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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Amulett und seine Wirkung (887 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 19.03.2025 um 00:34 Uhr (Zitieren)
Οὐκ ἀλόγως ἐν διζύφοις δύναμίν τινα θείαν
εἶναι ἔφην. χθὲς γοῦν δίζυφον ἐν χρονίῳ
ἠπιάλῳ κάμνοντι τεταρταίῳ περιῆψα,
καὶ γέγονεν ταχέως οἷα κρότων ὑγιής.

Hab ich nicht richtig gesagt, das Dizyphon hat eine wahrhaft
göttliche Heilkraft? Ich hängt‘ gestern erst einem es um,
den das Viertagefieber schon lange gequält und geplagt hat,
und da fühlte er gleich wie eine Zecke sich wohl.

[Palladas; Anthologia Graeca IX 503]
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 19.03.2025 um 15:37 Uhr (Zitieren)
Ich irre herum: offenbar ein Teekesselchen, doch mit Dizyphon komme ich nicht weiter.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 19.03.2025 um 16:09 Uhr (Zitieren)
Im Kommentar zu D. heißt es:
An unknown word, but possibly another form of ζίζυφον, the fruit of the jujube-tree.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 19.03.2025 um 17:03 Uhr (Zitieren)
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 19.03.2025 um 17:25 Uhr (Zitieren)
Dicyphus Ist eine Wanzenart. Das ist ja schon etwas. Ein erster Schritt zum Teekesselchen; bleibt nur dies kuriose Dizyphon.
Wie kommt es denn Bitteschön zum Amulett? Damit fängt doch der Kummer an.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 19.03.2025 um 22:41 Uhr (Zitieren)
Ein wesentlicher Schlüssel zum Verständnis liegt wohl im Schlussvers, genauer der möglichen Mehrdeutigkeit von κρότων. Kein Geringer als Erasmus von Rotterdam hat sich schon darüber den Kopf zerbrochen:

https://www.google.de/books/edition/Erasmus_von_Rotterdam_Adagia_Sprichw%C3%B6rt/eymvEAAAQBAJ?hl=de&gbpv=1&dq=%CE%BF%E1%BC%B7%CE%B1+%CE%BA%CF%81%CF%8C%CF%84%CF%89%CE%BD&pg=PA1342-IA1&printsec=frontcover
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 20.03.2025 um 12:01 Uhr (Zitieren)
Bin beeindruckt und sage Dank.
Erasmus gibt seine Ratlosigkeit preis. Er heißt ja auch „der Liebenswürdige“.
Wenn Hilbert einige mathematische Probleme für unlösbar hält und auch ich ratlos bin, darf ich mir darauf etwas einbilden?
Immerhin hat niemand mir vorgehalten: Das sollte man aber wissen (Every schoolboy knows.)
Es bleibt ein Anflug von „I feel flattered“.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 13:54 Uhr (Zitieren)
Es muss nicht unbedingt ein Amulett sein.
"Er hängte es um" ist nur eine Möglichkeit, man findet auch "Er legte es auf", "er wendete es an".

Ich vermute es war Beifuß.

Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 13:59 Uhr (Zitieren)
... bzw. eine Arznei, die aus Beifuß hergestellt wurde.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 20.03.2025 um 14:26 Uhr (Zitieren)
Ich suche noch die Grundform von περιῆψα, um das Bedeutungsspektrum des Verbs nachzuschlagen.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 14:39 Uhr (Zitieren)
... der Patient müsste es zu sich genommen haben.
Beifuß war in der Antike bekannt und es ist sehr wirksakm gegen Malaria, jenes genannte viertagefieber.

Oder die Begebenheit ist ganz und gar metaphorisch. Dann käme man viell. nie dahinter.



Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 20.03.2025 um 15:15 Uhr (Zitieren)
Die Überschrift "Amulett" stammt vom Herausgeber, die habe nicht ich mir ausgedacht. Um diese Entscheidung zu überprüfen, müßte man zunächst περιῆψα in seiner mir unbekannten Grundform im Lexikon nachschlagen. Ist "zu sich nehmen" möglich?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 15:26 Uhr (Zitieren)
zum "Kroton"

es gibt einen mythologischen Kroton
Herkules tötete ihn versehentlich, gab ihm ein prächtiges Begräbnis und errichtete ein Grabmal


demnach bedeutet der letzte Vers, dass der Patient starb. Aus Versehen, eben wie Kroton.
Das Gedicht wäre dann bisschen zynisch, viell. auf einen Quacksalber gemünzt.

"Kroton" als Zecke ergibt wenig Sinn bei einer erfolgreichen Anwendung wovon auch immer.


Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 20.03.2025 um 15:35 Uhr (Zitieren)
κρότων bedeutet schon Zecke; als Eigenname müßte es großgeschrieben werden.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 20.03.2025 um 15:37 Uhr (Zitieren)
Ob man einen genesenen Menschen als Zecke bezeichnen kann? Das kommt wohl auf den Menschen an.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 15:55 Uhr (Zitieren)
Zecke

viell. wollte oder konnte er die Behandlung nicht bezahlen?



als Eigenname müßte es großgeschrieben werden

viell. ein antiker tippo?



zum περιῆψα fand ich dies

https://morphological_el.en-academic.com/searchall.php?SWord=%CF%80%CE%B5%CF%81%CE%B9%E1%BF%86%CF%88%CE%B1&stype=10








Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 15:57 Uhr (Zitieren)
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 16:15 Uhr (Zitieren)
großes oder kleines K bei kroton

https://anthologiagraeca.org/passages/urn:cts:greekLit:tlg7000.tlg001.ag:9.503/


das nächste Epigramm enthält 2 große Ks (Anfang 1. u. 2. Zeile),
die sehen genau so aus?

https://anthologiagraeca.org/passages/urn:cts:greekLit:tlg7000.tlg001.ag:9.504/



Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 20.03.2025 um 21:22 Uhr (Zitieren)
Ich nehme an, die vom Übersetzer gewählte Überschrift reflektiert dessen Einschätzung, dass die antike Behandlung des von ihr unverstandenen, unheilbaren, aber nicht besonders tödlichen Viertagefiebers (als Unterform der Malaria) aus neuzeitlicher Sicht nur magischen Charakter haben, hier nicht von einer Art medikamentöser Behandlung die Rede sein kann. Er gründet sie wahrscheinlich auch auf die Herkunft von περίαμμα (Amulett) von περιάπτω, von dem περιῆψα im Text kommt.

Vielleicht sollte man sich also zunächst ansehen, was an Behandlungsversuchen dieser Erkrankung so in der antiken Literatur auftaucht, um dem tiefer in den Bauch des Teekesselchens schauen zu können. Dass die Verse obendrein eine versteckte Pointe haben, nicht nur euphorisch eine erfolgreiche Therapie wodurch auch immer feiern, dürfte auch keine gänzlich abwegige Annahme sein.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 20.03.2025 um 21:23 Uhr (Zitieren)
-dem
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 21:58 Uhr (Zitieren)
Was deutet auf einen Teekessel? Wäre das typisch für Epigramme?

Inzw. denke ich, dass Kroton eben doch der mythologische ist. Der Buchstabenvergleich spricht nicht gegen ihn.

Die Pointe "(magische) Operation gelungen, Patient tot"

Das unbekannte Wort muss vorläufig unbekannt bleiben, bis es erneut in einem bis dato noch unbekannten Text auftaucht.

Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 20.03.2025 um 22:16 Uhr (Zitieren)
Womöglich ist das tertium das Aus/Saugen. Somit als erstes der heilsame Blutegel oder ähnliches. Die Zecke saugt Blut. Full as a tick=betrunken. Könnte die Zecke schon damals diese Zweitbedeutung gehabt haben?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 20.03.2025 um 23:00 Uhr (Zitieren)
Oder Kroton war ein Spottname, er wurde Zecke genannt und könnte damit gleichzeitig in die kürzlich von Graec gesuchte Rubrik der antiken Spitznamen fallen.

Die Deutung mit den Blutegeln ist auch schön,
die Zecke säuft sich voll. Aber irgendwie funktioniert die Übertragung nicht so ganz, die Zecke profitiert zwar von der Prozedur, aber wieso tauscht sie denn den Platz mit dem Kranken?

βδελλίζω Blutegel ansetzen




Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 00:30 Uhr (Zitieren)
Erasmus' Abstecher am Ende der verlinkten Ausführungen zu den Urahnen des Biers haben Spätere halbernst wieder ausgegraben, die es auch an anekdotischer Evidenz in der Bekräftigung ihrer Lesart nicht fehlen lassen:

Schliesslich muss ich mich noch gegen Jacob's Anth. Graec. I. 39. 126. wenden, der im Bd. II.Ἃ 136, 109. statt διζύθοις διζύφοις liest. Er liest: Οὐκ ἀλόγως ἐν διζύφοις δύναμίν τινα θείαν […] »Nicht ohne Grund habe ich gesagt, dass im Doppelbier (ich lese Dizythois und Dizyphois) ein gewisses göttliches Getränk enthalten sei. Gestern habe ich einem, der am viertägigen Fieber krank war, solches gegeben und er ward sofort gesund«. Warum sollte Doppelbier nicht helfen? Ich kenne in Prag einen Doctor, der die Patienten mit Pilsner Bier curirt.


