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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Erlösung (587 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 20.12.2024 um 16:49 Uhr (Zitieren)
Erlösung hier und jetzt, aber nur auf Zeit: Dionysos. Erlösung auf ewig, aber erst im Jenseits, also bloß versprochen: Jesus. Und der lebende Buddha? Harte, lange Übung.

(Wolfgang Weimer)
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 20.12.2024 um 17:05 Uhr (Zitieren)
Ein bisschen vorbei geschrammt an der Erlösung, so ist das Leben. [die drei genannten sind sich in dem Punkt mal einig]
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 20.12.2024 um 17:31 Uhr (Zitieren)
Ob es schicklich ist, wenige Tage vor dem Fest der Geburt des Erlösers das Reich des (nach)existenziellen Zweifels zu betreten, sei dahingestellt. Das mag Andreas ventilieren, auch gern entscheiden.
Ist es übrigens bei der Inanspruchnahme von KI technisch möglich, die Antwortmenge (Zeichen) zu begrenzen? Bei der Restaurantsuche im Netz kann man ja auch den Umkreis (km) festlegen.
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 20.12.2024 um 18:44 Uhr (Zitieren)
Das Reich des Zweifels ist das natürliche Biotop des Menschen.

(Der Erlöser weiß das schon auch, er kommt damit klar, mach dir keine Sorgen deshalb.)
Re: Erlösung
Udo schrieb am 21.12.2024 um 12:57 Uhr (Zitieren)
Was konkret soll Erlösung bedeuten?
Wie hat uns der Erlöser wovon erlöst?
Was ist mit dem Christentum wesentlich
anders geworden?
Wie fühlt sich Erlösung an?
Sagte nicht Nietzsche, dass ihm die Christen nicht
erlöst genug erschienen?
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 21.12.2024 um 13:56 Uhr (Zitieren)
Das mit Nietzsche habe ich umgekehrt in Erinnerung!
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 21.12.2024 um 14:03 Uhr (Zitieren)
Nietzsche:
"Die Christen müssten mir erlöster aussehen. Bessere Lieder müssten sie mir singen, wenn ich an ihren Erlöser glauben sollte.“


Er soll an gar nix glauben, er ist tot. Wenn ihm das Weihnachtsoratorium nicht gut genug ist, sorry das ist banausisch.
Re: Erlösung
Aurora schrieb am 22.12.2024 um 08:42 Uhr (Zitieren)
Wie hat uns der Erlöser wovon erlöst?

Das sagt meine KI dazu:

Im christlichen Glauben wird Jesu Erlösung der Welt oft in Bezug auf das Konzept der Sünde und des ewigen Lebens verstanden. Jesus hat die Welt erlöst von:

Der Erbsünde: Die Erbsünde, die von Adam und Eva auf alle Menschen übergegangen ist, wird als die Trennung des Menschen von Gott betrachtet. Durch Jesu Tod und Auferstehung wird den Gläubigen die Möglichkeit gegeben, von dieser Sünde befreit zu werden und wieder in eine richtige Beziehung zu Gott zu treten.

Der Macht des Bösen und des Todes: Jesus wird als derjenige angesehen, der den Tod besiegt hat. Durch seine Auferstehung wurde die endgültige Macht des Todes und des Bösen über die Menschheit gebrochen, was den Gläubigen die Hoffnung auf das ewige Leben schenkt.

Gesetz und Ritualgesetze: Einige christliche Lehren, wie sie im Neuen Testament zu finden sind, betonen, dass Jesus durch seinen Tod das alte mosaische Gesetz erfüllt und dessen Erfüllung für die Erlösung der Menschheit ersetzt hat. Somit sind die Menschen von der Notwendigkeit befreit, die Rituale und Vorschriften des Gesetzes streng zu befolgen, um Gnade zu erlangen.

Zusammengefasst: Jesus hat die Welt von der Sünde, der Macht des Bösen und des Todes sowie von der Last des Gesetzes erlöst, indem er für die Sünden der Menschen gestorben und auferstanden ist, um den Weg zu Gott und zum ewigen Leben zu öffnen.

Das ist wohl nicht frei von vielen Leerformeln und
vagen, unkonkreten Formulierungen.
Wie die Sündenfreiung geschieht, kann ich nicht erkennen.
Wie man den Tod besiegen kann, ein Abstraktum, verstehe ich auch nicht.
Mit welchen Waffen tritt man gegen ihn an?
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 09:19 Uhr (Zitieren)
Mit welchen Waffen tritt man gegen ihn an?


