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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
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Antike erklärt: Polytheismus #4
(207 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 18.04.2025 um 00:03 Uhr (
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„Angenommen, ich stimme auch dem zu“, sagte T. „Aber die wichtigste Frage ist immer noch offen. Für einen einfachen Menschen – und ich halte mich für einen solchen – ist in Glaubensdingen nicht die Lehre wichtig, sondern die Hoffnung auf Erlösung. Die alten Religionen, mögen sie auch von Viehzüchtern erfunden sein, geben einem diese Hoffnung. Der Mensch glaubt an einen Schöpfer, der ihn richten und ihn anschließend ins ewige Leben aufnehmen wird. Und er weiß, vielleicht kann einem dieser naive Glaube auch im Jenseits tatsächlich helfen. Aber welchen Seelentrost spendet die Vielgötterei, zu der sich Ihr Gemahl bekannte?“
Die Fürstin Tarakanowa schloss die Augen, als wolle sie sich auf etwas besinnen.
„Der verstorbene Fürst hat auch dazu etwas gesagt“, bemerkte sie. „Die Götter erschaffen uns nicht getrennt von sich selbst. Sie spielen nur abwechselnd unsere Rolle, wie verschiedene Schauspieler, die in ein und demselben Kostüm auf die Bühne kommen. Das, was man als ‚Mensch‘ bezeichnet, ist lediglich unser Bühnenkostüm. Die Krone von König Lear, die ohne den Schauspieler, der sich trägt, nur ein Blechreifen ist ...“
„Die Erlösung der Seele kümmert Sie offenbar nicht?“
Die Fürstin lächelte traurig.
„Von der Erlösung der Seele, Graf, kann man nur in den Momenten sprechen, in denen ein Wesen, das diese Frage umtreibt, unsere Rolle spielt. In anderen Momenten trinken wir Wein, wir spielen Karten, schreiben törichte Verse, sündigen, und so vergeht das Leben. Wir sind lediglich ein Torweg, durch den ein Reigen von Leidenschaften und Situationen zieht.“
„Ist denn der Mensch in der Lage, mit den Kräften, die ihn erzeugen, Kontakt aufzunehmen?“, fragte T. „Kann er mit den Göttern, die ihn erschaffen kommunizieren?“
„Warum nicht? Aber nur dann, wenn ihn Götter erschaffen, die kommunikativ sind. Die gerne mit sich selbst reden. Wissen Sie, so wie kleine Mädchen, die mit ihren Puppen sprechen und sie durch ihre Fantasie lebendig werden lassen ... Warum sind Sie so blaß geworden? Ist Ihnen zu heiß?“
Aber T. hatte sich schon wieder gefangen.
„Jetzt verstehe ich“, sagte er. „Aber das ist doch ... Das ist ein vollkommen aussichtsloser Blick auf die Dinge.“
„Warum das denn? Das Wesen, das Ihnen Leben gibt, kann durchaus voller Zuversicht sein.“
„Aber was ist mit der Erlösung?“
„Was genau wollen Sie denn erlösen? Die Krone von König Lear? Sie alleine spürt nichts, sie ist nur ein Teil der Requisite. Die Frage der Erlösung wird in der Vielgötterei dadurch entschieden, dass man sich der Tatsache bewusst ist, dass die Schauspieler im Anschluss an die Vorstellung nach Hause gehen und die Krone an der Garderobe aufhängen ...“
„Aber wir alle“, sagte T., „haben doch eine dauernde, ununterbrochene Wahrnehmung unserer selbst. Ich habe die Empfindung dessen, dass ich bin. Oder etwa nicht?“
„Darüber hat der Fürst auch viel nachgedacht“, erwiderte die Fürstin. „Die Wahrnehmung, von der Sie sprechen, ist bei allen Menschen dieselbe und im Grunde nur ein Echo der Körperlichkeit, das sich in allen lebenden Wesen findet. Wenn ein Schauspieler eine Krone aufsetzt, schiebt sich ein Metallreifen über seinen Kopf. Den König Lear können verschiedene Schauspieler spielen, und sie alle werden einen kühlen Metallreifen auf dem Kopf tragen und ein und dasselbe emp-finden. Aber man darf daraus nicht schließen, dass dieser Metallreifen ein wichtiger Beteiligter in einem Mysterienspiel ist ...“
T. blickte zu der Platte mit dem enthaupteten Drachen hinüber und verspürte mit einem Mal eine unüberwindliche Schläfrigkeit. Er war kurz davor einzunicken und murmelte:
„Offenbar kannte Ihr verstorbener Gatte alle Geheimnisse der Welt.“
[...]
(Viktor Pelewin: Tolstois Albtraum. München 2013, S. 31-39)
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