α β γ δ ε ζ η θ ι κ λ μ ν ξ ο π ρ ς σ τ υ φ χ ψ ω Α Β Γ Δ Ε Ζ Η Θ Ι Κ Λ Μ Ν Ξ Ο Π Ρ C Σ Τ Υ Φ Χ Ψ Ω Ἷ Schließen Bewegen ?
Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Die Helden und die Frauen von Troja (288 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 00:11 Uhr (Zitieren)
Diese Normalität [sc. im Umgang mit Frauen] spiegelt sich auch auf der mythologischen Ebene: Zeus, dem höchsten Gott des griechischen Pantheons sind wir bereits begegnet. Und wir haben auch notiert, dass der vielfach besungene Zorn des Achill daher rührte, dass er seine Beute, Briseis, an Agamemnon abtreten musste, der wiederum nach Intervention des Gottes Apollon seine geraubte Chryseis zurückzugeben hatte. Bei näherer Betrachtung erweisen sich die Epen um den Fall von Troja ohnehin als eine Aneinanderreihung von Frauenrauben. Paris entführt Helena. Achilles‘ Sohn Neoptolemos raubt Andromache, Kassandra wurde erst von Aias dem Lokrer im Tempel der Athene vergewaltigt, um dann von Agamemnon als Sklavin nach Mykene geführt zu werden, und Hekabe fiel an Odysseus. Ihrer Tochter Polyxena schnitt man am Grab des Achill die Kehle auf.

Die homerischen Helden gehören bis heute zum Kernbestand humanistischer Bildung. In „The Rape of Troy“ konstatiert Jonathan Gottschall, dass sich fast alle bei genauerer Betrachtung als „Serienvergewaltiger“ erweisen. Es sei erstaunlich, mit welcher Selbstverständlichkeit das Erbeuten und Vergewaltigen von Frauen als Attribut des Heroentums dargestellt wird. Das ist keine griechische Spezialität: Im „Gilgamesch“-Epos beschweren sie die Bewohner Uruks bei den Göttern, dass der König sich alle Frauen zu eigen mache: „Er ist ihr Stier, und sie sind die Kühe!“ Hier entsteht ein Bild, dass es zum Habitus eines Helden gehöre, sich jene Frauen „nehmen“ zu können, die ihm gefallen.

Kathy Gaca (1) weist ebenfalls darauf hin: Der weise Nestor habe den griechischen Kriegern mit dem Tod gedroht, „sollten sie versuchen, nach Hause zurückzukehren, bevor sie Troja erobert und trojanische Frauen vergewaltigt haben“. Das war eine so gängige Praxis, dass das Bezwingen einer Stadt selbst als Akt der Vergewaltigung beschrieben wurde.

Sogar in der Bibel findet sich diese Metaphorik. Der Prophet Nahum imaginiert sich Gott als Vergewaltiger der als weiblich personifizierten Stadt Ninive, dem Sitz der assyrischen Könige: „Siehe, ich will an dich, spricht der Herr Zebaoth; ich hebe den Saum deines Gewandes über dein Angesicht und zeige den Völkern deine Blöße und den Königreichen deine Schande. Ich werfe Unrat auf dich, schände dich und mache ein Schauspiel aus dir, dass alle, die dich sehen, vor dir fliehen und sagen: Ninive ist verwüstet; wer will Mitleid mit ihr haben? Und wo soll ich dir Tröster suchen?“ Ein wahrhaft toxischer Kriegsdiskurs, der einer mehr als toxischen Realität entspringt.

(Harald Meller / Kai Michel / Carel van Schaik: Die Evolution der Gewalt. Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen. Eine Menschheitsgeschichte. München 2024, S. 285 f.)

(1) K. L. Gaca: Girls, Women, and the Significance of Sexual Violence in Ancient Warfare; in: Heinemann, E. D. (Hrsg.): Sexual Violence in Conflict Zones. Philadelphia 2011, pp. 73-88; dies.: The Martial Rape of Girls and Women in Antiquity and Modernity; in: Aoláin, F. N. u.a. (Hrsg.): The Oxford Handbook of Gender and Conflict. New York 2018, pp. 305-315.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 05.01.2025 um 06:10 Uhr (Zitieren)
Aber welche Frau nimmt grausame Rache?
Nicht die vergewaltigte, sondern die betrogene.
Sie wiederum übt Gewalt an unschuldigen,
weil sie es kann, da diese schwächer sind.

Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 13:50 Uhr (Zitieren)
Falls Du Medea meinst: Medea ermordet nicht nur ihre eigenen Kinder, sondern auch ihre Rivalin und deren Vater, einen veritablen König!

