Γραικύλος schrieb am 19.04.2025 um 00:03 Uhr (Zitieren)
[Palladas; Anthologia Graeca X 56]
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
filix schrieb am 19.04.2025 um 02:43 Uhr (Zitieren)
Zur Frage, um welche 12 neueren Götter es sich im Schlussvers handeln könnte:
(The Apostles in Early Christian Art and Poetry. Brill 2016, S. 155f.)
Spielt Palladas am Ende auf das Christentum an, müsste dieses in der Haltung zur (ehelichen) Treue doch für die Konvertitin attraktiv sein, oder? Der unter diesem Gesichtspunkt am ehesten infrage kommende Text der Schrift ist m.E. die pericope adulterae (Joh.8,1 - 11) – aber welche Rolle spielte sie im 4. Jhdt. in der Lehre bzw. der möglichen Außenwahrnehmung (durch einen Spötter)?
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
βροχή schrieb am 19.04.2025 um 07:50 Uhr (Zitieren)
Ist es nicht der Mann, der die Ehre der Frau crasht indem er ihr Hörner aufsetzt? Wie wäre es, wenn er mit der Überwachung mal bei sich selber anfängt, bevor er sie verdächtigt?
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
Γραικύλος schrieb am 19.04.2025 um 14:57 Uhr (Zitieren)
Daß die "zwölf neuen Götter" auf die Apostel anspielen, scheint mir zu Palladas zu passen. Danke für den Hinweis.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 20.04.2025 um 22:49 Uhr (Zitieren)
Soweit ich weiß, ist der redensartliche Ausdruck 'jmdm. Hörner aufsetzen' nur in Bezug auf den gehörnten Ehemann gebraucht; wer diesem die Hörner aufsetzt, d. h., ob dies die ungetreue Ehefrau oder ihr Liebhaber tut, ist für das Bild ohne Belang.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
βροχή schrieb am 21.04.2025 um 05:52 Uhr (Zitieren)
Patroklos schrieb am 21.04.2025 um 09:00 Uhr (Zitieren)
Zur Erläuterung des ersten Drucks:
A satirical print, that parodies knightly orders (such as the English order of the Garter, etc.), which traditionally held annual feasts on the day of the patron-Saint of the order.
This caricature makes full use of the traditional European folkloric metaphor that the husband of a sexually unfaithful wife has horns on his head. In fact, all the individuals shown (except Infidelity herself, her servant cupid, and the fifth person from the right) are wearing horns -- and there's a basket of extra horns to the left of the throne, and the canopy above the throne is decorated with smaller horns.
Note the gentlemen from non-Western-European nations at the right of the picture, and also the lady in the pink dress who is firmly calling her husband's attention to the horns on her own head. Most of the members of the Order look none too pleased with the "honor".
The huge scroll at bottom is a membership list; the cupid is writing on the scroll: "Liste de Msrs les Membres Composant la gde. famille de Vénérables Cocus, Cornards, Cornettes, et Cornillons de tous les Pais. &c." [modern French spelling is "pays"]. An approximate English translation would be "List of members composing the grand family of honorable cuckolds of all nations etc." (with a list of synonyms and pseudo-synonyms for "cuckold" in the original French).
Date circa 1815.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
Patroklos schrieb am 21.04.2025 um 09:24 Uhr (Zitieren)
1815 als Jahr lässt vermuten, die Personen sind Nationalallegorien. Mehr fällt mir nicht ein.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
filix schrieb am 21.04.2025 um 11:28 Uhr (Zitieren)
Zum dritten Bild: Cosplayers at New York Comic Con 2015 dress up as wendigos and a Stag Man from Hannibal. Das hat der Autor des Artikels zur Frage De dónde surge la expresión «Poner los cuernos» como sinónimo de infidelidad offenbar als passende gemeinfreie Illustration empfunden, ohne dass es näher begründet würde.
Das zweite Bild reflektiert auch eine Aufweichung der ins Treffen geführten geschlechtsspezifischen Verwendung der dt. Redewendung, die lange Zeit Gültigkeit hatte:
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 21.04.2025 um 15:36 Uhr (Zitieren)
Ich weiß jedenfalls die Herren Grimm und Röhrich auf meiner Seite.
Eine gehörnte Ehefrau wäre jedenfalls - bei der jahrtausendealten Doppelmoral in Hinsicht auf die eheliche Treue: die Herren "dürfen" tun/nehmen sich, was bei den Frauen als verwerflich/strafbar zu gelten hat - ein Widersinn.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
Patroklos schrieb am 21.04.2025 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Wäre auch möglich:
Die Herren Grimm und Röhrich wissen mich jedenfalls auf ihrer Seite.
Wer sich wem anschließt, dürfte offenkundig sein. Eher doch Du ihnen.
Ich bitte, diese Bemerkung als spätes ovum paschale anzusehen.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 22.04.2025 um 00:44 Uhr (Zitieren)
Mit Verlaub, so vermessen bin ich nicht zu glauben, gar zu schreiben, genannte Herren hätten es nötig, mich an ihrer Seite zu wissen, anders gesagt, seien meiner Unterstützung bedürftig.
