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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Immanuel Bekker (232 Aufrufe)
Patroklos schrieb am 18.04.2025 um 10:10 Uhr (Zitieren)
Bekker galt als sprachkundig und wortkarg (Friedrich Schleiermacher: „Bekker schweigt in sieben Sprachen“).
(WP, keine Quelle)
Re: Immanuel Bekker
filix schrieb am 18.04.2025 um 11:17 Uhr (Zitieren)
Aus heutiger Sicht ist handelt es sich um das typische Schweigen eines Mobbing-Opfers:


Geboren wurde Bekker nämlich als Sohn eines einfachen Schlossermeisters und Hauseigentümers in Berlin (am 21. Mai 1785).

Obwohl sich das philologische Interesse und die überragende Begabung des Sohnes schon früh abzeichneten, waren die Eltern, vor allem der Vater, nicht bereit, dem Wunsch des Sohnes, Philologe zu werden, zu entsprechen und ihn auf das Gymnasium zu schicken, wobei der Hauptgrund nicht die fehlenden finanziellen Mittel waren; vielmehr war der Vater der Ansicht, dass - da das Handwerk goldenen Boden habe - der Sohn eines Handwerkers nur wieder Handwerker werden könne.

So musste der junge Bekker, kaum ins Knabenalter gelangt, jahrelang während seiner Gymnasialzeit selbst für seinen Unterhalt sorgen. Dass dieser Entschluss, gegen den erklärten Willen des Vaters das Gymnasium zu besuchen, einen starken Willen voraussetzt, besonders unter den damals herrschenden gesellschaftlichen Konventionen, braucht kaum hervorgehoben zu werden.

Noch bedrückender war, dass die Nachhilfestunden und sonstige Tätigkeiten (wie die Herstellung von Abschriften) nicht zur Sicherung einer selbstständigen Existenz ausreichten.

Da war es ein Glücksfall, dass der Direktor des Gymnasiums zum Grauen Kloster, Friedrich Gedike (1754-1803), Bekker in Anerkennung seiner Begabung in sein Haus aufnahm.

Doch war dieses Glück teuer erkauft; denn der Direktor ließ sich die freie Station durch Dienste niedrigster Art, wozu auch das Schuhputzen gehörte, vergelten, und demütigte Bekker, den primus omnium, auch vor den Mitschülern, indem er schon durch die Anrede verdeutlichte, dass er ihn als gesellschaftlich unter allen Mitschülern stehend betrachtete.


Diese Erlebnisse haben sich Bekker tief eingeprägt, zeitlebens hat er sie in Erinnerung behalten. Bekker selbst hat seine eigene Schüchternheit (»Blödigkeit«) und Zurückhaltung, seine große Schweigsamkeit und Unbeholfenheit im Umgang mit Menschen, seine Abgeschlossenheit gegenüber anderen immer auf den damals gebrochenen Jugendmut zurückgeführt.



(Die modernen Väter der Antike: die Entwicklung der Altertumswissenschaften an Akademie und Universität im Berlin des 19. Jahrhunderts. Walter de Gruyter, 2009. S. 329f.)
Re: Immanuel Bekker
Patroklos schrieb am 18.04.2025 um 11:32 Uhr (Zitieren)
Vielen Dank.
Schleiermachers Bonmot mag gleichwohl von großer Anerkennung zeugen.
Re: Immanuel Bekker
Γραικύλος schrieb am 18.04.2025 um 18:10 Uhr (Zitieren)
"Bekker schweigt in sieben Sprachen" ist ein schönes Paradoxon.
Kannst Du dafür eine Quelle angeben?
Re: Immanuel Bekker
Γραικύλος schrieb am 18.04.2025 um 18:37 Uhr (Zitieren)
Übrigens gibt es zwei Immanuel Bekkers:
- August Immanuel Bekker (1785-1871), der hier gemeinte Altphilologe, und
- Ernst Immanuel Bekker (1827-1916), der Professor für römisches Recht und Sohn des ersteren.
Re: Immanuel Bekker
Patroklos schrieb am 18.04.2025 um 18:39 Uhr (Zitieren)
Ich hatte WP angegeben. Auch schweres googeln bringt nichts. Einmal heißt es schmallippig: Schleiermacher, Gespräche.
Re: Immanuel Bekker
Γραικύλος schrieb am 18.04.2025 um 18:45 Uhr (Zitieren)
Dann ist es so. Oder wir müssen auf filix warten.
Re: Immanuel Bekker
filix schrieb am 18.04.2025 um 20:05 Uhr (Zitieren)
Es wird auch F.A. Wolf und Niebuhr zugeschrieben, weiter als Büchmann, d.h. hinter Zelter an Goethe im März 1832 zu gelangen, scheint nicht möglich:

… so muß ich schweigen (wie unser Philologus Bekker, den sie den Stummen in sieben Sprachen nennen …


(Briefwechsel zwischen Goethe und Zelter in den Jahren 1799 bis 1832: Bd. 1828-1832, Reclam 1832, S.255)
 
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