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Altgriechisch Wörterbuch - Forum
Das Exlibris als Diebstahlsicherung (358 Aufrufe)
filix schrieb am 19.11.2024 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Wenn das klassische Anathema sit des Bücherfluches und der bloße Besitzvermerk nicht mehr genügen, den Schwund in der eigenen Bibliothek einzudämmen, gelingt dies vielleicht mit diesem Stempel (ins Gewissen):

His father, Dmitri Boleslavovich, had been a gentle, unworldly man who worked hard and handed his salary to his wife, keeping back just a small amount of tobacco money. […] He did not come at life directly. He had a special rubber stamp made, so that every item in his library was inscribed with the purple words: 'This book has been stolen from D. B. Shostakovich'.


(Julian Barnes: The Noise of Time)
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 19.11.2024 um 19:56 Uhr (Zitieren)
Eigentlich gehört das ja in den Paradoxiethread, denn das behauptete Faktum soll den Eintritt desselben verhindern.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Γραικύλος schrieb am 19.11.2024 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Das habe ich mal auf teurem Besteck in einem Restaurant graviert gelesen: "Gestohlen bei ..."

So vornehm waren die Gäste anscheinend nicht.

Beim Fernseh-Interview eines Wiener Soziologieprofessors war hinter ihm auf dem Bücherregal ein Zettel zu lesen: "Ich verleihe grundsätzlich keine Bücher. Schon gar nicht an meine Freunde."
Das normale Verständnis von Freundschaft läßt auch dies als paradox erscheinen, oder?
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Auch das Exlibris kursiert, wie ich festgestellt habe, schon seit dem 19. Jahrhundert als bibliophile's legend, ist also keine Erfindung von Vater Schostakowitsch (Barnes hat das aus einer Biographie) - e.g.:

It is told of a certain Irish bibliophile, who shared with other collectors an aversion to lending books, that his plate bore the legend: »This book was stolen es from the library of Timothy Kelly, Esquire, Cork.«


Ähnlich wie der Wiener Soziologieprofessor dachte auch der berühmte Photograph Edward Weston:

I do not lend books to friends. I do not want to lose my books or my friends.


James Wood (engl. Literaturkritiker und Romanautor):

There is a simple rule: practice a kind of generous selfishness. Give a book to a friend, but don’t lend it, because you will never get it back.


Lasse ich meine Bücherverluste Revue passieren, kann ich das nur bestätigen. Die selbstverständliche Erwartung, dass man in Freundschaften (und Familie) nichts unterschlägt, veruntreut oder stiehlt, stößt also beim Buch offenbar schnell an Grenzen.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 09:07 Uhr (Zitieren)
Es empfiehlt sich eine Dokumentation (Name, Datum). Das kann kleinlich und misstrauisch wirken, auch auf ein schlechtes Gedächtnis hindeuten. Daher: nur „in Abwesenheit“ dokumentieren. Und merken, wo das Ausleihbuch zu finden ist. Selbiges niemals verleihen!
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 11:27 Uhr (Zitieren)
Plot

Ein Spiel sich gegenseitig be- oder eher heimsuchender Bibliophiler: unter dem allen als solcher klaren Vorwand, das gesellige Tier in sich nicht verkümmern zu lassen und Kontakte zu pflegen, ist das wahre Ziel dieser Visiten, sich unentgeltlich in die Gewalt mindestens eines Buches des Gastgebers zu bringen.

Dabei besitzt der dreiste Diebstahl das geringste Ansehen, bringt entsprechend wenig Punkte ein, das Ausleihen hingegen wird nur noch von der Schenkung übertroffen. Das erfordert natürlich spezielle Verführungskünste, denen sich die Mehrzahl der Seiten widmet.

Der Gipfel aber wäre, sich des von dir empfohlenen Verzeichnisses zu bemächtigen und auf dem Heimweg sanft über das auf dessen erster Seite eingetragene Motto zu streicheln: Semel emissus volat irrevocabilis liber. Am Ende versinkt alles in einem paranoiden Chaos von vermeintlichen und wirklichen Verlusten.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 11:37 Uhr (Zitieren)
Folgende Sentenz von Walter Benjamin gilt nach wie vor:
Von allen Arten sich Bücher zu verschaffen, wird als die rühmlichste betrachtet, sie selbst zu schreiben.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 11:58 Uhr (Zitieren)
Ich erinnere mich nur unklar an eine besondere Buchschenkung. Womöglich hat jemand ein jugendlicheres Gedächtnis.
Eine Anekdote über Walter Benjamin, der nach einer Diskussion - oder war es eine Wette? - bei einer Gesellschaft in seiner Wohnung einen Gast aufforderte, sich ein Buch aus seiner Bibliothek auszuwählen. Der verlegene Gast suchte sich einen möglichst bescheidenen "Gewinn" aus und wählte ein unscheinbares, schmales Bändchen.
Es war eine signierte Erstausgabe von Goethes „Stella".
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 17:55 Uhr (Zitieren)
Der Gast im Grunwald war Asja Lacis, die Ausgabe nicht signiert (und vielleicht doch die von „Die natürliche Tochter“, da war sie sich unsicher), Bescheidenheit nicht das offensichtliche Motiv, vielmehr lockte ein goldgelber Streifen im Regal zur Wahl, das Beste fehlt noch: Als sie sieht, dass der Verlust ihn sehr schmerzen würde, wirft sie das Buch auf den Tisch und sagt: Hundert Mark. Benjamin zückt die Brieftasche.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 18:13 Uhr (Zitieren)
Vielen Dank! So etwa gegen 50% lag ich richtig. Filix, war das nun erneut eine mnemotechnische Leistung? Ist eine Quelle erinnerlich?
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 18:16 Uhr (Zitieren)
Nein, mir war die Anekdote unbekannt, man findet sie hier auf S.63f.:

https://monoskop.org/images/3/3c/Lacis_Asja_Revolutionaer_im_Beruf.pdf
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Der Schachzug, den von der Größe seiner Großzügigkeit Überforderten, der einen Verzicht auf das Geschenk aus Stolz ablehnen muss, die generöse Gabe zurückkaufen zu lassen, ist natürlich psychologisch brillant. Zur Einordnung des Schmerzes, der ihn diese Eitelkeit überwinden lässt:

Durchschnittliches Bruttoarbeitseinkommen der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer in der Weimarer Republik zur Zeit der Anekdote 1928/30 circa 170 Mark pro Monat. (Statista.de)
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Ich bedanke mich mit einer hübschen Abwegigkeit. Asja ist die Kurzform von Anastasia (die Auferstandene). In der Operette „Die Csárdásfürstin“ gbt es es ein witziges Duett: „Machen wir‘s den Schwalben nach, bau‘n wir uns ein Nest.“ Hier heißt die Comtesse nicht Anastasia, sondern Stasi.
 
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