"Man" muss nicht antreten, "man" weiß ihn schon besiegt.
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 09:33 Uhr (Zitieren)
Das ist wohl nicht frei von vielen Leerformeln und
vagen, unkonkreten Formulierungen.


Das Prinzip der Horoskope. Manche suchen gerne dort nach Antworten. KI ist ähnlich programmiert. Wenn man Glück hat, spuckt sie etwas unterhaltsames aus.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 11:47 Uhr (Zitieren)
Es ist schön zu lesen, von was uns Jesus da alles erlöst hat. Das Befremdliche ist aber, wie er es getan hat: durch ein Menschenopfer. Was für ein archaischer Gedanke! (der wohl dem Judentum nicht fremd war: Gott stand jede Erstgeburt zu)

Ich halte es für fruchtbar, diese Ideen, die unsere christliche Tradition in unser Denken implantiert hat (Opfertod, Abendmahl, Dreifaltigkeit usw.), einmal mit dem Denken eines Heiden zu reflektieren: wie befremdlich das eigentlich ist!
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 11:52 Uhr (Zitieren)
Gott hätte ja auch einfach sagen können: "Alles klar, Leute, eure Sünden sind euch vergeben. Erbsünde - sprechen wir nicht mehr drüber!" Aber nein, er brauchte ein Opfer.
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 12:04 Uhr (Zitieren)
" einmal mit dem Denken eines Heiden zu reflektieren: wie befremdlich das eigentlich ist! "

Heiden ist die Opferidee nicht so fremd (Kelten, Inkas, Atzteken usw.)
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 22.12.2024 um 12:08 Uhr (Zitieren)
Die Ideen rühren zumeist aus weiter Ferne, aus vorschriftlichen Weiten.
Es gilt der Anfang des Josephromans: "Tief ist der Brunnen der Vergangenheit. Sollte man ihn nicht unergründlich nennen?"
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 12:38 Uhr (Zitieren)
... jener Brunnnen, wir können nicht wissen, welche Schöpfeimer noch erfunden oder entdeckt werden - sh. Neandertalerforschung, was über den schon alles herausgefunden wurde, konnte man bis vor kurzem für unergründlich halten.
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 22.12.2024 um 13:05 Uhr (Zitieren)
Gott hätte ja auch einfach sagen können: "Alles klar, Leute, eure Sünden sind euch vergeben. Erbsünde - sprechen wir nicht mehr drüber!" Aber nein, er brauchte ein Opfer.

Darum geht es heute nicht mehr. Dieses Denken
gilt als überwunden, auch wenn es z.T. noch anders
rüberkommt in der Liturgie.
Theologie und Praxis klaffen immer noch weit auseinander.
Manche Pfarrer predigen noch vorkonziliar bis
früh mittelalterlich.
Auch für Erbsünde gibt es anders Sichtweisen
(strukturelle Sünde, non peccare non posse)

Die Erlösung durch das Kreuz war nicht notwendig.
Das hat sogar Ratzinger in seiner Einführung,
so weit ich mich erinnere, in einer Fußnote angemerkt.
Sie wurde später entfernt.
Ein natürlicher Tod hätte den gleichen Effekt gehabt,
weil der Schwerpunkt auf der Inkarnation liegt als Solidarisierung
des Schöpfers mit seinem v.a. leidenden Geschöpf.
So zumindest wird heute in der Theologie argumentiert.
vgl. Raimund Schwager, Brauchen wir einen Sündenbock?
Gesammelte Schriften, Herder 2016

In Joseph Ratzingers "Einführung in das Christentum" (1968) gibt es tatsächlich eine Fußnote, die oft zitiert wird und in der Ratzinger die Menschwerdung als das zentrale Ereignis des Heils betont, nicht ausschließlich den Tod am Kreuz. Diese Aussage wird manchmal so interpretiert, dass der Kreuzestod nicht im traditionellen Sinn als „heilsnotwendig“ verstanden werden muss, sondern dass die Menschwerdung Jesu selbst schon den entscheidenden Erlösungsakt darstellt.
Ratzinger formuliert in dieser Fußnote, dass das Gesamtgeschehen der Menschwerdung, d.h. das Leben Jesu als Ganzes – von der Geburt über das Wirken bis hin zum Tod und zur Auferstehung – als Heilsgeschehen zu sehen ist. Das bedeutet, dass die Erlösung nicht nur durch das Kreuz allein geschieht, sondern bereits durch das, was die Menschwerdung als solches bedeutet: die Selbsthingabe Gottes, indem er Teil der Schöpfung wird.

