Γραικύλος schrieb am 15.02.2025 um 13:17 Uhr (Zitieren)
Spektrum der Wissenschaft 3.25 berichtet auf S. 29 f. über den Fund von insgesamt vier Tonzylindern aus einem bronzezeitlichen Grab in Nordsyrien (Tell Umm el-Marra), das ca. 4400 Jahre alt ist.
Die Tonzylinder sind beschriftet mit Zeichen, von denen vermutet (!) wird, daß es sich um die älteste Alphabetschrift handelt - 500 Jahre älter als die bisher bekannte protosinaitische Schrift.
Da eine Alphabetschrift aus 20 bis 40 Zeichen besteht, benötigt man allerdings mehrere umfangreichere Textzeugnisse, um eindeutig sagen zu können, daß eine Schrift nicht mehr als diese Zahl von Zeichen kennt.
Γραικύλος schrieb am 15.02.2025 um 15:25 Uhr (Zitieren)
Die Tonzylinder enthalten nicht mehr als jeweils vier bis sechs Zeichen, Namen möglicherweise.
Re: Das älteste Alphabet?
Patroklos schrieb am 15.02.2025 um 16:44 Uhr (Zitieren)
Apropos: Warum ist das dem Phönizischen entstammende F, /w/, also Digamma angeblich um 500 verschwunden?
(Das altenglische Thorn wurde im 14. Jh. Durch th ersetzt. Die Gründe sind nicht klar. Später hatten die Drucklettern vom Kontinent Einfluss.)
Re: Das älteste Alphabet?
βροχή schrieb am 15.02.2025 um 20:03 Uhr (Zitieren)
auf Island gibt es das thorn noch, es ist nicht ausgestorben
Patroklos schrieb am 16.02.2025 um 13:54 Uhr (Zitieren)
Wieso? Weshalb? Warum? Das vermag KI nicht zu beantworten. Jedenfalls nicht Sonntags!
Welche artikulatorischen Gründe könnte es gegeben haben? Rätselhaft ist ja auch: Anfangs/B/ wird im Neugriechischen und Russischen zu /v/
Re: Das älteste Alphabet?
βροχή schrieb am 16.02.2025 um 14:10 Uhr (Zitieren)
Das digamma ist ein Doppelbuchstabe,
auch w genannt?
Ist w nicht das doppel u, ehemals doppel v geschrieben?
Wie konnte sich gamma in v verwandelln?
Wobei f, v und w akustisch schon verwandt sind.
Re: Das älteste Alphabet?
Bukolos schrieb am 17.02.2025 um 17:47 Uhr (Zitieren)
A propos Digamma: Es existiert ein hübscher Mythos, überliefert durch Hellanikos von Lesbos (5. Jh. v.), demzufolge sich das Toponym Italia unter Wegfall des Bilabials im Wortanlaut aus einem Vitulia entwickelt habe, für das Herakles' Kontakt mit der Landessprache verantwortlich sein soll. Auch wenn die Verbindung zu Herakles und den Rindern des Geryon als eher unwahrscheinlich gelten darf, gibt es für die Ableitung von vitulus bzw. seinem oskisch-umbrischen Kognaten vitlu Hinweise, die durchaus diskutiert werden.
Re: Das älteste Alphabet?
βροχή schrieb am 17.02.2025 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Welche sind jene Namen, die ihr Anfangs v ebenfalls verloren haben?
Die Kalbgeschichte ist sehr niedlich.
Re: Das älteste Alphabet?
Bukolos schrieb am 17.02.2025 um 21:38 Uhr (Zitieren)
Auf welche Toponyme sich Hellanikos bezieht, ist wohl nicht mehr zu sagen, nicht einmal, ob überhaupt Toponyme gemeint sind oder einfach beliebige Wörter. Allerdings listet Dionysios etwas weiter oben im Zusammenhang mit einer Etymologie für Velia einige Wortbeispiele für Wörter, die vormals mit Digamma am Wortanfang geschrieben wurden bzw. worden sein sollen:
Re: Das älteste Alphabet?
βροχή schrieb am 17.02.2025 um 23:10 Uhr (Zitieren)
Was bedeutete das davorgesetzte ou, eine besondere Wertschätzung?
Re: Das älteste Alphabet?
Bukolos schrieb am 18.02.2025 um 07:28 Uhr (Zitieren)
Das ου, das im Attischen ja als Digraph den /u/-Laut repräsentiert, dient bei Dionysios als Transkription für den in seiner Sprachstufe nichtvorhandenen /w/-Laut. Mit dem Satz "Denn die Griechen hatten in der Frühzeit die Eigenart, grundsätzlich vor alle Wörter, die mit Vokalen begannen, die Silbe ου zu setzen" soll also gesagt werden, dass es in einer früheren Sprachstufe des Griechischen keine vokalisch anlautenden Wörter gegeben habe, sondern dass alle Wörter, die später Vokal im Anlaut haben, ursprünglich mit dem Halbvokal /w/ angelautet haben sollen. (Was nicht stimmt.)
Re: Das älteste Alphabet?
βροχή schrieb am 18.02.2025 um 08:35 Uhr (Zitieren)
Buko, jetzt hast du die Frage, welche ich stellen wollte schon beantwortet. Wie man das Anfangs digamma ausspricht. Als w erfüllt es nicht die Bedeutung einer besonderen Wertschätzung.
Dass manche Sprachen manche Laute nicht enthalten und die Muttersprachler diese nachher nicht über die Lippen bringen, und einen Ersatz- oder Überbrückungslaut benutzen, das gibt es heute auch noch.