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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Haschisch beim Jahwe-Kult (277 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 27.12.2024 um 00:04 Uhr (Zitieren)
Eine Festung auf einem Bergsporn am Rande der Wüste Negev im heutigen Israel, fast 3000 Jahre alt: Als die Archäologen sich in Tel Arad an die Arbeit machten, waren sie auf vieles gefasst, schließlich gruben sie im Heiligen Land. Doch sollten Jahrzehnte vergehen, bis die größte Überraschung enthüllt wurde. Sie steckte in der unansehnlichen Kruste auf der Oberseite eines Altars.

Die Lage der Festung ist nicht so spektakulär wie die des gut zwanzig Kilometer Richtung Totes Meer gelegenen Masada, wo jüdische Widerstandskämpfer den römischen Belagerern bis zu ihrem Massenselbstmord trotzten. Dafür stießen die Ausgräber in Tel Arad bereits in den 1960er Jahren auf den einzig unzerstörten Tempel Jahwes mitsamt Allerheiligstem im Königreich Juda. Alles deutet darauf hin, dass er weder den Heeren der Assyrer noch der Babylonier, die das Land verwüsteten, zum Opfer fiel. Er wurde gegen Ende des 8. Jahrhunderts v. Chr. gezielt abgebaut.

Im Allerheiligsten stand eine Mazzebe, ein aufrecht stehender Stein, der die Gegenwart des Staats- und Kriegsgottes Jahwe signalisierte. Sorgfältig niedergelegt, fanden sich zwei kleine Altäre. Obwohl das Tempelensemble ins Israel-Museum nach Jerusalem transferiert wurde, blieben die Brandreste auf den Altären unbeachtet. 2020 erst wurden die Laboranalysen veröffentlicht – und die hatten es in sich.

Dass auf dem einen Altar über mehrere Jahrzehnte Räucherwerk dargebracht wurde, überrascht nicht. Ebenso wenig, dass es kostbarer Weihrauch war, schließlich stammte er aus einer Festung des Königs. Auf dem anderen aber wurde Cannabis verbrannt. Damit handelt es sich um dessen ältesten Nachweis im Nahen Osten. Weil Haschisch einen wenig attraktiven Duft produziert, sind sich die Archäologen sicher: Es wurde als psychoaktive Substanz eingesetzt, um die Priester in allerheiligsten Stimmung zu versetzen. Und sie vermuten, dass das auch in anderen Tempeln wie dem prächtigen Tempel Salomos in Jerusalem der Fall war.

[i](Harald Meller / Kai Michel / Carel van Schaik: Die Evolution der Gewalt. Warum wir Frieden wollen, aber Kriege führen. Eine Menschheitsgeschichte. München 2024, S. 20 f.]
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
Γραικύλος schrieb am 27.12.2024 um 00:09 Uhr (Zitieren)
in allerheiligsten --> in allerheiligste
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
filix schrieb am 27.12.2024 um 01:14 Uhr (Zitieren)
Nichts grundsätzlich gegen die These von berauschten Priestern, aber die noch dazu 2800 Jahre überspannende hochgradig subjektive Bewertung des Geruchs als Argument dafür heranzuziehen, dass es nur um die psychoaktive Wirkung gegangen sein kann, für die man quasi den Gestank billigend in Kauf genommen habe, ist dürftig.
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
Γραικύλος schrieb am 27.12.2024 um 02:39 Uhr (Zitieren)
Ich habe das weniger als moderne Bewertung denn als archäologisches Wissen verstanden, daß Haschisch nicht als kultischer Duftstoff verwendet wurde - mit dem Geruch als Erklärung.
Oder gibt es irgendwoanders einen Beleg dafür, daß Haschisch wie Weihrauch ad maiorem Dei gloriam eingesetzt wurde?
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
Γραικύλος schrieb am 27.12.2024 um 02:50 Uhr (Zitieren)
Ein Archäologe, der von einem solchen Brauch Kenntnis hätte, würde ja diese Behauptung nicht aufstellen, ganz unabhängig von seinem persönlichen Geruchsempfinden.
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
Aurora schrieb am 27.12.2024 um 07:38 Uhr (Zitieren)
Weil Haschisch einen wenig attraktiven Duft produziert, sind sich die Archäologen sicher: Es wurde als psychoaktive Substanz eingesetzt, um die Priester in allerheiligsten Stimmung zu versetzen.