Im übrigen: Meinen Beitrag 20.04.2025 um 22:49 Uhr habe ich verfaßt, ohne sie vorher um ihre Meinung zum Thema 'Hörner aufsetzen' befragt zu haben, meine Sprachkenntnis schien mir robust genug ohne dies; erst als Widerspruch geäußert wurde, habe ich mich und meine Auffassung absichern wollen - et voilà ! was ich fand, bestätigt mir, auf der richtigen Seite zu stehen. Das hat mit 'sich anschließen' wenig zu tun.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
βροχή schrieb am 22.04.2025 um 06:45 Uhr (Zitieren)
Zeiten ändern sich und mit ihnen die Sprache, und war sie einst auch noch so robust. Diesmal psssiert es von unten, ohne Erlaubnis, ohne Befehl, einfach so.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 22.04.2025 um 08:14 Uhr (Zitieren)
An der Tatsache, daß es einen Widersinn darstellt, wenn behauptet wird, der Mann, der seine Frau mit einer anderen betrügt, setze damit _seiner_ Frau Hörner auf, sprich: entehre sie und gebe sie dem allgemeinen Gespött preis, ändert die Behauptung des Sprachwandels wenig bis nichts. Höchstens belegt es die Unkenntnis des/r so Redenden von der Bedeutung des sprachlichen Ausdrucks.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
βροχή schrieb am 22.04.2025 um 09:08 Uhr (Zitieren)
Glaubst du wirklich, eine Frau von Ehre sollte stolz darauf sein, wenn ihr Mann andere "Damen" womgl. noch käufliche, beglückt?
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
Patroklos schrieb am 22.04.2025 um 09:26 Uhr (Zitieren)
Grimm im Röhricht, sollte kein Osterei, sondern ein Osterwitz sein.
Das sogenannte Osterlachen, lateinisch „risus paschalis“, geht auf einen Brauch aus dem Mittelalter zurück, in dem in der Predigt an Ostern die Gottesdienstbesucher durch den Priester zum Lachen gebracht wurden. Auch wenn es keine gesicherten Quellen über die Entstehung dieses Brauches gibt, ist das Ostergelächter die einzige Form, in der das Lachen in die christliche Liturgie einbezogen wurde. Im Osterlachen sollte die Osterfreude zum Ausdruck gebracht werden.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
Patroklos schrieb am 22.04.2025 um 09:26 Uhr (Zitieren)
Grimm im Röhricht, sollte kein Osterei, sondern ein Osterwitz sein.
Das sogenannte Osterlachen, lateinisch „risus paschalis“, geht auf einen Brauch aus dem Mittelalter zurück, in dem in der Predigt an Ostern die Gottesdienstbesucher durch den Priester zum Lachen gebracht wurden. Auch wenn es keine gesicherten Quellen über die Entstehung dieses Brauches gibt, ist das Ostergelächter die einzige Form, in der das Lachen in die christliche Liturgie einbezogen wurde. Im Osterlachen sollte die Osterfreude zum Ausdruck gebracht werden.
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
βροχή schrieb am 22.04.2025 um 09:46 Uhr (Zitieren)
Das Osterlachen wurde mit einem lustigen improvisierten Ostermärchen gestartet. Weil bekanntlich lachen anstecktend ist, ergriff es im nu die ganze Gemeinde :)
Re: Die Ehrbarkeit der Frauen
filix schrieb am 22.04.2025 um 11:12 Uhr (Zitieren)
Untreue wird heute in der breiten Medienöffentlichkeit zumeist geschlechterneutral behandelt – oder besser gesagt: ohne die früher übliche asymmetrische Schuldzuweisung. Einschlägige Artikel über „Fremdgehen“ kommen ohne solche geschlechtliche Zuspitzung aus, sie konzentrieren sich gewöhnlich auf eine moralisch nicht wertende Mischung aus soziologischer und psychologischer Analyse.
Diese Entwicklung bleibt nicht ohne Folgen, zumindest für die lexikalisierte Metapher gehörnt, die, wie der Blick ins Wörterbuch zeigt, als Synonym für das hinsichtlich der geschlechtsspezifischen Verwendung neutrale betrogen verstanden wird. Seit etwa drei Jahrzehnten taucht die gehörnte Ehefrau in der Mediensprache auf, mittlerweile sogar in der Belletristik, auch wenn sie zahlenmäßig immer noch klar in der Minderheit ist. Das so verstandene Adjektiv löst sich konsequenterweise auch vom Ehestand – es gibt gehörnte Partner, Freunde und Freundinnen usf. Eine solche Entwicklung auf sprachliche Unkenntnis der Anwender zurückzuführen, ist wenig überzeugend. Die Semantik und Pragmatik des Partizipialadjektivs lassen sich nicht mehr so einfach auf die ihr zugrundeliegende idiomatische Wendung festlegen.
Diese erweist sich indes im diskutierten Aspekt als widerstämdiger. Während gehörnt als Adjektiv flexibel ist, bleibt die idiomatische Wendung – solche erweisen sich in der Regel als besonders träge – historisch verhaftet. Sie kann die eng mit der „Hörner“-Metapher seit dem Mittelalter assoziierte männliche Erniedrigung nicht so einfach abschütteln, was wohl auch erklärt, warum sich in der Diskussion bis heute der Vorbehalt gegenüber ihrer Ausdehnung auf beliebige Geschlechter hält, wofür man sehr wenige Beispiel findet.
In diesem Kontrast zwischen dem flexiblen, inzwischen weitgehend geschlechtsneutral verwendbaren Adjektiv und der historisch verankerten, männlich konnotierten Redewendung zeigen sich unterschiedliche Trägheiten der Sprache oder Wandlungsgeschwindigkeiten.
Anders als Einzelwörter sind Idiome feste, historisch gewachsene Wortverbindungen, deren Bedeutung sich nicht aus den Einzelteilen ableiten lässt. Ihre strukturelle Festigkeit in Verbindung mit den Regeln ihrer Anwendung macht sie resistenter gegen Veränderungen.