Im Wesentlichen betont Ratzinger in dieser theologischen Diskussion, dass die Menschwerdung Christi die Liebe Gottes in sich trägt und damit heilbringend ist. Der Kreuzestod ist ein Teil dieses Heilsplans, aber er sieht die Inkarnation als den zentralen Punkt, weil sie den Weg zur Erlösung überhaupt erst eröffnet.

Diese Perspektive führt zu einer Erweiterung des traditionellen Verständnisses der Erlösung, bei dem der Kreuzestod oft im Fokus steht. Ratzinger relativiert in dieser Fußnote nicht die Bedeutung des Kreuzes, aber er hebt hervor, dass es im Kontext der gesamten Heilsgeschichte gesehen werden muss, deren Ursprung und Kern die Menschwerdung ist.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 14:17 Uhr (Zitieren)
Daß der allmächtige Gott, Schöpfer des Universums, ein Kind wird, das nach dem Essen sein Bäuerchen macht, gilt Juden wie Moslems als Gotteslästerung.
Auch hier sollte man die christliche Idee, die ja vermutlich nicht dem Selbstbild Jesu entspricht, nicht nur mit christlichen Augen sehen.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 14:45 Uhr (Zitieren)
Heiden ist die Opferidee nicht so fremd (Kelten, Inkas, Atzteken usw.)

Richtig. Man kann deshalb auch sagen: wie heidnisch das eigentlich ist, was das Christentum als Überwindung des Heidentums ausgibt. Das Menschenopfer.

Man kann in der "Ilias" (Buch XVI) nachlesen, wie Zeus reagiert, als ihm klar wird, daß er - unabsichtlich - seinem eigenen Sohn Sarpedon den Tod gebracht hat: mit Entsetzen und Verzweiflung.
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 15:00 Uhr (Zitieren)
die ja vermutlich nicht dem Selbstbild Jesu entspricht


Warum vermustest du das?
Er liebte seine Eltern und wusste, dass er als Kind aufgewachsen ist. Dann ist es doch selbstverständlich, dass er als Säugling startete und nicht in irgend einem anderen Altersstadium?
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 15:12 Uhr (Zitieren)
Ich vermute, daß er sich nicht für das gehalten hat, was die christliche Theologie später aus ihm gemacht hat: den menschgewordenen Gott.
Selbstverständlich hat er sich für einen Menschen gehalten.
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 22.12.2024 um 15:12 Uhr (Zitieren)
Daß der allmächtige Gott, Schöpfer des Universums, ein Kind wird, das nach dem Essen sein Bäuerchen macht, gilt Juden wie Moslems als Gotteslästerung.

Weihnachten heißt: Gott pisst und kackt in Windeln.
(Wolfgang Beinert, kath. Dogmatiker emeritus)

Warum soll man das unbedingt als Blasphemie sehen?
Nur wegen eines genauso fragwürdigen, heute
längst überwundenen Götterbegriffs der Griechen,
der ohnehin nur auf Projektionen beruht?
Für Gott gilt seit Weihnachten: Nihil humani a me nunc iam alienum.

Ich denke an die Raumschiff-Enterprise-Episode, in der Apoll auftritt
um am Ende vernichtet zu werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Tempel_des_Apoll
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 15:17 Uhr (Zitieren)
Warum soll man das unbedingt als Blasphemie sehen?
Nur wegen eines genauso fragwürdigen, heute
längst überwundenen Götterbegriffs der Griechen,
der ohnehin nur auf Projektionen beruht?

Ich sagte, daß es Juden und Moslems als Blasphemie gilt.
Für andere Menschen ist es lediglich ein logischer Widerspruch.
Andernfalls müßte man "Gott" neu definieren. Möglichst ohne sacrificium intellectus. Und wohl dann auch ohne Projektionen.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 15:19 Uhr (Zitieren)
Auch so mancher heidnische Gott hat seine Karriere als Kind begonnen. Das waren allerdings Götter in einem ganz anderen Sinne: innerweltlich, nicht überzeitlich und Schöpfer des Universums.
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 22.12.2024 um 17:00 Uhr (Zitieren)
Viell. ist es so, während Jesus als Mensch lebte, war er menschlicher Sohn Gottes, erst nach Himmelfahrt wurde er per 3einigkeit mit Gott vereint und auf diese weise göttlich.
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 22.12.2024 um 17:50 Uhr (Zitieren)
erst nach Himmelfahrt wurde er per 3einigkeit mit Gott vereint und auf diese weise göttlich.

