filix schrieb am 19.11.2024 um 19:49 Uhr (Zitieren)
Wenn das klassische Anathema sit des Bücherfluches und der bloße Besitzvermerk nicht mehr genügen, den Schwund in der eigenen Bibliothek einzudämmen, gelingt dies vielleicht mit diesem Stempel (ins Gewissen):
(Julian Barnes: The Noise of Time)
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 19.11.2024 um 19:56 Uhr (Zitieren)
Eigentlich gehört das ja in den Paradoxiethread, denn das behauptete Faktum soll den Eintritt desselben verhindern.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Γραικύλος schrieb am 19.11.2024 um 23:24 Uhr (Zitieren)
Das habe ich mal auf teurem Besteck in einem Restaurant graviert gelesen: "Gestohlen bei ..."
So vornehm waren die Gäste anscheinend nicht.
Beim Fernseh-Interview eines Wiener Soziologieprofessors war hinter ihm auf dem Bücherregal ein Zettel zu lesen: "Ich verleihe grundsätzlich keine Bücher. Schon gar nicht an meine Freunde."
Das normale Verständnis von Freundschaft läßt auch dies als paradox erscheinen, oder?
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 00:38 Uhr (Zitieren)
Auch das Exlibris kursiert, wie ich festgestellt habe, schon seit dem 19. Jahrhundert als bibliophile's legend, ist also keine Erfindung von Vater Schostakowitsch (Barnes hat das aus einer Biographie) - e.g.:
Ähnlich wie der Wiener Soziologieprofessor dachte auch der berühmte Photograph Edward Weston:
James Wood (engl. Literaturkritiker und Romanautor):
Lasse ich meine Bücherverluste Revue passieren, kann ich das nur bestätigen. Die selbstverständliche Erwartung, dass man in Freundschaften (und Familie) nichts unterschlägt, veruntreut oder stiehlt, stößt also beim Buch offenbar schnell an Grenzen.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 09:07 Uhr (Zitieren)
Es empfiehlt sich eine Dokumentation (Name, Datum). Das kann kleinlich und misstrauisch wirken, auch auf ein schlechtes Gedächtnis hindeuten. Daher: nur „in Abwesenheit“ dokumentieren. Und merken, wo das Ausleihbuch zu finden ist. Selbiges niemals verleihen!
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 11:27 Uhr (Zitieren)
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 11:37 Uhr (Zitieren)
Folgende Sentenz von Walter Benjamin gilt nach wie vor:
Von allen Arten sich Bücher zu verschaffen, wird als die rühmlichste betrachtet, sie selbst zu schreiben.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 11:58 Uhr (Zitieren)
Ich erinnere mich nur unklar an eine besondere Buchschenkung. Womöglich hat jemand ein jugendlicheres Gedächtnis.
Eine Anekdote über Walter Benjamin, der nach einer Diskussion - oder war es eine Wette? - bei einer Gesellschaft in seiner Wohnung einen Gast aufforderte, sich ein Buch aus seiner Bibliothek auszuwählen. Der verlegene Gast suchte sich einen möglichst bescheidenen "Gewinn" aus und wählte ein unscheinbares, schmales Bändchen.
Es war eine signierte Erstausgabe von Goethes „Stella".
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 17:55 Uhr (Zitieren)
Der Gast im Grunwald war Asja Lacis, die Ausgabe nicht signiert (und vielleicht doch die von „Die natürliche Tochter“, da war sie sich unsicher), Bescheidenheit nicht das offensichtliche Motiv, vielmehr lockte ein goldgelber Streifen im Regal zur Wahl, das Beste fehlt noch: Als sie sieht, dass der Verlust ihn sehr schmerzen würde, wirft sie das Buch auf den Tisch und sagt: Hundert Mark. Benjamin zückt die Brieftasche.
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 18:13 Uhr (Zitieren)
Vielen Dank! So etwa gegen 50% lag ich richtig. Filix, war das nun erneut eine mnemotechnische Leistung? Ist eine Quelle erinnerlich?
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
filix schrieb am 20.11.2024 um 18:16 Uhr (Zitieren)
Nein, mir war die Anekdote unbekannt, man findet sie hier auf S.63f.:
filix schrieb am 20.11.2024 um 18:36 Uhr (Zitieren)
Der Schachzug, den von der Größe seiner Großzügigkeit Überforderten, der einen Verzicht auf das Geschenk aus Stolz ablehnen muss, die generöse Gabe zurückkaufen zu lassen, ist natürlich psychologisch brillant. Zur Einordnung des Schmerzes, der ihn diese Eitelkeit überwinden lässt:
Durchschnittliches Bruttoarbeitseinkommen der vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmer in der Weimarer Republik zur Zeit der Anekdote 1928/30 circa 170 Mark pro Monat. (Statista.de)
Re: Das Exlibris als Diebstahlsicherung
Patroklos schrieb am 20.11.2024 um 18:50 Uhr (Zitieren)
Ich bedanke mich mit einer hübschen Abwegigkeit. Asja ist die Kurzform von Anastasia (die Auferstandene). In der Operette „Die Csárdásfürstin“ gbt es es ein witziges Duett: „Machen wir‘s den Schwalben nach, bau‘n wir uns ein Nest.“ Hier heißt die Comtesse nicht Anastasia, sondern Stasi.