filix schrieb am 01.04.2025 um 13:21 Uhr (Zitieren)
Nie greift die klassische sukzessive Metempsychose die Ordnung der Formen, die sie durchwandelt, an, während wir mittlerweile auch von einer anderen Art Seelenreise, die über die Transgression dieser Ordnung vermittelt wird, fasziniert sind (und nicht nur, was die Geschlechter angeht).
Davon abgesehen, was ist das für ein warmblütiger Fisch? »Fisch«?
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 01.04.2025 um 13:28 Uhr (Zitieren)
Delphin, die Griechen liebten ihn.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Γραικύλος schrieb am 01.04.2025 um 13:50 Uhr (Zitieren)
Mir ist unklar, was in der Aussage "Ich war ein Fisch" das Wort "ich" bedeutet. Alles, was ich unter mir selbst verstehe, ist mit Fischsein gänzlich inkompatibel. Vor allem, weil ich mir unter der ominösen Entität Seele jenseits von Bewußtsein kaum etwas vorstellen kann.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 01.04.2025 um 14:17 Uhr (Zitieren)
... ein Delphin hat doch auch Bewusstsein.
Es ist nicht schwer sich in einen Delphin hineinzuversetzen. Welches Vergnügen es ihm macht, durchs Wasser zu schweben, zu schnellen, sich zu drehen, zu springen usw.
Dyonysos verwandelte Piraten in Delphine.
Die Griechen ritten auf Delfinen, sie waren gar mit ihnen befreundet.
Delphine symbolisierten die Transformation in göttliche Formen.
βροχή schrieb am 01.04.2025 um 14:27 Uhr (Zitieren)
"ich" ist Empedokles, bzw. sein lyrisches ich. Er kann sich in all die genannten Lebensformen hineinversetzen.
Er behauptet, er wäre schon in anderer Form auf der Erde gewesen, er wäre ein unsterblicher Gott.
Er wird mit Ruhm überschüttet. Viell. hat er den Eindruck, dass er als gewöhnlicher Mensch das nicht verdient und möchte daher auf diese überschwengliche Weise jene, die ihn rühmen, bestätigen.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Γραικύλος schrieb am 01.04.2025 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Man kann sich das zumindest einbilden. Sie haben keine Hände, lesen keine Bücher, sind keine Bürger eines Staates, sprechen eine Sprache mit völlig anderer Stuktur, kennen kein Geld usw. Da besteht doch eine große Kluft. Selbst wenn wir gelegentlich im Wasser herumtollen, sind wir keine Delphine.
Empedokles (alles, was wir darunter verstehen) ist kein Delphin, und auch ich bin kein Delphin.
Da müßte denn Rimbauds Diktum gelten: "Ich ist ein anderer."
Das ist zumindest paradox. Das heißt freilich noch nicht, daß ich damit einen Sinn verbinden könnte.
Wenn man Dich früge: "Wer bist du?", dann könntest Du sicher eine Menge antworten, kämst jedoch nie zu dem Punkt zu sagen: "Ich bin ein Delphin."
Daß es sich der Mythos der Verwandlung von Menschen in Delphine damit einfach macht, stimmt - deshalb ist er ein Mythos.
Der Mythos mag eine irgendwie beschaffene Verbundenheit zwischen Menschen und den anderen Tieren bildhaft ausdrücken. Seelenwanderung als Tatsache ist doch etwas anderes.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Γραικύλος schrieb am 01.04.2025 um 14:47 Uhr (Zitieren)
(Wolfgang Weimer)
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Γραικύλος schrieb am 01.04.2025 um 14:52 Uhr (Zitieren)
Notabene: "Ich war ein Mädchen, ein Busch [!], ein Vogel, ein Fisch" ist keine mythische, bildhafte Aussage, sondern die Behauptung einer Tatsache.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 01.04.2025 um 15:05 Uhr (Zitieren)
βροχή schrieb am 01.04.2025 um 15:17 Uhr (Zitieren)
Warum nicht? Poetisch in einem Gedicht, verkleidet auf einer Bühne, könnte ich es wohl sagen.