Ich glaube eher, dass er eine "göttliche" = übermenschliche Liebesfähigkeit hatte, der
er wohl einer sehr liebevollen Mutter zu verdanken hatte.
Damit ist die Mariologie im Prinzip komplett erklärt. Um mehr kann es auch hier nicht gehen, wenn man Occam anwendet.

Andernfalls müßte man "Gott" neu definieren.

So ist es.
Man könnte mit sowas arbeiten wie Liebeskraft,
Liebesstreben o.ä.
Probleme gibt es dann mit dem personalen Gott,
außer man definiert ihn als die im Menschen wirken wollende Liebe.

erst nach Himmelfahrt wurde er per 3einigkeit mit Gott vereint

Wenn Gott ein Beziehungswesen ist und Liebe
setzt das voraus, dann war Jesus immer mit dem Vatergott vereint
wie es auch bei Johannes heißt: Der Vater und ich sind eins.
Einssein verstanden als dasselbe Liebesbewusstsein und denselben Liebeswillen habend.
Auch Trinität kann man einfach erklären.
Dazu sind keine Dogmen nötig.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 22.12.2024 um 18:52 Uhr (Zitieren)
Wenn Gott die Liebe ist, was ist dann der Haß? Was die Indifferenz?

Wie schön ist es, daß die Polytheisten für alles Wichtige einen Gott haben, was verhindert, den Kosmos einseitig zu deuten und vor allem zu bewerten.
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 22.12.2024 um 19:38 Uhr (Zitieren)
Wenn Gott die Liebe ist, was ist dann der Haß? Was die Indifferenz?

Hass = Ablehnung, Nicht-Lieben-Wollen/Können,
Negativität etc.

Indifferenz = Gleichgültigkeit, Apathie, Desinteresse und auch Egoismus
(Was geht mich das alles an?
Problem: Was geht es die anderen an, wenn du in Not bist?)

Wie schön ist es, daß die Polytheisten für alles Wichtige einen Gott haben,

Der ihnen aber auch nicht weiterhilft.

Auch Christen wissen: Gott hat nur unsere Hände.
Was die nicht schaffen, schafft auch kein Deus
(ex machina) oder Gebete und Rituale.
Sie glauben, dass der Liebe immer noch der beste ist,
auch wenn es immer wieder zu bitterer
Enttäuschung und Draufzahlgeschäften kommt, die verzweifeln lassen können.
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 22.12.2024 um 20:13 Uhr (Zitieren)
Lukian lässt Zeus in der Götterversammlung sagen:
…wenn ihr bedenkt, daß die Menschen es sind, die über unsere ganze Einschätzung, unseren Ruf und unser Einkommen befinden. Wenn sie zu der Überzeugung kämen, es existierten überhaupt keine Götter oder es gäbe sie zwar, aber von einer Fürsorge für die Menschen sei keine Rede, dann hätten wir von der Erde keinerlei Opfer, Ehrengaben und Beweise der Verehrung mehr zu erwarten. Wir würden zwecklos im Himmel herumsitzen und am Hungertuche nagen, da wir dann alle die Feste und Staatsfeiern, die Wettkämpfe und Opfer, die nächtlichen Prozessionen und Umzüge entbehren müßten.
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 22.12.2024 um 20:58 Uhr (Zitieren)
Zum Holocaust hätte Zeus womöglich gesagt: furchtbar, ganz gräßlich,eine echte Anfechtung für alle, aber unsere Menschen sollten ja frei sein, zwischen gut und böse sich entscheiden können. Aber dass sie sich derart vergreifen würden! Anerkennenswert, dass sie trotz allem hier und da gläubig bleiben.Ich selbst hätte ja nicht an mich weiterhin geglaubt. Ich frage mich dann und wann: Wer wird wohl mein Nachfolger und für wie lange?
Re: Erlösung
Aurora schrieb am 23.12.2024 um 07:23 Uhr (Zitieren)
Der kath. Theologe (Neutestamentler) Franz Mussner sagte einmal auf die Frage,
wo Gott in Ausschwitz gewesen sei: "Mitten drin!"

