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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Eine Mutter und ihre Kinder (214 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 07.03.2025 um 12:18 Uhr (Zitieren)
Παίσιν ἐπὶ προτέροις ἤδη τρίτον ἐν πυρὶ μήτηρ
θεῖσα καὶ ἀπλήστῳ δαίμονι μεμφομένη
τέτρατον ἄλγος ἔτικτε καὶ οὐκ ἀνέμεινεν ἀδήλους
ἐλπίδας, ἐν δὲ πυρὶ ζωὸν ἔθηκε βρέφος
„Οὐ θρέψωÄ λέξασα. „τί γὰρ πλέον; Ἄιδι μαστοὶ
κάμνετε. κερδήσω πένθος ἀμοχθότερον.“

Als nach den ältesten Söhnen die Mutter den dritten ins Feuer
legte, da faßte sie Groll gegen den maßlosen Gott.
Als sie den vierten in Wehen gebar, da trug sie nicht länger
leere Hoffnung, sie warf lebend ihr Kind in die Glut.
„Nein, ich nähre es nicht“, so rief sie. „Wozu auch? Ihr Brüste
müht für den Hades euch nur. So ist geringer mein Schmerz.“

[i][Menekrates von Smyrna; Anthologia Graeca IX 390]]/i]
Re: Eine Mutter und ihre Kinder
Udo schrieb am 07.03.2025 um 14:04 Uhr (Zitieren)
Ich finde kaum etwas zu diesem Autor.
Hier der Codex mit dem Text:
https://anthologiagraeca.org/passages/urn:cts:greekLit:tlg7000.tlg001.ag:9.390/

Wo wurden Kinderleichen verbrannt?
Oder eine Metapher?

Die hohe Sterblichkeitsrate in der Antike führte oft zu einer fatalistischen Haltung gegenüber dem Leben und dem Tod, besonders bei der Geburt von Kindern. Für Eltern war der Verlust eines Kindes häufig und stellte eine konstante Gefahr dar. Diese extreme Realität könnte sich auch in den literarischen Werken jener Zeit widerspiegeln, wie in dem von dir erwähnten Epigramm, in dem eine Mutter, nach wiederholtem Verlust von Kindern, aus Verzweiflung eine Entscheidung trifft, die sich extrem und tragisch anfühlt. In einem solchen Umfeld war die Entscheidung, Kinder früh zu verlieren oder sie vielleicht gar nicht erst großzuziehen, aus der Perspektive der Mutter oder Eltern auch eine Reaktion auf die erlebten und allgegenwärtigen Verluste.

Die antiken Gesellschaften versuchten, mit dieser extremen Sterblichkeit umzugehen, und die hohe Zahl an Kindertoden dürfte einen tiefgreifenden Einfluss auf die emotionalen und sozialen Normen gehabt haben, ebenso wie auf das Verständnis von Trauer und Verlust.
Re: Eine Mutter und ihre Kinder
Γραικύλος schrieb am 07.03.2025 um 14:59 Uhr (Zitieren)
Es ist auch kaum etwas bekannt über den Autor.
Re: Eine Mutter und ihre Kinder
βροχή schrieb am 07.03.2025 um 15:16 Uhr (Zitieren)
extreme Sterblichkeit?

wie hoch war die Sterblichkeit in der Antike verglichen mit anderen Epochen (zb. Steinzeit, Mittelalter, 19.Jhd.)?

Falls es ein Extrem in der Antike gab, was ist die Ursache dafür?




Re: Eine Mutter und ihre Kinder
Andreas schrieb am 07.03.2025 um 16:46 Uhr (Zitieren)
Die Sterblichkeit in der Antike war im Vergleich zu anderen Epochen hoch, aber sie lag etwa im Rahmen der historischen Standards vor der Moderne. Hier ein Vergleich der Sterblichkeitsraten in verschiedenen Epochen und mögliche Ursachen:
1. Steinzeit (vor ca. 10.000 Jahren)

Lebenserwartung: Etwa 20-33 Jahre.
Hauptursachen für Sterblichkeit: Infektionskrankheiten, Mangelernährung, Unfälle, Raubtiere, zwischenmenschliche Gewalt.
Die Steinzeit war durch eine hohe Kindersterblichkeit und eine geringe Lebenserwartung geprägt, obwohl einzelne Individuen durchaus ein hohes Alter erreichen konnten. Eine geringe medizinische Versorgung und ein unvorhersehbares Nahrungsangebot führten zu starker Sterblichkeit.

