Commodus und das unterdrückte Lachen (384 Aufrufe)
Γραικύλος schrieb am 12.12.2024 um 00:08 Uhr (Zitieren)
Cassius Dio, Römische Geschichte (in der Epitome des Xiphilinos) LXXIII 21, 1 f.:
Commodus, der Sohn und Nachfolger Marc Aurels, regierte von 180 bis 192 u.Z., als er ermordet wurde.
(Cassius Dio: Römische Geschichte; hrsg. v. Otto Veh. Zürich/München 1986; Bd. V, S. 301)
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Γραικύλος schrieb am 12.12.2024 um 15:32 Uhr (Zitieren)
Mary Beard (Die Kaiser von Rom) vermutet, daß es sich um einen Strauß bzw. seinen Kopf handelte und daß die Szene im Amphitheater stattfand - vermutlich deshalb, weil an anderer Stelle überliefert ist, daß Commodus in der Arena u.a. einen Strauß geköpft hat.
Commodus ist das Vorbild für den Film "Der Gladiator" geworden.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
βροχή schrieb am 12.12.2024 um 15:57 Uhr (Zitieren)
Wie kann ein Strauß mit einem Sperling erwechselt werden?
beide fangen mit Σ an, enthalten ου
sonst wenig Ähnlichkeit.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
filix schrieb am 12.12.2024 um 16:47 Uhr (Zitieren)
(Herodian 1.15)
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
βροχή schrieb am 12.12.2024 um 20:18 Uhr (Zitieren)
... diese Sichelpfeilspitzen gibt es. Hat man auch die entspr. Köpfe der Strausse gefunden?
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Γραικύλος schrieb am 12.12.2024 um 22:45 Uhr (Zitieren)
Die Köpfe der Strauße? Nein, wie sollten die auch überdauert haben?
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
βροχή schrieb am 13.12.2024 um 05:46 Uhr (Zitieren)
In Form von Knochen wäre es gut mgl.
Wozu diese sichelförmigen Pfeilspitzen dienten, ist ansonsten umstritten.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Bukolos schrieb am 13.12.2024 um 09:09 Uhr (Zitieren)
Eine Frage der Interpretation: Als στρουθός konnten beide Spezies bezeichnet werden.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Patroklos schrieb am 13.12.2024 um 09:19 Uhr (Zitieren)
στρουθίον οἰκιακόν müsste sich auskennen. Sein großer Verwandter ist doch der Strauß. Wegen des langen Halses hieß er auch στρουθοκαμηλος, sehe ich. Kamel-Sperling.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 13.12.2024 um 10:50 Uhr (Zitieren)
Mir persönlich erscheint die Strauß-Variante plausibler: einem Spatz mit einem Schwert den Kopf abzutrennen erfordert schon eine sehr präzise Führung des Werkzeugs, auch die Menge austretenden Blutes, die dann dem Schwert anhaftet, dürfte da eher gering sein; nicht zuletzt kann man den abgetrennten Kopf einer größeren (Senatoren)Runde wesentlich schlechter präsentieren. Aber wie so oft gilt: wir sind nicht dabei gewesen :-)
Und warum hat der Strauß einen so langen Hals?
Damit er sich nicht so tief bücken muß, wenn er den Kopf in den Sand steckt ...
Meine direkten Verwandten hingegen baden nur darin (im Sand) ;-)
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Γραικύλος schrieb am 13.12.2024 um 11:19 Uhr (Zitieren)
Eine Begegnung mit Südafrikanern hat einmal die Information ergeben, daß Strauße nicht ihren Kopf in den Sand stecken. Diese Legende löste nur Kopfschütteln aus.
Ich verstehe jetzt noch besser, wie Frau Beard auf ihre Strauß-Hypothese gekommen ist.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
filix schrieb am 13.12.2024 um 11:38 Uhr (Zitieren)
στρουθίον οἰκιακόν schrieb am 13.12.2024 um 11:41 Uhr (Zitieren)
Aber für den Witz ist die Legende "grad gut genug", si non é vero ...
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Patroklos schrieb am 13.12.2024 um 11:50 Uhr (Zitieren)
Ist die Namensgleichheit derart unterschiedlicher Vögel womöglich ein Fall von „falschen Freunden“?
Unter „Bukolos“ kann man ja auch den ersten Bischof von Smyrna verstehen, den Heiligen Βουκολος (Dazu wahrscheinlich gleich mehr von „ihm“.).
Ansonsten gilt natürlich: Besser ein Spatz in der Hand als ein Strauß auf dem Dach.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
filix schrieb am 13.12.2024 um 13:26 Uhr (Zitieren)
Dass die Deckhandlung, den Lorbeerkranz zu verspeisen, an sich unauffällig wäre, weil quasi so üblich wie Kaugummikauen, scheint mir zweifelhaft und führt mich zur Frage, ob in der Schilderung nicht die ostentative Selbsterniedrigung vor dem Kaiser camoufliert werden soll, sieht man im Lorbeerkranz eine besondere Verdienstauszeichnung oder wenigstens einen Teil der senatorischen Amtstracht bzw. deren -würde.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Γραικύλος schrieb am 13.12.2024 um 19:47 Uhr (Zitieren)
In diese Richtung könnte auch die Behauptung weisen, man habe gelacht, was bei einer solch drohenden Geste des Kaisers merkwüridg erscheint.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
filix schrieb am 14.12.2024 um 12:41 Uhr (Zitieren)
Ja, eigentlich ein (fast zu schönes) psychoanalytisches Lehrbeispiel, was der Autor gerne getan hätte, den Kaiser nämlich auszulachen, wird in einer Deckerzählung präsentiert, in der, was eigentlich passierte, dass er sich vielmehr in seiner Amtswürde vor ihm erniedrigt hat, sc. seinen Lorbeer gefressen hat, aufblitzt.
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
βροχή schrieb am 14.12.2024 um 13:30 Uhr (Zitieren)
Lorbeer mag ich, es ist ein schmackhaftes Gewürz. Aber doch kein Gemüse! Mehrere Blätter auf einmal zu essen, ungenießbar. Das kann nur eine Metaphorik sein, und ja eine lächerliche, den Ruhm zu zerbeissen.
War es üblich damals im Alltag die Lorbeerkränze zu tragen? Oder nur zu besonderen Anlässen? War diese Sitzung so ein Anlass?
Re: Commodus und das unterdrückte Lachen
Γραικύλος schrieb am 14.12.2024 um 16:15 Uhr (Zitieren)
Sicherlich nur zu festlichen Anlässen. Oder zur Verdeckung einer Glatze.