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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die verrohte Bestie (202 Aufrufe)
filix schrieb am 05.04.2025 um 11:51 Uhr (Zitieren)
Lambere securi dextram consueta magistri
tigris, ab Hyrcano gloria rara iugo,
saeva ferum rabido laceravit dente leonem:
res nova, non ullis cognita temporibus.
ausa est tale nihil, silvis dum vixit in altis:
postquam inter nos est, plus feritatis.


Gewöhnt, die Rechte des furchtlosen Wärters zu lecken, hat ein Tiger, eine seltene Pracht von den hyrkanischen Höhen, grimmig einen wilden Löwen mit wütenden Zähnen zerrissen - etwas ganz Neues, was man zu keiner Zeit je erlebt hat. Gewagt hat er solches nie, solange er tief in den Wäldern lebte: Seit er bei uns ist, ist er noch wilder.


(Martial, De spectaculis 18)
Re: Die verrohte Bestie
βροχή schrieb am 05.04.2025 um 12:40 Uhr (Zitieren)
In der Natur begegnen sich Tiger und Löwe nicht so oft, viell. in Indien?

Käfigtiere geben nicht immer Auskunft über ihr natürliches wesen. Es gibt noch heute viele Missverständnisse zw. Mensch und Tier.

Re: Die verrohte Bestie
Γραικύλος schrieb am 05.04.2025 um 13:00 Uhr (Zitieren)
Erstaunlich, diese Wildheit, wo er doch dem Wärter die Hand leckt.

Lustig, dieser dumme Stier:
Qui modo per totam flammis stimulates harenam
sustulerat raptas taurus in astra pilas,
occubuit tandem cornu maiore petitus,
dum facilem tolli sic elephantus putat.

Der Stier, der eben noch, von den Flammen wütend gemacht, durch die ganze Arena
die Strohpuppen packte und zu den Sternen emporwarf,
sank endlich, von einem größeren Horn getroffen, sterbend zu Boden,
während er noch glaubte, einen Elefanten könne man genausoleicht emporwerfen.

[Martial: De spectaculis 19]
Re: Die verrohte Bestie
filix schrieb am 07.04.2025 um 00:14 Uhr (Zitieren)
postquam inter nos est, plus feritatis


Zur verführerischen Auffassung, hier würde eine Art Kritik am korrumpierenden Einfluss des überzivilisierten Römertums im Stil von Tacitus geübt am Beispiel des wilden Tiers, bemerkt Kathleen Coleman in ihrer Ausgabe des Liber spectaculorum (Oxford University Press, 2006):

Tacitean cynicism and social criticism do not seem to cohere with Martial’s sycophantic jingoism, but the sentiment is common (‘beasts don’t lie’, etc.), and the witty paradox may have taken precedence over the implication that contemporary Rome exercised a corrupting influence on the animal kingdom. As pointed out by Lorenz (2002: 79–80), it is far more likely that Martial is indirectly complimenting the emperor for providing the spectators with a thrilling show of violence …
 
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