Epigramme können poetisch sein, ein lyrisches ich kann sprechen.
Dieses Epigramm ist euphorisch verspielt, gönne ihm doch das Vergnügen.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Γραικύλος schrieb am 01.04.2025 um 15:28 Uhr (Zitieren)
Eben. Aber ich verstehe das, was mit Seelenwanderung gemeint ist, eben anders und auch den Empedokles nicht als euphorisch verspielt. Zumindest die "Seelenwanderer", die ich kenne, vertreten das als hartes Dogma. In Tibet wandte (wendet) man sogar Tests an, durch die eine Wiedergeburt zu erkennen sein soll.
Vgl. übrigens udos KI-Information.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 01.04.2025 um 15:38 Uhr (Zitieren)
Was Empedokles sonst noch alles über die Seelenwanderung schrieb, steht auf einem anderen Blatt.
Dieses Epigramm kann ich nicht anders als poetisch verspielt lesen.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 12:33 Uhr (Zitieren)
Mit poetisch verspielten Berichten über die auf welcher Ebene von Bewusstsein immer erlebten und durch welche Kontinuität gewährleistende Struktur immer bei ihrer Durchwandlung verbundenen Daseinsformen halten sich die Verse nicht auf. Sie benennen exemplarisch die grundlegend geschiedenen Formen des Lebens, darunter den Menschen in seiner gewöhnlichen geschlechtlichen Doppelgestalt, aus der Retrospektive der Überwindung eines auf pythagoreische Lehren verweisenden Kreislaufs des Lebens, Empedokles, jetzt seliger Gott, hat all das offensichtlich hinter sich gelassen.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 13:01 Uhr (Zitieren)
Dass Empdeokles ein Gott war, daran glaube ich nicht.
Wenn er sich selbst einen Gott nennt, ist das entweder Fantasie (spielerisch im Sinne von ich=lyr. ich) oder verwirrt.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 13:17 Uhr (Zitieren)
Das ist, was die Verse, die ja nicht von ihm stammen, aber unterstellen und in diesem Kontext muss man ihren Aufbau, unabhängig vom Wahrheitsgehalt, beurteilen. Ist unter dem "warmen Fisch" wirklich der Delphin zu verstehen (wo findet man übrigens die Erkenntnis seiner Warmblütigkeit in antiken Texten sonst?), wird man auch prüfen müssen, ob die anderen exemplarischen Begriffe, wenn n sie nicht auf eine bestimmte Art zielen, so doch wenigstens auf edlere Sammelbezeichnungen verweisen (vgl. etwa οἰωνός: a large bird, bird of prey, οἰωνοί, φῆναι ἢ αἰγυπιοὶ γαμψώνυχες Od. 16.216; of the eagle, Κρονίωνι . . φίλτατος οἰωνῶν Il. 24.293)
Dass der nun bekränzte Gott mal Hausspatz, Sprotte oder weißer Gänsefuß war, macht sich nicht so gut im metempsychotischen CV.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 13:27 Uhr (Zitieren)
Ich verweise mal eben auf die hübsche Verballhornung (Spoonerism) „met him pike hoses“ im Ulysses/Molly Bloom.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 13:41 Uhr (Zitieren)
von wem stammen die?
Warum wird es Empedokles unterstellt, war das weit und breit der einzige Vertreter der Metempsychose?
Wenn es auf Empedikles gemünzt ist, kann es auch ein Spottgedicht sein.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 13:42 Uhr (Zitieren)
sry. Tippo
Empedokles
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 13:59 Uhr (Zitieren)
Met him pike hoses, I get exactly what you mean. A few days ago I saw ol' Empty dog leash and instantly knew he had become a fish.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 14:12 Uhr (Zitieren)
Dell wone!
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 14:26 Uhr (Zitieren)
... hence you feel leaks?