Um den Zeck sich in der Übersetzung zu drücken wie Augustin Hausdorfer, besteht allerdings kein Grund, wenn dem Tierchen ebenso wohl ist, wie es voll ist - vom tatsächlich auch medizinisch gebrauchten ägyptischen Zythum nämlich, hier in seiner Starkbiervariante. Man muss das Bild am Ende nur mit dem Sprichwort zusammenführen, mit dem Erasmus anhebt, gesünder als Kroton (Κρότωνος ὑγιέστερος), um hinter die Schlusspointe zu kommen. Oder?

Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 06:27 Uhr (Zitieren)
Er sagt ich band es ihm um, nicht ich gab es ihm zu trinken oder zu schlucken.

Evtl. wurde das Bier, wie der Wein in Schläuchen serviert, so dass er ihm den Bierschlauch umband?

Warum soll Kroton nicht die Gestalt aus der Mythologie sein? Ich nehme an, damals war der jedem bekannt, auf die Mythen wurde gerne zurückgegriffen.
Im direkt folgenden Epigramm werden auch mythologische Gestalten genannt.

Ich möchte mich nicht vor der Zecke drücken, ich versuche das naheliegendste, unkomplizierteste zu bevorzugen.



Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 08:42 Uhr (Zitieren)
Es ist noch einfacher.
Krotos wird auch Kroton genannt (Hyginus Mythographus, 224). Es ist jener Satyr. Er ist bekannt für seine Munterkeit, er hat Spass und tanzt mit den Musen. Und voila, im darauf folgenden Epigramm, sind eben diese Musen zur Stelle.


Das Amulett könnte eine berauschende Wirkung haben, etwas dass man einatmet?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 21.03.2025 um 09:24 Uhr (Zitieren)
περιάπτω
Kann auch anlegen bedeuten. Spekulativ somit: wie der Egel sich vollsaugt, so auch der Zeck. Das ist nun nicht umwerfend witzig. Vom Homonym ganz zu schweigen.
(Don’t out-Erasmus Erasmus!)
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 11:50 Uhr (Zitieren)
Anderer Versuch:

Minus mirentur hoc qui sciunt foedissimum animalium in quantum magnificent ricinum, quoniam uni nullus sit exitus saginae nec finis alia quam morte, diutius in fame viventi. septenis ita diebus durasse tradunt, at in satietate paucioribus dehiscere; hunc ex aure sinistra canis omnes dolores sedare adalligatum.

Those would wonder less at this who know how highly the Magi extol that very loathsome animal the tick, on the ground that it is the only creature that has no vent for its gorging, nor yet any end save at death, living longer if it starves; they tell us that so it lasts for seven days, but if they eat to satiety they burst in a shorter time. They add that a tick from the left ear of a dog, worn as an amulet, relieves all kind of pain.




(Nat. hist. 30,24)

Die mögliche quacksalbern(d)e Schlusspointe? Das universale Zeckenamulett wirkt auch gegen das damals an sich unbehandelbare Viertagefieber aufgrund des Wortspiels am Ende zwischen Zecke und gesünder als Kroton (Κρότωνος ὑγιέστερος).
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 12:02 Uhr (Zitieren)
.

Inzwischen lese ich die 3 aufeinander folgenden Epigramme im Zusammenhang



9.502

Κονδίτου μοι δεῖ. τὸ δὲ κονδῖτον πόθεν ἔσχεν
τοὔνομα; τῆς φωνῆς ἐστι γὰρ ἀλλότριον
τῆς τῶν Ἑλλήνων εἰ Ῥωμαϊκῶς δὲ καλεῖται,
αὐτὸς ἂν εἰδείης, Ῥωμαϊκώτατος ὤν.

σκεύασον οὖν μοι τοῦτο: τὸ γὰρ κατέχον με νόσημα
τοῦ στομάχου χρῄζει τοῦδε, λέγουσι, ποτοῦ.

Ich verlange „conditum“. ¹ Woher kommt der Name „conditum“?
seinen Namen, denn er ist der griechischen Sprache fremd
Sprache. Wenn es ein lateinisches Wort ist, werdet ihr wissen, die ihr
die Ihr ein so guter Lateiner seid. Bereitet es für mich vor,
denn das Magenleiden, an dem ich leide.
an dem ich leide, erfordert dieses Getränk, wie ich höre.

¹Wein, gewürzt mit Honig und Pfeffer.


9.503

οὐκ ἀλόγως ἐν διζύφοις δύναμίν τινα θείαν
εἶναι ἔφην. χθὲς γοῦν † δίζυφον ἐν χρονίῳ
ἠπιάλῳ κάμνοντι τεταρταίῳ περιῆψα,
καὶ γέγονεν ταχέως, οἷα κρότων, ὑγιής.

