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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Antike erklärt: Polytheismus #3 (150 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 16.04.2025 um 14:06 Uhr (Zitieren)
„In spirituellen Fragen, Graf, ‚gibt es weder Judäa noch Hellas‘, wie es ein fröhlicher Jude zu der Zeit ausdrückte, als es noch Hellenen gab ... Wieso essen Sie keinen Hecht?“
„Ich versuche, mich an vegetarischer Kost zu halten.“
„Wenn Sie nichts essen“, sagte die Fürstin Tarakanowa kokett, „dann werde ich nichts mehr sagen.“
T. lächelte und griff nach dem Fischmesser.
„Fahren Sie fort, ich bitte Sie“, sagte er und zog den Teller heran. „Sie haben noch nicht erklärt, wie die Götter uns erschaffen. Sind sie alle zusammen am Werk? Oder immer abwechselnd?“
„Beides kommt vor.“
„Könnten Sie das nicht an einem Beispiel erläutern?“
„Ich versuche es. Stellen Sie sich vor, ein Mann kommt nach dem Gottesdienst aus der Kirche und ist von religiöser Ergriffenheit durchdrungen. Er hat sich geschworen, sanftmütig zu sein und denen zu vergeben, die ihn beleidigen ... Dann flaniert er über den Boulevard und begegnet ein paar Müßiggängern. Einer von denen erlaubt sich eine wenig schmeichelhafte Bemerkung über den Schnitt der Hose unseres Helden. Ohrfeige, Duell, Tod des Gegners, Zuchthaus. Sie nehmen doch wohl nicht an, dass alle diese Handlungen ein und denselben Urheber haben? So ist es, wenn verschiedene Wesen uns erschaffen und dabei abwechselnd handeln. Und wenn Sie sich vorstellen, dass unser Held sowohl in der Kirche als auch beim Spaziergang auf dem Boulevard und ganz besonders im Zuchthaus häufig an die fleischliche Liebe in ihrer derbsten, vulgärsten Form gedacht hat, haben wir ein Beispiel dafür, wie es ist, wenn verschiedene Wesen uns er-schaffen und dabei gleichzeitig handeln.“
T. nickte.
„Etwas ganz Ähnliches habe ich mir in Bezug auf die Todesstrafe überlegt“, sagte er. „Sie hat überhaupt keinen Sinn, weil der Unglückliche, über den diese Strafe hereinbricht, bereits ein ganz anderer Mensch ist als derjenige, der das Verbrechen begangen hat. Er kann die Tat unterdessen zehnmal bereut haben. Aber man hängt ihn trotzdem auf ...“
„Genau das meine ich“, sagte die Fürstin Tarakanowa. „Kann es wirklich sein, dass derjenige der tötet, und derjenige, der die Tat hinterher bereut, ein und dasselbe Wesen sind?“
T. zuckte die Achseln.
„Gemeinhin sagt man, Menschen ändern sich.“
„Der verstorbene Fürst hat immer lauthals gelacht, wenn er das hörte. Menschen ändern sich ... der Mensch an sich ändert sich nicht mehr als ein leeres Hotelzimmer. Das wird einfach zu verschiedenen Zeiten von verschiedenen Leuten bewohnt.“
„Aber trotzdem ist er ein und derselbe Mensch. Nur in einer anderen Geistesverfassung.“
„So kann man es auch sagen“, erwiderte die Fürstin. „Aber was bedeutet das? Das ist, als blickte man auf eine Bühne, wo abwechselnd ein Zauberer, ein Narr und ein Tragöde auftreten, und sagte dann: Aber trotzdem ist es ein und dasselbe Konzert! Sicher, manche Dinge ändern sich nicht – der Zuschauerraum, der Vorhang, die Bühne. Außerdem bekommt man sämtliche Darbietungen mit einer einzigen Eintrittskarte zu sehen. Dadurch gewinnt das Geschehen eine gewisse Kontinuität und Gemeinschaftlichkeit. Aber die Beteiligten an der Handlung, die ihr einen Sinn verleihen und sie zum Schauspiel machen, sind immer andere.“

(Viktor Pelewin, Tolstois Albtraum. München 2013, S. 31-39)

(Fortsetzung folgt)
Re: Antike erklärt: Polytheismus #3
βροχή schrieb am 16.04.2025 um 17:32 Uhr (Zitieren)
Der Mensch ändert sich? Man kann auch sagen, der Mensch ist nicht immer bzw. nicht für jeden berechenbar.
Re: Antike erklärt: Polytheismus #3
Γραικύλος schrieb am 16.04.2025 um 17:36 Uhr (Zitieren)
an vegetarischer Kost --> an vegetarische Kost
 
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