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 14:59 Uhr (Zitieren)
I'm terribly sorry, but all I can offer in response is a stale twisted brioche.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 15:07 Uhr (Zitieren)
Objection, Your Honor. „Feel leaks“ fand ich besser.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 15:11 Uhr (Zitieren)
Stimme vorbehaltlos zu, darum ja auch stale (/βroˈçi/ → /vroˈçi/) and twisted.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 15:34 Uhr (Zitieren)
... dont worry about pad rock loss
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 15:34 Uhr (Zitieren)
In der Linguistik heißt derartiges:
Umdieeckismus bzw.,
Thinkoutsidetheboxism
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 15:44 Uhr (Zitieren)
... macht Spass :)
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 15:59 Uhr (Zitieren)
Die sympathische Form des Querdenkens. But let's not overdo it, or our Gray (eminence will) kill us.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Das Studienfach heißt in den USA „ humorous phonetic transcription“, meist angeboten mit „fly-fishing“. Vgl. Ohio State University.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 16:15 Uhr (Zitieren)
... the gray book of lost? flock, thee would tremble?
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 16:39 Uhr (Zitieren)
... otherwise, will the gray cool us down?
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 16:53 Uhr (Zitieren)
Bei diesen Transkriptionen gilt der selbstreferentielle Grundsatz:
Take care of the sound and the sense will take care of itself.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 02.04.2025 um 17:06 Uhr (Zitieren)
... irgendwie schon. Wüsste ich, was es bedeutet,
wäre ich überrascht.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 18:11 Uhr (Zitieren)
Was unseren Versuchen ziemlich abgeht im Vergleich zu Joyce (insbesondere im Kontext der Stelle, an der met him pike hoses im Werk auftaucht), ist die unterschwellige sexuelle Komponente (its burden of sexual innuendo, wie das ein Interpret ausdrückt). Zu dieser Seite der Fehlleistungsproduktion finde ich eine amüsante wissenschaftliche Versuchsanordnung, die nicht in Verdacht gerät, overly sophisticated zu sein: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7498727/#F1
Leser in Eile können direkt zu Figure 1 springen. Man kann die Vermutung wagen, dass auch beim Namensgeber Spooner, a British clergyman and long-serving Oxford don, die Produkte dieses im conflict-based error-detection model of speech production beschriebenen Vorgangs besonders zahlreich anfielen, weil der nicht zuletzt in einem ganz anderen Tabu- und Etikettemilieu lebte als wir heute.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
Patroklos schrieb am 02.04.2025 um 19:26 Uhr (Zitieren)
Einen Versprecher hat sich Joyce mit dem Wort „shibboleth“ erlaubt. Das Umfeld ist etwas unans-tändig.
Ich erwähne das nur, weil der „Ulysses“ hier im Forum seinen Platz haben darf.
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 22:29 Uhr (Zitieren)
But how to pronounce it, James? Something like this?
Re: Empedokles' Seelenwanderung
filix schrieb am 02.04.2025 um 23:23 Uhr (Zitieren)
Aus den seine Klassifikationskritierien herausfordernden Eigenschaften des Delphins ergibt sich bei Aristoteles (Hist. anim. 8,2) indirekt seine "Warmblütigkeit", wobei man dabei nicht exakt das heutige Konzept der konstanten Temperaturregulation erwarten darf. Er sagt an der Stelle lediglich, dass der Delphin sein Blut kühlen muss wie Luft atmende Landtiere:
Re: Empedokles' Seelenwanderung
βροχή schrieb am 03.04.2025 um 05:17 Uhr (Zitieren)
... er schreibt, Delphine wurden in Netzen gefangen. Die Griechen haben schon gemerkt, dass es Warmblüter sind, im Gegensatz zu wasseratmenden Fischen. Nach deren Kategorisierung waren Delphine und die Wale warmblütige Fische.
Im Epigram könnte auch ein Wal gemeint sein. Allerdings dieses Emporschnellen, die Wale machen es zwar auch, aber es ist sooo typisch für Delphine.
Wenn nicht Empedokles selbst das Epigram schrieb, woran könnte man unterscheiden, ob es spöttisch oder eine Huldigung ist?