Was ist damit gesagt? Alles oder nichts?
Völlig absurd oder sehr tiefsinnig?
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 23.12.2024 um 07:49 Uhr (Zitieren)
Aber dass sie sich derart vergreifen würden! Anerkennenswert, dass sie trotz allem hier und da gläubig bleiben.


Atheistische Massenmorde des Gulag, Holodomor, Polpot usw, dass sie trotzdem gerne ungläubig bleiben, anerkennenswert?
Re: Erlösung
βροχή schrieb am 23.12.2024 um 08:01 Uhr (Zitieren)
Die Nazis agierten nicht als Christen, sie schmückten sich mit neuentdecktem Heidentum (zb. Runenkult), sie wurden von Christen sowohl unterstützt als auch bekämpft.
Die o.g. atheistischen Massenmorde gehen ohne Umschweife auf das Konto der Atheisten.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 23.12.2024 um 12:30 Uhr (Zitieren)
Verfolgungen anderer Menschen, da stehen sich The- und Atheisten wohl in nichts nach.
Doch kann man einem allmächtigen Gott eine gewisse Beteiligung am Wirken seiner Geschöpfe nicht absprechen.

Falls jetzt jemand sagt, Gott habe uns unseren freien Willen lassen wollen, so stelle ich mir das als gute Ausrede vor Gericht vor, wenn ich wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt bin: "Euer Ehren, ich wollte nicht in den freien Willen des Täters eingreifen."
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 23.12.2024 um 14:37 Uhr (Zitieren)
Falls jetzt jemand sagt, Gott habe uns unseren freien Willen lassen wollen, so stelle ich mir das als gute Ausrede vor Gericht vor, wenn ich wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt bin: "Euer Ehren, ich wollte nicht in den freien Willen des Täters eingreifen."

Problem: Wie hätte man in Auschwitz Hilfe leisten sollen
ohne selber dabei umzukommen?
Auch sonst war das Verstecken von Juden hochriskant,
wie ich vor kurzem in einem Bericht über den Showmaster Hans Rosenthal
wiedermal sah, den Privatleute versteckten.
Und die Möglichkeiten, den Mut und die innere Überzeugung eines Oskar Schindler
hatten nicht sehr viele.

Das mit der Willensfreiheit ist ein großes Problem. Nicht wenige leugnen sie.
Gene und Sozialisierung spielen auch hier eine
große Rolle. Werte und Einstellungen kommen nicht von ungefähr.
Wie willensfrei ist einer, bei dem barbarische Grausamkeit keine Skrupel auslöst?
Blinder Fanatismus ist auch heute noch an der Tagesordnung und wohl nicht auszurotten,
wenn man an die Wurzeln nicht rankommt oder sie politische Systeme diesen
sogar unterstützen wie bei den Gotteskriegern.
Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 23.12.2024 um 15:01 Uhr (Zitieren)
Wie hätte Gott in Auschwitz Hilfe leisten sollen?

Konnte er nicht?
An dieser Stelle kommt ja meist der Hinweis, daß er uns Menschen die Freiheit des Willens lassen wollte. Dagegen richtet sich meine Äußerung. Welcher Vater sieht zu, wie seine Kinder gemeuchelt werden, indem er sich darauf zurückzieht, der Täter habe eben einen freien Willen?

Inzwischen habe ich jedoch den Eindruck gewonnen, daß Du, wenn Du Gott als Liebe bezeichnest, überhaupt nicht eine personale Macht, sondern ein abstraktes Prinzip meinst. Das entnehme ich vor allem Deiner Antwort auf meine Frage, was dann der Haß sei. Kein Anti-Gott, kein Teufel.

Warum man es dann nicht einfach bei dem Wort "Liebe" beläßt, sondern es obendrein Gott nennen soll, ist mir nicht klar. Die antik-polytheistische Tendenz zur (mythischen, bildlichen) Personifizierung teilst Du anscheinend nicht, denn diese müßte sich ja konsequent auch auf andere Prinzipien wie z.B. den Haß erstrecken.
Re: Erlösung
Patroklos schrieb am 23.12.2024 um 16:41 Uhr (Zitieren)
Zu den hier angesprochenen Themen passt sinnigerweise das bekannte Zitat:
Fools rush in where angels fear to tread.
(War nur‘n Scherz, aber „angels“ ist einfach zu gut.)
Re: Erlösung
Andreas schrieb am 23.12.2024 um 16:53 Uhr (Zitieren)
Konnte er nicht?