Da denkt man doch sofort an Pythia, oder?

Einer neuen These eines griechisch-italienischen Forscherteams unter Leitung des italienischen Geologen Giuseppe Etiope nach wurde in der relativ kleinen Kammer der Sauerstoff durch ansonsten nicht giftige Gase verdrängt. Der bei der Pythia entstehende Sauerstoffmangel habe sich dann in einer Art Trunkenheit geäußert.

https://de.wikipedia.org/wiki/Pythia#Erkl%C3%A4rungsversuche

Oder gibt es irgendwoanders einen Beleg dafür, daß Haschisch wie Weihrauch ad maiorem Dei gloriam eingesetzt wurde?


Dazu fand ich (KI):
Im alten Indien wurde Cannabis (als "Bhang") in hinduistischen Ritualen verwendet.
Die Scythen nutzten Cannabis in rituellen Räucherzeremonien, wie von Herodot beschrieben.
Einige Interpretationen vermuten, dass "kaneh bosm", ein Bestandteil des heiligen Salböls im alten Israel,
möglicherweise Cannabis war - dies ist aber wissenschaftlich umstritten.

Herodot "Historien" 4. Buch (Buch IV, Kapitel 73-75):

Ἔστι δέ σφι κάνναβις φυομένη ἐν τῇ χώρῃ πλὴν παχύτητος καὶ μεγάθεος τῷ λίνῳ ἐμφερεστάτη·
ταύτῃ δὲ πολλῷ ὑπερφέρει ἡ κάνναβις. αὕτη καὶ αὐτομάτη καὶ σπειρομένη φύεται,
καὶ ἐξ αὐτῆς Θρήικες μὲν καὶ εἵματα ποιεῦνται τοῖσι λινέοισι ὁμοιότατα·
οὐδ᾽ ἄν, ὅστις μὴ κάρτα τρίβων εἴη αὐτῆς, διαγνοίη λίνου ἢ καννάβιος ἐστί·
ὃς δὲ μὴ εἶδε κω τὴν κανναβίδα, λίνεον δοκήσει εἶναι τὸ εἷμα.

https://el.wikisource.org/wiki/%CE%99%CF%83%CF%84%CE%BF%CF%81%CE%AF%CE%B1%CE%B9_(%CE%97%CF%81%CE%BF%CE%B4%CF%8C%CF%84%CE%BF%CF%85)/%CE%9C%CE%B5%CE%BB%CF%80%CE%BF%CE%BC%CE%AD%CE%BD%CE%B7


Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
βροχή schrieb am 27.12.2024 um 07:41 Uhr (Zitieren)
So unnangennehm ist der Geruch nicht. Das Argument könnte in die Richtung gehen, dass sich die gleichzeitig mit dem Geruch sich entfaltende psychoaktive Wirkung damals nicht vermeiden ließ. Wäre sie unerwünscht, hätten sie nich so viel davon geräuchert. Auch dass es ein extra Räucherfeld dafür gab deutet darauf hin. Es wurde nicht gleichzeitig mit dem Weihrauch verbrannt.
Re: Haschisch beim Jahwe-Kult
filix schrieb am 27.12.2024 um 11:41 Uhr (Zitieren)
The smaller of the two altars was found to have a mixture of animal dung and cannabis that contained sufficient THC (the psychoactive compound in cannabis) to get those breathing in its fumes high, per Science News.

The residue on the larger altar was composed of animal fats and frankincense, the dried sap of trees in the Boswellia genus, according to the paper. The researchers write that the dung and animal fats were used to burn the cannabis and frankincense at temperatures that would release their respective mind-altering and fragrant smoke


https://www.smithsonianmag.com/smart-news/cannabis-found-altar-ancient-israeli-shrine-180975016/

Dass also Tierkot beigemengt war (möglicherweise als Streckmittel der „Dealer“, wie man das aus der Gegenwart kennt, denn für Eigenanbau gibt es keine Indizien), könnte für die missverständliche Formulierung verantwortlich sein. Zur Verwendung im Altertum bei der die psychoaktive Wirkung vermutlich nicht im Vordergrund stand, findet man u.a.

Cannabis was also known to the ancient Assyrians, who potentially utilized it as an aromatic. They called it qunabu and qunubu (which could signify "a way to produce smoke"), a potential origin of the modern word "cannabis".[15]: 305  (engl. WP: History of cannabis)


 
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