Das morbide Gastmahl und die Alternative (266 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 14.12.2024 um 23:20 Uhr (Zitieren)
Seneca d.J., Ad Lucilium epistulae morales I 12, 8 f.:
(L. Annaeus Seneca: Philosophische Schriften. Herausgegeben und übersetzt von Manfred Rosenbach. Dritter Band: An Lucilius – Briefe über Ethik 1-69. Darmstadt 1974, S. 80-83)
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
Γραικύλος schrieb am 14.12.2024 um 23:47 Uhr (Zitieren)
- Pacuvius: römischer Tragiker, 220 – ca. 130 v.u.Z.
- der Vers: Vergil, Aeneis IV 653
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
filix schrieb am 14.12.2024 um 23:48 Uhr (Zitieren)
βροχή schrieb am 14.12.2024 um 23:52 Uhr (Zitieren)
Ist das nicht der andere Pacuvius, der Legat?
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
Γραικύλος schrieb am 14.12.2024 um 23:53 Uhr (Zitieren)
Ah, da war ja auch von der Seneca-Stelle die Rede.
Habe ich das dem falschen Pacuvius zugeordnet?
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
Γραικύλος schrieb am 14.12.2024 um 23:59 Uhr (Zitieren)
Stimmt, man vermutet, daß es der Legat zur Zeit des Tiberius ist.
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
Γραικύλος schrieb am 15.12.2024 um 00:00 Uhr (Zitieren)
Im neuen Pauly kommt unter Pacuvius nur der Dichter vor.
Danke für den Hinweis!
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
βροχή schrieb am 15.12.2024 um 00:10 Uhr (Zitieren)
... es erinnert bisschen an den Kurfürst, mit seinem, war halt doch ein schönes fest alles wieder voll gewest.
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
filix schrieb am 15.12.2024 um 02:15 Uhr (Zitieren)
Es erinnert vor allem an Trimalchio ebrietate turpissima gravis, der seine Leichenfeier mit Musik inszeniert. Geht man zu Senecas moralischer Deutung (ex mala conscientia - die worin eigentlich bestehen sollte?) auf Distanz, erscheint auch die Übersetzung das Leben ist vollendet weniger glücklich, wie in der verlinkten Diskussion angesprochen, könnte Pacuvius' Chor mit βεβίωται ganz ohne Reue kundtun, dass hier einer so richtig gelebt hat (und jetzt tot ist): He has lived his life, he has lived his life! (Loeb).
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
βροχή schrieb am 15.12.2024 um 07:42 Uhr (Zitieren)
.... die Idee, dass er bei seiner Totenfeier nicht dabei sein könnte, gefiel ihm nicht.
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
filix schrieb am 15.12.2024 um 12:00 Uhr (Zitieren)
Der störenden Idee, die eigene Totenfeier und vor allem, was dort gesagt und wie getrauert wird, zu verpassen, abzuhelfen, mag ein Motiv sein (fingite me’ inquit ‘mortuum esse. dicite aliquid belli heißt es bei Petronius), aber man wird es kaum mit schlechtem Gewissen, welcher Begriff bei Seneca sonst durchaus unserem Verständnis nahesteht, in Verbindung bringen. Es scheint eher, als verbuchte der Philosoph die ganze frivole Inszenierung als unbewussten Reueakt über solche Lebensführung, dem er seine Version der zufrieden bilanziernden Abendandacht gegenüberstellt. Der Übersetzer der LCL weicht dem Problem jedenfalls mit from a debased motive elegant aus.
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
Patroklos schrieb am 15.12.2024 um 12:12 Uhr (Zitieren)
Hierzu der leicht ältliche Witz:
Gehst Du zum Begräbnis von Sebastian?
Nein, warum sollte ich? Er wird ja auch nicht zu meinem kommen.
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
filix schrieb am 15.12.2024 um 12:17 Uhr (Zitieren)
Immerhin ein Klassiker unter den Irish bulls: Always go to other people's funerals, otherwise they won't come to yours. – Misattributed to Yogi Berra, baseball player (1925–2015).
Re: Das morbide Gastmahl und die Alternative
βροχή schrieb am 15.12.2024 um 12:56 Uhr (Zitieren)
Viell. schwelgte Pacuvius einfach nur so weil er ein Militär war. Die Kombination hoher Militär u. üppige Mahle scheint nicht so ungewöhnlich, zb. Lukullus.