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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Goldene Mitte (245 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.04.2025 um 14:08 Uhr (Zitieren)
„Neid ist besser als Mitleid“, so hat einst Pindar versichert (1);
Männer im Brennpunkt des Neids führen ein Leben voll Glanz.
Mitleid schenken wir denen, die namenlos arm sind. Ich aber
möcht weder überbeglückt noch auch bejammernswert sein.
Nur aus bescheidener Mitte blüht bestes Gedeihen; denn drohend
liegt auf den Höhen Gefahr und in den Tiefen – der Spott.

[Palladas; Anthologia Graeca X 51]

(1) Pythische Oden I 85
Re: Die Goldene Mitte
βροχή schrieb am 16.04.2025 um 17:34 Uhr (Zitieren)
Der goldene Schnitt (Kunst) lehrt uns, dass es neben der Mitte ein Optimum der Harmonie und Schönheit gibt.
Re: Die Goldene Mitte
Γραικύλος schrieb am 16.04.2025 um 17:43 Uhr (Zitieren)
Kann man das auf Mitleid und Neid übertragen?
Re: Die Goldene Mitte
Andreas schrieb am 16.04.2025 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Beim Neid denke ich an das Buch von Helmut Schoeck,Der Neid. Die Urgeschichte des Bösen (1982)
und: ders.:
Der Neid und die Gesellschaft (1971)

Wie würdest du die Mitte beschreiben?
Etwa einen erfolgreichen Sportler beneiden und zugleich
bedauern, weil er hart trainieren muss und vlt.
körperlichen Dauerschaden erleiden kann


Muhammad Ali - Litt nach seiner Boxkarriere an Parkinson-Syndrom, das wahrscheinlich durch die zahlreichen Schläge gegen den Kopf verursacht wurde.

Christoph Kramer - Der Fußball-Weltmeister erlitt mehrere schwere Gehirnerschütterungen, die zu langfristigen neurologischen Problemen führten.

Dennis Schröder - Der NBA-Spieler kämpft mit chronischen Rückenproblemen, die ihm bis heute zu schaffen machen.

Sven Hannawald - Der Skispringer beendete seine Karriere wegen eines Burnout-Syndroms, das bleibende psychische Auswirkungen hatte.

Heike Drechsler - Die Leichtathletin leidet unter dauerhaften Knie- und Hüftproblemen als Folge ihrer sportlichen Belastung.

Petr Čech - Der Fußball-Torhüter muss wegen einer schweren Schädelverletzung bis heute einen Schutzhelm tragen.

Fritz Walter - Der Fußballweltmeister von 1954 litt nach seiner Karriere an schweren Gelenkproblemen, die aus seinen Sportverletzungen resultierten.

Eric Koston - Der Skateboarder hat dauerhafte Einschränkungen durch mehrere Knieoperationen.

Paul Gascoigne - Der englische Fußballstar leidet unter chronischen Knieproblemen und psychischen Folgeerscheinungen seiner Verletzungen.


Wäre die Menschheit da, wo sie heute ist ohne Neidgesellschaften?
Neid als Konjunkturmotor?
Re: Die Goldene Mitte
filix schrieb am 16.04.2025 um 20:05 Uhr (Zitieren)
Wenn Palladas dem Neid entgehen möchte, scheint unter der Prämisse, dass die antike Gesellschaft und unsere sich vergleichen lassen, die bescheidene Mitte doch ein denkbar schlechter Ort, denn die gewöhnlich rechtsschiefe Verteilung von Einkommen, Vermögen und anderen beneidenswerten Ressourcen bedeutet doch, dass dort sich die meisten Konkurrenten tummeln, in deren sozialer Reichweite man sich befindet.

Die sozialpsychologische Forschung sagt nun aber, dass die Neidgefühle im Vergleich mit ähnlichen sozialen Gruppen, deren Status zu erringen einem nicht gänzlich abwegig scheint, am stärksten sind. In gewisser Weise ist die Mitte also kein Ort der gefahrlosen Ruhe, sondern ein heiß umkämpftes soziales Spielfeld.
Re: Die Goldene Mitte
βροχή schrieb am 16.04.2025 um 20:49 Uhr (Zitieren)
Die etwas verschobene Mitte zw. Neid und Mitleid? Sind Neid und Mitleid wirklich der Rahmen in den man sich irgendwo reinsortiert?

Re: Die Goldene Mitte
filix schrieb am 16.04.2025 um 21:06 Uhr (Zitieren)
Ich lese das durchaus als Einordnung in der Mitte der Gesellschaft zwischen den Extrema der namenlosen Armen und den Männern im Brennpunkt des Neids, also den Reichen, und zwar über diese zwei Empfindungen, die mit ihnen assoziiert werden. Das widerspricht aber besagter Erkenntnis, dass der Neid auf den etwas besser Gestellten aus einer vergleichbaren Gruppe in sozialer Reichweite am stärksten ist - und durch die rechtsschiefe Verteilung sind in der bescheidenen Mitte die meisten Kandidaten, die einen für ihresgleichen ansehen bzw., was man ihnen voraushabe, auch für erreichbar halten oder beanspruchen zu können glauben.
Re: Die Goldene Mitte
βροχή schrieb am 17.04.2025 um 00:04 Uhr (Zitieren)
Neid anderer wird nicht nur durch Besitz geweckt. Die können auf alles mögliche neidisch sein.
Das kann man bisschen vermeiden, wenn man nicht eitel und nicht prahlerisch ist.
Spott zieht man sich durch Ungeschicklichkeit zu.
viell. meint er das so?
Re: Die Goldene Mitte
filix schrieb am 17.04.2025 um 00:31 Uhr (Zitieren)
Nein, darum schrieb ich auch von anderen beneidenswerten Ressourcen, aber für die gilt dasselbe, der Neid ist in der sozialen Vergleichsgruppe gewöhnlich am stärksten. Dass ökonomische Aspekte in den Versen nicht unerheblich sind, macht zudem die Abgrenzung zu namenlosen Armen deutlich, die haben also weder Ansehen, Bedeutung noch Vermögen. Entsprechend ist der Wohlstand derer zu verstehen, deren Leben glanzvoll ist.

Behauptet wird schlicht, dass man in der bescheidenen Mitte vergleichsweise unbeschadet vorankäme, man habe weder den Spott zu fürchten, der die Armen trifft, noch die Gefahren der Höhe. Letztere könnte die Art und Weise betreffen, in der Neid in verschiedenen Schichten ausgelebt wird. Möglicherweise beschränkt sich die Mitte, obschon ihr Feld breiter ist, mehr auf die kommunikative Austragung von Neidkonflikten untereinander, am oberen Ende bleibt es nicht dabei, weil dort mehr Mittel und Möglichkeiten existieren, dem beneideten Konkurrenten zu schaden - ökonomisch, juristisch, durch soziale Einflussnahme usf.
Re: Die Goldene Mitte
βροχή schrieb am 17.04.2025 um 08:42 Uhr (Zitieren)
Ja, filix, das habe ich schon so verstanden, ich möchte es auch gar nicht abstreiten.
 
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