Ich hatte nicht unrecht, als ich sagte, dass
eine göttliche Wirkung im Dizyphos¹ liegt.
Neulich erst band ich es eine um, der an einem chronischen Fieberanfall litt,
und er war sofort wieder munter wie Kroton.

¹ ein unbekanntes Wort


9.504

Καλλιόπη σοφίην ἡρωίδος εὗρεν ἀοιδῆς:
Κλειὼ καλλιχόρου κιθάρης μελιηδέα μολπὴν
Εὐτέρπη τραγικοῖο χοροῦ πολυηχέα φωνὴν
Μελπομένη θνητοῖσι μελίφρονα βάρβιτον εὗρε:

Τερψιχόρη χαρίεσσα πόρεν τεχνήμονας αὐλούς:
ὕμνους ἀθανάτων Ἐρατὼ πολυτερπέας εὗρε:
τέρψιας ὀρχηθμοῖο Πολύμνια πάνσοφος εὗρεν
[ἁρμονίην πάσῃσι Πολύμνια δῶκεν ἀοιδαῖς:]
Οὐρανίη πόλον εὗρε καὶ οὐρανίων χορὸν ἄστρων

κωμικὸν εὗρε Θάλεια βίον καὶ ἤθεα κεδνά.


Kalliope entdeckte die Kunst des heroischen Verses;
Clio die süße Musik der Leier, die den Tanz begleitet;
Euterpe die klangvolle Stimme des tragischen tragischen Chors;
Melpomene fand für die Sterblichen die honigsüßen Schlafmittel,
und die reizende Terpsichore gab uns die kunstvolle Flöte;
Erato erfand aufmunternde Hymnen an die Götter;
Polymnia lernte die Freuden des Tanzes;
Urania entdeckte den Pol und den Tanz der Sterne des Himmels,
und Thalia die Handlung und die gute moralische Lehre der Komödie.



9.502
Jemand verlangt conditum, er stellt noch fest, dass es dafür keinen griechischen Namen gibt

9.503
Jemand erprobt ein Wundermittel, er gibt ihm einen eigenen griechischen Namen,
der Probant wird munter wie jener Satyr, der mit den Musen tanzt

9.504
die Musen erscheinen wie gerufen



Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 12:15 Uhr (Zitieren)
9.504 ist nicht von Palladas, sein Humor spricht auch dafür, dass in 9.503 die großspurige Ankündigung des Sprechers, er habe bei der prognostizierten Heilwirkung des Mittels Recht behalten, sich beim folgenden anekdotischen Beweis in einer Pointe auflöst, die sie konterkariert oder ins Lächerliche zieht.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 21.03.2025 um 12:37 Uhr (Zitieren)
Zur Diskussion:
Kroton bedeutet
Heilpflanze (einige Arten)
Zecke
Stadt
Es bleibt das Teekesselchenrätsel von δίζυφον.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 14:47 Uhr (Zitieren)
Eine Zecke als Amulett, soweit verständlich

aber es wird der δίζυφον dem Patienten angelegt,
nicht der Kroton

die. Zecke als Amulett verwandelt denn Trägger in ihresgleichen? Der geheilte metaphorisch in einen Blutsauger verwandelt, womgl. platzt er gleich?

die Zecke als gesundes gar munteres Tier? Das ist weder so noch als Gegenteil einleuchtend...



Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 21.03.2025 um 15:01 Uhr (Zitieren)
Unser Rätselwort ist leicht korrupt. Es handelt sich um (δι)Ζιφιος, Ziphius, den Zweizahnwahl.
Die Heilkraft dieser Wale ist unerforscht. „Walauflegen“ würde kaum zur Heilung führen. Eine Verwandlung in eine Zecke mag eine sehr viel spätere Literarisierung (Variante) nicht ausschleßen.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 15:45 Uhr (Zitieren)
Nein, die Überlegung ist, dass das antiken Lesern geläufige Rätselwort die Pointe, die die behauptete unwahrscheinliche Heilung des Viertagefiebers zum Wortwitz macht, vorbereitet, ohne ihn vorwegzunehmen - das Amulett enthielte also eine Zecke (siehe Plinius), ohne diese in seiner Bezeichnung direkt zu benennen.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 15:54 Uhr (Zitieren)
das antiken Lesern geläufige Rätselwort


das muss nicht so sein, es kann ein erfundenes Scherzwort sein. Wäre es geläufig, käme es in anderen Texten auch vor. Oder gibt es insgesamt nur noch ganz paar wenige altgriechische Texte?

Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 21.03.2025 um 16:03 Uhr (Zitieren)
Als enthielte das Wort das Rätselwort.Da hatte ich schon herumgealbert.
Vgl. Knaben/Nabe. Wie heißen diese Rätsel noch?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Dass dem antiken Leser bekannte Wörter es zwangsläufig mehrfach durch die Stromschnellen der Überlieferungsgeschichte geschafft haben müssen, weil sie es sonst nicht wären, ist wie genau begründet? Es liegt doch nahe, dass ein an Witz nicht armer Dichter wie Palladas sich nicht um die zündende Pointe bringen wird, indem er mit einem seinen Lesern unbekannten Wort bzw. Ding anfängt.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 16:43 Uhr (Zitieren)
... nicht zwangsläufig, aber mit großer Wahrscheinlichkeit.
Welche sonstigen altgr. Worte gibt es nur 1x?

Viell. liegt ja gerade da der Witz, dass es ein erfundenes Wort ist?


Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 16:59 Uhr (Zitieren)
https://de.wikipedia.org/wiki/Hapax_legomenon

Denken lässt sich viel, aber was wären die Gründe für die Annahme unter Berücksichtigung der Textsorte, des Autors und seiner Epoche bzw. wie funktionierte ein solches Wort im Weiteren, ein protodadaistisches Spiel mit den Grenzen von Sinn und Bedeutung wollen wir Palladas nicht unterstellen, oder?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 17:14 Uhr (Zitieren)
... wieviele unbekannte altgr. Wörter gibt es? Wo findet man eine Liste von denen?

Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 21.03.2025 um 17:34 Uhr (Zitieren)
Einzigartig. Hier zwischendurch mal etwas Witziges.
Lewis Carroll:
… brillig, and the slithy toves..
Ogden Nash:
There is not much about the hamster
To stimulate the epigramster.
….
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 21.03.2025 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Ich fand dizyfon in einer papyrus Lebensmittelabrechnung

https://papyri.info/ddbdp/p.oxy;6;920

Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 21.03.2025 um 22:40 Uhr (Zitieren)
Pape:
δίζυφόν, τό, Palld. 109 (IX 503), dunkles Wort, wahrscheinlich von Toup. richtig in ζωύφιον geändert.

Ich glaube, diese Version hatten wir noch nicht.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Γραικύλος schrieb am 21.03.2025 um 22:49 Uhr (Zitieren)
LSJ:
δἱζυφον, το = ζίζυφον
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 21.03.2025 um 23:59 Uhr (Zitieren)
ζωύφιον hatten wir noch nicht, aber wenn die wahrscheinlich richtige Änderung lediglich darauf beruht, dass Tierchen besser zur Zecke passt, bringt das in meinen Augen keinen großen Fortschritt. Es kann als Oberbegriff zwar Spannung aufbauen, die im Schlussvers durch die Konkretisierung, um welches Tierchen es sich nun handelt, gelöst wird, aber sonst tut es nicht viel für die Pointe. Es wird ein Ratespiel daraus.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 00:56 Uhr (Zitieren)
In den Papyri (link s.o.) taucht das dizifon in einem völlig anderen Zusammengang auf, das ist kein Epigramm.

Daran sieht man, dass es kein erfundenes Wort ist.

διζύ(*)φων (ἀρτάβη) α (δραχμαὶ) κ (διώβολον),
σινάπεως μ(έτρα(?)) ζ (δραχμαὶ) ιϛ,
πλατακίων(*) (δραχμαὶ) κδ (ὀβολὸς),
λεπτῶν (δραχμαὶ) η,
5σαλώτια (δραχμαὶ) β (διώβολον),
ἐλε͂αι(*) (δραχμαὶ) ιθ (διώβολον),
πλατακίων (δραχμαὶ) μη,
στρουτ(οῦ)(*) μεγάλ(ου) (δραχμαὶ) η,
σφαι[ρ]ίων (δραχμαὶ) κδ,
10πλατακίων (δραχμαὶ) νϛ,
σφαιρίων (δραχμαὶ) νβ,
ἰς(*) λόγ(ον) ἀραβω̣(*) στρουτ(οῦ)(*) (δραχμαὶ) ιβ̣ [⁦ -ca.?- ⁩]
ῥοῶν (δραχμαὶ) ε̣ [⁦ -ca.?- ⁩]


^ 1. διζϋφων papyrus
^ 3. corr. ex
^ 6. l. ἐλαῖαι
^ 8. l. στρουθ(οῦ)
^ 12. l. εἰς
^ 12. l. ἀρραβῶ(νος)
^ 12. l. στρουθ(οῦ)


Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 08:40 Uhr (Zitieren)
zur Fundquelle

Die Oxyrhynchus-Papyri sind auf Papyrus geschriebene Manuskripte, die von Archäologen zu Ende des 19. Jahrhunderts in einer antiken Müllkippe nahe dem historischen Ort Oxyrhynchos in Ägypten gefunden wurden. Diese umfangreiche Sammlung von Papyri enthält Tausende Dokumente, Briefe und literarische Werke in Altgriechisch und Lateinisch. (wiki)


Daraus geht hervor, dass dizyfon scheffelweise gehandelt wurde, in drachmen und διώβολον Münzen bezahlt. Ein Schüttgut-Lebensmittel, keine Flüssigkeit. ( ἀρτάβη ist ein Scheffel ca 56 l )

Das passt gut zu Jujube. Ein in der Antike viel benutztes Arzneimittel.

