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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Al-Bīrūnī über die Griechen #1 (280 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Al-Bīrūnī (973-1018):

Der islamische Forscher Al-Bīrūnī war angetan von der antiken griechischen Kultur. Im Unterschied zu dem mit ihm bekannten Avicenna interessierte er sich aber wenige für das System des Aristoteles, sondern für die rational verstandene empirische Forschung auf der Basis von Beobachtung und Experiment.
Sein bekanntestes Werk ist eines über Indien, das auf einem Studi-enaufenthalt beruhte.

1. Pharmakognosie

Jedes einzelne Volk hat etwas Hervorragendes in irgendeiner Wissenschaft oder praktischen Tätigkeit geleistet. Unter ihnen zeichneten sich die Griechen vor der Einführung des Christentums durch besonders sorgfältige Forschungen aus, und sie führten das, was sie machten, zu einer hohen Stufe, ja fast zur Vollendung. Hätte Dioskurides (1) in unserer Gegend gelebt und seinen Eifer auf die Erkenntnis dessen verwendet, was unsere Berge und Steppen zu bieten haben, so hätten sich alle ihre Kräuter in Arzneien verwandelt, und was man davon einsammeln kann, wäre auf Grund seiner Erfahrungen zu einem Heilmittel geworden.

(Al-Bīrūnī: In den Gärten der Wissenschaft. Ausgewählt und herausgegeben von Gotthard Strohmaier. Leipzig ²1991, S. 230)


2. Aẓ-ẓilāl

Ḥamza al-Iṣbahāni erzählt in seinem Buch des „Abwägens“, daß es sich beim Astrolab um einen persischen Ausdruck handelt, der arabisiert worden sei. Er laute istāra yāb, was soviel wie „Sternenerlanger“ heißt. Nun ist es möglich, daß diese Bezeichnung bei den Persern entweder von seiner speziellen Funktion hergleitet ist, oder aber die arabisierte Form kann ebensogut wie aus dem Persischen auch aus dem Griechischen stammen. Sein griechischer Name ist nämlich astrolabon, und astro ist der Stern (2). Ein Hinweis darauf ist, daß die Himmelskunde bei ihnen astronomia heißt und die Kunst der Vorhersage aus den Sternen astrologia. (3) Zu diesem Instrument haben wir über seine Herstellung wie auch über seine Verwendung alte Bücher der Griechen gefunden, während wir hinsichtlich der anderen Völker nichts dergleichen feststellen konnten, und wenn es bei ihnen vorhanden ist, so ist es von den Griechen übernommen. Die Bewohner des Ostens kennen das Astrolab nicht und sind nur so weit gekommen, daß sie sich an seiner Stelle des Schattens bedienen. Die Torheit derjenigen, die für die Inder auf Kosten der Griechen Partei nehmen, geht so weit, daß einer von ihnen einem seiner Bücher folgende Behauptung anvertraut hat: „Mit dem Schattenstab wurde auch das Astrolab und der Himmelsglobus und die Armillarsphäre erfunden, und in seinem Schatten wurde der Grund für deren Abarten gelegt. In der Vergangenheit kannten die Gelehrten in allen ihren Büchern nur den Schattenstab, denn er ist vortrefflicher als alles andere, und mit ihm kommt man der Wahrheit am nächsten. Darum ist bei den Indern die Sternkunde richtig und mit wenig Fehlern behaftet, weil sie mit dem Gnomon so exakt umgehen, daß sie sogar den Aszendenten bis auf zehn Minuten genau bestimmen.“ Diese Rede gleicht der eines Verrückten, der nichts von den Fachausdrücken und nichts von den Funktionen, die er erwähnt, begriffen hat. Wir aber wünschen ihn zu seinem Niesen Glück und Gesundheit und bitten für ihn um Barmherzigkeit.

(Al-Bīrūnī: In den Gärten der Wissenschaft. Ausgewählt und herausgegeben von Gotthard Strohmaier. Leipzig ²1991, S. 101 f.)

(1) Dioskurides von Anazarba (1. Jhdt. u.Z.), griechischer Arzt, Verfasser des bedeutendsten pharmakologischen Werkes der Antike
(2) Die Griechischkenntnisse des Autors sind schlecht; nicht „astro“, sondern „astēr (ἀστήρ)“ ist der Stern, und „labon“ (greifend) erschließt sich ihm nicht.
(3) Hier liegt eine der ersten klaren Unterscheidungen dieser beiden Termini vor.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 00:47 Uhr (Zitieren)
wünschen ihn --> wünschen ihm
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
βροχή schrieb am 06.02.2025 um 10:06 Uhr (Zitieren)
Ein Hinweis darauf ist, daß die Himmelskunde bei ihnen astronomia heißt und die Kunst der Vorhersage aus den Sternen astrologia



erstaunlich, dass damals schon jene Trennung stattfand.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Bukolos schrieb am 06.02.2025 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Im Text wird eine Definition der Begriffe (wie in der Übersetzung von Strohmaier) wohl gar nicht vorgenommen. Jedenfalls weist die englische Übersetzung von E. S. Kennedy nur eine Begriffszuordnung auf:
Indeed in Greek its name is asṭrula[b]ūn, and asṭru is "star" as is shown by "astronomy" being called by them asṭrūnūmiyā and "astrology" asṭrulūjiyā.

