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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Der Affenkaiser (239 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 00:03 Uhr (Zitieren)
Romulus, Fabel 78:

Die folgende Fabel ist bei Phaedrus (IV 13) nur sehr unvollständig überliefert.
Seit alters ist es so, daß von bösen Menschen Trug und Schmeichelei hochgehalten werden, während Ehrenhaftigkeit, Wahrheitsliebe und Güte Tadel finden. Darüber unterrichtet uns die folgende Fabel.

Zwei Männer, verlogen der eine und wahrheitsliebend der andere, unternahmen zusammen eine Reise, und während sie ihres Weges zogen, gelangten sie in das Land der Affen.
Als einer aus der großen Affenhorde, der nämlich, der sich zum Herrscher über die anderen aufgeworfen hatte, ihrer gewahr wurde, ließ er die beiden festhalten, um sie zu befragen, was sie über ihn dächten. Dazu ließ er alle Affen seinesgleichen antreten, vor sich und in langer Reihe zur Rechten und zur Linken. Gegenüber ließ er für sich einen Thron errichten. Und so, wie er es beim Kaiser gesehen hatte, sollten die anderen Affen vor ihm stehen.
Darauf werden die beiden Wanderer hereinbefohlen. Der regierende Affe fragte: „Wer bin ich?“ Antwortete der Verlogene: „Du bist der Kaiser.“ Nächste Frage: „Und die, die ihr vor mir stehen seht, was sind die?“ – „Das sind deine Paladine, Würdenträger, Feldherren und andere Chargen“, entgegnete der Lügenbold. Dafür nun, daß er samt seinem Anhang fälschlich gepriesen wurde, ließ der Affe jenen Mann, der ihm geschmeichelt und alle anderen betrogen hatte, belohnen.
Da erwog der Wahrheitsliebende bei sich: Wenn jener Unaufrichtige, der nur lügen kann, so angesehen ist und ausgezeichnet wird, wie muß es mir dann erst ergehen, wenn ich die Wahrheit sage? Und während er das bei sich bedachte, sprach jener Affe, der Kaiser genannt zu werden wünschte: „Sag mir, wer bin ich und die, welche du vor mir siehst!“ Der Gefragte aber, der immer die Wahrheit liebte und stets die Wahrheit sagte, antwortete: „Du bist ein Affe, und diese alle sind Affen, dir ähnlich.“
Da wurde alsbald Befehl erteilt, ihn mit Zähnen und Krallen zu zerfleischen, weil er das, was wahr war, ausgesprochen hatte.

So ist es häufig auch bei bösen Menschen der Fall, daß Täuschung und Verschlagenheit geliebt, Ehrenhaftigkeit und Wahrheitsliebe aber verunglimpft werden.

(Antike Fabeln. Hrsg. v. Johannes Irmscher. Berlin/Weimar 1978, S. 393 f.)
 
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