Der, den sich nicht tötet, ihren entlaufenen Mann, zeigt das Prinzip ihrer Opferauswahl: Ihm ein Maximum an Schmerz zuzufügen, dabei ihn sorgsam am Leben zu lassen, damit er diesen auch spürt.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 13:52 Uhr (Zitieren)
Auch von diesem Extxremfall abgesehen, sind Frauen keine Engel; aber die männliche Selbstverständlichkeit in der Verbindung von Krieg und Vergewaltigung, und dies bei unseren "Helden", ist doch erwähnenswert.
Soweit ich das beurteilen kann, wird dieser Aspekt in Hollywood-Verfilmungen gerne ausgelassen.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 05.01.2025 um 16:13 Uhr (Zitieren)
... Fiktion und Realität nicht verwechseln, dann kann man auch die Filme genießen, natürlich unter dem Vorzeichen "nicht nachmachen!"

viel. kann man statt unsere "Helden"
"unsere" Helden sagen?

Wenn wir heutige Maßstäbe anlegen, kommen andere Epochen meistens schlecht weg,

war das nicht ähnlich bei Grimms Märchen,
die waren ja zeitweise für Kindern nicht zumutbar erklärt worden.

und die eben noch neuen Mythen werden auch schon wieder als nicht zeitgemäß abgewatscht
(Pippi Langstrumpf, Jim Knopf, Winnetou)
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 18:00 Uhr (Zitieren)
Wenn wir heutige Maßstäbe anlegen, kommen andere Epochen meistens schlecht weg,

Nun gilt die "Ilias" allerdings als der Geburtstext der abendländischen Humanität - nicht wegen der Schlachten, sondern wegen des Buches XVI und ihres Schlusses, der Anerkennungs des Feindes als Menschen.
Daß dies sich freilich nicht auf Frauen, Frauen im Krieg erstreckt, darauf darf man hinweisen.
Da ist uns Aristophanes mit seiner "Lysistrata" näher. Da sagt Lysistrata an einer Stelle, sie wolle lieber in den Krieg ziehen als noch einmal ein Kind gebären.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 18:02 Uhr (Zitieren)
Lysistrata = die Heeresauflöserin
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 05.01.2025 um 18:55 Uhr (Zitieren)
... das Kind nicht mit dem Bad auszuschütten bzw. die Suppe mit dem Haar zu verschütten.
Keine Epoche ist perfekt, jede Epoche hat ihr gutes.
Je größer der Abstand, je mehr wird ausgeblendet.

antike Frauengestalten mit unterschiedlichen Temperamenten und Möglichkeiten
Antigone, Iphigenie, Penelope -
Dido, Pentesilea, Medea
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 05.01.2025 um 19:45 Uhr (Zitieren)
An interessanten Frauengestalten herrscht in der Antike tatsächlich kein Mangel. Manche von ihnen bewähren sich sogar in Männerrollen, z.B. Artemisia von Halikarnassos (historisch) oder die Amazonen (mythisch).

Übrigens bin ich schon seit Jahren bemüht, sie hier im Forum auftreten zu lassen.
Eine meiner Lieblinge: Kassandra.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 05.01.2025 um 20:37 Uhr (Zitieren)
Das ist doch eine gute Idee, sie werden sehr erfreut sein, hier aufzutreten :)
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 05.01.2025 um 21:27 Uhr (Zitieren)
Kassandra, du Schöne warum hast du nicht die Trojer nicht ermutigt, das Holzpferd zu adoptieren?
Sie hätten das Gegenteil gemacht.
Das Gegenteil der Visionen verkünden und so Fluch austrixen, hat sie es versucht?
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 06.01.2025 um 17:47 Uhr (Zitieren)
Ein interessanter Einfall! Es ist nicht überliefert, daß sie dies ausprobiert hätte.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Patroklos schrieb am 06.01.2025 um 19:25 Uhr (Zitieren)
Warum gab sich Kassandra Apollon nicht hin? Seltsam und schlussendlich für viele tragisch.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 06.01.2025 um 20:00 Uhr (Zitieren)
... was für eine Frage, sie hatte keinen Appetit auf den.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Patroklos schrieb am 06.01.2025 um 20:16 Uhr (Zitieren)
Auf einen Zeussohn, einen George Clooney, bevor er ergraute? Mögen unsere mythologischen Zeitgenossen hier helfen.
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
βροχή schrieb am 07.01.2025 um 06:19 Uhr (Zitieren)
... viell. sah der Zeussohn aus wie Rammstein? Wer weiss das schon?
Re: Die Helden und die Frauen von Troja
Γραικύλος schrieb am 07.01.2025 um 10:39 Uhr (Zitieren)
https://www.albertmartin.de/altgriechisch/forum/?view=9882#3

In einer Version ist Apollon zu grob vorgegangen.
Da sie zu diesem Zeitpunkt schon über Apollons Geschenk des Hellsehens verfügte, wird sie möglicherweise schon geahnt haben, daß das nicht gut geht.
 
Antwort
Titel:
Name:
E-Mail:
Eintrag:
Spamschutz - klicken Sie auf folgendes Bild: Pyramiden von Gizeh

Aktivieren Sie JavaScript, falls Sie kein Bild auswählen können.