Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Al-Bīrūnī (973-1018):
Der islamische Forscher Al-Bīrūnī war angetan von der antiken griechischen Kultur. Im Unterschied zu dem mit ihm bekannten Avicenna interessierte er sich aber wenige für das System des Aristoteles, sondern für die rational verstandene empirische Forschung auf der Basis von Beobachtung und Experiment.
Sein bekanntestes Werk ist eines über Indien, das auf einem Studi-enaufenthalt beruhte.
(1) Dioskurides von Anazarba (1. Jhdt. u.Z.), griechischer Arzt, Verfasser des bedeutendsten pharmakologischen Werkes der Antike
(2) Die Griechischkenntnisse des Autors sind schlecht; nicht „astro“, sondern „astēr (ἀστήρ)“ ist der Stern, und „labon“ (greifend) erschließt sich ihm nicht.
(3) Hier liegt eine der ersten klaren Unterscheidungen dieser beiden Termini vor.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 00:47 Uhr (Zitieren)
wünschen ihn --> wünschen ihm
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
βροχή schrieb am 06.02.2025 um 10:06 Uhr (Zitieren)
erstaunlich, dass damals schon jene Trennung stattfand.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Bukolos schrieb am 06.02.2025 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Im Text wird eine Definition der Begriffe (wie in der Übersetzung von Strohmaier) wohl gar nicht vorgenommen. Jedenfalls weist die englische Übersetzung von E. S. Kennedy nur eine Begriffszuordnung auf:
Das, was in der arabischen Wissenschaftssprache des 9. und 10. Jhs. mit den Begriffen gemeint ist, die man als Astronomie und Astrologie übersetzt, unterscheidet sich allerdings recht deutlich von dem, was wir heute darunter verstehen:
Ein Urteil über die Griechischkenntnisse al-Bīrūnīs würde ich mir auf Grundlage der Stelle nicht erlauben wollen. Dass er zur Erläuterung des Kompositionsglieds astro- nicht noch einmal die Ableitungsbasis ἄστρον erwähnt, kann auch als Konzession an die Textökonomie gelesen werden.
Und dass er -labon nicht als Partizip auffasst, spricht eher für ihn: Schon die Akzentstelle von ἀστρολάβον (gebräuchlicher ist das Maskulinum ἀστρολάβος) ist damit nicht vereinbar.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Patroklos schrieb am 06.02.2025 um 14:28 Uhr (Zitieren)
Schöne Erläuterungen. Namentlich könnte man an Daphnis, Corydon oder Alexis denken.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Aus Strohmaiers Bemerkung hatte ich geschlossen, daß al-Bīrūnī die griechischen Texte nicht im Original, sondern lediglich in arabischen Übersetzungen kannte.
So wie ich es jetzt verstehe, ist das keineswegs zwingend.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
filix schrieb am 06.02.2025 um 15:51 Uhr (Zitieren)
Folgt man Kennedys Übersetzung sind die Gegner der fanatischen Parteigänger der Inder nicht einfach die Griechen, sondern al-Rūm, also die Bewohner des byzantinischen Reiches. Das passte zur vermuteten Entwicklung des Astrolabiums im gr.-römischen Osten in der Spätantike.
Mit dem Osten, der nur den Schatten nutzt, das Instrument jedoch nicht kennt, ist offenbar der Maschrek (ahl al-masriq) gemeint, obwohl der rein geographisch für einen persisch-choresmischen Gelehrten im Westen liegt.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 12:48 Uhr (Zitieren)
Randbemerkung:
al-mašriq (wörtlich: Ort des (Sonnen)Aufgangs, šurūq) wie auch al-maġrib (wörtlich: Ort des (Sonnen)Untergangs, ġurūb) sind - im Zuge der Ausdehnung der muslimischen Herrschaft - zu feststehenden Sammelbezeichnungen für die Länder des Orients, bzw. Nord-West-Afrika geworden.
Die Vokabeln für die entsprechenden Himmelsrichtungen, dann ähnlich wie "der Osten/Westen" auch abstrakt gebraucht, sind šarq und ġarb.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Patroklos schrieb am 07.02.2025 um 13:15 Uhr (Zitieren)
Gibt es eine Bezeichnung für das „Dazwischen“. Goethe behalf sich mit
Nord- und südliches Gelände.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Ne, gab es m. W. nicht, denn strenggenommen gab es ein solches Dazwischen ja nicht. Bereits am Ende der Eroberungen durch die vier "rechtgeleiteten" Kalifen (Ali stirbt 661) hatte sich der muslimisch beherrschte Raum bis westlich von Tripolis ausgedehnt, unter den Umayyaden erstreckt er sich dann über das gesamte Nordafrika (Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko), abgeschlossen ist dies 698.
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 13:41 Uhr (Zitieren)
Möglicherweise wurde der Begriff vom Bedeutungskern aus, der für al-Maghrib (= Marokko) als Landesnamen stand, ausgeweitet auf die Region, die eben dann alle Gebiete bis Ägypten einschloß. Das ist aber eher aus dem Bauch heraus gesagt, fürs genauer Wissenwollen müßte ich nachschauen, aber dafür erst einmal die EI freiräumen ;-(