Die Umwandlung von Einzelbuchstaben gab es wohl nicht so selten, viell. landschaftlich entstanden oder zeitl. Entwichklungen geschuldet.


δίζυφον = ζίζυφον = ζίζυφος

κρότων = κρότως


.



Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 10:04 Uhr (Zitieren)
Als Arzneimittel wurde es für Brust- und Lungenleiden eingesetzt - das sind allenfalls Komplikationen, aber keine Leitsymptome beim Viertagefieber. Außerdem ist περιάπτω nach wie vor ein starkes Indiz für ein Amulett, das nicht durch Einnahme wirken soll, sondern durch magischen Kontakt mit dem Träger.
Was wird schließlich aus der Pointe am Schluss, welche Beziehung unterhält Jujube zu κρότων und seiner möglichen Mehrdeutigkeit? Das ergibt alles wenig Sinn und noch weniger Witz.

Eine tote Zecke aus einem Hundeohr ist nebenbei winzig und zerbrechlich, man kann davon ausgehen, dass sie als Amulett, wie von Plinius beschrieben, in einem Behältnis, einer Kapsel getragen wurde, die für ihren Inhalt vielleicht sogar spezifisch ist.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 10:27 Uhr (Zitieren)
...

ist es nicht erstaunlich, das rätselhafte sehr seltene Wort dizyfon in einer weiteren Quelle zu finden?

9.504 ist nicht von Palladas,

filix, wer hat wann die Reihenfolge der Epigramme festgelegt?
Ich glaube nicht an eine zufällige Reihenfolge. In 9.505 ist ja auch von den Musen die Rede.



Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 10:48 Uhr (Zitieren)
Die AG ist eine Kompilation mit komplexer Entstehungsgeschichte von über 1000 Jahren, die Zusammenstellung nach Autoren kein primäres Ordnungsprinzip. Nachträglich lässt sich dieses im digitalen Zeitalter allerdings leicht anwenden:
https://anthologiagraeca.org/authors/131/

Die Zuschreibungen kann man selbstverständlich anzweifeln, aber dafür braucht es gute Gründe, dass die Gedichte nebeneinander stehen und es vage thematische Schnittmengen gibt, reicht jedoch nicht aus.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Patroklos schrieb am 22.03.2025 um 11:14 Uhr (Zitieren)
Ein Fund, über den nachzudenken wäre.
„Die Parasitiformes oder Anactinotrichida sind eine Überordnung der Milben (Acari). Sie umfassen viele bekannte parasitäre Milben und Zecken, meist ektoparasitische Blutsauger..“
Der Wortwitz wäre „Blutsauger/Parasit“. „Parasit“ ist etym. der Tischnachbar/genosse. Gibt es im Altgriechischen die Bedeutung „Schmarotzer“?
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 11:38 Uhr (Zitieren)
Wer schmarotzte da bei wem und wie spielt das mit dem anekdotischen Beweis für die prognostizierte Heilkraft? Es wird doch triumphierend angekündigt, dass der Sprecher nicht nur allgemein Recht behalten habe, sondern auch einen konkreten, sehr unwahrscheinlichen Heilungserfolg (Viertagefieber ist kein Schnupfen) erzielt habe durch dieses X. Damit arbeitet m.E. die Pointe am Ende. Liefert sie eine unironische Erklärung für die magische Wirkung oder zieht sie sie als bloßen Wortwitz ins Lächerliche? Dass das rätselhafte Wort eingangs gleich zweimal explizit erwähnt wird, sehe ich jedenfalls als Zeichen dafür, dass es für die Pointe sehr wichtig ist, aber schwerlich alles verraten soll.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 12:32 Uhr (Zitieren)
Die Zuschreibungen kann man selbstverständlich anzweifeln


darum geht es mir nicht.
Ich meine, derjenige der 9.504 nach 9.503 platzierte hat kroton für den satyr erachtet und platzierte daher die Musen unmittelbar folgend.

Die Pointe sehe ich zw. 9.502 und 9.503
Beides Gesundheitsthemen, auch kein Zufall dass die direkt nacheinander platziert wurden.

Der nach konditum verlangt, wird auf die Schippe genommen. Er schützt das Magenleiden nur vor, um sich wie ein satyr zu betrinken. (Bei Magenbeschwerden bekommt man von Wein sodbrennen.) In diesem Sinne ist in 9.503
die Anwendung von jujube daneben. (Das ist wirksam für Lunge, Bronchien.) Es "wirkt" bei Malaria so gut wie der. Wein bei Bauchschmerzen, man wird zum Satyr.



Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 13:01 Uhr (Zitieren)
In dem ganz und gar witzlosen Musenkatalog, der mehr oder minder poetisch deren Fachgebiete und Vorzüge preist, kommt der Satyr und Musenfreund nicht vor, es handelt sich also um eine freie Assoziation. Für deren Plausibilität im Kontext unserer Fragestellung braucht es, meine ich, etwas mehr als, dass man sie haben kann.

Von einem Besäufnis satyrischen Ausmaßes ist im Konditon-Gedicht auch nirgendwo die Rede, es geht bloß um den Vorwand, sich einen zu genehmigen, weil das Gebräu digestive Wirkung habe.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Bukolos schrieb am 22.03.2025 um 13:33 Uhr (Zitieren)
Zitat von βροχή am 22.3.25, 10:27ist es nicht erstaunlich, das rätselhafte sehr seltene Wort dizyfon in einer weiteren Quelle zu finden?

Den Papyrus mit der phonetischen Variante für die Beerenfrucht führen ja auch schon der LSJ und Beckby in seinem Kommentar zum Epigramm an. Im Zusammenhang mit περιάπτειν wäre diese Deutung allerdings nur nachvollziehbar, wenn man an äußerliche Anwendung durch Einreiben mit einer aus den Beeren gewonnenen Arznei denkt, wobei die durch den roten Beerensaft hervorgerufene Verfärbung der Haut die Assoziation zum Blutsauger geweckt haben könnte.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 15:19 Uhr (Zitieren)
es handelt sich also um eine freie Assoziation. Für deren Plausibilität im Kontext unserer Fragestellung braucht es, meine ich, etwas mehr als, dass man sie haben kann.


... die Person, welche die Epigramme der verschiedenen Autoren sortierte, konnte ebenfalls frei assoziieren, warum nicht? Bzw. nach welchen zwingenderen Kriterien wurden die Epigramme sortiert? Nach Autor oder nach Datum oder alphabetisch?



Den Papyrus mit der phonetischen Variante für die Beerenfrucht führen ja auch schon der LSJ und Beckby in seinem Kommentar zum Epigramm an.

Welche weiteren Quellen enthalten dieses Wort?








Re: Das Amulett und seine Wirkung
Bukolos schrieb am 22.03.2025 um 16:04 Uhr (Zitieren)
Zitat von βροχή am 22.3.25, 15:19die Person, welche die Epigramme der verschiedenen Autoren sortierte, konnte ebenfalls frei assoziieren, warum nicht? Bzw. nach welchen zwingenderen Kriterien wurden die Epigramme sortiert?

Die Wirkung, die der Kompilator der Epigramme durch die Umgebung, in die er sie gestellt hat, bei den Rezipienten eventuell erzeugen würde, konnte freilich von Palladas bei der Abfassung seines Epigramms nicht intendiert oder auch nur vorausgeahnt werden.

Zitat von βροχή am 22.3.25, 15:19Welche weiteren Quellen enthalten dieses Wort?

Man findet noch ein paar weitere Papyri und Ostraka mit der Schreibung:
https://papyri.info/search?STRING=(%CE%B4%CE%B9%CE%B6%CF%85%CF%86)&no_caps=on&no_marks=on&target=text&DATE_MODE=LOOSE&DOCS_PER_PAGE=15
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 16:13 Uhr (Zitieren)
Danke für die Papyri :)

konnte freilich von Palladas bei der Abfassung seines Epigramms nicht intendiert oder auch nur vorausgeahnt werden.


So meine ich es auch gar nicht, sondern dass den Leuten, die es damals lasen und sortierten, die Bedeutung von Kroton als myth. Gestalt nahe lag. Erst später, als die Mythen nicht mehr alltäglich waren, kamen Verständnisprobleme auf (zb. bei Erasmus).
Re: Das Amulett und seine Wirkung
Bukolos schrieb am 22.03.2025 um 18:24 Uhr (Zitieren)
Jene einen mythographischen Subtext konstruierenden Kompilatoren, wenn wir die Annahme einmal gelten lassen, hätten sich wahrscheinlich an der Namensvariante Κρότων für den Satyr gestört. Denn diese kommt, soweit ich sehe, in der griechischen Überlieferung nicht vor. Lediglich von einer einzigen (lateinischen) Hyginus-Handschrift, von der nur noch Fragmente existieren, soll laut Iacobus Micyllus (d. i. Jacob Molsheim oder Möltzer), dem Herausgeber der editio princeps von 1535, die Namensform Croton tradiert worden sein.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 20:07 Uhr (Zitieren)

Filix würde jetzt sagen:
Dass dem antiken Leser bekannte Wörter es zwangsläufig mehrfach durch die Stromschnellen der Überlieferungsgeschichte geschafft haben müssen, weil sie es sonst nicht wären, ist wie genau begründet?




Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 22.03.2025 um 20:28 Uhr (Zitieren)
die Übersetzung von kroton als Zecke könnte mir schon gefallen, leider kapiere ich den Sinn davon nicht. Und andere auch nicht, an dem Rätsel der Zecke wird seit Jahrhunderten geknabbert.
Irgendwas stimmt nicht damit.

Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 21:40 Uhr (Zitieren)
Beim Parömiograpen Zenobius (Par. Centuria 6.27) findet sich eine oben mit der Stadt in Verbindung gebrachte Deutung von ὑγιέστερος κρότωνος als auf die Gesundheit der Zecke bezogen:

healthier than a tick: the proverb relating to the extremely healthy, from the life of the tick or it is entirely smooth, without a scratch and having no damage. (There is mention of this in Menander's Locri)


Die Vorstellung deckt sich im Wesentlichen mit der Übersetzung καὶ γέγονεν ταχέως οἷα κρότων ὑγιής als und da fühlte er gleich wie eine Zecke sich wohl, wobei der Übersetzer vom Bedeutungsspielraum von ὑγιής Gebrauch macht, das neben gesund, wohlauf, munter, bei voller Kraft usf. bedeuten kann.

Dass dieses gesteigerte Wohlgefühl auch mit der Tätigkeit zu tun hat, für die die Zecke bekannt ist, nämlich Blut zu saugen, wurde bereits vermutet. Lässt sie sich mit dem, wie das Verb περιάπτω nahelegt, magischen Objekt, einem Amulett sehr wahrscheinlich, das sich hinter dem rätselhaften Wort verbirgt, in Verbindung bringen?

Die medizinische wie magische Behandlung des Viertagefiebers in der Antike, für das in Rom sogar eine eigene Göttin, die Dea Quartana zuständig war, scheint ein weites Feld gewesen zu sein. An als wirksam gehandelten Mittelchen tauchen neben Katzendung und Zaubersprüchen tatsächlich auch Blutamulette auf, so beispielsweise bei Plinius (Nat. hist. 28, 82)

Lais et Salpe canum rabiosorum morsus et tertianas quartanasque febres menstruo in lana arietis nigri argenteo bracchiali incluso …

Nach Lais und Salpe (hilft) Menstruationsblut auf der Wolle eines schwarzen Widders in einem Silberarmband eingeschlossen gegen Bisse tollwütiger Hunde und beim Drei- und Viertagefieber …


Nun lässt sich so nicht beweisen, dass es hier genau um diese Art Amulett sich dreht, auch bleibt die wörtliche Bedeutung von δίζυφον weiter unklar, aber wenn Blut im Spiel ist, würde die Pointe in von mir vermuteter Weise funktionieren: der unwahrscheinliche, groß angekündigte Heilungserfolg löst sich in einem Witz auf, der Patient ist keineswegs geheilt vom Viertagefieber, lediglich wie die sprichwörtlich gesunde Zecke wohlauf, weil er bildlich gesprochen am Blut, das ihm als Amulett umgehängt wurde, saugen kann.
Re: Das Amulett und seine Wirkung
filix schrieb am 22.03.2025 um 21:54 Uhr (Zitieren)
Der Vorteil im Unterschied zum erwogenen Zeckenamulett liegt einerseits darin, dass ich für dessen Anwendung bei febris quartana keinen direkten Beleg gefunden hätte, und andererseits die tote Zecke im Amulett schlechter zu des Blutsaugers sprichwörtlicher Vitalität passt
Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 23.03.2025 um 05:51 Uhr (Zitieren)
Das Sprichwort gesünder als eine Zecke bezieht sich auf eine Gesundheit, die man jmd. nicht gönnt.
Jeder will gesund sein. Von Zecken wünscht man sich nicht, dass die gesund sind, man wäre froh wenn die krank würden, was sie nicht tun.

Die Pointe wäre, dass das jujube als so wirksam angepriesen wird, dass der Kranke es gar nicht erst einnehmen muss als Tee wie es üblich war, es genügte, wenn man es ihm umhängt wie eine n Amulett. Was bedeutet, es ist unwirksam.
Das Epigramm verspottet das jujube.





Re: Das Amulett und seine Wirkung
βροχή schrieb am 23.03.2025 um 10:41 Uhr (Zitieren)
Viell. war das jujube die dubaischokolade der Antike, jeder wollte es haben egal wie teuer es war?

Die Preise könne man aus Bukos Papyri link herauspuzzeln und vergleichen?

 
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