2. Antike (ca. 500 v. Chr. bis 500 n. Chr.)

Lebenserwartung: Etwa 20-35 Jahre.
Hauptursachen für Sterblichkeit: Hohe Kindersterblichkeit (30-50 % starben vor dem 5. Lebensjahr), Infektionskrankheiten (z.B. Pocken, Tuberkulose, Typhus), Kriege, mangelnde Hygiene, schlechte medizinische Versorgung.
In der Antike war die Sterblichkeit immer noch hoch, insbesondere durch Epidemien, Seuchen und Kriege. Städte wie Rom waren dicht besiedelt, was die Ausbreitung von Krankheiten erleichterte.
Extremfälle: Die Antoninische Pest (ca. 165–180 n. Chr.) und die Justinianische Pest (6. Jahrhundert) waren verheerende Epidemien, die Millionen Menschen töteten und die Bevölkerung stark dezimierten.

3. Mittelalter (ca. 500 bis 1500 n. Chr.)

Lebenserwartung: Etwa 30-40 Jahre.
Hauptursachen für Sterblichkeit: Hohe Kindersterblichkeit, Infektionskrankheiten, Kriege, Hungersnöte, Pest (Schwarzer Tod im 14. Jahrhundert).
Das Mittelalter sah ähnliche Herausforderungen wie die Antike, doch der Schwarze Tod (1347–1351) war eine der extremsten Pandemien in der Geschichte, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung tötete.
Schlechte Hygiene und medizinische Versorgung führten zu hoher Sterblichkeit, ähnlich der Antike, aber mit noch größeren Auswirkungen durch die Pest.

4. 19. Jahrhundert

Lebenserwartung: Etwa 35-50 Jahre, stieg mit fortschreitendem Jahrhundert.
Hauptursachen für Sterblichkeit: Kindersterblichkeit, Infektionskrankheiten (Tuberkulose, Cholera, Typhus), industrielle Unfälle, schlechte Arbeitsbedingungen.
Im 19. Jahrhundert begann die Industrialisierung, die zwar Lebensstandard und Medizin verbesserte, aber zunächst auch schlechte Lebensbedingungen in Städten und Fabriken mit sich brachte.
Fortschritte in der medizinischen Wissenschaft, Hygiene (z.B. durch die Entdeckung von Keimen und Impfungen) und sanitären Maßnahmen verbesserten jedoch die Sterblichkeit gegen Ende des Jahrhunderts deutlich.

Extremfälle in der Antike und deren Ursachen

Seuchen: Besonders die Antoninische Pest (wahrscheinlich Pocken oder Masern) im Römischen Reich und die Justinianische Pest (erste Pandemie des Mittelalters) hatten extreme Auswirkungen auf die Bevölkerung. Sie dezimierten Millionen von Menschen und destabilisierten Gesellschaften.
Kriege und politische Instabilität: Die Kriegsführung war brutal, und in Zeiten von Kriegen und Bürgerkriegen stieg die Sterblichkeit drastisch. Eroberungen, Bürgerkriege und Sklavenaufstände in der römischen Republik und dem römischen Kaiserreich etwa führten zu extremen Verlusten.
Städtische Ballungszentren: Städte wie Rom, Athen und Alexandria waren sehr dicht bevölkert, was die Ausbreitung von Krankheiten begünstigte. Schlechte Abwassersysteme und fehlendes Wissen über Hygiene waren zusätzliche Faktoren.

Fazit

In der Antike war die Sterblichkeit hoch, insbesondere durch Seuchen, Kriege und die dichte Besiedlung der Städte. Während andere Epochen, wie die Steinzeit und das Mittelalter, ebenfalls von hoher Sterblichkeit geprägt waren, traten in der Antike mit den ersten großen Epidemien und den ersten Großstädten besondere Herausforderungen auf.


Re: Eine Mutter und ihre Kinder
βροχή schrieb am 07.03.2025 um 17:10 Uhr (Zitieren)
wahrscheinlich wurden die Kinder von einer Epidemie dahin gerafft. Das erklärt auch die Verbrennung.
Egal in welcher Epoche, für die Eltern ist es eine extreme Katastrophe, wenn ein Kind stirbt. Jener Mutter raubte es den Verstand.
Re: Eine Mutter und ihre Kinder
Γραικύλος schrieb am 07.03.2025 um 17:31 Uhr (Zitieren)
Die Folgen der hohen Kindersterblichkeit für die Einstellung zu Kindern hat untersucht:

Philippe Ariès
Geschichte der Kindheit
München 1978 (dtv)
Re: Eine Mutter und ihre Kinder
Patroklos schrieb am 07.03.2025 um 17:51 Uhr (Zitieren)
 
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