte in der Antike, über ihre mathematische Seite steht sie eindeutig der Welt der Ideen bzw. der kosmischen Ordnung näher. Er interessierte sich insbesondere für ihre unmittelbare psychologische Wirkung, die im Sinn der Herstellung von Harmonie und Ordnung im Gemeinwesen pädagogisch eingesetzt werden sollte.

Bei Platons Kritik an der visuellen Mimesis, die auch sehr stark mit Spiegelmetaphern arbeitet, fällt mir immer die kontrastierende Anekdote ein (Diogenes Laertios?) nach der Sokrates jungen Männern empfiehlt, sich oft im Spiegel zu betrachten, um sich zu vergewissern, ob sie schön seien. Falls ja, sollten sie sich entsprechend betragen, falls nicht, sich lieber auf ihre geistige Bildung konzentrieren. D.h. hier kommt gerade dem Spiegelbild eine durchaus lebensentscheidende Funktion in der Selbsterkenntnis zu. Diese Vorstellung spricht sehr deutlich zu unserer Gegenwart.
Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 20:45 Uhr (Zitieren)
... Spiegelbilder finde ich faszinierend, wie auch Schattenwürfe, ich fotografiere sie gerne, spielerisch ergeben sich manchmal verblüffende Wirkungen

das sind weder Nachahmungen noch Kreativitäten, es sind Naturphänomene



Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 20:49 Uhr (Zitieren)
... pädagogisch eingesetzt werden sollte.


... und L’art pour l’art war noch Zukunftsmusik



Re: εὐφροσύνης μὲν
filix schrieb am 26.04.2025 um 21:08 Uhr (Zitieren)
Entscheidend in der Denkweise ist die auf den Täuschungsaspekt abstellende Deutung des Spiegelbildes als abkünftig und defizient, was es zur geeigneten Metapher des Abstandes zur Wahrheit der Idee macht. Dass es sich um ein Naturphänomen handelt, das mathematisch beschreibbaren optischen Gesetzen folgt, steht nicht im Zentrum dieser Auffassung. Dessen ungeachtet ist das sich Erblicken im Spiegel an sich auch kein Naturphänomen, sondern ein psychologisch-epistemisch komplexer Vorgang, über den insbesondere seit Lacan einige hundert Regalmeter geschrieben wurden. Für die wechselhafte Geschichte des Spiegels zwischen Täuschung, Erkenntis und Phantasien siehe Jurgis Baltrušaitis Der Spiegel (anabas 1996).
Re: εὐφροσύνης μὲν
filix schrieb am 26.04.2025 um 21:35 Uhr (Zitieren)
Um zum Epigramm zurückzukehren bzw. Udos Frage, wie dessen Behauptungen sich rechtfertigen ließen - bei Platon scheint nach dem Gesagten der Fall klar, aber die Paarung mit Homer, der ja ausgerechnet in der Politeia kritisiert wird und letztlich auch unter die unverständigen Nachahmer von Abbildern fällt, ist keineswegs selbstverständlich.
Re: εὐφροσύνης μὲν
βροχή schrieb am 26.04.2025 um 21:53 Uhr (Zitieren)
Udos Frage geht an Aghatias, wir können das nicht beantworten. Wir können viell. ein bisschen spekulieren.
Was Platon betrifft, erscheint die Spekulation treffend.
 
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