Wie hätte er können können? Das Nazitum im Keim ersticken? Wie? Mit Zauberei?
Attentate auf den GröFaZ gelingen lassen?
Der Mensch ist relativ frei, aber verführbar,
aufhetzbar u.a.
Wenn dann nicht ungünstige Zeitumstände dazukommen (wirtschaftliche Not),
kann vieles passieren, was man nicht gedacht hätte.
Wie hätten wir gehandelt, wenn ...?
Mit Angst und Terror bringt man die Mehrheit auf Linie. Der Selbsterhaltungstrieb ist übermächtig. Märtyrertum liegt nicht in der normalen menschlichen Natur und ändert im großen Stil wenig bis nichts.

wenn Du Gott als Liebe bezeichnest, überhaupt nicht eine personale Macht, sondern ein abstraktes Prinzip meinst

Ja, oder eine Art Wirkkraft/Motivator im menschl. Bewusstsein.
Mit Gott als Person habe ich so meine Probleme.
Es ist für mich eine weitere Leerformel ohne konkreten Inhalt.
An Gott glauben heißt an dieses Prinzip glauben,
eine bestimmte Bewusstseinshaltung zu haben, eben dir der Liebe und grundsätzlichen Akzeptation der Mitmenschen und anderer Mitgeschöpfe wie z.B. Hunde, die ich sehr mag.

Den Personbegriff auf Gott anzuwenden halte ich für sehr problematisch genau wie den Begriff des Sohnes auf Jesus anzuwenden.
Was heißt schon Sohn Gottes?
Für mich: maximal liebesfähig zu sein, ohne jeden Hass auszukommen, die Welt trotz allem anzunehmen wie sie ist und dort, wo es möglich ist, ein wenig menschlicher zu machen.

Liebe ist ein Bewusstsein, das sich im Laufe der menschlichen Evolution entwickelt hat, vlt. hat entwickeln sollen, weil sie das Leben erst lebenswert macht. Der Kolosserbrief geht nach
meiner Interpretation genau in diese Richtung
(auf ihn hin geschaffen = auf die Fähigkeit zu lieben hingeschaffen)
Liebe ist das Pendant zu Hass, Gewalt, Gleichgültigkeit u.v.a.
Alle gesunden Menschen wollen sie, wollen
friedliche Konfliktlösungen, eine menschliche Welt ohne Hass, Neid, Konkurrenzdruck etc.

Du liebst Philosophie, Literatur überhaupt, bist hochgebildet und nie arrogant,
hilfsbereit und bemüht, anderen Freude zu bereiten mit deinen Beiträgen.
Dass man das schätzt, klingt immer wieder zurecht an,
dieses Forum ist durch dich ein Kleinod in der Forenlandschaft und
du hegst und pflegst diese liebevoll und uneigennützig, machst dir dabei viel Mühe.

Der Gott der Theologen ist sicher nicht der Gott Jesu, dafür ist er viel zu griechisch gedacht.
Schon seine Entstehung im AT aus Stammesgottheiten wirft viele Fragen auf.
Der Gottesname ELOHIM ist ein Pluralwort,
das wohl daher rührt.
Hinter ihm steht m.E. das Biophilie-Prinzip,
ein Prinzip, gesellschaftliches Miteinander gewaltfrei zu organisieren (10 Gebote).
Dahinter wiederum steckt das Phänomen Mitgefühl und Mitleid, dessen genaue Herkunft mich interessieren würde.
Auch nur ein Überlebensvorteil, per Zufall entstanden durch Veränderungen im Gehirn?
Fakt ist: Es ist entstanden und ohne es wäre die Welt unmenschlich.

Der strenge kath. Big-brother-Gott war mir immer unheimlich und unsympathisch bis unerträglich.
Ich war auch Ministrant auf Drängen meiner Eltern und hasste es innerlich.
Wer einmal während des Rosenkranzgebets als 10 Jähriger auf den Altarstufen knieen musste und ein wenig nachdenkt, kann nur zu dem Urteil kommen, dass es das nicht sein kann genauso wie die nach immer demselben Schema ablaufenden Gottesdienste, die sehr schnell öd und langweilig werden.
Deren Sinn habe ich nie verstanden. Man hat es halt ertragen, damit die Eltern Ruhe gaben.

