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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Polytheismus und Krieg (219 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.12.2024 um 14:32 Uhr (Zitieren)
Die folgenden Gedanken verdanken sich einer Anregung aus: Meller/Michel/Schaik: Die Evolution der Gewalt. München 2024, S. 304.
Es liegt nahe zu sagen, daß bei einem polytheistischen Weltbild im Falle eines Krieges auch die Feinde ihre Götter auf ihrer Seite haben, während ihnen auf der Grundlage der „mosaischen Unterscheidung“ von wahrer und falscher Religion diese Möglichkeit ideologisch genommen wird.

Und in der Tat haben im Trojanischen Krieg sowohl die Griechen als auch die Trojaner Götter desselben Olympischen Kosmos als Unterstützer; die Feindschaft besteht also auch unter Göttern, und der Gegenseite wird die göttliche Unterstützung nicht abgesprochen.

Das ist der Mythos. Doch wie sah es in den historischen Kriegen der Antike aus? Haben die Griechen in den Perserkriegen das so verstanden, daß nicht nur sie ihren Zeus, sondern auch die Perser ihren Ahura Mazda (als real existie-renden Gott) auf ihrer Seite hatten? Haben die Römer in den Punischen Kriegen den Karthagern ihren Melkart gegönnt? Glaubten die Römer, die Germanen würden von Wotan geschützt?

(Wolfgang Weimer)
Re: Polytheismus und Krieg
Udo schrieb am 27.12.2024 um 17:20 Uhr (Zitieren)
Mir fällt dazu die evocatio ein.
Die Römer praktizierten die "evocatio" -das religiöses Ritual, bei dem sie die Schutzgötter belagerten Städte einluden, nach Rom überzusiedeln. Sie versprachen den Göttern größere Tempel und bessere Verehrung in Rom.

Das meint KI dazu:
Zur griechischen Perspektive in den Perserkriegen:
Die Griechen hatten tatsächlich eine relativ differenzierte Sicht auf fremde Religionen. Herodot beispielsweise beschreibt die persische Religion mit erkennbarem Respekt und versucht sogar, Parallelen zwischen persischen und griechischen Gottheiten zu ziehen (Interpretatio Graeca). Allerdings betrachteten die Griechen ihre eigenen Götter oft als überlegen, ohne die Existenz fremder Götter grundsätzlich zu leugnen.
Zur römischen Sicht auf punische und germanische Götter:
Die römische Religion war generell inklusiv und synkretistisch. Der punische Melkart wurde mit Hercules gleichgesetzt, und die Römer übernahmen sogar teilweise den Kult der karthagischen Göttin Tanit. Bei den Germanen identifizierten sie Wodan mit Merkur und andere germanische Götter mit römischen Entsprechungen. Dies zeigt, dass sie die Götter ihrer Gegner durchaus als real existierend anerkannten.

Der entscheidende Unterschied zum homerischen Modell liegt aber darin, dass in historischen Konflikten die Religion oft als Legitimationsinstrument genutzt wurde. Während im Trojanischen Krieg die Götter als eigenständige Akteure mit eigenen Motiven dargestellt werden, wurde in historischen Kriegen der eigene Sieg häufig als Beweis für die größere Macht der eigenen Götter interpretiert.
Die "mosaische Unterscheidung" zwischen wahrer und falscher Religion, wie Sie sie erwähnen, war in der polytheistischen Antike tatsächlich weniger stark ausgeprägt. Stattdessen finden wir ein komplexes System der religiösen Interpretation und Angleichung, bei dem fremde Götter meist nicht als "falsch" oder "nicht-existent" abgelehnt, sondern in das eigene Pantheon eingeordnet oder mit bekannten Göttern gleichgesetzt wurden.
Dies zeigt sich besonders im römischen Imperialismus, wo die Integration fremder Kulte sogar als politisches Instrument genutzt wurde. Die Römer verstanden sich als Beschützer aller Religionen ihres Reiches, solange diese die römische Oberhoheit anerkannten.
Interessant wäre noch die Frage, ob es in bestimmten historischen Situationen Ausnahmen von diesem inklusiven Modell gab. Gab es Fälle, in denen die Götter der Gegner explizit als machtlos oder nicht-existent dargestellt wurden?

