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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Blick vom Montmartre (245 Aufrufe)
filix schrieb am 23.12.2024 um 17:52 Uhr (Zitieren)
Die Legionen waren den Mons Martis oder Martyrorum hinaufgezogen, wie er abwechselnd genannt wurde. An der Spitze ging der unbedeutende Mann mit dem Philosophenbart, Julianus, zum Caesar ernannt, darum aber nicht zum Kaiser. Hoch oben auf dem Gipfel des Berges stand ein Marstempel, aber er war geschlossen. Da das Heer sich gelagert hatte, trat Julianus allein an den Abhang, um die Stadt Lutetia zu beschauen, die er noch nie gesehen.

Auf der Insel zwischen den beiden Armen des Seineflusses lag der Plan der Stadt, mit dem Jupitertempel; der Kaiserpalast und das Amphitheater waren auf dem Abhang des Berges des Parnasses am linken Flussufer zu sehen. Seit dreihundert Jahren, von Caesars Zeit an, hatten die Kaiser zeitweise hier geweilt, und jetzt zuletzt hatten Konstantin der Grosse und Konstantius das Lutetia der Pariser bewohnt.

Als der gedankenvolle Caesar eine Weile das Tal mit dem Fluss betrachtet hatte, brach er aus:

Urbs! Das ist ja Rom! Ein Fluss, ein Tal und Hügel, sieben oder mehrere, ganz wie in Rom; seht ihr nicht, wir stehen auf dem kapitolinischen Berg; auf der andern Seite haben wir Janiculum, den Berg des Parnasses; und im Norden bildet der Mons Valerianus ja unsern Vaticanus. Und die Stadt auf der Insel! Die Insel gleicht ja einem Schiff, ganz wie die Tiberinsel, auf der man einen Obelisk als Mast errichtet hat, so auffallend war die Ähnlichkeit! Caesar war doch wohl zu originell, um haben kopieren zu wollen! – Sie nennen Byzanz das Neue Rom, aber Rom ist wie der Wurm; wenn man den in zwei Stücke schneidet, so wird immer ein lebendes Wesen aus jedem Stück. Was sagst du, Maximus?

Die Stadt der sieben Hügel und der sieben Könige war Rom; wie viele es hier werden, kann niemand sagen.

Daran habe ich nie gedacht, antwortete Julianus, dass Rom nur sieben Könige gehabt hat wie die Hügel ... ein seltsamer Zufall!


(August Strindberg: Historische Miniaturen [1913] - Apostata)
Re: Blick vom Montmartre
Γραικύλος schrieb am 23.12.2024 um 18:39 Uhr (Zitieren)
Danke!
München 1918, S. 144 f.
Re: Blick vom Montmartre
filix schrieb am 23.12.2024 um 18:55 Uhr (Zitieren)
Eine der unterschwelligen Pointen ist wohl, dass der Parallelismus von 7 Hügeln bzw. Bergen und 7 Königen in Offenb. 17,9 zur Kennzeichnung der Hure Babylon dient, als deren Widergängerin seit dem Mittelalter, insbesondere aber im 19. Jahrhundert Paris, wo Strindberg sein persönliches Inferno erlebt hat, gilt.
Re: Blick vom Montmartre
filix schrieb am 23.12.2024 um 18:57 Uhr (Zitieren)
Wiedergängerin …
Re: Blick vom Montmartre
Patroklos schrieb am 23.12.2024 um 19:36 Uhr (Zitieren)
Wirklich nur nebenbei: von Strindberg stammt der kluge Ausdruck „unpersönlicher Bekanntenkreis“, also jene Menschen, die man täglich in der Bahn etc. sieht, ohne sie zu kennen oder je mit ihnen gesprochen zu haben.
Re: Blick vom Montmartre
filix schrieb am 23.12.2024 um 20:31 Uhr (Zitieren)
Re: Blick vom Montmartre
Patroklos schrieb am 23.12.2024 um 21:28 Uhr (Zitieren)
Die Wahrheit ist ein kostbares Gut, deshalb muss man sparsam mit ihr umgehen. Nicht immer. Gleichwohl Danke.
 
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