Wie du siehst, bereitet auch mir der alte Herr große Probleme und seit ich mich mit moderner Kosmologie beschäftige noch mehr.
So richtig zusammendenken kann ich das nicht,
doch mit Hilfe von Leuten wie Drewermann geht es einigermaßen.

Ohne Psychoanalyse geht heute mMn nichts mehr, Religion ist ein Produkt der menschlichen Bewusstseinsgeschichte, das psychoanalytisch aufzulösen und zu erklären gilt, was ja schon in großem Maße gelungen ist.
Mit dem Voranschreiten der Hirnforschung werden wir noch mehr erfahren.
Auch zur Frage, warum es etwas gibt und nicht nichts, wird die Quantenphysik noch Antworten liefern.
Warum es vor 13,82 Mrd. Jahren zu jener Singularität kam, warum überhaupt und warum nicht "früher oder später", lässt sich vlt. nie beantworten.
Fakt ist: Es gibt etwas, die Welt und den Menschen mit einem Gehirn, das sich solche Fragen stellen und nach Antworten suchen kann.

Doch die Antworten auf solche Fragen haben nichts mit Glück zu tun, sie bereiten Freude.
Wahres Glücklichsein hat für mich immer etwas mit Liebe zu tun und sei es "nur" die Liebe zum permanenten Wissenserwerb und dafür, die Welt immer besser verstehen zu wollen und können.
Doch ganz ohne Liebe zu Menschen oder zu einer Person oder mehreren Personen kann mMn auch derUniversalgelehrte nicht vollends glücklich sein.
Ausnahmen mögen die Regel bestätigen.

Frohe Weihnachten und weiter frohes Schaffen in diesem Forum! Und bleib gesund und uns noch lange erhalten!

Re: Erlösung
βροχή schrieb am 23.12.2024 um 17:50 Uhr (Zitieren)
Verfolgungen anderer Menschen, da stehen sich The- und Atheisten wohl in nichts nach.


Isso, bedauerlicherweise.
Wenn der christliche Gott per allumfassender Schuldzuschreibung im Orkus verschwunden ist mitsamt christlicher Kultur, werden die menschlichen Grausamkeiten immer noch stattfinden. Von den Grausamkeiten der Natur noch nicht zu reden, die verschwinden auch nicht mit dem Abschied Gottes. Wozu dann die ganzen Bemühungen das Christentum an der Wurzel auszureißen?



Re: Erlösung
βροχή schrieb am 23.12.2024 um 17:56 Uhr (Zitieren)
Dahinter wiederum steckt das Phänomen Mitgefühl und Mitleid, dessen genaue Herkunft mich interessieren würde.
Auch nur ein Überlebensvorteil, per Zufall entstanden durch Veränderungen im Gehirn?
Fakt ist: Es ist entstanden und ohne es wäre die Welt unmenschlich.


Das angenehme Bindungsgefühl zu Mitgeschöpfen ist schon älter als der Mensch, Tiere kennen es auch, viell. sogar Pflanzen...




Re: Erlösung
βροχή schrieb am 23.12.2024 um 18:19 Uhr (Zitieren)
Frohe Weihnachten und weiter frohes Schaffen in diesem Forum! Und bleib gesund und uns noch lange erhalten!


Das wünsche ich euch auch allen :)



Re: Erlösung
Andreas schrieb am 24.12.2024 um 12:09 Uhr (Zitieren)
https://www.youtube.com/watch?v=tcn1Rn7NO9w

Vlt. möchte jemand dazu etwas sagen.
Vieles bleibt vage und unkonkret und enthält Leerformeln.
Seine kath. Prägung hat ihn offenbar wieder
eingeholt.

Dein Gesamteindruck und - urteil, Graeculus?
Was würdest du Haberl antworten bzw. ihn fragen?
Er spricht Dinge an, zu denen du schon
einiges kritisch angemerkt hast etwa zur Erlösung durch
eine Person angesichts der gigantischen Dimensionen des Kosmos.


Re: Erlösung
Γραικύλος schrieb am 24.12.2024 um 15:11 Uhr (Zitieren)
Ich werde versuchen, Euch noch ein Weilchen erhalten zu bleiben.

Wie sagte einmal ein Bestatter? "Bis morgen dann. Obwohl ... weiß man's?"

Danke für die guten Wünsche.
 
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