Das Eingreifen wurde konkret so gedacht:
Die antiken Quellen beschreiben verschiedene Formen göttlichen Eingreifens in Kriegen:

Natürliche Phänomene:
Unwetter, Stürme, günstige/ungünstige Winde (besonders bei Seeschlachten)
Erdbeben oder andere Naturereignisse als göttliche Zeichen

Direkte Intervention:
Erscheinungen von Göttern auf dem Schlachtfeld (z.B. Dioskuren in der Schlacht am See Regillus)
Beeinflussung der Kampfmoral durch göttliche Zeichen
Verwirrung der Feinde durch göttliche Eingebung

Strategische Unterstützung:
Prophezeiungen und Orakel zur Kriegsführung
Träume mit göttlichen Anweisungen an Feldherren
Vorzeichen für günstige/ungünstige Kampftage

Die Interpretation dieser Eingriffe erfolgte meist nachträglich zur Erklärung von Sieg oder Niederlage. Vor Schlachten wurden durch Opfer und Rituale günstige Vorzeichen gesucht, ohne die keine wichtige militärische Aktion begonnen wurde.

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Re: Polytheismus und Krieg
Udo schrieb am 27.12.2024 um 17:23 Uhr (Zitieren)
PS:
Die Römer und die Karthager im Punischen Krieg: Im Falle der Punischen Kriege (264–146 v. Chr.) gab es keine deutliche Position der Römer, die den Karthagern den Schutz ihres Gottes Melkart absprachen. Die Römer betrachteten ihre eigenen Götter als überlegen, aber das bedeutete nicht zwangsläufig, dass sie den Karthagern ihre religiösen Überzeugungen völlig absprochen. Tatsächlich war das römische Weltbild von einer gewissen Toleranz gegenüber fremden Göttern geprägt, besonders in den frühen Jahren der Republik. Während des Krieges war das Hauptziel für die Römer nicht die religiöse Unterwerfung der Karthager, sondern der militärische Sieg. Aber in einem tieferen religiösen Kontext könnte man sagen, dass die Römer ihre Siege als Zeichen der Unterstützung durch ihre Götter, insbesondere Jupiter, interpretierten und die „Kraft“ von Melkart als weniger bedeutend ansahen.

Die Römer und die Germanen: Bezüglich der germanischen Stämme in der Antike hatten die Römer durchaus eine Vorstellung von den Göttern der Germanen, die sie als Teil des „barbarischen“ Glaubenssystems betrachteten. Wotan, der germanische Gott des Krieges, war den Römern bekannt, doch in den römischen Berichten über die Germanen gibt es keinen Hinweis darauf, dass die Römer Wotan als eine echte Bedrohung für ihre eigenen Götter wie Jupiter oder Mars angesehen hätten. Vielmehr waren die Römer in der Regel auf das militärische und nicht religiöse Verständnis der germanischen Gegner fokussiert. Sie hatten jedoch eine gewisse Achtung vor den religiösen Praktiken der Germanen, die in den römischen Augen oft als „wild“ und „primitiv“ galten.
Re: Polytheismus und Krieg
Γραικύλος schrieb am 28.12.2024 um 00:34 Uhr (Zitieren)
Was mir jetzt fehlt, sind ein paar Quellenangaben aus der Antike.
Re: Polytheismus und Krieg
βροχή schrieb am 28.12.2024 um 16:51 Uhr (Zitieren)
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Auf die Gefahr hin, dass ich mich als totaler Altertumsbanause oute, mit KI ist die allgemein übliche Abkürzung gemeint, künstliche Intelligenz?

Oder ist das ein Standardwerk über die Antike, das jeder sowieso kennt?
Re: Polytheismus und Krieg
Patroklos schrieb am 28.12.2024 um 17:09 Uhr (Zitieren)
Oder auch
Krautiges Immergrün.
Vinca herbacea
Re: Polytheismus und Krieg
Γραικύλος schrieb am 28.12.2024 um 17:15 Uhr (Zitieren)
Mit KI wird ChatGPT gemeint sein. Kein Standardwerk über die Antike wie z.B. DNP = Der Neue Pauly.
Re: Polytheismus und Krieg
βροχή schrieb am 28.12.2024 um 17:25 Uhr (Zitieren)
ChatGpt benutzte ich schon,
es ist unterhaltsam ...

... der Blechkamerad kann halluzinieren...
... wenn die Datenbanken zu wenig hergeben, füllt er die Lücken per Zufallsgenerator.
 
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