Das, was in der arabischen Wissenschaftssprache des 9. und 10. Jhs. mit den Begriffen gemeint ist, die man als Astronomie und Astrologie übersetzt, unterscheidet sich allerdings recht deutlich von dem, was wir heute darunter verstehen:
Early Muslim authors used the expression ‘science of the stars’ to refer to both astrology and astronomy. Soon, however, a distinction arose. Astrology was defined by Abu Ma‘shar, as ‘the knowledge of the effects of the powers of the stars, at a given time, as well as at a future time’, and he labelled it ‘science of the decrees of the stars’. Astronomy proper became ‘science of the spheres’ or ‘(science of the [heavenly] configurations’. In the usual classification of the sciences, however, the two disciplines were commonly considered branches of the same science. It was only later, during the thirteenth century, that astronomy came to be considered a mathematical science while astrology was shifted to the applied physical sciences, together with agriculture, medicine, and alchemy.
(Stephen P. Blake, Astronomy and Astrology in the Islamic World, Edinburgh 2016, S. 25 f.)


Zitat von Γραικύλος am 6.2.25, 0:38(2) Die Griechischkenntnisse des Autors sind schlecht; nicht „astro“, sondern „astēr (ἀστήρ)“ ist der Stern, und „labon“ (greifend) erschließt sich ihm nicht.

Ein Urteil über die Griechischkenntnisse al-Bīrūnīs würde ich mir auf Grundlage der Stelle nicht erlauben wollen. Dass er zur Erläuterung des Kompositionsglieds astro- nicht noch einmal die Ableitungsbasis ἄστρον erwähnt, kann auch als Konzession an die Textökonomie gelesen werden.

Und dass er -labon nicht als Partizip auffasst, spricht eher für ihn: Schon die Akzentstelle von ἀστρολάβον (gebräuchlicher ist das Maskulinum ἀστρολάβος) ist damit nicht vereinbar.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Patroklos schrieb am 06.02.2025 um 14:28 Uhr (Zitieren)
Schöne Erläuterungen. Namentlich könnte man an Daphnis, Corydon oder Alexis denken.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Γραικύλος schrieb am 06.02.2025 um 14:42 Uhr (Zitieren)
Aus Strohmaiers Bemerkung hatte ich geschlossen, daß al-Bīrūnī die griechischen Texte nicht im Original, sondern lediglich in arabischen Übersetzungen kannte.
So wie ich es jetzt verstehe, ist das keineswegs zwingend.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
filix schrieb am 06.02.2025 um 15:51 Uhr (Zitieren)
Folgt man Kennedys Übersetzung sind die Gegner der fanatischen Parteigänger der Inder nicht einfach die Griechen, sondern al-Rūm, also die Bewohner des byzantinischen Reiches. Das passte zur vermuteten Entwicklung des Astrolabiums im gr.-römischen Osten in der Spätantike.

Mit dem Osten, der nur den Schatten nutzt, das Instrument jedoch nicht kennt, ist offenbar der Maschrek (ahl al-masriq) gemeint, obwohl der rein geographisch für einen persisch-choresmischen Gelehrten im Westen liegt.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 12:48 Uhr (Zitieren)
Randbemerkung:
al-mašriq (wörtlich: Ort des (Sonnen)Aufgangs, šurūq) wie auch al-maġrib (wörtlich: Ort des (Sonnen)Untergangs, ġurūb) sind - im Zuge der Ausdehnung der muslimischen Herrschaft - zu feststehenden Sammelbezeichnungen für die Länder des Orients, bzw. Nord-West-Afrika geworden.
Die Vokabeln für die entsprechenden Himmelsrichtungen, dann ähnlich wie "der Osten/Westen" auch abstrakt gebraucht, sind šarq und ġarb.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
Patroklos schrieb am 07.02.2025 um 13:15 Uhr (Zitieren)
Gibt es eine Bezeichnung für das „Dazwischen“. Goethe behalf sich mit
Nord- und südliches Gelände.
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 13:35 Uhr (Zitieren)
Ne, gab es m. W. nicht, denn strenggenommen gab es ein solches Dazwischen ja nicht. Bereits am Ende der Eroberungen durch die vier "rechtgeleiteten" Kalifen (Ali stirbt 661) hatte sich der muslimisch beherrschte Raum bis westlich von Tripolis ausgedehnt, unter den Umayyaden erstreckt er sich dann über das gesamte Nordafrika (Libyen, Tunesien, Algerien und Marokko), abgeschlossen ist dies 698.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte:
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/6/62/Conqu%C3%AAte_de_l%27Islam_%C3%A0_la_chute_des_Omeyyades_de.svg/1920px-Conqu%C3%AAte_de_l%27Islam_%C3%A0_la_chute_des_Omeyyades_de.svg.png
Re: Al-Bīrūnī über die Griechen #1
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 07.02.2025 um 13:41 Uhr (Zitieren)
Möglicherweise wurde der Begriff vom Bedeutungskern aus, der für al-Maghrib (= Marokko) als Landesnamen stand, ausgeweitet auf die Region, die eben dann alle Gebiete bis Ägypten einschloß. Das ist aber eher aus dem Bauch heraus gesagt, fürs genauer Wissenwollen müßte ich nachschauen, aber dafür erst einmal die EI freiräumen ;-(
 
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